Interview mit Renaud Camus: Vom Großen Austausch zur Ideologie des «globalen Remplacismus». Die französische Schriftsteller-Legende ruft zum friedlichen Widerstand gegen den gleichmacherischen und seiner Meinung genozidalen Universalismus auf. In COMPACT-Spezial «Volksaustausch Geburtenabsturz und Überfremdung» finden Sie seinen Grundsatzbeitrag zum Großen Austausch. Hier mehr erfahren.

    _ Renaud Camus im Gespräch mit Matisse Royer

    Sie wurden bei Roland Barthes ausgebildet, Sie erhielten den Prix Amic der Académie française, Sie haben Kunstausstellungen organisiert. Sie sind also zuvörderst ein Mann der Literatur und der Kunst. Wie erklären Sie den Übergang von dieser Welt zu dem politischen und konzeptuellen Engagement, das man von Ihnen seit den 2000er-Jahren kennt? Gab es einen entscheidenden Moment, einen Wendepunkt?

    Nein, es gab keinen entscheidenden Moment und keinen Wendepunkt. Ich war stets von der Frage der Wahrheit besessen, und ich habe stets geglaubt, dass es die Aufgabe des Schriftstellers sei, sich zu den toten Winkeln einer Gesellschaft vorzuarbeiten, jenen, die trotz ihrer Offensichtlichkeit dem öffentlichen Ausdruck entgingen und Gegenstand einer Vernebelung waren, einer absichtlichen oder mechanischen. Der Austausch der Bevölkerungen und der Zivilisation war zugleich der umfassendste und grellste dieser blinden Flecken: ein ungeheures, gigantisches Phänomen, das bedeutendste in der europäischen Geschichte seit Jahrhunderten, von dem alle so taten, als nähmen sie es nicht wahr.

    Das Wort Volk steht im Mittelpunkt Ihres Denkens. Es ist jedoch ein Wort, dessen Definitionen variieren und sich widersprechen: Staatsvolk, ethnisches Volk, Kulturvolk, historisches Volk. Was genau ist Ihre Definition und was begründet Ihrer Ansicht nach die Legitimität eines Volkes auf einem Territorium?

    Ich bin von Ihrer Behauptung ein wenig überrascht. Mir war nicht aufgefallen, dass das Wort Volk für mich so bedeutend sei, aber Sie haben vielleicht recht. Es verhält sich mit ihm wie mit allen wesentlichen Begriffen, den am tiefsten in die Geschichte der Sprache eingeschriebenen: Die Definitionen jagen ihnen vergeblich nach, ohne sie je fassen zu können. Je mehr die Dinge und Begriffe einfach sind, desto schwieriger sind sie zu definieren. Nehmen Sie Rasse, Identität, Nation und so weiter. Ich glaube an die Geschichte, an Mythen, an die Etymologie, an die Tiefe der Zeit. Es sind die Geschichte, die Zeit, die Werke und die Mythen, die den Völkern und Rassen Rechte verleihen, über die nicht einmal die Demokratie sich hinwegsetzen kann. Wenn die Chinesen die Bevölkerung Tibets austauschen, was eines der vollkommensten Paradigmen des Grand Remplacement [Großen Austausches] ist, heben sie, auch wenn sie es mit Füßen treten, das Recht der Tibeter nicht auf, Herren ihres Schicksals und ihres Landes zu sein.

    Der Schriftsteller Jean Raspail («Das Heerlager der Heiligen») sagte, er sei «enttäuscht, Recht behalten zu haben». Sie haben erlebt, wie enge Freunde sich von Ihnen distanzierten, Sie wurden verurteilt, gegen Ihren Willen mit Taten in Verbindung gebracht, die Sie ablehnen, und doch setzen sich die Tatsachen, die Sie beschrieben haben, weiterhin in der öffentlichen Debatte durch, bis hin zu Staatschefs. Wie lebt man in dieser singulären Position: der eines Mannes, dessen Thesen an Boden gewinnen, während er selbst Persona non grata bleibt?

    Oh, ich hatte Zeit, mich daran zu gewöhnen, und mein Temperament bewirkt vielleicht, dass ich darunter weniger leide als andere es täten. Nein, was verzweifeln lässt, ist nicht das. Was verzweifeln lässt, ist, dass sich der Große Austausch als Bestandsaufnahme weit langsamer verbreitet als der Große Austausch als Tatsache, als entsetzliche Tatsache: der Genozid durch Substitution, die Vernichtung der Europäer und ihrer Zivilisation. Bis die Europäer begreifen, was ihnen geschieht, befinden sie sich bereits auf dem Abfallhaufen der Geschichte, wie die Meder, die Mayas, die Pikten oder die Moriori der Chatham-Inseln, denen ihr Grundgesetz, das Nunuku, es verbot, sich gegen eine Invasion zu verteidigen, weshalb sie die Maori mit offenen Armen empfingen, die sie dann niedermetzelten oder in die Sklaverei zwangen.

    Sie unterscheiden den Großen Austausch als demografisches Phänomen von einer Ideologie, die Sie «globalen Remplacismus» nennen, einer Konvergenz wirtschaftlicher, medialer und politischer Interessen, die diesen Austausch organisieren oder dulden. Können Sie die Akteure und Mechanismen dieses globalen Remplacismus so beschreiben, wie Sie ihn verstehen?

    Der Große Austausch, so gigantisch er auch sein mag, ist nur ein ganz kleiner Teil, doch er ist der Abschluss, die Krönung, der Gipfel dessen, was ich in der Tat den globalen Remplacismus [vom französischen «remplacer», ersetzen: eine Ideologie, die die universelle Ersetzungsmigration als Systemprinzip begreift] genannt habe. Menschen und Völker werden ersetzt, aber das ist nur die sinistre Vollendung eines ungleich umfassenderen mechanischen Unterfangens, in dem alles durch alles ersetzt wird.

    Volksaustausch ist noch gefährlicher

    Der Große Austausch ist keine Theorie; er ist ein Name für ein Phänomen, ein Name für eine Epoche und ihr bestimmendes Phänomen, ein Chrononym [Begriff, der eine Epoche durch ihr dominantes Ereignis benennt], und zugleich ist er ein Verbrechen, offensichtlich, das Verbrechen gegen die Menschlichkeit des 21. Jahrhunderts. Und dieses Verbrechen wird von jenen begangen, die es eine «Theorie» nennen. Der globale Remplacismus, weit umfassender, ist zugleich eine Theorie, eine totalitäre Ideologie und eine Machtstruktur, deren politisch-ökonomische Form die Davokratie ist, also die Manager-Verwaltung des menschlichen Parks durch das Wirtschaftsforum von Davos, die multinationalen Konzerne, die Banken, die Hedgefonds, Big Tech und Big Government. Ihr bewaffneter Arm ist der Bloc Génocidaire [«Genozidblock»; Camus meint Richter, Journalisten, Intellektuelle und Politiker, die seiner Ansicht nach den Großen Austausch befördern].

    Die Theorie des globalen Remplacismus beruht auf der Beobachtung, dass die Ersetzung die zentrale, wesentliche Handlung der Industrie- und Post-Industriegesellschaften ist. Doch sie bleiben Industriegesellschaften und sind es mehr denn je, wenn sie vollständig digital sind. Alles wird darin durch alles ersetzt: die originären Materialien durch ihre billige Imitate, die Literatur durch den Journalismus, die Kultur durch die Subkultur, die Musik durch Lärm, die Familiennamen durch Vornamen, die Arbeiter durch Maschinen, die Männer durch Frauen, Männer und Frauen durch Roboter, die Europäer durch Afrikaner, die Wirtschaft durch die Finanzwirtschaft, die Finanzwirtschaft durch das digitale Management, die Intelligenz durch die Künstliche Intelligenz usw.

    Plastik ist das Leitmedium des globalen Remplacismus, und es verseucht nicht nur die Ozeane und unsere Lungen. Die Gesellschaften des globalen Remplacismus sind ein Universum der Kopie, des Doubles, des Ersatzes, der Imitation, der Fälschung, des Simili, des Faksimiles, des Surrogats, der Assimilation. Daraus folgt übrigens, dass das Falsche ihnen wesensgemäß ist. Das ist es, was ich den «faussel» – das falsch Wirkliche, das wirklich Falsche: eine imaginäre Welt, in der das Geschehende nicht geschieht – genannt habe, eine Art verallgemeinerter Truman-Show, in der die Information ein Filter und ein Todestrank ist, in der selbst Kummer, Leid und Schmerz, die einst als letzter Beweis des Wahren galten, zur bloßen «Vereinnahmung» erklärt werden: Wenn man über die Verbrechen des globalen Remplacismus weint, «vereinnahmt» man sie nur.

    Das Konzept der Matière Humaine Indifférenciée ist einer Ihrer originellsten Beiträge zur Debatte – die Idee, dass das globale Wirtschaftssystem die Menschen als austauschbare Einheiten behandelt, ohne Verwurzelung, ohne Zugehörigkeit. Erscheint Ihnen dieses Konzept als Erbe der klassisch-liberalen Tradition, die zu ihrem letzten Schluss getrieben wird, oder als etwas Spezifischeres für unsere Epoche?

    Beides: Die Matière Humaine Indifférenciée, nach Belieben austauschbar, ist das Ergebnis eines sehr langen Prozesses, der auf die Industrielle Revolution datiert werden kann, ja sogar auf die Krise des europäischen Bewusstseins, um mit Paul Hazard zu sprechen, oder sogar auf jene große Revolution des westlichen Bewusstseins, die sich in Europa zu Beginn des 17. Jahrhunderts mit einem Descartes, einem Huygens oder einem Galilei vollzieht.

    Der Mensch, insbesondere ab der Zweiten Industriellen Revolution, der amerikanischen, dem Taylorismus, dem Fordismus, der treffend benannten Montagelinie (inspiriert von den Schlachthöfen Chicagos), findet sich dort schrittweise aller seiner Zugehörigkeiten enteignet: Familie, Provinz, Nation, Kultur, Klasse, Rasse. Er wird verflüssigt wie die Gesellschaft um ihn herum, wovon das Werk von Zygmunt Bauman auf großartige Weise zeugt. Enteignung und Verflüssigung sind das Vorspiel zur Liquidierung, ob diese sich durch Genozide und faktische Auslöschungen manifestiert oder durch einen Genozid durch Substitution, durch Ersatz, wie alles andere auch. In den Gesellschaften des globalen Remplacismus sind sogar die Genozide durch Substitution.

    Sie haben mehrere Bücher dem gewidmet, was Sie die «Dezivilisierung» und die «große Dekulturation» nennen, und insbesondere dem Zusammenbruch der Sprache als deren erstem Symptom. Als Schriftsteller, der dem ausgewogenen Satz und dem Stil zutiefst verbunden ist, wie beurteilen Sie den Zustand der französischen Sprache heute? Gibt es noch Orte, wo sie sich behauptet?

    Oh, ich zweifle nicht daran, dass es Orte und Menschen gibt, wo sie sich so gut es geht behauptet, oft tapfer, manchmal glänzend. Aber insgesamt, und da wir von Verflüssigung sprachen, ist sie davon sehr schwer betroffen. Vor unseren Augen schmelzen, wie unter dem Einfluss einer dauerhaften Hitzewelle, ganze Teile ihrer Struktur: Zeiten existieren nicht mehr, Modi sind verschwunden, tausend Kongruenzen werden nicht mehr vollzogen. Man muss das Subjekt fortwährend verdoppeln («La France, elle …», «le problème il est là …»), als fürchte man, es sei zu schwach, zu krank, um bis zum Verb durchzuhalten. Die Menschen verstehen einander immer weniger, untereinander und in sich selbst. Allerdings glaube ich nicht, dass dies spezifisch für die französische Sprache ist. Die Zeitgenossen und Opfer des globalen Remplacismus überlassen das Denken immer stärker den Maschinen.

    Um die Frage auf das auszuweiten, was Sie «Dezivilisierung» und «große Dekulturation» nennen: Diese Entfremdung zwischen einem Volk und seiner Sprache betrifft nicht nur Frankreich. Das Deutsche, das Niederländische, die skandinavischen Sprachen, alle durchlaufen vergleichbare Wandlungen. Glauben Sie, dass wir Zeugen eines genuinen europäischen Phänomens sind, einer zeitgleichen Auflösung aller großen Zivilisationssprachen des Kontinents?

    Ich glaube, wir erleben ein weltweites Phänomen, eine Art Infantilisierung der Spezies Mensch, zu der die Musik und die Beschallung, der Tanz oder die Trance, die Droge, das Showgeschäft als Weltspektakel, der Fußball als Opium des Volkes, das Fanwesen, die Massenverblödung, die Erziehung zum Vergessen, das collège unique [französisches Einheitsgymnasium, das seit 1975 alle Schüler unabhängig von Niveau und Begabung in dieselbe Schulform zwingt], die Ausrottung der gebildeten Klasse, merkwürdigerweise gleichzeitig mit der Ausrottung des Bauerntums, erheblich beigetragen haben.

    Seit 1992 bewohnen und beleben Sie das Château de Plieux im Gers, wo Sie Kolloquien und Ausstellungen zeitgenössischer Kunst organisiert haben, wo Sie malen und Ihr Tagebuch schreiben. Ist Plieux für Sie eine Form konkreten Widerstands gegen die Dezivilisierung? Ein Laboratorium dessen, was ein verwurzeltes Leben sein könnte?

    Ja, zweifellos, in gewissem Maße, obwohl ich dort seit Langem keine öffentliche Tätigkeit mehr entfalte, weder Kolloquien noch Ausstellungen. Ich glaube sehr stark an eine Politik der Heiligtümer, die der der Klöster im frühen Mittelalter, zur Zeit der großen Invasionen, recht ähnlich ist. Es braucht Heiligtümer für die Schönheit, Heiligtümer für die Kultur, Heiligtümer für das geistige Leben, Heiligtümer für die Musik, Heiligtümer für die Stille, Heiligtümer für die Einsamkeit. Es war, um die Einsamkeit zu ermöglichen, dass die Zivilisation erfunden wurde, die Paranoia, der Pakt der In-nocence [der Nicht-Schädigung; das Prinzip, niemandem zu schaden als Grundlage des Zusammenlebens], das Weniger für das Mehr. Es braucht Festungen für den Widerstand, in denen bewahrt wird, was bewahrt werden kann, zum Nutzen künftiger Generationen, und die als Stützpunkte einer höchst wünschenswerten Rückeroberung dienen können, indigen und dekolonial.

    Remigration wird von Politikern, Aktivisten und Demografen gefordert und verteidigt. Sie aber sind Schriftsteller, und Sie verteidigen sie mit Worten, die kein anderer verwendet: die Schönheit, die Landschaft, der Satz, die Trauer. Was bringt die Literatur in diese Debatte ein, was die Politik nicht leisten kann?

    Ein Erzittern des Sinns vielleicht, wie Chateaubriand von einem «bewundernswerten Erzittern der Zeit» spricht, für die Hand der Maler des Genies in ihrem hohen Alter. Einen Irrealismus, eine Inkompetenz, eine Verachtung der lähmenden Zufälligkeiten. Die Spezialisten sehen die Dinge nicht, sie sind zu nah dran. Die Experten blenden sich selbst und blenden uns, weil sie zu viele Daten berücksichtigen, die ihnen das Offensichtliche verbergen. Neun Zehntel der Soziologie der letzten fünfzig Jahre waren nichts als ein riesiges Verdunkelungsunternehmen, ein geschwätziger Negationismus im Dienste des genozidalen globalen Remplacismus.

    Im April 2025 wurde Ihnen die Einreise in das Vereinigte Königreich verweigert, um eine Rede zur Remigration zu halten; der britische Staat befand, Ihre Anwesenheit sei «dem öffentlichen Interesse nicht zuträglich». Diese Rede wurde schließlich unter dem Titel «The Bourne Speech» veröffentlicht. Wie deuten Sie diese Einreiseverbote gegen europäische Intellektuelle und Aktivisten, die sich häufen?

    Der Bloc Génocidaire ist ungeduldig und will den Genozid durch Substitution zu Ende führen. Er sieht das Ziel, er sagt sich, er sei fast dort angelangt, sodass bald die Verflüssigung der Spezies vollständig sein werde, genau wie die Bidon-Monde [Scheinwelt: eine universelle Attrappenwirklichkeit] ohne Rückkehrmöglichkeit und ohne Fluchtweg, da sie universell sein wird. Gleichzeitig macht diesen Block das Nahen des absoluten Sieges nervös; er lebt in der Furcht, dass ein Funke der Wahrheit alles im letzten Moment verbrennen könnte. Diese ermutigende Nervosität legt ihn in seiner totalitären Wirklichkeit bloß.

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    Die Verbote häufen sich, die Verurteilungen prasseln hernieder, ruinöse Bußgelder werden von allen Seiten verhängt. Ich wurde jüngst erneut zur Gendarmerie vorgeladen wegen «Aufstachelung zu Rassenhass», weil ich in einem Tweet über Saint-Denis, von der «négropole des rois» (wörtlich: Königsnekropole; traditionelle Bezeichnung für die Basilika Saint-Denis als Grablege der französischen Monarchen, von Camus als demografische Aussage verwendet] gesprochen hatte. «Hass» ist die Bezeichnung, die der Bloc Génocidaire jedem Einwand gegen sein Verbrechen gibt. Nicht weniger als diese unermüdliche repressive Bleischwere ist nötig, um, gegen die möglichen Einbrüche der Wahrheit, den staatlichen Neonegationismus aufrechtzuerhalten, jenen «faussel» , den wir soeben als dem genozidalen globalen Remplacismus wesensgemäß erkannt haben.

    Sie denken, schreiben und kämpfen zunächst auf Französisch, aber Ihre Ausstrahlung ist entschieden europäisch und sogar weltumfassend geworden. Was bedeutet es für Sie, im gegenwärtigen Kontext Europäer zu sein? Und glauben Sie, dass die französische Identität und die europäische Identität komplementär oder sich in einem Spannungsverhältnis befindet?

    Oh, vollkommen komplementär. Ich fühle mich ebenso europäisch wie französisch. Ein gebildeter Franzose von einst war vollständig von europäischer Kultur durchdrungen. Die romanische Kunst Sachsens oder Altkastiliens war ihm beim ersten Blick ebenso vertraut wie jene der Bourgogne und der Auvergne. Shakespeare nahm in seiner Traumwelt ebenso viel Raum ein wie Corneille oder Racine. Er war durchaus bereit, Turner als den größten europäischen Maler anzuerkennen.

    Es konnte sehr wohl vorkommen, dass ihm Leopardi wertvoller erschien als Lamartine und Gustav Mahler als Fauré. Ein Sartre oder gar ein Camus bedeuteten ihm wenig neben einem Heidegger. Er fand Norwegen noch schöner als Schottland und Schottland ergreifender als das Artense oder das Cézallier [zwei Hochplateaus im Massif Central, für Camus Inbegriff der stillen, wurzeltiefen europäischen Landschaft]. Fort mit den Kolonialländern, sagte er mit Barnabooth, die für nur die Wunder der Natur für sich haben und es nicht einmal verstanden haben, sich einen Theokrit zu erschließen. Und mit Rimbaud: Europa, deine Wehren, die alten misse ich! Ach, heute sind wir die Kolonialländer, jedenfalls die kolonisierten.

    Unsere Leser sind Deutsche und Europäer, vereint durch das Gefühl, dass etwas Wesentliches im Begriff ist, verloren zu gehen. Welche Botschaft richten Sie an sie?

    Empört euch! Kommt aus euren Verstecken! Verlasst die Anonymität! Geht auf die Straße! Zerstört nichts! Stehlt nichts! Seid in-nocent [verursacht keinen Schaden]! Tötet nicht, verletzt nicht, seid nicht böse, das macht gemein. Unterscheidet, sortiert, diskriminiert. Wachst schrumpfend und diskriminiert. Trefft eure Wahl zwischen Gleichheit und Wahrheit – ihr könnt nicht beides lieben. Vertieft die Ungleichheiten, lest ein Buch! Macht euch euch selbst gegenüber ungleich. Hasst nicht, das ist zu viel der Ehre: verachtet, wenn nötig, dann verachtet eure eigene Verachtung.

    Liebt die Ethnien, die Hautfarben, die Nuancen der Seele, die Kulturen, die Zivilisationen, die arabische Architektur, die afrikanische Kunst, die belgische Musik, César Franck, Guillaume Lekeu, die wunderbare Vielfalt der Welt, die die Ersatz-Diversität erstickt. Seid nicht xenophob; verteidigt die Fremdheit der Erde und der Wesen, die der globale Remplacismus ermordet. Entledigt euch nicht der Musik, kehrt im Gegenteil zur Musik zurück, die die Seele Europas war und an deren Verhöhnung zugunsten der afro-industriellen Trance Europa stirbt, dieses Trommelschlags leuchtender, blinkender Röhren in den prä-posthumen Wiederbelebungssälen.

    Die Trance ist die Gefährtin aller Trans: Klassenüberläufer, Rassenüberläufer, Geschlechtsüberläufer, Überläufer der Wahrheit, die selbst eine Überläuferin aus dem Lager der Sieger ist, um Simone Weil zu paraphrasieren. Schert euch nicht um eure Renten; durch sie hält euch die davokratische Maschinerie in der Hand. Schmeißt eure Taschenrechner weg! Ignoriert den Preis der Dinge; kümmert euch nur um ihren Wert und die Freude, die sie euch bereiten. Die Zahlen sind das, was euch am meisten belogen hat.

    Denkt daran, dass ihr die einzigen Ureinwohner in Europa seid! Die einzigen legitimen Dekolonialialisierer auch. Dekolonisierung und Remigration sind Synonyme. Gebt den aufgezwungenen Kolonialbesatzer seinen Heimatländern zurück und den Okkupanten seinen schmutzigen Berechnungen.

    Renaud Camus (*1946) ist mehrfach ausgezeichneter Schriftsteller und Autor eines umfangreichen Werks, das persönliche Tagebücher, Elegien, Romane, kunstkritische Schriften und philosophische Essays umfasst. 2011 veröffentlichte er mit «Le Grand Remplacement» («Der Große Austausch») ein politisches Buch, das zugleich einen neuen Begriff schuf. Seitdem gilt er dem Establishment als Persona non grata.

    Die wahre Lage ungeschönt: In COMPACT-Spezial «Volksaustausch – Geburtenabsturz und Überfremdung» finden Sie nicht nur den Grundsatzbeitrag von Renaud Camus zum Großen Austausch, sondern auch die Fakten zur demografischen Katastrophe – und wie wir sie noch verhindern können. Hier mehr erfahren.

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