Merz hat geschafft, was niemand vor ihm konnte. Ganz Deutschland diskutiert jetzt ernsthaft, ob der Begriff „Lackaffe“ strafbar ist. Dabei könnte sich der Kanzler um ganz andere Probleme kümmern. Aber vielleicht ist es für ihn jetzt auch schon egal. Die Frage ist schließlich nicht mehr, ob Merz stürzen wird, sondern wann. Wir zeigen Ihnen den im Rahmen unserer druckfrischen Juni-Ausgabe den Fahrplan zur Kanzlerdämmerung. Hier mehr erfahren.

    Man kann über Friedrich Merz sagen, was man will. Eines muss man ihm aber lassen. Er hat es geschafft, dass ganz Deutschland über die kreativsten Schimpfwörter des Internets diskutiert. Merz kämpft seit Amtsantritt emsig gegen Facebook-Kommentatoren. Die Welt bezeichnete ihn schon im letzten Jahr als einen „der empfindlichsten Politiker in der Geschichte der Bundesrepublik“.

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    Bereits vor seiner Kanzlerschaft stellte er hunderte Strafanträge. Die interne Zählung ging bis fast 5.000. In mindestens zwei Fällen kam es zu Hausdurchsuchungen, darunter bei einer schwerbehinderten Rentnerin im Rollstuhl, die „kleiner Nazi“ geschrieben hatte. Trotz sofortigem Geständnis wurde ihr Handy beschlagnahmt. Die Bezeichnung „Drecks Suffkopf“ wurde später vom Gericht als rechtswidrig eingestuft. Merz spendete die kassierten Bußgelder  für soziale Projekte im Hochsauerland. Wie edelmütig!

    „Und das alles wegen dem Lackaffen“

    2025 wurde er Kanzler, und das System lief weiter auf Turbo. Allein in der zweiten Hälfte dieses Jahres kamen über 170 neue Fälle dazu. Der aktuelle Lackaffen-Coup spielte sich in Heilbronn ab. Ende Oktober 2025 war Merz dort zum Spatenstich für den Innovation Park Artificial Intelligence. Die Polizei Heilbronn postete auf Facebook Angaben zum Flugverbot und zu Security-Maßnahmen rund um den Kanzler-Besuch. Darunter explodierten fast 400 Kommentare. Die Behörden pickten 38 davon raus und prüften sie auf Strafbarkeit.

    Ein Nutzer schrieb sinngemäß „Und das alles wegen dem Lackaffen“ plus drei Kotz-Emojis. Die Staatsanwaltschaft Heilbronn befand, dass dies keinerlei sachlichen Bezug zur Politik habe, sondern eine reine persönliche Ehrverletzung nach § 188 StGB darstelle. Das Amtsgericht erließ einen Strafbefehl über 30 Tagessätze. Der Betroffene hat Einspruch eingelegt. Das Verfahren endete dann doch recht glimpflich. Das Gericht stellte es gegen Zahlung einer Geldauflage von 100 Euro ein.

    Zum direkten Vergleich: Eine Verfahren wegen „Pinocchio kommt nach Heilbronn“ wurde eingestellt. Das sei noch zulässige Meinungsfreiheit. Laut Digitalem Wörterbuch der deutschen Sprache ist ein „Lackaffe“ ein „geschniegelter, geckenhafter Mann“. Pinocchio allerdings, wie jedes Kind weiß, steht für einen notorischen Lügner. Die Justiz urteilte also, dass man Merz einen notorischen Lügner nennen darf, aber nicht, dass er aussieht wie ein eitler Schnösel.

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