Dieses Bild empörte Millionen Christen in aller Welt: Im Südlibanon drischt ein Mann in Uniform mit dem Hammer auf eine Jesus-Statue ein, die von einem Kruzifix heruntergerissen wurde. Nun räumte die israelische Armee ein: Das ist einer ihrer Soldaten. In unserer druckfrischen Mai-Ausgabe mit dem Titelthema „Zions Höllenritt – Wie Netanjahu die USA in den Untergang reißt“ setzen wir solche Vorfälle in einen größeren Kontext. Hier mehr erfahren.
Am Wochenende machte ein verstörendes Bild aus dem umkämpften Süden Libanons die Runde. In den sozialen Medien wurde ein Foto geteilt, das einen Uniformierten zeigt, wie er mit einem Hammer auf eine lebensgroße Statuette von Jesus Christus eindrischt. Die Figur gehörte offenbar zu einem Kruzifix, von dem sie offenbar zuvor heruntergerissen wurde. Was bislang nur ein Gerücht war, wurde nun offiziell bestätigt: Bei dem Soldaten handelt es sich um einen Angehörigen der israelischen Streifkräfte (IDF).
Der umkämpfte Süden
Die israelische Armee rückt seit dem 12. März im Schatten des Irankrieges in den Jabal Amel – so der arabische Name für libanesische Gebiete südlich des Litani-Flusses – vor. Die 146. Infanteriedivision der IDF hat den westlichen Abschnitt bis zum Kap Ras al-Bayada eingenommen. Weitere Verbände haben den Strom erreicht, fünf Brücken gesprengt, den Süden des Landes vom Rest abgeschnitten. Doch seit Wochen rennen die israelischen Soldaten vergeblich gegen die Hisbollah-Hochburg Khiam an.

Die Merkava-Panzer wälzen sich durch jahrhundertealte Gassen, die für Eselskarren gebaut wurden. Von den umliegenden Hügeln aus sind sie ein leichtes Ziel. Am 6. April meldete der Hisbollah-Sender Al-Manar Treffer an drei Merkavas durch Abwehrraketen an den Stadträndern.
Der Blutzoll für die libanesische Bevölkerung ist furchtbar. Denn die IDF kämpft nicht nur im Süden gegen Hisbollah-Stellungen, sondern bombardiert im ganzen Land, auch Wohnviertel in Beirut, sogar christliche Dörfer. Das Gesundheitsministerium in der libanesischen Hauptstadt meldete in den ersten sechs Wochen 1.497 Tote und 4.639 Verletzte.
Empörung über Schändung Jesu
Christen machen etwa 30 Prozent der Bevölkerung im Libanon aus und bilden damit eine der größten christlichen Gemeinschaften im Nahen Osten, deren Anteil jedoch durch Auswanderung sinkt. Politisch sind die Anhänger Jesu durch das sogenannte Ta’if-Abkommen verfassungsrechtlich verankert, wobei der Präsident traditionell ein maronitischer Christ ist. Durch den Konflikt zwischen Hisbollah und Israel, insbesondere im Süden Libanons, sind nun auch die Christen stark gefährdet und in Kriegshandlungen verstrickt.
Following the completion of an initial examination regarding a photograph published earlier today of an IDF soldier harming a Christian symbol, it was determined that the photograph depicts an IDF soldier operating in southern Lebanon.
The IDF views the incident with great… https://t.co/U6P3x8KWBb
— Israel Defense Forces (@IDF) April 19, 2026
Das Foto des IDF-Angehörigen, der die Jesus-Statue mit dem Hammer zerstört, hat deswegen auch eine hohe symbolische Kraft. Wie im Westjordanland unterscheiden die Israelis auch im Libanon nicht zwischen Islamisten und Iran-Unterstützern und der teils christlichen Zivilbevölkerung. Mehr noch: Innerhalb der israelischen Armee gibt es tief sitzende Ressentiments gegen Christen.
Daher beeilt sich die israelische Armeeführung nun auch, den Vorfall zu verurteilen, um die erhitzten Gemüter zu beruhigen. Gegen die Beteiligten würden angemessene Maßnahmen ergriffen, hieß es seitens der IDF auf X. Man nehme den Vorfall äußerst ernst, das Verhalten des Soldaten sei in keiner Weise mit den Werten vereinbar, die von Soldaten erwartet würden, so die Offiziellen. Darüber hinaus wolle man die betroffene Gemeinde bei der Wiederherstellung des Kruzifixes an seinem Standort unterstützen.
Groß-Israel im Auge
Der Vorfall ereignete sich nur wenige Tage, nachdem US-Präsident Donald Trump eine zehntägige Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz im Libanon verkündet hatte. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu unterstrich dennoch, dass die IDF-Einheiten in einer „verstärkten Sicherheitszone“ im Südlibanon bleiben sollen. Die Lage bleibt unklar, zumal beide Seiten trotz der Waffenruhe weiter Beschuss melden.
Kritiker bezweifeln, dass es Israel im Libanon nur um die Ausschaltung der Hisbollah gehe. Seit 1967 besetzt Israel Territorium weit über seine völkerrechtlich anerkannten Grenzen hinaus. Aktuell wurden die Annexionen erheblich ausgeweitet, auch im Libanon. „Die Wurzeln des Krieges liegen in einer religiösen Heilserwartung, die Jahrtausende überlebt hat und heute Panzer bewegt: eine Prophezeiung aus dem Alten Testament, die von der israelischen Rechten zur Staatsräson erhoben wurde“, heißt es dazu in der druckfrischen Mai-Ausgabe von COMPACT-Magazin mit dem Titelthema „Zions Höllenritt – Wie Netanjahu die USA in den Untergang reißt“.
Gemeint ist das Projekt Groß-Israel. Die Bibel nennt die Grenzen des Heiligen Landes an mehreren Stellen: In Genesis 15:18 schließt Gott einen Bund mit Abraham: „Deinen Nachkommen will ich dieses Land geben, vom Strom Ägyptens bis zum großen Strom Euphrat.» Deuteronomium 11:24 wiederholt die Verheißung:
„Von der Wüste bis zum Libanon, vom Euphrat bis ans Mittelmeer soll euer Gebiet sein.“
Dazu kann man in COMPACT 5/2026 weiter lesen:
„König David, um 1000 vor Christus, ist jene Gestalt, die dem Versprechen am nächsten gekommen sein soll. Der Hirtenjunge aus Bethlehem erschlug nach biblischer Überlieferung den Riesen Goliath, einte die israelitischen Stämme und machte Jerusalem zur Hauptstadt. Er herrschte aber nur über ein recht kleines Gebiet, das nicht den heutigen Libanon und Syrien umfasste. Wie groß es wirklich war, darüber streiten Historiker bis heute. Israel Finkelstein von der Universität Tel Aviv schätzt Davids Herrschaftsgebiet auf rund 1.600 Quadratkilometer, etwa die Größe Berlins. Seine Kollegin Einat Mazar kommt auf maximal 15.000 Quadratkilometer. Die Bibel zeichnete das Traumbild eines Großreichs. Die Archäologie findet aber nur einen Kleinstaat.“
Abgesehen davon ist die Gleichsetzung des modernen Staates Israel mit dem biblischen Volk Israel historisch und religionswissenschaftlich unhaltbar. Selbst Tzipi Livni, ehemalige Außenministerin und Vizepremierministerin sowie frühere Mossad-Agentin, sieht mittlerweile alle roten Linien überschritten.
„Israel hat keine anerkannten Grenzen, es gibt kein einheitliches Gesetz mehr und keine Gerechtigkeit für alle, sondern ein religiöses Rechtssystem und eine religiöse Justiz parallel zum staatlichen Recht, und bewaffnete und gewalttätige Milizen entfachen nach Belieben Unruhen. Die israelische Regierung zerstört den Staat Israel“, so ihr vernichtendes Urteil über Netanjahus Höllenritt im Nahen Osten.
Trotz Waffenruhe kein Frieden in Sicht: In unserer druckfrischen Mai-Ausgabe mit dem Titelthema „Zions Höllenritt – Wie Netanjahu die USA in den Untergang reißt“ sezieren wir das Kriegsgeschehen im Nahen Osten schonungslos. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie die israelische Regierung die Vereinigten Staaten immer tiefer in eine Eskalation hineinzog und welche Folgen dies nicht nur für die Region, sondern die ganze Welt hat. Ein Blick hinter die Kulissen, den die Mainstream-Medien sich nicht trauen. Hier bestellen.





