Der Zionismus als Staatsideologie Israels ist tiefreligiös aufgeladen und hat eine endzeitliche Dimension. Diese Irrationalität macht den Iran-Krieg hochexplosiv. Ein Auszug aus unserer April-Ausgabe mit dem Titelthema «Gefahr für Deutschland». Brandaktuell! Hier mehr erfahren.
_ von Alexander Dugin
Wie jede Religion ist das Judentum ein komplexes Phänomen, das Metaphysik, Geschichte und Philosophie umfasst, mit zahlreichen Interpretationen, die sich manchmal widersprechen. Wir werden untersuchen, wie der Zionismus in diese Tradition passt und warum er sowohl als ihre Fortsetzung als auch als ihre Widerlegung wahrgenommen werden kann.
Das Judentum als Religion ist mit der Idee verbunden, dass die Juden das auserwählte Volk sind. Primär in einem religiösen Sinn, weil dieses Volk auserwählt wurde, um:
- dem einen Gott treu zu bleiben, zu einer Zeit, da andere Völker, gemäß dem Judentum, von diesem Monotheismus abgewichen waren, und
- auf seinen Boten, den Messias (Mashiach), zu warten, der zum König von Israel und Herrscher der Welt gekrönt werden wird.
Das hebräische Wort Mashiach bedeutet «Gesalbter» oder «zum Königtum Gesalbter». Dasselbe Wort auf Griechisch ist Christos. Aber das Christentum basiert auf der Überzeugung, dass der Messias bereits in die Welt gekommen ist. Das ist unsere Religion. Der grundlegende Unterschied zum Judentum liegt darin, dass die Juden glauben, der Messias sei noch nicht gekommen, und sie deshalb Jesus Christus nicht als einen solchen anerkennen. Das ist der Kernunterschied.
Exil und Buße
Als Nächstes ergibt sich ein extrem interessanter Punkt: Gemäß der jüdischen Religion gingen die Juden zu Beginn des ersten Millenniums, in den 70er Jahren nach Christi, ins Exil (das vierte Exil). Das geschah, nachdem die Römer eine Strafoperation gegen die rebellische Provinz durchführten. Der Zweite Tempel wurde zerstört. Die Juden verließen Palästina (das Heilige Land). Und so begann die zweitausendjährige Ära der Zerstreuung.

Diese Ära hat eine religiöse Bedeutung, wie sie in der jüdischen Tradition detailliert beschrieben wird. Der Zweck der Zerstreuung ist es, für die Sünden Israels zu sühnen, die in früheren historischen Phasen angehäuft wurden. Wenn diese Sühne echt ist und die Buße (Teshuvah) tiefgehend, wird gemäß der jüdischen Tradition der Messias als Segen des jüdischen Gottes für die Taten seines auserwählten Volkes erscheinen. In einem solchen Fall wird das Erscheinen des Mashiach ein Zeichen von oben für die Rückkehr der Juden nach Israel, die Errichtung eines unabhängigen Staates und den Bau des Dritten Tempels in Jerusalem an der Stelle des zerstörten Zweiten Tempels sein. (…)

Sabbatai Zvi und der heilige Verrat
Um zu verstehen, wie es dazu kam, dass der moderne israelische Staat in vollständigem Widerspruch zur jüdischen Religion in ihrer orthodoxen, talmudischen Formulierung steht, müssen wir tiefer graben und mindestens bis ins 17. Jahrhundert zurückgehen, in die Ära des Pseudo-Messias Sabbatai Zvi (manchmal auch Zwi oder Zevi geschrieben). Wie Gershom Scholem schreibt, war er der erste Vorbote des Zionismus. Zvi erklärte, dass er selbst der Mashiach sei, und daher hätten die Juden nun das Recht, ins gelobte Land zurückzukehren.
Zvi erlitt ein tragisches Ende. Als er vor dem osmanischen Sultan erschien und forderte, dass Palästina ihm als Messias übergeben werde, sagte der osmanische Sultan: «Ich habe einen anderen Vorschlag für Sie, Herr Sabbatai Zvi: Wenn Sie weiterhin diesen Unsinn von sich geben, werde ich Ihnen den Kopf abschneiden. Aber wenn Sie überleben wollen, nehmen Sie sofort den Islam an.»
An diesem Punkt macht Zvi eine seltsame Geste. Er setzt einen Turban auf und sagt: «Sie haben recht, Sie gewinnen; ich bin kein Messias – lassen Sie mich nun den Islam predigen.»
Er wurde verschont, aber welch eine Enttäuschung, welch ein Schlag für die jüdische Gemeinschaft, die schon bereit war, den Sabbatianismus anzunehmen! Dieser wurde vom orthodoxen Judentum abgelehnt, verschwand aber nicht vollständig und breitete sich weiter aus, insbesondere unter aschkenasischen Juden in Osteuropa, fast unterirdisch. In genau denselben Regionen, in denen er sich ausbreitete, begann der Chassidismus Gestalt anzunehmen – eine Bewegung, die keine scharfe eschatologische und messianische Orientierung hatte, aber den Fokus auf die Verbreitung der Kabbala unter einfachen Leuten legte. (…)
Die Abwehr des Talmuds
Das Wesen des Zionismus liegt darin, dass er eine Art «jüdischer Satanismus» ist. Nicht Satanismus im Verhältnis zu anderen Völkern oder Kulturen, sondern Satanismus innerhalb des Judentums – das heißt, eine Umkehrung der Werte. Wenn das klassische orthodoxe Judentum darauf beharrt, dass der Sinn des jüdischen Daseins in der Zerstreuung (Galut) darin besteht, auf den Mashiach zu warten, der von außen kommen wird, und erst dann ins Verheißene Land zurückzukehren, basiert der Zionismus auf dem Prinzip, dass die Juden selbst Gott sind.
Deshalb können sie sofort nach Palästina zurückkehren und das durch Gewalt tun, wodurch sie das talmudische Verbot ablehnen und zum Bau des Dritten Tempels übergehen. Das Erscheinen des Retters wird der Höhepunkt dieses messianischen Prozesses sein, aber im Wesentlichen ist jeder Israeli der Mashiach.
Daher das völlig spezifische Verhältnis zwischen Zionismus und Judentum. Einerseits ist der Zionismus eine Fortsetzung des Judentums; andererseits ist er eine Widerlegung dieser Religion, da er ihre fundamentalsten Prinzipien ablehnt: die Kultur des frommen Wartens und die Kultur der Buße. Darüber hinaus behaupten Zionisten, dass die Juden nichts zu bereuen haben – sie haben genug gelitten. Die Juden sind Gott – nicht nur «das Volk Gottes», sondern Gott selbst. Deshalb gilt kein Gesetz für sie; sie sind ihr eigenes Gesetz. (…)
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