Netanjahu schwärmt nicht zufällig von der baldigen Ankunft des Messias. Er verfolgt einen gruseligen Plan. COMPACT hat dies in der entlarvenden Ausgabe „Der Brandstifter“ gründlich aufgearbeitet. Hier mehr erfahren.

    Ist das die Endzeit? Ja, sagt der Zürcher Roger Liebi, seines Zeichens Doktor der Theologie und weltweit als Bibellehrer und Referent unterwegs. „Was sich hier (in Gaza) anbahnt, ist genau das Szenario, das die Bibel voraussagt für die weitere Zukunft“, erklärt der Schweizer. „Wir haben noch nicht die Erfüllung, die kommen wird, aber es ist wie die Generalprobe vor der großen Drangsal. Das wird der letzte und schrecklichste Weltkrieg sein. Und dann wird Jesus Christus als König kommen.“

    Düstere Rhetorik

    Am 13. Oktober 2023, dem ersten Schabbat nach dem Überfall der Hamas, hielt Premier Benjamin Netanjahu eine richtungsweisende Rede – es war das erste Mal, dass er in den über 15 Jahren seiner Amtszeit eine Ansprache dieser Form am jüdischen Ruhetag hielt. Tatsächlich wählte er Worte, die weniger politisch als religiös waren. Er redete von den „Hallen des Bösen“, in denen sich die Bodentruppen Israels nun befänden. Auch eine biblische Referenz flocht er ein:

    „Ihr müsst euch erinnern, was Amalek euch angetan hat, sagt unsere heilige Schrift.“

    Die Amalekiter gelten im Alten Testament als räuberisches Nomadenvolk, das im Süden Palästinas lebte und das es als Erbfeind von Juden mit allen Mitteln zu bekämpfen gelte. So heißt es im Ersten Buch Samuel, Kapitel 15,3: „Darum zieh jetzt in den Kampf und schlag Amalek! Weihe alles, was ihm gehört, dem Untergang! Schone es nicht, sondern töte Männer und Frauen, Kinder und Säuglinge, Rinder und Schafe, Kamele und Esel“. Selten wurde ein Genozid-Befehl so glasklar ausgesprochen.

    Aus Netanjahus Kriegskabinett hörte man eine ähnliche Rhetorik. Verteidigungsminister Yoav Gallant etwa sprach davon, dass Israel „gegen menschliche Tiere kämpft und dementsprechend handelt“. General Ghassan Alian, Oberbefehlshaber für die besetzen Gebiete, drohte: „Menschliche Tiere müssen wie solche behandelt werden. Du wolltest die Hölle, du bekommst die Hölle.“

    Endsteinstimmung…

    Als Vollstrecker einer alttestamentarischen Vision ist Netanjahu zur Heilsfigur der Chabad Lubawitsch geworden – einer Endzeitsekte, die in den letzten 20 Jahren gezielt das weltweite Judentum unterwandert hat und der auch Israels Oberrabbiner nahesteht. „Wird Bibi Israels letzter Premierminister sein, bevor der Messias kommen wird?“, titelte das Portal Israel Heute am 1. November 2023.

    „Die Situation spitzt sich immer weiter zu, dies ist in den letzten Wochen deutlich im Land zu sehen“, konstatierte Redakteur Aviel Schneider seinerzeit. Und dann:

    „Heute befindet sich Israel in einer Art Endzeitstimmung (…). Werden Bibi, das Volk und die Welt nun den Messias willkommen heißen? (…) Und jetzt herrscht unter Netanjahus Regierung Krieg im Land, und dieser kann sich in einen Mehrfrontenkrieg oder sogar in einen regionalen bis globalen Krieg ausweiten. Das ist keine irrsinnige Idee, sondern eine politische Wahrnehmung der aktuellen Realität. Wer das nicht sehen und glauben will, lebt wahrscheinlich in einer anderen Welt. Jetzt reden Menschen wieder über die alte Prophezeiung des Lubawitscher Rebbe und sehen eine mögliche Situation, in der sich alles noch mehr in dieser Richtung zuspitzt. Wird Bibi wirklich Israels letzter Premierminister sein, bevor der Messias kommen wird?“

    Der erwähnte „Lubawitscher Rebbe“ ist der bis heute hochverehrte Gründer der Chabad-Bewegung, Menachem Mendel Schneerson. Schon vor seinem Tod 1994 prophezeite er, dass „Benjamin Netanjahu Israels Premierminister sein wird, der das Zepter an den Messias überreichen wird“ (Israel Heute).

    Als der Likud-Chef tatsächlich 1996 ins Amt kam, erwies er seinem geistlichen Wegbereiter umgehend die Reverenz. „Zwei volle Stunden weilte Netanjahu am Grab des ‚Lubawitscher Rebbe‘ Menachem Mendel Schneerson, las Psalmen, pries den Toten als Lehrer und Propheten. Zwar teilt nur eine kleine Minderheit der Juden die Überzeugung ihrer chassidischen Glaubensbrüder, dass es sich bei Schneerson, der vor zwei Jahren starb, tatsächlich um den Welterlöser handelt. Aber Netanjahu glaubt an ihn“, so der Spiegel 1996.

    Kein Wunder, denn sein Vater hatte ihn in diesem Geist erzogen und das Gefühl vermittelt, „ein Teil der 4.000 Jahre alten jüdischen Geschichte“ zu sein. „Für Bibi Netanjahus Vater hörte Eretz Israel keineswegs am Jordan auf. Um die Araber aus Palästina zu vertreiben, wollte er notfalls ‚200 Jahre Krieg‘ in Kauf nehmen“, schrieb das Magazin weiter.

    Groß-Israel als Vision

    Bibi war von 1996 bis 1999 und von 2009 bis März 2021 Regierungschef. Als er dann kurzzeitig in die Opposition musste, machte er sich und seinen Anhängern auf Twitter mit den Worten des legendären Rebbes Mut: „Sie (also Netanjahu) werden mit 119 Leuten (allen anderen Abgeordneten der Knesset) kämpfen müssen, aber Sie werden sich davon sicher nicht beeindrucken lassen, denn Gott ist auf dieser (Ihrer) Seite. Segen und Erfolg für Sie. Gott wird Sie segnen und Erfolg geben.“

    Zu Jahresende 2022 gelang Netanjahu erneut der Sprung ins wichtigste Staatsamt. Nun könnte es klappen mit der Endzeit, also damit, das Land „in einen Mehrfrontenkrieg oder sogar in einen regionalen bis globalen Krieg“ (Israel Heute) zu führen, denn die Koalitionsbildung gelang Bibi nur dadurch, dass er ultraorthodoxe Fanatiker zum ersten Mal mit Ministerämtern belohnte.

    Ultraorthodoxe Juden im jüdischen Viertel von Krakau (Polen). Foto: Andrzej Lisowski Travel | Shutterstock.com

    Im Zentrum der Gemeinsamkeiten von Lubawitschern, Netanjahu und seinen extremistischen Ministern steht die religiös begründete Vision eines Groß-Israel (Eretz Israel). War die Rückgabe der 1967 völkerrechtswidrig besetzten Gebiete noch bis Mitte der 1970er Jahre eine Option, „Land gegen Frieden“ lautete das Programm der bis dahin regierenden Arbeitspartei , so kam mit dem Machtantritt des ersten Likud-Premiers Menachem Begin 1977 die Wende. In der Folge wurden immer mehr Juden im Westjordanland angesiedelt und damit jeder Versuch, dort Elemente palästinensischer Staatlichkeit aufzubauen, unmöglich gemacht. Dadurch wurde die vergleichsweise rationale PLO unter Jassir Arafat diskreditiert, außerdem half der Mossad gleichzeitig beim Aufbau einer fundamentalistischen Konkurrenz in Gestalt der Hamas.

    Besorgniserregend ist die ultraorthodoxe Unterwanderung der israelischen Armee. Die Jerusalem Post schrieb schon vor einiger Zeit: „Im Krieg sind die apokalyptischen jüdischen Ultranationalisten im Zustand der Ekstase. (…) Aus ihrer Perspektive sind das die Tage des Messias. (…) Sie glauben an eine Apokalypse, an Armageddon, an Gog und Magog als das einzige Mittel zur Erlösung.“

    Das ist der Unterschied zwischen politischem Zionismus und religiösem Zionismus: Bis vor einigen Jahren war die israelische Armee zwar immer ein scharfes Schwert gewesen, das ohne Skrupel und ohne Beachtung des Völkerrechts jedem arabischen Widersacher den Garaus machte; sie folgte dabei zwingend dem Grundsatz, mit ihrem militärischen Vorgehen Israel stärker zu machen. Lubawitscher und andere Ultrareligiöse sind jedoch bereit, auch den Untergang des jüdischen Staates in Kauf zu nehmen, wenn nach diesem Armageddon und durch dieses Armageddon endlich der Messias käme.

    COMPACT hat diese Zusammenhänge in der entlarvenden Ausgabe „Der Brandstifter“ gründlich aufgearbeitet. Hier bestellen.

    Kommentare sind deaktiviert.