Einmarsch im Iran? In der Nacht zum 2. März sollen tausende kurdische Milizen aus den zerklüfteten Bergen des Zagros in den Westen der Islamischen Republik vorgedrungen sein. Die CIA soll bereits Waffen liefern. Unsere brandneue Spezial-Ausgabe „Kriegsverbrechen – US-Außenpolitik von Truman bis Trump“ zum Thema erscheint in Kürze! Hier mehr erfahren.
Noch ist die Lage unklar: Fox News und Axios meldeten unter Berufung auf einen amerikanischen Offiziellen, kurdische Milizen hätten die Westgrenze des Iran überschritten. „Die Bodenoperationen der kurdischen Streitkräfte gegen den Iran haben bereits seit Mitternacht des 2. März begonnen“, sagte der US-Beamte. Auch die Jerusalem Post will entsprechende Bestätigungen von Kontakten aus Israel und den USA erhalten haben. Washington soll der Initiator gewesen sein.
Die Regierung der autonomen Kurdenregion im Irak widerspricht den Berichten jedoch entschieden: „Kein einziger irakischer Kurde hat die Grenze überschritten“, schrieb Aziz Ahmad, stellvertretender Stabschef von Premier Masrour Barzani, auf X. Und weiter: „Das ist offenkundig falsch.“

Auch das Weiße Haus bemüht sich um Distanz, dementiert aber ein kurdisches Vorrücken nicht: „Artikel, in denen behauptet wird, der Präsident habe einem solchen Plan zugestimmt, sind komplett falsch und hätten gar nicht erst geschrieben werden dürfen“, erklärte Sprecherin Karoline Leavitt im Weißen Haus. US-Präsident Donald Trump habe lediglich „mit kurdischen Führungspersönlichkeiten“ über den amerikanischen Stützpunkt im Nordirak gesprochen.
Gleichzeitig meldete CNN unter Berufung auf mehrere „mit den Plänen vertraute Personen“, die CIA arbeite daran, kurdische Kräfte zu bewaffnen, um einen Aufstand gegen das Regime in Teheran anzustoßen.
Fremde Stiefel im Krieg
Die Kurden agieren nicht als geschlossener politischer Block, sondern sind ein 30-Millionen-Volk, das über mehrere Staaten verstreut lebt: im Irak, im Iran, in Syrien und in der Türkei. Der gemeinsame Traum bleibt eine kurdische Nation. Doch eine gemeinsame vernetzte Bewegung existiert nicht. Stattdessen verfolgen die kurdischen Parteien und Milizen in jedem dieser Länder ihre eigenen Autonomieinteressen.
Im Nordirak entstand nach dem Sturz Saddam Husseins 2003 eine selbst verwaltende Kurdenregion. Ihre Streitkräfte sind die Peschmerga, geprägt vor allem von der Kurdistan Democratic Party (KDP). Sie gelten als reguläre Truppen der Regionalregierung.
Die Kämpfer, die in den Iran eingedrungen sein sollen, gehören jedoch zu anderen Formationen: iranisch-kurdischen Oppositionsgruppen. Organisationen wie die Kurdistan Freedom Party (PAK) oder die Demokratische Partei Kurdistans im Iran (KDPI) kämpfen nicht für die Selbstständigkeit im Irak, sondern gegen die Regierung in Teheran.
Ihre Lager liegen seit Jahren in den unwegsamen Grenzbergen des Zagros, nur wenige Kilometer von iranischem Territorium entfernt. Von dort aus greifen sie immer wieder deren Militär an. Teheran bezeichnet sie als „separatistische Terrororganisationen“ und reagiert regelmäßig mit Raketen- und Drohnenangriffen.
Kurden als CIA-Ethnowaffe
Parallel zu den Berichten über ein mögliches Vorrücken kurdischer Kämpfer tauchten in Washington Hinweise auf die nächste verdeckte Geheimdienstt-Operation auf. CNN meldete unter Berufung auf mehrere mit den Planungen vertraute Personen, der amerikanische Auslandsgeheimdienst CIA arbeite daran, ,,kurdische Kräfte zu bewaffnen, um einen Aufstand im Iran anzustoßen“.
Dem Bericht zufolge führt die US-Regierung ,,Gespräche mit iranischen Oppositionsgruppen und kurdischen Führern im Nordirak“ über mögliche militärische Unterstützung. US-Quellen beschrieben zwei Szenarien: Kurdische Einheiten könnten iranische Sicherheitskräfte angreifen, sie „binden und damit andere Teile des Landes destabilisieren“.
Andere Überlegungen gehen noch weiter: Demnach könnten kurdische Milizen versuchen, ,,Gebiete im Norden des Iran zu besetzen“ und dort eine Art Pufferzone schaffen.

Ein kurdischer Funktionär sagte dem Sender, die Situation biete „eine große Gelegenheit“, weil amerikanische und israelische Angriffe die iranischen Streitkräfte bereits geschwächt hätten. Die Gespräche reichen offenbar bis in die kurdische Führung hinein.
Präsident Donald Trump telefonierte laut Berichten mit mehreren kurdischen Politikern, darunter Masoud Barzani sowie Vertreter iranisch-kurdischer Oppositionsgruppen. Brisant: Die Gespräche fanden wohl nur einen Tag vor dem berichteten Einmarsch statt.
Das Vorgehen ist in der Region bekannt. Nicht nur im Irak, sondern später auch in Syrien spielten kurdische Milizen eine Schlüsselrolle in den Bürgerkriegen, die ganze Staaten erschütterten. In den Machtkämpfen des Nahen Ostens werden die Kurden dabei immer wieder zur ethnischen Waffe Washingtons und Tel Avivs, mit der sich Staaten von innen sprengen lassen.
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