Die AfD vertritt im Iran-Krieg zumindest auf Führungsebene einen diplomatischen Kurs, der sich an deutschen Interessen orientiert. Einigen rechten Medien ist das ein so großer Dorn im Auge, dass sie in den Angriffsmodus schalten. Jetzt vorbestellen: COMPACT-Spezial 46: Kriegsverbrechen. US-Außenpolitik Truman bis Trump.
Paul Klemm und Dominik Reichert haben sich im gestrigen Brennpunkt von COMPACT-TV mit der Kritik befasst und erklärt, warum einige Rechte plötzlich wie Antideutsche klingen. COMPACT hilft gegen jede Propaganda immunisiert zu werden.
Paul Klemm: Die scharfe Kritik, die kommt ja jetzt erstaunlicherweise oder nicht erstaunlicherweise vor allem von liberalen und konservativen Medien. Also Nius ist da eine ganz scharfe Stimme der Kritik. Hier heißt es zum Beispiel:
„US-Schlag gegen den Iran: Die AfD zwischen geopolitischer Einfältigkeit, Opportunismus und Ressentiment. Dass die Linken den Westen ablehnen und seine Verteidiger als Kolonialisten brandmarken, ist nichts Neues. Dass die AfD um die Macht eines islamistischen Regimes bangt und sich die westliche Selbstverleugnung zu eigen macht, schon eher. Als Partei der Freiheit hat sie sich an diesem Wochenende nicht präsentiert.“
Was sagst du zu der Einschätzung?
Nius als Abspaltung der Bild-Zeitung

Dominik Reichert: Das ist wirklich Wahnsinn. Ja, ich meine, gut, bei Nius nicht sonderlich überraschend. Wir wissen, Nius steht nun mal immer fest an der Seite Israels. Das ist einfach so. Das hat sich in der Vergangenheit immer wieder gezeigt. Ich meine, es ist ja auch im Endeffekt so eine Art Abspaltung von Axel Springer bzw. Bild. Julian Reichelt war eben vorher der Bild-Chefredakteur und gewisse ideologische Grundsätze hat er nie über Bord geworfen. Und das ist eben diese bedingungslose Solidarität mit Israel. Und das geht offensichtlich über deutsche Interessen. Es geht auch über die AfD in diesem Fall. Und dann greift man auch gerne mal zu solchen perfiden Mitteln, dass man dann auf einmal die AfD in die Nähe von linken Pazifisten rückt, was ja hier eindeutig geschehen ist, wo dann ein Teil der AfD-Wähler sagt, Moment mal, mit Linken wollen wir nichts zu tun haben, auch nichts gemeinsam haben. Wirklich, also es ist eine Manipulationstaktik, die tatsächlich funktionieren könnte. Und ja, Nius hat einfach eine andere außenpolitische Auffassung und versucht dementsprechend jetzt die AfD in ihre Richtung zu treiben.
Paul Klemm: Da können wir über eine Äußerung von Pauline Voss sprechen, der stellvertretenden Chefredakteurin hier im Video:
„Es ist das strukturelle Problem linker und wie wir jetzt auch sehen teilweise rechter Außenpolitik moralisch auf der richtigen Seite zu stehen und ein moralisch Urteil da zu fällen und anzuerkennen, mit was für einem Regime wir es da zu tun haben. Dass wir es mit einem islamistischen, Schlächter-Regime zu tun haben, dass seine Bevölkerung unterdrückt, niedermetzelt teilweise, das Terror in die ganze Welt bringt. Alice Weidel und Annalena Baerbock klingen plötzlich, als stünden sie Seite an Seite, weil es ihnen nicht gelingt, klar hier Position zu beziehen, zu sagen, die Absetzung dieses Terrorregimes ist richtig. Das können sie nicht. Sie sind da moralisch vollkommen verfehlt und auch politisch verfehlt, weil man eben eine verbohrte linke Politik Jahrzehnte gemacht hat, die mit Islamismus nur gelernt hat zu kuscheln.“
Paul Klemm: Ja, Alice Weidel sei die Baerbock 2.0. Man fragt sich, also mal abgesehen von den fatalen Konsequenzen, die dieser Krieg für Deutschland definitiv haben wird, was ist denn ihre Forderung? Also was sollten Alice Weidel und Tino Chrupalla jetzt tun? Sollen sie eine Beteiligung der Bundeswehr fordern, wie das Friedrich Merz ins Spiel gebracht hat? Soll Deutschland sich aktiv an diesem Gemetzel im Nahen Osten jetzt beteiligen? Also worauf will man hinaus, frage ich mich. Was soll in letzter Konsequenz das Verhalten der AfD sein?
Apollo News setzt den Iran mit dem IS gleich
Paul Klemm: Eine weitere Stimme, die sich mehr Kriegseuphorie bei der AfD wünscht, ist Apollo News, was ja auch mit Nius so ein bisschen zusammenhängt. Da haben wir jetzt noch ein Video vom Chefredakteur Max Mannhardt [zitiert Stellungnahme von AfD-Politiker Kay Gottschalk, die sich auf die Stellungnahme von Weidel und Chrupalla bezieht]:
„Ein reifes und vernünftiges Statement. Das Gleichgewicht der Mächte im Nahen Osten zu wahren, ist ein vitales deutsches Interesse. Nur so ermöglichen wir Kooperation, Handel und Remigration. Der keifende Mob von Nius, Liberalen und ehemaligen Parteifreunden gibt uns recht.“
Mannhart schreibt:
„Das finde ich ist einfach ein unterirdisches Statement. Und er möchte hier mit so Buzzwords ganz klar die Sympathie natürlich von AfD-Anhängern, von deutschen Rechten wecken, die in diesem Fall aber überhaupt keinen Sinn machen. Also was nun Remigration damit zu tun hat, das iranische Regime zu stürzen, ist mir unbekannt. Ich weiß nicht, dass es irgendwelche Remigrationsunterstützung des iranischen Regimes gibt, dass die sagen, kommt wieder hierher. Das Gleichgewicht der Mächte, was soll das bedeuten? Es gibt keinen größeren Destabilisierungsfaktor im Nahen Osten als das iranische Regime, die den Bürgerkrieg im Jemen finanzieren, unterstützen. Ohne das iranische Regime würde es diesen Krieg nicht geben. Im Libanon, in Syrien, der ganze Nahe Osten wird destabilisiert, wird mit Kriegen von diesem Regime überzogen. Das ist kein irgendwie diktatorischen autoritäres Regime, das ist ein islamistischer Gottesstaat, der vom Verrücktheitslevel, ich sage es mal plump gesagt, auf dem Level vom islamischen Staat ist.“
Paul Klemm: Also das finde ich auch krass, auf dem Level vom Islamischen Staat, und zeigt wieder völlig fehlendes Wissen über den Islam, weil der Iran hat den Islamischen Staat fast zehn Jahre lang in Syrien bekämpft und zwar aufs Schärfste. Die Iraner haben da mit auch einen hohen Blutzoll gezahlt, weil nämlich für IS-Ideologen der schiitische Islam bzw. der iranische Gottesstaat Hauptfeind Nummer eins ist. Also die gehen sich seit Jahrhunderten an die Gurgel, Sunniten und Schiiten. Und deswegen war der Iran ein großer Gegenspieler des IS. Und wenn man das in einen Topf wirft, beweist das einfach nur Unkenntnis über die Lage in der Ost.
Dominik Reichert: Ja, und auch, was hat das mit Remigration zu tun? Ja, nichts direkt mit Remigration in dem Sinne, aber wenn man jetzt in diesem Krieg mitmacht, dann wird es einen neuen Migrationsstrom geben nach Europa und wenn man will, dass Remigration zur Realität wird, dann kann man natürlich nicht zulassen, dass es einen riesigen neuen Migrationsdruck in Richtung Europa gibt, ist ja ganz klar. Wie sagt Sellner immer? Aus Sicht des Remigrationsmaxings darf man diesen Krieg auf gar keinen Fall unterstützen.
Die Verschwörungstheorien des Julian Reichelt
Paul Klemm: Julian Reichelt mischt natürlich auch mit. Er schreibt:
„Die Parallelgesellschaften, die die AfD in Deutschland beklagt, haben sich in Jahrzehnten nicht einfach organisch und zufällig gebildet. sondern sind kontrolliert und unterwandert von Hisbollah und IRGC, die tief in deutsche Großstädte hineinwirken. Es ist zum Schutz von Leib und Leben deutscher Staatsbürger überragend wichtig, ihre Kommandostrukturen zu zerschlagen.“
Was ist das für eine Verschwörungstheorie? Also als hätte die Hisbollah den Remo-Clan in Berlin aufgebaut. Auch das hat ja nichts miteinander zu tun.
Dominik Reichert: Auch das sind ja keine Schiiten. Also dann bitte Beweise, Herr Reichelt. Also Belege bitte einfügen, er behauptet das hier Einfach, aber wir haben ja nur einen insignifikanten Anteil Iraner überhaupt in Deutschland, wenn dann, du hast es vorhin schon gesagt, sind es in der Regel Exil-Iraner, die jetzt diesen Krieg und die potenzielle Wiedereinsetzung der Monarchie unterstützen, die also offensichtlich damit eh nichts zu tun haben. Also, ja, es ist einfach herbeifantasiert.
Paul Klemm: Und das Ganze ist immer gepaart mit kruden historischen Vergleichen. Das hat Julian Reichelt repostet. Quasi der heutige Roosevelt und der heutige Churchill. Und sitzen sieht man Donald Trump und Benjamin Netanjahu. Auch dieser Vergleich, ja, also es soll ja dann bedeuten, dass Khamenei der neue Hitler gewesen ist und gleichzeitig wird ja mit diesem Post die Politik von Churchill abgefeiert, der, wie wir wissen, ganze deutsche Städte ausradiert hat. Also auch das hat so eine antideutsche Komponente. Wenn man bedenkt, was diese Leute unserem Heimatland angetan haben und wie in Dresden wirklich fast die komplette Zivilbevölkerung da ausgelöscht wurde, dann fragt man sich, was soll das eigentlich?
Antideutsch geht auch von Rechts
Dominik Reichert: Ja, das mit dem Antideutschen ist ein interessanter Punkt, weil die klassische Antideutsche ist ja eigentlich eine Strömung, die sich als links versteht, die aber eben auch diesen extremen Israel Fetisch hat, kann man schon fast sagen und zum Beispiel mit so Sprüchen auffällt wie „Bomber Harris do it again“ und man muss wirklich ganz klar sagen, also zwischen diesen sich links verstehenden Antideutschen und diesen liberal-konservativen gibt es doch überraschend viele Schnittpunkte. Das ist immer wieder auffällig, gerade wenn es darum geht, was eben mit Deutschland passiert ist, also Bombardierung und so weiter und so fort. Da haben die ähnliche Positionen und diese wirklich überschwängliche Israel-Nähe. Gut, okay, die einen sind konservativ, die anderen sind progressiv, aber gerade wenn es um Außenpolitik geht, dann: eine Linie.
Paul Klemm: Da habe ich eine interessante Einschätzung gelesen von Bruno Wolters vom Freilich-Magazin, die neue Hufeisentheorie. Also die klassische Hufeisentheorie ist ja, in der Mitte sitzen die Bürgerlichen und an den Enden geben sich dann Links- und Rechtsextreme die Hand. Und die neue Hufeisen-Theorie ist, in der Mitte sitzen die Realisten, die einfach einen klaren Blick haben auf gewisse außenpolitische Gemengelagen und an den Enden sitzen die Links- und Rechtsliberalen, die dann mit völlig groben Stalin- und Hitlervergleichen um sich werfen und das ist ja so ein Beispiel dafür. Wir haben noch einen weiteren Einspieler von Max Mannhardt:
„Das Abendland wird bekämpft und herausgefordert, wie niemals zuvor. Und unser vorderstes politisches Interesse in der Außenpolitik und in der Innenpolitik muss doch gerade das Bekenntnis und das Verständnis sein, dass uns als Abendland mehr ausmacht als die tagespolitischen Statements von dieser oder jener Partei, sondern eine jahrtausendelange Kulturgeschichte, die hier etwas haben entstehen lassen, was eben wertvoll ist und für das es sich lohnt zu kämpfen, was es lohnt zu verteidigen. Darum geht es und deswegen sollten wir nicht sozusagen mit einer arroganten Distanz blicken, auf was Amerika dort macht, was Israel macht, sondern wir sollten uns auch, wir sollten wieder verstehen, dass es da ein ‚Wir‘ gibt, was eine Bedeutsamkeit in sich hat, was eine historische Wahrheit in sich hat, die weit über all diese Fragen hinausgehen. Und das ist eben genau dieser schicksalshafte Kampf aller westlichen Nationen um unsere Rolle in der Welt, um unsere Kraft, um unsere Stärke und um unsere Interessen. Und natürlich ist es unser Interesse, dass dieses iranische Regime fallen muss. Nicht nur, weil auch wir als denkende und fühlende Menschen uns solidarisieren sollten mit dem mutigen iranischen Volk, was bangt um seine Freiheit, was bangt um sein Leben und wir können an dieser Stelle nur die Daumen drücken.“
Ein falsches Wir-Gefühl
Paul Klemm: Also da macht er natürlich einen Riesenfass auf. Eine jahrtausendealte abendländische Tradition, worin soll die bestehen? Also was hat das jetzt mit dem Iran-Krieg zu tun? Geht es da um einen Jahrtausende alten Krieg gegen den Iran? Also dass es eine abendländische Tradition gibt, klar, aber was hat das mit Israel und dem Iran zu tun?
Dominik Reichert: Ja, also er beschwört hier ein „Wir“. Er will hier ein Wir-Gefühl erschaffen, das sozusagen uns einschließt, die Amerikaner einschließt und die Israelis einschließt. Also „Wir“, das sind wir und die sind dann die Iraner, das sind dann sozusagen unsere Feinde. Und ich muss ganz klar sagen, also die Amerikaner sind im Endeffekt plakativ gesagt unsere Besatzungsmacht. Die unterdrücken uns hier im Endeffekt. Die haben hier Soldaten stationiert. Die halten uns auf Linie. Sorry, aber politisch sehe ich mit denen kein „Wir“. Also man kann jetzt, keine Ahnung, historisch, kulturell und so weiter argumentieren, okay, meinetwegen, aber hier und jetzt in der Politik gibt es kein „Wir“ mit den Besatzern. Sorry für diese Radikalität, aber so sehe ich das einfach. Und bei Israel, welche gemeinsamen Interessen habe ich mit Israel?
Also die wollen da ihr Groß.Israel aufbauen, haben deswegen ein Interesse, den Iran anzugreifen, versklaven da irgendwelche anderen Völker, beziehungsweise vertreiben die mit den Palästinensern. Das hat mit meinen Interessen überhaupt nichts zu tun. Ich habe kein Interesse an diesem Groß-Israel und so weiter und so fort. Also wo ist da das Wir? Wo sind da die gemeinsamen Interessen? Wo sind da die gemeinsamen Werte? Also dieses Wir, das er hier beschwören will, das fühle ich einfach nicht. Das gibt es für mich in der Form nicht und dementsprechend spricht mich das auch überhaupt nicht an.
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