Im MAGA-Kosmos galt bedingungslose Loyalität als oberstes Gebot. Jahrelang standen patriotische Influencer mit Millionenpublikum fest an der Seite ihres Präsidenten. Doch der Krieg gegen den Iran erschüttert dieses Bündnis. Mit „Das große Erwachen“ gibt es erstmals ein Buch von Truther-Ikone Alex Jones in deutscher Sprache. Hier mehr erfahren.
Er galt bislang als einer der lautesten Trommler für Donald Trumps Sache. Während Tucker Carlson, Candace Owens, Nick Fuentes und andere Stimmen aus dem MAGA-Lager bereits früh Zweifel an der Iranpolitik des Weißen Hauses anmeldeten, verteidigte oder legitimierte Alex Jones (allein auf X 4,5 Millionen Follower) lange nahezu jede außenpolitische Entscheidung Washingtons.
Doch nun ist selbst ihm der Kragen geplatzt. Nach den gemeinsamen Angriffen der USA und Israels auf den Iran stellt sich der Gründer des reichweitenstarken Online-Medienportals InfoWars offen gegen den Präsidenten: „Ich mag die Mullahs zwar nicht“, erklärte Jones in einem Livestream, „aber das sollte doch ‚America First‘ heißen.“
Aufstand aus den eigenen Reihen
In weiteren Sendungen wurde er noch deutlicher. Der Krieg gegen den Iran sei ein Bruch mit dem Versprechen gewesen, mit dem Trump einst Millionen Wähler mobilisiert habe: „Trump ist mit dem Versprechen angetreten, keine Regimewechsel mehr zu betreiben“, beklagt Jones. Genau diese Politik habe die Vereinigten Staaten „jahrzehntelang in endlose Konflikte“ gestürzt.
Besonders emotional reagierte er auf Berichte über zivile Opfer der Angriffe. Eine Raketenoffensive auf eine Schule hatte über hundert Mädchen im Grundschulalter getötet. Neben der menschlichen Tragödie habe das auch „weltweit Empörung ausgelöst“. Und weiter: „Das wird die ganze Welt gegen Israel und die Vereinigten Staaten aufbringen.“ Jones räumte offen ein, dass er dem Präsidenten zu lange die unangefochtene Treue hielt:
„Ich bin im wahrsten Sinne des Wortes ganz kurz davor, Trump nicht mehr zu unterstützen.“
Noch während der amerikanischen B-2-Angriffe auf iranische Anlagen im Jahr 2025 warnte Jones zwar vor einer Eskalation und einem möglichen „totalen Krieg“, sagte er damals in seiner Sendung. Zugleich versicherte er seinem Publikum: „Trump weiß, was er tut.“ Nun geriet der Streamer in Rage: „Man kann den Leuten nicht erzählen: Schluss mit den CIA-Regimewechseln, Schluss mit den endlosen Kriegen – und dann plötzlich erklären, das hier sei eine großartige Idee“, donnerte er.
Jones selbst zählt zu den einflussreichsten Stimmen der amerikanischen Rechten. Sein X-Account hat rund 4,5 Millionen Follower, seine Streams gehen deutlich darüber hinaus. Für viele Anhänger der MAGA-Bewegung gilt der Gründer von InfoWars seit Jahren als zentraler Meinungsführer im rechten Online-Milieu. Zahlen, von denen selbst manche amerikanischen Mainstream-Medien nur träumen können.
Damit berührt der Medienunternehmer einen zentralen Streitpunkt innerhalb der amerikanischen Rechten: Für viele Anhänger der MAGA-Bewegung bedeutet „America First“ vor allem eines: Schluss mit militärischen Interventionen und Regimewechseln im Ausland.
America First gegen MAGA?
Schon kurz nach Beginn der Angriffe meldeten sich mehrere der einflussreichsten Stimmen der amerikanischen Rechten zu Wort. Allen voran Tucker Carlson. Der frühere Fox-News-Moderator gehört zu den reichweitenstärksten politischen Kommentatoren der Vereinigten Staaten. Sein Account auf X zählt über 17 Millionen Follower, auf Youtube haben ihn 5,3 Millionen abonniert. Er gilt als größter Podcaster der Welt.
Carlson warnte früh vor einer neuen Interventionspolitik: „Ein Krieg mit dem Iran wäre Wahnsinn“, erklärte er nur Monate vor den ersten Raketen auf Teheran. Die Vereinigten Staaten hätten bereits „genug Kriege im Nahen Osten geführt“. Der Iran-Krieg sei nicht der Krieg der USA, sondern Netanjahus. Amerika sei hineingezogen worden und werde am Ende einer der drei großen Verlierer sein. Die beiden anderen: die Golfstaaten und Westeuropa.

Auch Candace Owens stellte sich gegen eine Eskalation. Die konservative Kommentatorin verfügt auf X über sieben Millionen Follower, ihren Youtube-Kanal haben 5,9 Millionen abonniert. „America First bedeutet nicht, wieder Kriege im Nahen Osten zu führen“, sagte sie in einem ihrer Streams.
Noch schärfer formulierte es der Livestreamer Nick Fuentes, der besonders unter jüngeren Anhängern der America-First-Bewegung großen Einfluss besitzt. Bereits bei der vergangenen Präsidentschaftswahl 2024 forderte er seine Fans auf, nicht für Trump zu wählen, da es Krieg mit dem Iran bedeuten würde. Sein X-Account zählt mehr als eine Million Follower, einige Posts aber gingen über die 100-Millionen-Marke. In seiner Sendung America First erklärte er: „Das ist nicht America First. Das ist derselbe Interventionismus, den Trump eigentlich beenden wollte.“ Fuentes ist sich sicher: „Der Iran-Krieg kostet dem GOP [Republikanische Partei] die Wahl 2028.“
Gegenwind aus eigener Partei
Der republikanische Abgeordnete Thomas Massie widersprach der Notwendigkeit der Iran-Operation umgehend. Die Angriffe seien „nicht verfassungsgemäß“, erklärte er, da keine unmittelbare Bedrohung der Vereinigten Staaten bestanden habe und der Kongress nicht konsultiert worden sei. Ein Präsident dürfe keinen Krieg ohne Mandat beginnen.
Massie steht seit Monaten in einem angespannten Verhältnis zu Trump. Bereits im Zusammenhang mit der politischen Aufarbeitung der sogenannten Epstein-Akten war es zu offenen Auseinandersetzungen gekommen. Massie hatte auf vollständige Transparenz gedrängt und das Weiße Haus öffentlich unter Druck gesetzt.
Noch brisanter ist die Entwicklung bei Marjorie Taylor Greene. Die Abgeordnete galt lange auch als eine der loyalsten Stimmen im MAGA-Lager. Der persönliche Bruch mit Trump begann allerdings auch in der Epstein-Frage. Als Greene wie andere Republikaner auf Transparenz drängte, reagierte Trump mit offener Verachtung und sprach von „stupid“ und „foolish“ Republicans, die auf dieses Thema anspringen.
Greene attackiert jetzt auch die Iran-Linie aus dem eigenen Lager heraus. „Krieg mit dem Iran senkt nicht die Inflation oder macht das Leben in Amerika bezahlbarer“, schrieb sie auf X vor ihren über 5 Millionen Followern und nannte die Begründungen der Regierung „Lügen“ und „America Last“.

Wie Insider berichten, wächst nun auch im Pentagon und in größeren Teilen der Trump-Administration die Sorge, der Konflikt mit dem Iran könne außer Kontrolle geraten. So soll die Stimmung „intensiv“ gewesen sein, teils von Paranoia geprägt. Hinter verschlossenen Türen fürchten ranghohe Entscheidungsträger offenbar, dass sich die Kämpfe über Wochen hinziehen könnten.
Umfragen-Alarm für Trump
Laut einer aktuellen Ipsos-Umfrage befürworten nur 27 Prozent der Amerikaner den Krieg gegen den Iran. 43 Prozent lehnen die Angriffe ab, darunter auch zahlreiche republikanische Wähler und Anhänger der MAGA-Bewegung. Gerade in diesem Milieu besitzen Stimmen wie Alex Jones oder Tucker Carlson einen enormen Einfluss.
Für Donald Trump kommt diese Entwicklung zu einem heiklen Zeitpunkt. Seine Zustimmungswerte liegen derzeit nur noch bei 39 Prozent landesweit. Am 3. November 2026 stehen in den Vereinigten Staaten die Midterm-Wahlen an. Dabei werden alle Sitze im Repräsentantenhaus und ein turnusmäßiger Teil des Senats neu gewählt. Gleichzeitig entscheiden die Wähler in 36 Bundesstaaten und drei Territorien über ihre Gouverneure.
Sollte sich die Unzufriedenheit im eigenen Lager weiter ausbreiten, könnte der Krieg für Trump auch innenpolitisch teuer werden. Verlieren Präsident und Republikaner zusätzlich den Rückhalt der einflussreichsten Stimmen im rechten Medienmilieu, wächst die Chance der Demokraten auf ein politisches Comeback .
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