Mit einem kritischen Lied über Bruce Springsteen hat Natasha Owens den Altrocker höchstselbst vom Spitzenplatz der iTunes-Charts gestoßen. Die patriotische US-Sängerin wirft Springsteen in ihrem Countryrock-Song vor, Stimmung gegen die US-Einwanderungsbehörde ICE zu machen, aber zu Migrantengewalt oder der Tötung Charlie Kirk zu schweigen. In unserer Ausgabe „Attentate, die die Welt veränderten“ beleuchten wir auch diesen Mord. Hier mehr erfahren.
Altrocker Bruce Springsteen („Born in the U.S.A.“) gibt sich gerne als Kumpeltyp mit Herz für die hart arbeitenden Malocher in den Autofabriken von Detroit oder der texanischen Ölindustrie. Schwarz-rot gestreiftes Holzfällerhemd, abgewetzte Jeans und eine mit Jack Daniel’s geölte Stimme – so kennt man „The Boss“, wie der 76-Jährige von seinen Fans genannt wird. Doch unter der rauen Schale steckt ein wokeweicher Kern.
Springsteen vergleicht ICE mit Gestapo
Immer wieder äußert sich Springsteen politisch. Erst im Januar veröffentlichte er einen neuen Song mit dem Titel „Streets of Minneapolis“, der sich gegen die Arbeit der US-Einwanderungsbehörde ICE wendet. Er widme das Stück „den Menschen von Minneapolis, unseren unschuldigen Nachbarn mit Migrationshintergrund und zum Gedenken an Alex Pretti und Renée Good“, erklärte er dazu laut dem Magazin Time. Bei den genannten Personen handelt es sich um die beiden Linken, die in der Stadt im US-Bundesstaat Minnesotabei bei ihrem gewaltsamen Vorgehen gegen Abschiebeaktionen durch Schüsse von ICE-Beamten ums Leben kamen.
Während eines Konzerts im selben Monat schlug Springsteen in die gleiche Kerbe und verglich die Remigrationsmaßnahmen der US-Administration sogar mit Nazi-Methoden:
„Wenn du gegen schwer bewaffnete, maskierte Bundestruppen bist, die eine amerikanische Stadt wie mit Gestapo-Taktiken besetzen, (…) dann schick eine Botschaft an diesen Präsidenten: ICE sollte verdammt noch mal aus Minneapolis verschwinden!“
Bereits im vergangenen Jahr hatte Springsteen die Trump-Regierung während seiner „Land of Hope & Dreams“-Tournee als „sadistisch“ bezeichnet und gesagt: „Das Amerika, das ich liebe und über das ich geschrieben habe, (…) ist derzeit in den Händen einer korrupten, unfähigen und verräterischen Administration.“ Werte wie Freiheit und Demokratie würden „von unserem Möchtegern-König und seiner abtrünnigen Regierung in Washington, D.C.“
Die Antwort der Patriotin
Als Reaktion auf Springsteens Minneapolis-Song veröffentlichte die konservative US-Sängerin Natasha Owens am 6. Februar ihren Song „The Boss“. Darin setzt sie sich kritisch mit der woken Haltung ihres berühmten Musikerkollegen auseinander und greift dessen Doppelmoral an. Die 49-jährige Texanerin bekundet in ihrem Lied, als junges Mädchen selbst ein großer Springsteen-Fan gewesen zu sein – doch diese Zeiten seien vorbei.
Owens erklärte zu ihrem Song, diesen habe sie für langjährige Springsteen-Fans geschrieben worden, die sich nun ebenfalls von ihrem einstigen Idol entfremdet fühlten. „Bruce Springsteen ist ein legendärer Künstler. (…) Früher sprach er für den einfachen Mann, aber er hat ihm diese Stimme genommen. Ich habe sie ihm zurückgegeben“, so die Singer-Songwriterin, die in Amerika vor allem für ihre christlich inspirierten Lieder bekannt ist.
Springsteen vom Thron gestoßen
Offenbar kam diese Replik gut an, denn „The Boss“ stieg sofort nach Veröffentlichung auf Platz eins der Download-Charts des Musikanbieters iTunes von Apple im Rock-Genre ein – und stieß damit Springsteen höchstselbst von Thron. Dessen Song „Streets of Minneapolis“ stand nämlich zuvor auf dem Spitzenplatz. Doch auch in den genreübergreifenden iTunes-Charts konnte „The Boss“ reüssieren. Dort landete Owens‘ Song auf Platz zwei – ebenfalls vor Springsteen sowie Neuveröffentlichungen von Taylor Swift, Bad Bunny, T.I. und anderen Superstars.
In ihrem Stück fragt Natasha Owens den Altrocker:
„Wo ist dein Lied für die Gerechtigkeit?
Wo ist dein Lied für den einfachen Arbeiter?
Ich wurde in den USA geboren,
und du beschmutzt mein gelobtes Land.
Du predigst aus deiner Villa,
doch du kennst nicht den Preis.
Ich danke Gott, dass du nicht der Boss bist.“
Und sie wirft ihm vor: „Was ist mit Laken Riley? [22-jährige Studentin, die im Februar 2024 beim Joggen auf dem Campus der Universität von Georgia von einem illegalen Einwanderer aus Venezuela umgebracht wurde]. Ist es zu schwer, über Charlie [Kirk] zu singen? Was ist mit dem Moment, als du deinen Schuss abgegeben hast
auf den, den du unseren König nennst [gemeint ist Trump; Anspielung auf das Attentat 2024]?“
Konservative Kulturrevolution
Das Web-Magazin National Today schreibt über Owens‘ Lied: „Der Song spiegelt die anhaltenden kulturellen und politischen Spannungen in den Vereinigten Staaten wider: Konservative Künstlerinnen wie Owens stellen linksliberale Ikonen wie Springsteen infrage – insbesondere in Bezug auf Patriotismus und die Rolle von Künstlern in gesellschaftlichen Debatten. Der Erfolg von Owens’ Song unterstreicht außerdem den wachsenden Einfluss der MAGA-Bewegung in der Musikbranche.“
Tatsächlich ist „The Boss“ ein weiteres Beispiel dafür, wie sich in Amerika auch kulturell der Wind gedreht hat. Bereits 2023 landete Oliver Anthony, ein junger Fabrikarbeiter und Country-Musiker aus Farmville, Virginia, mit seinem Lied gegen die „Rich Men North Of Richmond“, die „reichen Männer nördlich von Richmond“ (dort liegt Washington), die den Bürgern „das Geld aus der Tasche ziehen“ und „totale Kontrolle“ ausübten, einen Überraschungserfolg, der sogar bis in die nationalen Billboard-Charts schwappte.
Zuvor hatte bereits ein Black-Lives-Matter-kritischer Song des Country-Stars Jason Aldean, der mit fast allen seinen Alben in Amerika zumindest Gold-, oft sogar auch Platin-Status erreicht hat, die Billboard-Charts erobert. Titel: „Try That In A Small Town“. Der Liedtext befasst sich mit US-Großstädten, die in Gewalt versinken. „Jemanden auf der Straße schlagen, einer alten Dame das Auto an der roten Ampel stehlen, einem Kioskbesitzer eine Waffe ins Gesicht halten. Du glaubst wohl, das ist cool“, singt Aldean.
Dann folgt eine klare Ansage im Refrain: „Try that in a small town, see how far ya make it down the road (Versuch das in einer Kleinstadt – mal sehen, wie weit du kommst)“ . Im Video zu dem Song sind Aufnahmen von Überwachungskameras eingeschnitten, die Überfälle und Prügeleien zeigen, dazu zerstörte Autos, brennende amerikanische Flaggen, eine Frau, die einen Polizisten anspuckt.
Natasha Owens hat sich inzwischen zu einer der führenden Stimmen der konservativen Kulturrevolution in Amerika entwickelt. Ihre früheren Hits, darunter „Trump Won“ („Trump hat gewonnen“ ; hier zweifelt sie das Ergebnis der Präsidentschaftswahlen 2020 an) und „The Chosen One“ („Der Auserwählte“; gemeint ist Trump, der 2024 ein Attentat überlebte) generierten Milliarden von Klicks in den sozialen Medien.
„The Chosen One“ wurde sogar zur inoffiziellen Hymne der MAGA-Bewegung. Erst vor wenigen Wochen hatte die Countryrock-Sängerin den US-Präsidenten im Oval Office getroffen, um gemeinsam mit ihm eine Auszeichnung für den Erfolg des Stücks zu präsentieren.
Natasha Owens wirft Bruce Springsteen vor, zum Mord an Charlie Kirk zu schweigen. Wir tun dies nicht! In unserer Ausgabe „Attentate, die die Welt veränderten“ beleuchten wir unter anderem diesen Mord und stellen die offizielle Version infrage. Hier sichern.





