Sarah Bosetti erklärt AfD-wählende Arbeiter mit einer Hai-Metapher zu Selbstmördern. Die GEZ-Tante liefert in ihrer neuen Sendung abermals den Beweis: Linkes Akademiker-Kabarett hat mit der Lebensrealität vieler Arbeiter nichts mehr zu tun. Warum immer mehr von ihnen zur AfD wechseln, will sie nicht verstehen. So funktioniert die „Links-grüne Meinungsmacht“, die Julia Ruhs in ihrem Buch beschreibt. Hier mehr erfahren.
Sarah Bosetti hat sich mal wieder in ihrer Rolle als typische Vertreterin linker Akademiker-Satire präsentiert. Ihr Format Bosetti Late Night ist ganz besonders peinlich. Wer sich nicht mehr an die angebliche Komikerin erinnert: Das ist die Dame, die zur Corona-Zeit Ungeimpfte als Blinddarm der Gesellschaft bezeichnete, auf den man auch verzichten könne.
Die jüngste Folge der Late Night drehte sich um die Frage, warum die SPD ihr Arbeiterklientel verloren habe und ob sie noch zu retten sei. Schon zu Beginn nörgelte sie staatstragend gegen Rechts. Im Hinblick auf die Tatsache, dass die AfD bei jüngsten Wahlen 38 Prozent der Arbeiterstimmen kassierte, während die SPD nur 12 Prozent erhielt, gab sie sich besonders schockiert. Schließlich sei doch die AfD ein absoluter Albtraum eines jeden Arbeiters, und es gäbe nichts Marktradikaleres als die AfD. Die Blauen seien gegen Gewerkschaften, gegen das Tariftreuegesetz, wollten Steuern für die Reichen senken und stimmten obendrein nicht für Erhöhung des Mindestlohns. Bosetti:
„Als Arbeiter die AfD zu wählen, ist, als hätte ein Hai dein Bein im Maul und du würdest ein Messer zücken und damit dein eigenes Bein abschneiden, um es dem Hai leichter zu machen.“
Was Frau Bosetti bei ihren Ausführungen nicht begreift oder nicht begreifen möchte: Was nützen dem sogenannten Arbeiter irgendwelche kosmetischen Eingriffe in den Markt, wenn die normale Bevölkerung mit anderen realen Problemen zu tun hat? – Probleme, für die die AfD offenbar Lösungsansätze zu haben scheint, sonst würden sie ja nicht so viele wählen. Oder hält Sarah Bosetti Arbeiter etwa für doof?
Für ihre Sendung stellte sie sich vor das BMW-Motorradwerk Berlin und sprach dort mit Angestellten über ihre Wahlentscheidungen. Zu ihrem Entsetzen (oder für die Einschaltquote) gaben sich dann doch ein paar Arbeiter als AfD-Wähler zu erkennen.
Linke Selbsttäuschung
Ihre Studiogäste verstärkten das Bild einer Blase. Eingeladen waren Gesine Schwan, Vorsitzende der SPD-Grundwertekommission, und Juso-Chef Philipp Türmer. Beide lieferten klassische Pseudo-Analysen. Türmer sprach von einer Identitätskrise und warf der Partei vor, sich im Status Quo eingerichtet und sich zu sehr als „bester Verwalter“ gesehen zu haben. Schwan plädierte für einen erweiterten Arbeiterbegriff („Wir sind eine Partei der Arbeit, aber wir sind keine Arbeiterpartei“) und weniger Geschichtsdebatten. Beide blieben jedoch in der gewohnten linken Komfortzone. Eine ehrliche Auseinandersetzung mit den tatsächlichen Gründen des Vertrauensverlusts fand nicht statt.
Warum wählen Leute die AfD? Nicht, weil sie das komplette Parteiprogramm bis ins Kleinste studiert haben, sondern weil sie bei ihren drängendsten Prioritäten andockt. Für viele geht’s eben nicht nur um Löhne oder Mindestlohn, sondern um Dinge wie Migration, Sicherheit oder das Gefühl, dass im Land irgendwas aus dem Ruder läuft. Wenn die Energiepreise durch die Decke schießen, die Inflation den Lohn frisst und massenhaft „Fachkräfte“ in unser Land einwandern, brauchen sich die Altparteien nun wirklich nicht wundern, wenn ihr übliches Wählerklientel zur Alternative abwandert.

Auch wenn ihr wirtschaftspolitisches Programm nicht klassisch „arbeiterfreundlich“ im Sinne von starken Gewerkschaften oder höherem Mindestlohn geprägt ist, spricht sie andere Punkte an, die für viele aktuell wichtiger sind. Und genau da liegt der Knackpunkt. Gewählt wird nicht das Gesamtprogramm im Detail, sondern das, was die eigenen Prioritäten am meisten anspriccht.
Die Sendung sollte man sich nur anschauen, wenn man wissen möchte, wie tief die linke Selbsttäuschung inzwischen wirklich gesunken ist.
„Links-grüne Meinungsmacht“, wie sie Julia Ruhs in ihrem Buch beschreibt, ist nicht nur ein Ärgernis, sie ist eben auch hochgradig gefährlich. Hier bestellen.




