Drei Jahre, nachdem die letzten Kernkraftwerke vom Netz gingen, hat sich die Stimmung im Land gedreht. Eine aktuelle Umfrage zeigt: Die Mehrheit sieht im Abschalten der Meiler heute einen Irrweg. Dabei sitzt die Erinnerung an Tschernobyl bei vielen Deutschen noch immer tief. Praktisch: das COMPACT-Sturmfeuerzeug. Damit können Sie ordentlich Zunder geben. Hier bestellen.
Im April 2023 wurden die letzten drei deutschen Reaktoren abgeschaltet, und mit ihnen, so schien es, wurde eine jahrzehntelange Debatte beerdigt. Es war das Ende eines politischen Projekts, beschleunigt durch Fukushima, vollendet von Angela Merkel und ihrer Großen Koalition, die Ideologie über Versorgungssicherheit stellte.
Eine aktuelle Befragung von YouGov und dem Sinus-Institut, für die 1.944 Personen ab 18 Jahren herangezogen wurden, zeigt nun, dass 53 Prozent den damaligen Ausstieg aus der Kernenergie für falsch halten. Lediglich 40 Prozent befürworten ihn heute noch. Fast jeder Dritte, 32 Prozent, bezeichnet die Abschaltung sogar als „voll und ganz falsch“.
Kurz nach der Nuklearkatastrophe von Japan 2011 sprachen sich noch fast neun von zehn Deutschen für einen schnellen Atomausstieg aus. Die damalige Kanzlerin Merkel sagte: „Wenn schon in einem Land wie Japan mit sehr hohen Sicherheitsstandards nukleare Folgen eines Erdbebens nicht verhindert werden können, dann kann auch ein Land wie Deutschland nicht einfach zur Tagesordnung übergehen.“
Der Schatten von Tschernobyl
Anlass der YouGov-Erhebung war der 40. Jahrestag der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl. Die Erinnerung daran ist tief im kollektiven Gedächtnis verankert: 93 Prozent der Befragten haben davon gehört, 48 Prozent können genau schildern, was damals geschah. In der Nacht zum 26. April 1986 explodierte der vierte Reaktorblock des sowjetischen Atomkraftwerks. Tschernobyl liegt in der heutigen Ukraine, im Norden des Landes nahe der Grenze zu Belarus.

Radioaktives Material wurde in die Atmosphäre geschleudert und verseuchte 150.000 Quadratkilometer in Belarus, der Ukraine und Russland, ein Gebiet, in dem fünf Millionen Menschen lebten. Über 330.000 Menschen mussten evakuiert werden. Die radioaktive Wolke stieg fast tausend Meter in den Himmel, die freigesetzte Strahlung übertraf jene der Atombombe von Hiroshima um ein Vielfaches. Bis heute gilt Tschernobyl als der schwerste Atomunfall der Geschichte.
Offiziell starben 31 Menschen unmittelbar durch Explosion und Brandbekämpfung. Das Tschernobyl-Forum schätzte 2005 die Gesamtzahl der Todesopfer auf etwa 4.000. Andere Schätzungen gehen von deutlich höheren Zahlen aus. Die seriösen Schätzungen schwanken zwischen 4.000 und 60.000 Krebstoten, manche Wissenschaftler gehen sogar von weit mehr aus.
Die Katastrophe gab der deutschen Anti-Atom-Bewegung entscheidenden Rückenwind, radioaktiver Niederschlag erreichte sogar die Bundesrepublik, Spielplätze wurden gesperrt und Lebensmittel aus dem Handel genommen.
Ablehnung heißt noch lange kein Ja
Interessant: Kritik am Ausstieg bedeutet keineswegs ein Bekenntnis zur Atomenergie. Bei der YouGov-Umfrage nennen lediglich 39 Prozent die Kernenergie als eine Quelle, die Deutschland künftig nutzen sollte. Klar vorne rangieren weiterhin die Erneuerbaren: 62 Prozent sprechen sich für Solarenergie aus, 60 Prozent für Windkraft, 50 Prozent für Wasserkraft. Fossile Träger landen weit abgeschlagen, Erdgas bei 21 Prozent, Kohle und Öl jeweils bei 9 Prozent.

Was die Erhebung offenbart: Die Deutschen bereuen den Ausstieg, wollen die Meiler aber trotzdem stillgelassen sehen. Was sie stattdessen wollen, bleibt diffus. Günstigere Energie, mehr Versorgungssicherheit, weniger Abhängigkeit. Wie das ohne Atomstrom und ohne fossile Brennstoffe gelingen soll, beantwortet die Befragung freilich nicht.
Spahn gegen Merz, CDU gegen sich selbst
Die Spaltung zieht sich auch durch die Regierungsparteien. 62 Prozent der SPD-Wähler halten den Ausstieg für richtig, nur 32 Prozent für falsch. Bei CDU/CSU-Anhängern ist das Verhältnis umgekehrt: 63 Prozent lehnen ihn ab, 32 Prozent befürworten ihn. Grünen-Wähler verteidigen die Entscheidung mit 80 Prozent, AfD-Anhänger verwerfen sie zu 90 Prozent.
Pikant: Es war die Union unter Kanzlerin Angela Merkel, die 2011 den sukzessiven Ausstieg einläutete, als Reaktion auf Fukushima, gegen den erklärten Willen großer Teile der eigenen Basis. Heute ist die Partei gespalten. Fraktionschef Jens Spahn sprach sich vergangene Woche vor einem Innovationskongress offen für die Wiederinbetriebnahme der stillgelegten Kraftwerke aus:
„Es gibt Studien, die sagen, dass die stillgelegten Reaktoren der letzten Jahre mit um die neun, zehn Milliarden Euro wieder ans Netz gehen könnten. Wir könnten mit deutlich weniger unsere gerade abgeschalteten Anlagen wieder hochfahren. Eine Diskussion ist es in jedem Fall wert.“
Kanzler Friedrich Merz hingegen hatte den Ausstieg zuletzt als „irreversibel“ bezeichnet und sieht darin keinen kurzfristigen Pfad zu besserer Versorgung. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kündigte Mitte März den Bau moderner Mini-Reaktoren im Freistaat an, gegen die ausdrückliche Linie des Kanzlers. Die Union streitet also mit sich selbst über einen Irrtum, den sie selbst mitverantwortet.
Was bleibt, ist ein Land, das seinen energiepolitischen Sonderweg bereut, aber noch keinen neuen eingeschlagen hat. Die Kraftwerke sind vom Netz, die Brennstäbe eingelagert, Isar 2 seit April 2024 im Rückbau. Eine Rückkehr wäre technisch denkbar, politisch jedoch weiterhin vermint. Die Umfrage zeigt den Stimmungswandel. Die Konsequenz steht noch aus.
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