So führten mich die philosophisch geprägten Animes der 1980er und 1990er Jahre zu Heidegger – und formten die von Angst, Terror und Entfremdung geprägte Welt meines Science-Fiction-Romans «Dimensional Prophecy of Zohar Redux».
Kyoto Novalis, Japan, zu einem nicht näher bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft. Mehrere Jahre sind vergangen, seit die Caine-Aliens einen Terroranschlag auf die Marskolonie Grover’s Mill verübten. Die Außerirdischen waren ohne jede Vorwarnung aufgetaucht und hatten das Regierungsgebäude der Kolonie angegriffen. Seltsamerweise deuteten spätere Untersuchungen darauf hin, dass es sich bei diesen Aliens offenbar ebenfalls um eine Form von Menschen handelte.
Der Angriff hatte eine jahrzehntelange Terrorkrise zur Folge. Die (vermeintlichen) Außerirdischen tauchten immer wieder unvermittelt in menschlichen Städten auf, verübten Anschläge, töteten zahlreiche Menschen und verschwanden unmittelbar danach wieder. Nirgendwo war man vor ihnen sicher. Sie konnten überall zuschlagen und Angst und Schrecken verbreiten. Selbst verschärfte Überwachungsmaßnahmen und drastische Eingriffe vermochten sie nicht aufzuhalten.
Wettlauf gegen die Zeit
Eines Tages entdeckten der Mathematiker Riemann und seine Assistenten Szabi und Rosenberg einen mathematischen Algorithmus, mit dem sich präzise vorhersagen ließ, wann die Caine erscheinen würden. Endlich hatte die Menschheit eine Möglichkeit, sich gegen die Terroristen zur Wehr zu setzen. In Kyoto Novalis wurde ein Institut gegründet, um den Algorithmus anzuwenden und weiterzuentwickeln. Nun konnte man Anschläge verhindern und Menschenleben retten. Endlich schien sich die Lage zu bessern.
Doch dann lieferte der Algorithmus plötzlich zahlreiche Fehlprognosen. Es stellte sich heraus, dass er Probleme mit der Maschinengenauigkeit und relativen Fehlern hatte und deshalb überarbeitet werden musste. Das Carl-Friedrich-Gauß-Institut erhielt zudem den Auftrag, die Effizienz und Genauigkeit des Algorithmus zu verbessern.
Karala Yagiyu, die junge Tochter zweier am Institut beschäftigter Wissenschaftler, soll als Spezialistin angeworben werden. Sie reist mit dem Zug nach Kyoto Novalis. Zur selben Zeit tauchen jedoch Leichen von Menschen auf, die offenbar von den Caine-Aliens ermordet wurden. Die Vorfälle häufen sich, und die Caine treiben manche Menschen sogar in den Wahnsinn.
Die Lage spitzt sich zu einer absoluten Krise zu, denn die Regierung sieht nur noch einen Ausweg, um die Außerirdischen aufzuhalten: Notfalls muss die gesamte Stadt mit Wasserstoffbomben vernichtet und anschließend unter einer Betonschicht begraben werden. Lässt sich die Katastrophe noch verhindern, oder ist bereits alles verloren?
Platon in Animes
Dies ist die Handlung meines ersten Science-Fiction-Romans «Dimensional Prophecy of Zohar Redux», der im COMPACT-Shop erhältlich ist. Es ist unschwer zu erkennen, dass die Angst das zentrale Thema der Geschichte bildet. Das Buch ist stark von Heideggers Werk inspiriert. Doch wie kam es dazu, und worin äußert sich dieser Einfluss? Für viele mag es paradox klingen, aber die Ursprünge liegen nicht in der Philosophie, sondern in der Populärkultur – genauer gesagt in den Animes der 1980er und 1990er Jahre.
Viele Animes jener Zeit besaßen einen philosophischen Unterbau. Ein bekanntes Beispiel ist Mamoru Oshiis Film «Ghost in the Shell», der später zu einer der wichtigsten Inspirationsquellen für die «Matrix-Filme» der Wachowski-Geschwister wurde. Die Trilogie kann man getrost als berühmteste Verfilmung von Platons Werk ansehen.
Ein weiterer bekannter gnostischer und platonischer Anime aus den 1980er Jahren ist «Megazone 23». Darin halten Maschinen die Menschheit in einer simulierten Realität gefangen, in der sich die 1980er Jahre seit Jahrhunderten in einer Endlosschleife wiederholen.
Auch «A Wind Named Amnesia» ist ein ausgesprochen platonisches Werk. Es basiert auf einem japanischen Science-Fiction-Roman, in dem Aliens die Kontrolle über die Welt übernehmen und in regelmäßigen Abständen das Gedächtnis der Menschheit auslöschen. Der Protagonist ist ein Wanderer, der eine außerirdische Frau namens Sophia liebt und nach Menschen sucht, die bereit sind, das Wagnis auf sich zu nehmen, sich zu bilden und ihre Erinnerungen zurückzugewinnen. Man beachte den Namen: Der Protagonist liebt Sophia. Die Liebe zu «Sophia», also zur Weisheit, ist schließlich die eigentliche Bedeutung des Wortes Philosophie.
Freimaurerei und Rosenkreuzertum
Der bekannteste «philosophische Anime» dürfte allerdings Hideaki Annos «Neon Genesis Evangelion» sein – mit seinen Bezügen zu Freud, Lacan, Wilhelm Reich und der Kabbala sowie direkten Zitaten von Schopenhauer und Søren Kierkegaard. Kunihiko Ikuharas Serie «Revolutionary Girl Utena» wiederum ging ursprünglich aus einem abgelehnten Konzept für einen «Sailor Moon»-Film hervor, das das Studio anschließend in eine komplexe freimaurerische und rosenkreuzerische Allegorie verwandelte.
Die wohl philosophisch anspruchsvollste Anime-Serie ist allerdings «Serial Experiments Lain», die zu fast 99 Prozent aus verschachtelten philosophischen Diskussionen über Kausalität, die Wirkung der Medien, Existenz, das Internet, Computertechnologie, Zeit und andere Themen besteht. Mamoru Oshiis «Angel’s Egg» ist ein berühmter Kurzfilm, der sich mit Nietzsches Vorstellung vom «Tod Gottes» beschäftigt.
Dass solche Themen in Anime jener Zeit so stark vertreten waren, lag daran, dass Japans Wirtschaft in den 1980er Jahren boomte, während die Erfindung der VHS-Kassette eine Explosion des unabhängigen Filmschaffens auslöste. Es war die einzige Epoche, in der eine Gruppe von Science-Fiction-Nerds bei Investoren vorsprechen und ein Budget von einer Million Dollar für die Produktion eines Science-Fiction-Anime erhalten konnte.
So entstanden zahlreiche Werke nach dem Motto: «Lasst uns Philosophie, Philip K. Dick, Robert Heinlein, Isaac Asimov und die Ästhetik von französischen Métal-Hurlant-Comics, Alien und Blade Runner zu einem neuen Anime verschmelzen.»
Ein Video, das erklärt, was die Anime dieser Epoche und ihre Ästhetik so unverwechselbar macht:
Eine Montage mit Szenen aus Animes jener Zeit:
Nicht nur das Kino wurde von diesen Strömungen erfasst. Sie setzten sich auch in Videospielen fort. Es ist kein Zufall, dass einer der leitenden Angestellten des Shinra-Konzerns in «Final Fantasy VII» Heidegger heißt, während der berühmte Professor Gast geradezu eine Kopie des in den Nationalsozialismus verstrickten Frühzeitforschers Hermann Wirth ist.
«Xenogears», das offenkundig von «Neon Genesis Evangelion» beeinflusst wurde, enthält Anspielungen auf Nietzsche, die Gnosis, die Psychoanalyse und vieles mehr. Hinzu kommt die berühmte «Metal Gear»-Reihe, die viele Spieler gerade wegen ihrer Auseinandersetzung mit solchen Themen kennen.
Nietzscheanische Computerspiele
Die Animes dieser Epoche und die aus ihr hervorgegangenen Werke zählen eindeutig zu den wichtigsten Einflüssen auf meinen Science-Fiction-Roman «Dimensional Prophecy of Zohar Redux». Sogar das Wort «Dimensional» im Titel entstammt dieser Tradition. Ich orientierte mich dabei an den Namenskonventionen von «Super Dimension Fortress Macross», «Super Dimension Cavalry Southern Cross» und «Super Dimension Century Orguss». Diese Anime waren es auch, die mich überhaupt erst zur Philosophie brachten.
Natürlich gingen die meisten Anspielungen Ende der 1990er Jahre, als ich noch ein autistischer Super-Nerd war, völlig an mir vorbei. Ich schaute die Serien hauptsächlich wegen der Action. Doch als ich in der gymnasialen Oberstufe Philosophieunterricht bekam und mir «Neon Genesis Evangelion» noch einmal ansah, machte es plötzlich Klick.

Eigentlich verlief das Ganze auf einem ziemlichen Umweg. Nachdem ich «Evangelion» gesehen hatte, las ich in einer alten Ausgabe der «Animania» – ich besitze diese Hochglanzmagazine aus den 1990er Jahren noch immer – einen Artikel über das Videospiel «Xenogears». Darin hieß es, das Spiel sei «Neon Genesis Evangelion» ähnlich. Von da an wollte ich es unbedingt spielen.
Nach einer extrem langen Überzeugungsphase brachte ich meinen Vater schließlich dazu, mir einen Modchip für die Playstation und eine importierte Ausgabe von «Xenogears» zu bestellen. Außerdem hatte ich gehört, dass dazu inoffizielle Nachfolger wurden: «Xenosaga Episode I: Der Wille zur Macht», «Xenosaga Episode II: Jenseits von Gut und Böse» und «Xenosaga Episode III: Also sprach Zarathustra». Die wollte ich natürlich ebenfalls haben.
Die Titel der Spiele machten mich stutzig. Sie klangen ausgesprochen merkwürdig, und ich wollte unbedingt wissen, was diese seltsamen Bezeichnungen zu bedeuten haben. Also schlug ich sie im Internet nach – und fand die Werke von Friedrich Nietzsche. Dieser eine Schritt hat mein Leben tatsächlich zum Besseren verändert.
In meiner Freizeit begann ich nun ständig Nietzsche, Kant, Heidegger, Kierkegaard und viele andere Denker zu lesen. Meine Philosophie-Noten verbesserten sich von einer Vier zur Bestnote der gesamten Klasse – und das bei jeder Klausur. Mein Philosophielehrer flehte mich am Ende regelrecht an, statt Informatik lieber Philosophie zu studieren. Ironischerweise sollte er am Ende seinen Willen bekommen, denn ich befasste mich neben meinem Informatikstudium eingehend mit Philosophie.
Heimliche Heidegger-Lektüre
Ich war von diesen alten Animes vollkommen überwältigt und wollte selbst etwas Ähnliches erschaffen. Mithilfe von Vaporwave und vor allem der Künstlichen Intelligenz versuchen heute viele Menschen, die Anime-Ästhetik der 1980er und 1990er Jahre wiederzubeleben. Ich habe damit allerdings schon um 2004 angefangen.
Mit großem Eifer studierte ich nicht nur die Werke der Philosophen, sondern auch die Science-Fiction-Einflüsse, die hinter diesem Stil standen: «Blade Runner», «2001: Odyssee im Weltraum», «Starship Troopers», «Alien», H. R. Giger, Stanislaw Lem und viele andere.
Mein Projekt «Dimensional Prophecy of Zohar Redux» begann in den Sommerferien, als ich ungefähr siebzehn Jahre alt war. Die Idee entstand durch ein Interview in «Blade Runner» mit einem Anime-Regisseur, der erklärte, er wolle einen Film über das Sein drehen.

librairie
Zufälligerweise hatte ich mir dasselbe Philosophielehrbuch gekauft, das auch unser Lehrer verwendete, und darin gab es ein riesiges Kapitel, das sich genau mit diesem Thema beschäftigte. Ich dachte mir: «Okay, dann schreibe ich eben auch eine Geschichte darüber.»
Ich arbeitete mich durch dieses Kapitel, dazu durch Auszüge von Nietzsche, Sartre, Heidegger, Hegel, Freud und Marx, und begann langsam, die Geschichte zu planen. Andere Siebzehnjährige lasen damals nachts heimlich unter der Bettdecke den «Playboy». Ich las stattdessen heimlich Heidegger.
Meine Grundidee bestand darin, das Thema des Seins in den Mittelpunkt zu stellen und eine zukünftige Menschheit zu schildern, die von bizarren, an Lovecraft erinnernden Außerirdischen angegriffen wird – Wesen, die aus irgendeinem Grund ebenfalls Menschen sein sollten. Eine der zentralen Fragen, mit denen sich die Protagonisten beschäftigen würden, lautete deshalb: Warum sollten auch diese Kreaturen als Menschen gelten?
Im ersten Entwurf ähnelten sie noch den Bugs aus «Starship Troopers», weil ich damals noch nicht gelernt hatte, den Stil Lovecrafts angemessen einzufangen. Doch je besser ich ihn und sein Werk verstand und je mehr andere Bücher wie «Solaris» ich kennenlernte, desto stärker entwickelten sich die Außerirdischen zu unheimlichen, für den menschlichen Verstand unbegreiflichen Monstrositäten.
Verschwörungen im Stil von «Akte X»
Der allererste Rohentwurf, den ich auf deutschen Fanfiction-Webseiten veröffentlichte, war noch äußerst unausgereift und wies erhebliche Schwächen im Handlungsaufbau auf. Jahre später, während meines Informatikstudiums, begann ich mit der ersten größeren Überarbeitung der Geschichte. Den Anstoß gab eine ganz einfache persönliche Angst: Ich hatte schreckliche Angst davor, bei einer bevorstehenden Prüfung durchzufallen. Ich suchte nach einer Möglichkeit, über meine Ängste zu sprechen.
Also schrieb ich die Geschichte so um, dass die Menschheit einen Algorithmus – ein Computerprogramm – entwickelt hatte, um sich gegen die Außerirdischen zu verteidigen. Durch einen vermeintlichen Zufall litt dieses Programm jedoch ausgerechnet unter jenen Problemen, die in meiner Prüfung behandelt wurden, und musste deshalb korrigiert werden.

Zudem verlagerte sich der Schwerpunkt der Handlung weg von Militär und Kampfhandlungen, hin zu Forschung und Analyse – ergänzt um eine ordentliche Portion Ermittlungsarbeit und Verschwörungen im Stil von «Akte X». Dann entdeckte ich einen weiteren Anime namens «Gasaraki», der meine Arbeit ebenfalls beeinflusste.
Die Macher dieser Serie waren der Ansicht, Hideaki Anno habe es mit Esoterik und Mystizismus in «Neon Genesis Evangelion» übertrieben. Stattdessen wollten sie eine «glaubwürdige Vision einer möglichen Zukunft» präsentieren. Man dürfte sofort erkennen, wie erschreckend glaubwürdig die Grundidee von «Gasaraki» war.
Die im Jahr 2000 produzierte Serie erzählt folgende Geschichte: In naher Zukunft beschuldigen die Vereinigten Staaten den Diktator eines nahöstlichen Landes – der Saddam Hussein verblüffend ähnlich sieht –, über Massenvernichtungswaffen zu verfügen. Sie beginnen einen unpopulären Krieg mit dem Ziel eines Regimewechsels. Als sich die Kämpfe zunehmend festfahren, werden immer häufiger unbemannte Kampfdrohnen eingesetzt. So viel zu einer «glaubwürdigen Vision einer möglichen Zukunft». Fast genauso geschah es ein Jahr später.
Die Serie brachte mich auf eine weitere Idee: Die Regierung würde die angreifenden Außerirdischen als Terroristen betrachten und im Bemühen, sie aufzuhalten, die Bürgerrechte einschränken, die Überwachung ausweiten und ähnliche Maßnahmen einführen.
Existenzielle Angst als zentrales Thema
Das nächste entscheidende Ereignis war die Katastrophe von Fukushima im März 2011. In Deutschland verfielen die Menschen praktisch in eine Massenpsychose. Das führte unter anderem dazu, dass sich mancher versehentlich mit Medikamenten zum Strahlenschutz vergiftete. Außerdem veranlasste es die Bundesregierung unter Angela Merkel zu dem idiotischen Atomausstieg, also der schrittweisen Abschaltung sämtlicher Kernkraftwerke des Landes – einer der Gründe für die gegenwärtige Energiekrise.
Später verzichtete Deutschland auch noch auf billiges russisches Gas und ersetzte es durch Flüssiggas. Dieses LNG bezieht Deutschland aus Katar, wobei dessen Transport davon abhängt, ob die Straße von Hormus wieder geöffnet wird. Wäre ich kein Deutscher, könnte ich darüber beinahe lachen. All das machte mir jedenfalls eines klar: Ich musste meine Geschichte und ihre Philosophie grundlegend verändern.

Bis dahin hatte Heidegger lediglich in einer kleineren Nebenhandlung um die Figur Madoka Michael und deren Psyche eine Rolle gespielt. Doch Heideggers Thema der existenziellen Angst musste zum zentralen Thema der gesamten Geschichte werden – nicht zuletzt deshalb, weil es die Wirklichkeit widerspiegeln würde.
Die Fukushima-Krise hatte deutlich gezeigt, dass Menschen keineswegs jene rationalen, logisch denkenden Wesen sind, als die sie von vielen dargestellt werden. Nein! Das zentrale menschliche Gefühl ist die Angst. Die Angst ist zuerst da; erst danach fragen wir uns, wovor wir eigentlich Angst haben. Das Grundgefühl, das uns von der Geburt bis zum Tod begleitet und all unsere Handlungen und unsere gesamte Lebensweise bestimmt, ist die Angst.
Mir wurde außerdem klar, dass dieses Thema nicht nur auf Madoka zutraf, sondern auf sämtliche Figuren und sogar auf den Hintergrund der Geschichte selbst. Karala ergreift nach ihrer Begegnung mit den außerirdischen Monstern zunächst die Flucht, bereut dies später jedoch. Wieder ist die Angst eindeutig das bestimmende Thema.
Auch die Grundidee, sämtliche staatlichen Mittel für die Fertigstellung eines Computerprogramms aufzuwenden, das außerirdische Angriffe vorhersagen kann, ist ein Beispiel für Angst und dafür, wie Menschen versuchen, mit ihr umzugehen. Wie mir später bewusst wurde, ist dies zugleich ein Beispiel für das, was Heidegger als «Gestell» bezeichnete.
Von Heidegger zu Dugin
Das führte zur letzten großen Überarbeitung von Projekt «Dimensional Prophecy of Zohar Redux» begann, bei der ich die Angst und Heideggers Philosophie ganz in den Vordergrund rückte. Damit erhielt die Handlung ihren letzten Schliff. Infolgedessen wurden die Außerirdischen nun auch im wörtlichen Sinne radioaktiv und strahlten.
Später fügte ich darüber hinaus Anspielungen auf andere Ängste hinzu. So führen die Alien-Angriffe beispielsweise zur Verhängung von Ausgangssperren und einer Maskenpflicht. Sie sollten zur Verkörperung sämtlicher Ängste unserer Gegenwart werden.
Neben seinen politischen und philosophischen Themen wurde das Werk für mich zugleich zu einem Mittel der Selbstanalyse – ganz nach dem Vorbild, das Hideaki Anno mit «Neon Genesis Evangelion» geschaffen hatte. Meine sozialen Ängste, die Schwierigkeiten, die ich aufgrund meines Autismus im Umgang mit anderen Menschen hatte, und viele weitere persönliche Erfahrungen flossen in die Geschichte ein.
Mein wachsendes Interesse an Heidegger hatte später noch eine weitere Konsequenz. Im Jahr 2015 erzählte mir ein libertärer Facebook-Freund von einem russischen Philosophen namens Alexander Dugin, der angeblich zu den bedeutendsten lebenden Heideggerianern gehörte. Diese Entdeckung brachte mich buchstäblich auf jenen Weg, den ich bis heute gehe.
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