Der Ludwig-Erhard-Gipfel steckt in der wohlverdienten Sinnkrise. Für die 12. Ausgabe vom 28. bis 30. April droht ein Desaster. Vorbei die Zeiten, in denen die BRD-Elite bei Familie Weimer ein- und ausging. Nach Korruptionsvorwürfen laufen Figuren wie Merz und Söder vor dem „deutschen Davos“ davon. Alle Fakten zur Tegernsee-Connection finden sich in der Ausgabe 1-2026 „Jahr des Goldes“. Hier mehr erfahren.
Gegen Schickeria-Treffen ist grundsätzlich wenig einzuwenden. In Bayern haben sie sogar in gewisser Weise Tradition. Tegernsee, Alpenpanorama, handverlesenes Publikum, es gilt: „Wer reinkommt, ist drin“. Das mag für gesellschaftliche Zirkel gelten. Für die Demokratie darf es das nicht.
Das Flüchten der Hauptdarsteller
Der Ludwig-Erhard-Gipfel, der in einer kommenden Woche stattfinden soll, hat den Bogen dramatisch überspannt, hat Nähe, Macht und Geld wie selbstverständlich miteinander verschmolzen, politische Einflussnahme verkauft. Nach dem Auffliegen flüchten jetzt die Hauptdarsteller. Die Damen und Herren bekommen kalte Füße. Nach den Absagen von Markus Söder, Lars Klingbeil, Dorothee Bär, Thorsten Frei, Katherina Reiche und vielen anderen ist aus dem einstigen „deutschen Davos“ bereits jetzt eine Provinzveranstaltung mit Seeblick geworden.
Der Gipfel sei dieses Jahr „ohnehin weniger politisch“, heißt es plötzlich. Das wirkt allerdings nicht wie eine strategische Neuausrichtung, sondern eher wie Schadensbegrenzung. Jahrelang lebte die Veranstaltung davon, politische Spitzenkräfte, wirtschaftliche Interessen und exklusive Zugänge zu inszenieren und miteinander zu verkuppeln.
Der Kern der Kritik lässt sich auch durch empörte Zurückweisungen nicht wegmoderieren: Dass zahlungskräftige Teilnehmer privilegierten Zugang zu politischen Entscheidungsträgern erhalten konnten, ist unbestritten. Politische Kultur und demokratischen Abläufe wurden hier mit Füßen getreten.
Im Grunde kommt nun gar kein Prominenter mehr an den Tegernsee. Die Weimer-Media-Group lässt zwar immer noch Bilder früherer Gipfel mit Merz, Klingbeil und auch Bundestagspräsidentin Klöckner im Rahmen ihrer Internet-Seite sprechen, doch in Wahrheit meiden Polit-Bosse aller Farben die früher so prunkvolle Zusammenkunft geradezu hartnäckig. Wer etwas auf sich hält, macht einen großen Bogen um das frühere „Meinungsführertreffen“.
Amthor, Laschet und Brosius-Gersdorf verbleiben…
Ranghöchster Gast ist derzeit Staatssekretär Philipp Amthor. Außerdem haben sich offenbar der einstmalige CDU-Wunschkanzler Armin Laschet und Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) angekündigt. Dem Vernehmen nach soll Frauke Brosius-Gersdorf, die verhinderte Kandidatin für das Bundesverfassungsgericht ihren Auftritt haben.
Aus „gut informierten Kreisen“ wird gemeldet, dass Amthors Kommen noch längst nicht in trocknen Tüchern ist, und Armin Laschet hat sich offenbar gestern beim Rollerfahren die Schulter gebrochen. Mit solchen Aussichten sind die üblichen Gipfel-Protzereien natürlich nicht möglich.
Der Ludwig-Erhard-Gipfel wollte stets mehr scheinen als sein. Er wollte Denkfabrik sein, Schaufenster der sozialen Marktwirtschaft. Davon ist 2026 nichts übrig, vormalige Schirmherren und Gönner haben längst die Flucht ergriffen. Und so droht für die Zukunft ein kleinerer Zirkel, der nicht versteht, warum die Öffentlichkeit plötzlich genauer hinsieht.
Wer politische Nähe verkaufen will, darf sich nicht wundern, wenn ihm am Ende niemand mehr die Bühne betritt. Alle Fakten zur Tegernsee-Connection finden sich in Ausgabe 1/2026 des COMPACT-Magazins. Hier bestellen.





