Heute steigt Deutschland in die EM ein – und das gleich mit dem Super-Klassiker gegen Frankreich. Die beiden Mannschaften lieferten sich viele denkwürdige Begegnungen, doch für viele Fans ist das WM-Halbfinale des Jahres 1982 im spanischen Sevilla das Spiel aller Spiele geblieben. Ein deutscher Spieler wuchs damals über sich hinaus und wurde gleichzeitig zu einer internationalen Hassfigur. Es folgt ein Auszug aus COMPACT-Spezial Nationalsport Fußball: Herzschlag einer deutschen Leidenschaft.

    Es ist der 8. Juli 1982: Nach 120 Minuten steht es 3:3. Zum ersten Mal bei einer WM muss eine DFB-Auswahl ins Elfmeterschießen. Alle treffen, doch den dritten deutschen Elfer kann der französische Tormann Jean-Luc Ettori halten. Schütze Uli Stielike bricht weinend zusammen. Trost spendet ihm Torwart Harald „Toni“ Schumacher, der in den kommenden Minuten zweimal fest zupackt und die Elfmeter von Didier Six und Maxime Bossis hält. Er ist der Held mit den Handschuhen! Deutschland ist im Finale!

    Kaum jemand polarisierte während seiner Zeit als aktiver Sportler so wie der Mann mit den blonden Locken. Es gab aber auch kaum einen, der sich den Erfolg so hart erarbeitet hatte. Geboren wurde Toni Schumacher am 6. März 1954 in Düren als Kind einer Arbeiterfamilie, in der jeder Pfennig zweimal umgedreht werden musste. Fleisch kam nur einmal in der Woche auf den Tisch, erinnert er sich später in seiner Autobiografie Anpfiff. Die bescheidenen Verhältnisse, denen er entstammte, vergaß er nie, sie beflügelten seinen brennenden Ehrgeiz.

    Double mit den Geißböcken

    „Meine Slums lagen in Düren“, bekannte der spätere 76-fache Nationalspieler, der als Kind mit seinen Freunden auf der Straße kickte, bis diese ihn eines Tages zu Schwarz-Weiß mitnahmen, dem örtlichen Fußballverein. Der 1. FC Köln, der mit Dürener Fußballern wie Karl-Heinz Schnellinger oder Georg Stollenwerk gute Erfahrungen gemacht hatte, wirft früh ein Auge auf das junge Talent. Schumacher will aber erst seine Lehre als Kupferschmied beenden, bevor er sich dem Profifußball zuwendet.

    In der zweiten Hälfte der 1970er Jahre ist es eine Auszeichnung, für den Geißbockverein zu spielen, der die erfolgreichste Phase seiner Geschichte erlebt. Schumacher zählt zu den prägenden Gesichtern einer Mannschaft, der damals viele herausragende Spieler wie Hannes Löhr, Bernd Cullmann, der japanische Legionär Yasuhiko Okudera oder der „weiße Brasilianer“ Heinz Flohe angehörten. In der Saison 1977/78 gewinnt der FC das Double, die Meisterschaft und den Pokalsieg.

    Drama um die „Katze von Anzing“

    Der Anruf von Bundestrainer Helmut Schön, der angesichts solcher Erfolge eigentlich zu erwarten gewesen wäre, bleibt aber aus. Die Torwartposition in der Nationalmannschaft ist schon seit der Weltmeisterschaft 1970 fest an Josef „Sepp“ Maier vergeben. Doch am 14. Juli 1979 wird die „Katze von Anzing“ bei einem Autounfall schwer verletzt – der Münchner Keeper muss seine Karriere beenden. Schumacher wird von dem neuen Bundestrainer Jupp Derwall gleich ins kalte Wasser geschmissen: Er ist Stammtorhüter bei der Europameisterschaft 1980 und gewinnt in seinem siebten Länderspiel im Finale von Rom gegen Belgien mit der deutschen Mannschaft gleich den Titel.

    Auch sonst ist der Kölsche Tünn – so die rheinische Version von Toni – ein Ausnahmespieler: Während der Hymne schließt er die Augen und scheint sich wie ein Buddha ganz in die Musik zu versenken. Er schont weder sich noch andere – das Finale der Europameisterschaft spielt er mit einem Mittelhandbruch, den er seinem Trainer verheimlicht hatte. Der setzt auch zwei Jahre später bei der WM wieder auf Schumacher.

    Dieses Turnier ist bis heute ein Lieblingsthema all jener Journalisten, die den deutschen Fußball ohnehin nicht mögen. Nach einer peinlichen Auftaktpleite gegen Algerien und einem 4:1-Sieg gegen Chile reichte im letzten Vorrundenspiel gegen Österreich ein 1:0-Sieg der Deutschen beiden Mannschaften zum Erreichen der nächsten Runde. Die Partie, die als „Schande von Gijon“ in die Sportgeschichte einging, endete wohl nicht zufällig mit genau diesem Ergebnis. Die Algerier hatten allen Grund, sich ausgebootet zu fühlen, und es war richtig, dass die FIFA fortan die letzten WM-Gruppenspiele zeitgleich austragen ließ.

    Eine unvergessliche Nacht

    Über die deutsche Mannschaft brach nach dem Spiel gegen Österreich ein Hagel an Pauschalverurteilungen herein, die vollkommen überzogen waren und zu Trotzreaktionen führten. Uwe Reinders vom SV Werder Bremen erklärte beispielsweise, es interessiere ihn nicht, „wenn Tante Frieda zu Hause Zirkus macht“. Das Verhältnis der Nationalmannschaft zur Öffentlichkeit war nun jedenfalls gestört, und es ging fast unter, dass die DFB-Elf auch die Zwischenrunde nach einem Unentschieden gegen England und einem Sieg gegen Gastgeber Spanien erneut mit dem ersten Platz abschloss.

    Und dann kam am 8. Juli die Nacht von Sevilla: Es mag spektakulärere und schönere Spiele gegeben haben, so dramatisch wie dieses Halbfinale gegen Frankreich war aber kaum eine andere Begegnung. Michel Platini, damals der geniale Mittelfeldregisseur der Franzosen, äußerte später über das Aufeinandertreffen:

    In zwei Stunden habe ich alles durchlebt, was es an Gefühlen gibt. Zufriedenheit, Traurigkeit, Freude, Wut, Hass – das kann einem in dieser Intensität kein Film und kein Theaterstück geben.

    Der Zusamenstoß mit Battiston

    Die deutsche Mannschaft schien in der Verlängerung schon geschlagen zu sein und lag mit 1:3 zurück, doch Karl-Heinz Rummenigge konnte in der 103. Minute verkürzen. Fünf Minuten später stand Klaus Fischer, der Fußballakrobat aus dem Bayerischen Wald und damalige Kölner Vereinskollege Schumachers, senkrecht im französischen Strafraum in der Luft und knallte den Ball per Fallrückzieher unter die Latte des von Jean-Luc Ettori gehüteten Tores. Und auch im Elfmeterschießen lag Deutschland erst zurück, bis Schumacher über sich hinauswuchs, zwei Strafstöße parierte und Horst Hrubesch Deutschland mit dem 8:7 ins Finale von Madrid schoss. (…)

    Nationalspieler Uli Stielike ist nach seinem verschossenen Elfmeter untröstlich, Torwart Toni Schumacher biegt’s wieder gerade. Foto: picture alliance / Sven Simon

    Nach dem Spiel redeten aber alle über die 57. Minute, in der der deutsche Torwart mit dem französischen Verteidiger Patrick Battiston zusammengestoßen war und dieser schwer verletzt liegen blieb. Schumacher beteuert bis heute in jedem Interview, dass es ihm damals nur darum gegangen sei, den Ball zu erreichen. Als er nach dem Spiel hört, dass der Franzose zumindest wieder ansprechbar ist und ihm „nur“ zwei Zähne ausgeschlagen wurden, ist er – laut seiner eigenen Aussage – so erleichtert, dass ihm der Spruch „Dann zahle ich ihm die Jacketkronen“ herausrutscht.

    Obwohl er diese Gedankenlosigkeit schnell als „grausamen, unverzeihlichen Fehler“ bezeichnet und Battiston im Krankenhaus besucht, wird er von der internationalen Presse zum absoluten Buhmann, zum „Schlächter von Sevilla“ gemacht. Die Stimmung gegen die „stiernackigen Ungeheuer“ – so der Journalist Pierre-Lois Basse über die Deutschen – war derart aufgeheizt, dass sich Bundeskanzler Helmut Schmidt im Finale eine Niederlage der DFB-Elf wünschte, um die Ressentiments gegen Deutschland nicht weiter anwachsen zu lassen.

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    17 Kommentare

    1. Heinzelmännchen an

      Zur Fußball-Weltmeisterschaft 1974 hatten sich zwei deutsche Mannschaften qualifiziert, die BRD und die DDR.

      Im direkten Vergleich BRD-DDR igewann die DDR gegen den späteren Weltmeister BRD.

      Noch heute haben wir das Potential an sehr guten deutschen Spielern und Trainern, aber es ist politisch zugunsten der Globalisierung mit identitätszerstörung verboten.

      Übrigens: Die Katze von Anzing – einst genial – macht heute Reklame für die Impfung!

    2. "Die Mannschaft" schwächelt.
      Schlaff, wie der ganze BRD-Laden.
      Die Anderen hätten stark gespielt… So der Rotfunk.

      • Zwergelstern an

        Matze der Torjäger…….hahahahahaha…………….hahahaha…dann noch so galant. Hahahahaha

      • heidi heidegger an

        Yogi "höggschde Meditation äh Motivation" Loew hatte aber auch Pech: gleich 2 Spione im Team – ditt eitle Hummel (französischer Spion) und ditt sinnlose Gündogg (Spion von ditt Erdogg). Fazit: Dtschld. stieg ein in’s Turnier und gleich wieder aus, mja.

        • heidi heidegger an

          Teil 2

          "Unsere Fußball-Helden: Deutschland gegen Frankreich – Der Thriller von Sevilla"..lieber Sven, das geht bessa, hihi (+Grüßle!):

          Der Thrilla von Sevilla vgl. ditt *Thrilla in Manila* (Ali vs. J. Frazier anno 1975), mja. :-)

    3. DEUTSCHE Mannschaft ?
      Gibt es doch gar nicht mehr.
      Es gab mal eine deutsche Mannschaft mit Müller, Beckenbauer, Netzer, Gebrüder Höneß, usw. !
      Für mich ist Fussball zur einer Komödie der Dummheit und des Abzockens geworden !!!

    4. Achmed Kapulatzef an

      Jetzt werden wohl schon die Afrika Meisterschaften im Deutschen Zwangsfernsehn übertragen, ich mache mir ein Bier auf und setze mich in den Garten. Die letzte Deutsche Fußball Nationalmannschaft hat 1954 in Bern gegen den Ball getreten. Danach gabs nur noch geschwurbl.

    5. Thüringer an

      Ich gehe davon aus, das diese Weicheier heute noch ihren Friseur aufgesucht haben nachdem sie zuvor zur Kosmetik waren. Nach dem Friseur bei der Mani- und Pediküre, die Friseure mußten sie ja nun nicht, wie bei der letzten WM in Rußland, einfliegen lassen.
      Ich hoffe, daß diese kotzarrogante Truppe heute 5 Stück von den Franzosen kriegt ! Wer kann die DFB interne "Mannschaft", weitab von den Fans und absolut überbezahlt denn schon noch leiden ?
      Ich identifiziere mich jedanfalls schon lange nicht mehr mit dieser "BRD Auswahl" …
      Die spielen doch nicht mehr für Deutschland, so unterstelle ich einmal, die spielen nur noch für Geld und Erhöhung ihres Marktwertes was ja dann schließlich auch mehr Geld bedeuted.
      400.000 € soll von denen jeder bekommen wenn die Europameister werden, daß ist für mich, der sein ganzes Leben gearbeitet hat, jenseits von gut und böse …

      • Marques del Puerto an

        @ THÜRINGER,

        als die Pediküre macht Joachim der Nivea Coach meist direkt gleich nach dem Spiel höchstpersönlich.
        Falls die 11 ,,der Mannschaft” den Ball getroffen haben sollte, ist alles weich geformt und ableckbar…ääh… massierbar.
        Aber ich sehe gerade, Deutschland hat sein Auftaktspiel grandios wie zu erwarten war verloren.
        Spielt eigentlich Syrien, Afghanistan, Libanon, Iran und Irak auch mit bei der EM ?
        Ich frage blos, weil gefühlt die Hälfte der Fachkräfte ja schon in Europa spez in Deutschland leben.
        In NRW einen echten Deutschen zu treffen, dass ist ganz große Kunst. Da hat man statistisch gesehen mehr die Chance bei Rubbel Luzie was zu gewinnen . ( ich meine das Los jetzt, nicht Lutzie auf der B4 im Wohnwagen in Richtung Uelzen hoch ) ;-)

        Mit besten Grüssen

    6. jeder hasst die Antifa an

      Mal sehen ob die "Mannschaft" heute gegen Frankreich mehr zustande bekommt als einen Kniefall oder das rumtragen politischer Parolen, sie muss aufpassen das sie nicht auf die Fresse fällt.

    7. heidi heidegger an

      Ah!, Uli "der Zerstörer" Stielike, spielte wie er aussah (leicht äh pornographisch-blutgrätschig)..uiuiui, hihi. Hrubesch ²köpfte! (bzw. hielt die Birne/Glocke hin / anm. hh) den letzten Elfer zum 8:7, hier muss ditt heidi ditt gute Sven corrigierään, hehe, nein – war nur Spaß.

      ² Flanke von Manni Kaltz auf Hrubeschs Schädel..Toooooor! :-)

      • jeder hasst die Antifa an

        Mal sehen ob die deutschen Panzerspitzen die Maschino Linie überwinden können wenn sie durch die Ardennen kommen, die Führerin wird das genau beobachten,hähähä Tooooor

        • heidi heidegger an

          also ditt Maginot – Linie wird, wie schon 2mal, umgangään, und macht mir dafür bloß den rechten Flügel stark (Kimmich!..spielt der rechts? ehehheee) und durch ditt pechschwarze ²ArdennenAbwehr kommt anzunehm’ nix durch, weil man den Wald/Spielfeld vor lauter schwarzer Tannen nicht sieht, schade näh? ;-?

          ²Lucas Digne (Everton), Leo Dubois (Lyon), Lucas Hernandez (Bayern), Presnel Kimpembe (Paris), Jules Koundé (Sevilla), Clement Lenglet (Barcelona), Benjamin Pavard (Bayern), Raphael Varane (Real Madrid), Kurt Zouma (Chelsea)

    8. Fischer's Fritz an

      @ Artikelschreiber SVEN REUTH
      "…stand Klaus Fischer …senkrecht im französischen Strafraum in der Luft und knallte den Ball per Fallrückzieher unter die Latte…"
      ____
      Wer einen Fallrückzieher macht, der steht nicht senkrecht, sondern liegt dabei waagerecht bzw. horizontal in der Luft! :-)

      • Sven Reuth an

        @FISCHER`S FRITZ: Dann wäre es ja ein Seitfallzieher gewesen – war es aber nicht…;-)

    9. Zur selben Zeit, wenn alle vor der Glotze sitzen, werden wiedermal ein paar nette Sachen im Bundestag durchgewunken werden.
      Die Demokratie ist eine Diktatur der Fans.

      • heidi heidegger an

        stimmt (schon), deshalb hat der gewöhnliche Forist auch 3 Schirme (wie ein Börsenheini) vor sich: einen für die Politik und Kultur (compact-online) und einen für den Betrug (phoenix/Bundestagsdebatten und GerdJoachim von Fallerah) und einen für die Arbeit-Freizeit (HomeOffice und ebayHandel und Fußball und xhamster), ehehehee.. ;-)