Ein US-Verschwörungstheoretiker ist sich sicher: Donald Trump hat den satanischen Auftrag, die Menschheit in den Untergang zu führen. Als Beleg führt er ein Bild mit einem Pinguin an, das der US-Präsident unlängst veröffentlichte. Eine abenteuerliche Geschichte. Alles über okkulte Pläne lesen Sie in dem Buch „Das offene Geheimnis“ von Oliver Janich. Hier mehr erfahren.
In den sozialen Medien tauchen in letzter Zeit vermehrt Clips mit dem „Nihilist Penguin“ von Kult-Regisseur Werner Herzog auf. Die Szene stammt aus seinem Dokumentarfilm „Begegnungen am Ende der Welt“ (2007), zu sehen ist ein Adeliepinguin, der die Orientierung verloren hat. Statt zum Ozean und zu seiner Kolonie zurückzukehren, marschiert das Tier unbeirrbar ins Landesinnere der Antarktis dem sicheren Tod entgegen.
Herzog kommentiert diese Bewegung nicht als biologisches Kuriosum, sondern als existenzielles Rätsel. Er verwandelt sie in eine Metapher für das menschliche Dasein: Die Welt ist gleichgültig, der Weg bedeutungslos, und dennoch gehen wir weiter. Der Pinguin wird so zu einem Sinnbild für die Konfrontation mit dem Nichts. Ein zentrales Motiv in Herzogs Schaffen, das er selbst gerne als Suche nach „ekstatischer Wahrheit“ beschreibt.
Am falschen Ende
Der Herzog-Pinguin ist offenbar auch dem Social-Media-Team von Donald Trump aufgefallen. Kurzerhand erstellte man ein KI-generiertes Meme (siehe Titelbild), das den US-Präsidenten von hinten in einer Eislandschaft zeigt. Neben ihm spaziert ein Pinguin, der eine amerikanische Flagge in der Flosse hält. Beide laufen in Richtung einer Grönland-Flagge, die in der Ferne aufgestellt ist. Gepostet wurde das KI-Bild mit dem Spruch „Embrace the penguin“, was man in etwa mit „Nimm deinen (inneren) Pinguin an“ übersetzen kann.

Das Meme sorgte im Netz für Hohn und Spott, denn Pinguine gibt es auf Grönland wie im gesamten Nordpolarkreis nicht. Sie leben auf der Südhalbkugel, vornehmlich in der Antarktis, von Grönland aus gesehen also am anderen Ende der Welt. Rasmus Jarlov, der Vorsitzende des dänischen Verteidigungsausschusses, teilte das Bild mit der spöttischen Bemerkung, Trump gehöre so sehr zu Grönland wie Pinguine.Mit anderen Worten: Gar nicht.
Der kabbalistische Plan
Überhaupt nicht zum Lachen findet das Meme hingegen der US-amerikanische Verschwörungstheoretiker und Kabbala-Interpret Christopher John Bjerknes. Er sieht sich dadurch nämlich in seiner Ansicht bestätigt, dass wir derzeit die Erfüllung eines kabbalistischen Plans erleben, in dem Donald Trump die Rolle des Messias ben Joseph erfülle, dessen Auftrag darin bestehe, Edom – das ist der Westen – in die Katastrophe zu führen, damit sich die Prophezeiungen jüdischer Endzeitsekten erfüllen. Dieser vermeintliche Messias sei gleichzusetzen mit dem Antichristen aus der Offenbarung des Johannes.
Gemäß dieser Eschatologie ist der Antichrist-Messias ben Joseph, auch als „leidender Messias“ bekannt, eine Person, die vor dem eigentlichen Messias, dem Messias ben David, auftritt und für die Sünden des Volkes Israel leidet. Er soll während des Aufstiegs des „Weltfeindes“ Gog und Magog sterben. Der Messias ben David hingegen ist der eigentliche Messias, der in der Linie Davids steht und als mächtiger königlicher Führer beschrieben wird. Er soll nach der Errichtung des dritten Tempels in Jerusalem ein dauerhaftes irdisches Paradies begründen.
Pinguin gleich Satan
Nachdem Bjerknes, der sich selber als Nachfahre norwegischer Seher bezeichnet, mehrere Wochen kein einziges Video mehr präsentiert hatte, veröffentlichte er in dieser Woche gleich zwei Sendungen zu dem Trump-Pinguin, der für ihn alles andere als ein harmloser Witz ist, sondern der Vorbote der herannahenden Apokalypse.
Der Verschwörungs-Ultra und Autor von Büchern wie „Beware the World to Come“ (Hütet eich vor der kommenden Welt, 2022) und „Satan’s Chosen People“ (Satans auserwähltes Volk, 2025) behauptet, dass Trump eine „satanische Mission“ verfolge, um die gesamte Menschheit – insbesondere die weiße, westliche Bevölkerung – in die Auslöschung zu führen. Er interpretiert aktuelle politische Ereignisse (Grönland, Venezuela, Iran) und das Internet-Meme als bewusste Anwendung von „sympathischer Magie“, die auf kabbalistischen Mythen basiere.
Bjerknes ist der Ansicht, dass die Pinguin-Symbolik eine Schlüsselrolle als Symbol für den geplanten Untergang spiele. Das possierliche Tier wird von ihm als Repräsentant Satans oder Luzifers gedeutet – ein rebellischer, gefallener Engel, der sich von der himmlischen Heerschar trennt, um auf der Erde sein eigenes Reich im Chaos zu gründen.
Unter Bezugnahme auf den Filmclip von Werner Herzog, der einen „rebellischen Pinguin“ zeige, der sich von seiner Kolonie abwendee und nicht zum Wasser, sondern ins Landesinnere der Antarktis in Richtung der Berge wandere, erklärt Bjerknes, dies symbolisiere den „linkshändigen Pfad“, der geradewegs in den sicheren Tod („certain death“) führe. Dass man Trump und den Pinguin auf dem Bild des Weißen Hauses von hinten sehe, sei kein Zufall, da dies auf die Rückseite des kabbalistischen Lebensbaumes, die Sitra Achra (die dunkle Seite), verweise, durch die alles ins Chaos entsorgt werde.
Trump gleich Antichrist
Trump ist nach Bjerknes‘ Interpretation also ein Werkzeug oder Agent Satans beziehungsweise Armilus, ein Anti-Messias der mittelalterlichen jüdischen Eschatologie, oder eben der (falsche) Messias ben Joseph, dessen Aufgabe sei es, Amerika und die gesamte westliche Zivilisation auf dem linkshändigen Pfad in die Hölle und zur Auflösung ins Nichts zu führen.

Gemeinsam mit Elon Musk baue Trump die USA als neues Römisches Reich auf, das laut Endzeitplan fallen müsse – wie einst das biblische Volk der Edomiter. Nach der Überzeugung des Autors betrachteten kabbalistische Kreise den weißen Mann des Westens als Nachkommen von Esau und den Römern, die einst den jüdischen Tempel zerstörten. Die geplante Auslöschung Amerikas und des Westens sei daher eine Art „Payback“ (Vergeltung) für das 2.000-jährige „römische Exil“.
Die Edomiter (Amerikaner und Europäer) fungieren in dieser Erzählung als Sündenböcke, die die Last der Sünden der Juden trügen und dafür in die Vernichtung geführt würden. Dabei verweist Bjerknes auf die biblische Prophezeiung in Obadja 1,18, wonach das Haus Esau (Edom) durch das Feuer Jakobs und die Flamme Josephs vollständig verzehrt und in Stoppeln und Asche verwandelt werden soll.
Batman-Pinguin gleich Jude
Doch die Bjarknes-Erzählung geht noch weiter und zwar bis nach Hollywood. Für den US-Autor mit norwegischen Wurzeln ist die Figur des Batman-Bösewichts Pinguin ein zentrales Verbindungsglied zwischen Popkultur und seiner Interpretation der Weltpolitik. Bjarknes behauptet explizit, dass dieser Charakter in Batman ein Jude sei und beruft sich dabei auf einen Artikel aus der jüdischen Publikation The Forward, der eine Kontroverse darüber thematisierte, ob die Darstellung des Pinguins – insbesondere durch Danny DeVito in „Batmans Rückkehr“ (1992) – antisemitische Stereotype bediene.

Tatsächlich wird der Pinguin weder in den Original-Comics noch in den Filmen als jüdisch hingestellt. Diese Theorie hat sich allerdings in Fankreisen, da der Bösewicht den bürgerlichen Namen Oswald Cobblepot trägt und von einer Mutter namens Gertrude Kapelput abstammt. Ihr Name und Akzent (zum Beispiel in der Serie „Gotham“) ließen vermuten, dass sie aus einer jüdischen Familie in Osteuropa stamme und in die USA eingewandert sei, so eine These von Zuschauern.
Für Bjerknes hingegen ist die fiktive Figur des Pinguin (Oswald Cobblepot) ein weiterer Beleg dafür, dass jüdisch-kabbalistische (für ihn satanische) Kreise die westliche Welt in die Zerstörung führen wollen. Er verknüpft den Batman-Bösewicht mit dem viralen Pinguin-Meme der Trump-Administration, um zu „beweisen“, dass Trump als Agent des Bösen agiere, der die Welt in den Untergang treibe. Na, wenn das kein filmreifer Stoff ist!
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