Erklärung des Chefredakteurs. Das bereits zugesagte Duell BSW-AfD auf unserem Sommerfest wird vom BSW abgesagt. Die „Thüringer Linie“ des Verrats an Versprechen setzt sich damit fort. Die Verantwortlichen sitzen nicht im Landesverband Sachsen-Anhalt, sondern in Berlin.
Das hat große Aufmerksamkeit erregt: Auf dem Sommerfest unseres Magazins am 22. August in Stößen (bei Naumburg/Sachsen-Anhalt) sollte es endlich zu einem direkten Duell der beiden Oppositionsparteien kommen. BSW-Spitzenkandidatin Claudia Wittig hatte zugesagt, ebenso der AfD-Co-Fraktionschef Oliver Kirchner. Nicht nur COMPACT hatte dafür geworben, sondern auch der Landesverband des BSW, wie diese Grafik zeigt (mittlerweile gelöscht).
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„Battle of the Year“
Frau Wittig selbst hatte auf ihrem X-Kanal das Duell als „Battle of the Year“ angekündigt. Als ein missgünstiger Antifant sie darauf aufmerksam machte, dass Sahra Wagenknecht 2023 gepoltert hatte, wer COMPACT ein Interview gebe, habe „nicht mehr alle Tassen im Schrank“, hatte sie souverän gekontert: „Ich bin nicht Sahra Wagenknecht.“
Nachdem das Duell seit vergangenen Samstag (18. Juli) beworbenen worden war, erfolgte gestern (22. Juli) die Absage durch das BSW. Bezeichnenderweise gab es keine Erklärung der Partei, sondern die Öffentlichkeit wurde durch einen Artikel im Berliner Tagesspiegel informiert, Unter der verleumderischen Überschrift „Die BSW-Frau und das Neonazi-Fest“ heißt es da: „Spitzenkandidatin für Sachsen-Anhalt sucht Nähe zu „Compact“/ BSW-Politikerin Claudia Wittig wollte am Sommerfest des rechtsextremen Compact-Magazins teilnehmen. Nach Kritik rudert sie zurück – doch den Draht nach Rechtsaußen will sie nicht aufgeben.“ Und weiter im „Tagesspiegel“: „Trotz der Absage will sich Wittig nicht von Compact distanzieren: ‚Die Spitzenkandidaten und Landesvorsitzenden des BSW Sachsen-Anhalt halten es weiterhin für dringend erforderlich, mit allen interessierten Bürgerinnen und Bürgern über die politischen Alternativen für unser Land zu diskutieren“, schreibt Wittig. „Das schließt ausdrücklich auch Leserinnen und Leser des Compact-Magazins ein, an die wir uns in einem anderen Zusammenhang nochmals wenden werden’, heißt es weiter.“
Diktat aus Berlin
Bei so viel freundlichen Worten wundert die Absage. Wittig selbst erklärte gegenüber dem Tagesspiegel: „Grund dafür sei die Kritik aus dem BSW-Kreisverband Burgenland gewesen.“ Das ist allerdings nichts anderes als Veräppelung der Öffentlichkeit. Dieser Kreisverband hat weniger Mitglieder als der nächstgelegene Hasenzüchterverein und innerparteilich nichts zu melden. Es ist unvorstellbar, dass ein Landesvorstand, der einen Beschluss verkündet und bereits öffentlich plakatiert hat, wegen ein paar Mitgliedern in Entenhausen zurückzuckt und sich blamiert.
In Wirklichkeit ist etwas ganz anderes passiert: Der Landesvorstand Sachsen-Anhalt wurde durch brutalen erpresserischen Druck von Personen aus der BSW-Spitze zum Nachgeben gezwungen. Es gab tagelangen Psychoterror, und es wurde von wichtigen Parteipromis mit allem gedroht, was man sich vorstellen kann. Der Druck von oben, den man niemals auf den verräterischen Landesverband Thüringen ausgeübt hat, der ja fleißig mit der CDU koaliert, wurde sozusagen ersatzweise auf den Landesverband Sachsen-Anhalt ausgeübt, der einen Anti-Thüringer-Weg gehen wollte. Doch das ist im BSW von oben verboten.
Vielleicht nicht Protagonist des Drucks von oben, aber wohlfeiler Kläffer im Tross der Brandmauer-Freunde ist ein gewisser Johannes Varwick, seines Zeichens Mitglied der BSW-Grundwertekommission. Auf X kommentierte er: „Gut, dass @bsw_vg_lsa klargestellt hat: Auch wenn die Brandmauer gescheitert ist gibts bei Rechtsradikalen nichts zu holen. Und nichts gemeinsam.“ Wie aus Wittigs Zitaten (siehe oben) ersichtlich, hat sie COMPACT gerade nicht als „rechtsradikal“ bezeichnet und sogar angekündigt, dass sie sich an die COMPACT-Leserschaft „in einem anderen Zusammenhang nochmals wenden“ werde.
Vom RBB wird Varwick in Bezug auf die Ukraine übrigens so zitiert: „Offenkundig haben wir die Entschlossenheit und auch die Brutalität Putins unterschätzt.“ Varwick, laut Wikipedia „von 2008 bis 2011 war er Mitglied des Advisory Panels des NATO Committee for Science for Peace“ und später Berater mehrerer Bundesministerien, gehört zu den Atlantikern des BSW. Logisch, dass er konsequente Russland-Freunde wie COMPACT als „rechtsradikal“ denunzieren muss. Das ist sein Job. Aber warum hofiert das BSW solche NATO-Kanaillen – und haut bei Wittig & Co. dazwischen?

Selbstzerstörung des BSW
Einige im BSW machen sich Illusionen, dass man ein Duell. mit der AfD ohne COMPACT besser hinbekommen werde, mit irgendeinem neutralen Veranstalter. Aber nachdem die AfD-Spitze das vom BSW vorgeschlagene Duell bestenfalls nach der Wahl in Aussicht gestellt hatte, war unser Sommerfest die letzte Möglichkeit, ein solches Aufeinandertreffen noch vor dem Urnengang am 6. September hinzubekommen. Nur COMPACT war in der Lage, so ein Format auf die Beine zu stellen – eigentlich ein Wunder, denn die 40-Prozent-Partei AfD hätte sich auf die 4-Prozentpartei BSW. gar nicht einlassen müssen. Aber durch COMPACT-Vermittlung hat es die AfD getan – und das BSW hat es jetzt kaputtgemacht.
Wähler, die irgendwie zwischen AfD und BSW geschwankt haben, werden jetzt ihre Konsequenzen ziehen. Wie In Thüringen gilt auch in Sachsen-Anhalt: Das BSW verspricht heute etwas, und morgen bricht es das Versprechen. Die Brandmauer zu den vermeintlichen „Rechtsradikalen“ steht weiter. Es gibt zwar gute Leute im BSW, und im Landesverband Sachsen-Anhalt mögen sie sogar die Mehrheit haben – aber das nützt nichts, weil sie sich nicht durchsetzen können. Von der Berliner Spitze wird jeder Versuch der Annäherung an die AfD mit erpresserischen Methoden verhindert.
Der Leidtragende dieses Skandals ist das BSW selbst. Die Chancen, bei den Septemberwahlen über fünf Prozent zu kommen, sind durch diesen Wortbruch gegen null gesunken. Schon aus diesem Grund wird jeder, der die politische Wende will und seine Stimme nicht verschenken will, nun sein Kreuz bei der AfD machen.
Und das COMPACT-Sommerfest am 22. August wird auch ohne das BSW eine Bombensachen werden – wie eigentlich jedes Jahr. Alle Infos und Tickets gibt es hier.




