Stehen wir vor dem Dritten Weltkrieg? Werden wir uns in wenigen Jahren noch Strom leisten können? Wie dramatisch wirken sich die Folgen der Deindustrialisierung aus? Und was fällt derweil dem westfälischen Fußball-Verband ein? Er verbietet kurzerhand Trikots mit der Nummer 88. In welcher Parallelwelt leben diese Funktionäre? Wir liefern in diesem Zusammenhang unser Aufklärungs-Paket „1.000 Seiten BRD-Diktatur“, jetzt für 14,99 Euro statt für 79,75 Euro. Hier mehr erfahren.

    Ab der Saison 2026/27, also ab sofort, ist im Amateurfußball des Fußball- und Leichtathletikverbandes Westfalen eine Rückennummer tabu: Die 88 darf von der Oberliga bis hinunter in die Kreisliga nicht mehr auf Trikots getragen werden. Der Verband hat die Regel in seinen neuen Durchführungsbestimmungen bereits veröffentlicht und begründet den Schritt mit der angeblichen politischen Bedeutung der Zahl.

    Stolz auf Gratismut

    Hintergrund ist, dass die 88 vom Mainstream als Code für „HH“ und damit für „Heil Hitler“ ausgemacht wurde. Dass mehrere junge Kicker die 88 auch wegen des eigenen Jahrgangs wählen, wird komplett ignoriert. Verboten ist die Zahl natürlich nicht. Der Verband ist ganz stolz auf seinen Gratismut. Ob eine Anerkennungsplakette des DFB für Zivilcourage dabei herausspringen wird, steht noch in den Sternen. Wir drücken die Daumen. Nicht.

    Wenn die Herren noch ein bisschen engagierter vorgehen wollten, so könnten sie auch die Zahl 14 streichen, die auf ein rassistisches Glaubensbekenntnis verweisen soll, wie uns die Konrad-Adenauer-Stiftung erklärt. Die Zahl 18 kann selbstverständlich nur für A. H. stehen und gehört vom Rücken der Fußballspieler gesäubert. Oder nehmen wir die 28 und lassen nochmals die Code-Knacker von der Konrad-Adenauer-Stiftung zu Wort kommen:

    „Während die ‚2‘ für den zweiten (B) und die ‚8‘ für den achten Buchstaben (H) im Alphabet steht, bildet die Kombination aus beiden die Initialen des rechtsextremistischen Netzwerkes ‚Blood and Honour‘ – in Anlehnung an das Motto der Hitlerjugend (‚Blut und Ehre‘).

    Schreiten Sie also ein, liebe Fußballfunktionäre, sofern Sie nach einem Schulterklopfer des Bundespräsidenten streben. Westfalen folgt mit dem Verbot übrigens anderen Landesverbänden wie Bayern, Niedersachsen oder Sachsen-Anhalt.

    Natürlich stellt sich an dieser Stelle auch die Frage nach der Verhältnismäßigkeit. Denn die allermeisten Spieler, die bislang mit der Nummer 88 aufgelaufen sind, dürften diese aus völlig unpolitischen Gründen gewählt haben, also wegen eines persönlichen Bezugs oder oft auch, weil die Lieblingsnummer bereits vergeben war.

    Gaga-Entscheidung

    Das pauschale Verbot wirkt daher eher wie ein weiteres Beispiel dafür, dass immer neue Regeln geschaffen werden, um Pseudo-Zeichen zu setzen. Ob damit tatsächlich ein Problem gelöst wird, darf durchaus ausgeschlossen werden. Wer extremes Gedankengut verbreiten möchte, wird sich kaum von einer verbotenen Trikotnummer aufhalten lassen.

    Gerade vor dem Hintergrund der zahlreichen Herausforderungen, mit denen Vereine und Gesellschaft derzeit konfrontiert sind – von finanziellen Sorgen über Nachwuchsprobleme bis hin zu Gewalt auf und neben den Sportplätzen – erscheint diese Entscheidung allzu gaga. Während an vielen Stellen dringend Lösungen für reale Probleme gesucht werden, beschäftigt sich der Verband mit einer Zahl auf dem Rücken eines Fußballtrikots.

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