Patriot Putin – Partner für Europa

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Die angloamerikanische Politik versucht seit über hundert Jahren, unseren Kontinent zu spalten und die Herausbildung einer Achse mit den Ankerpunkten Berlin und Moskau zu verhindern. Wie lange wollen wir dieses Spiel noch mitmachen? Gerade uns Deutschen hat Putin viel zu bieten.

An wen oder was denken wir, wenn wir an Russland denken? An Zar und Zimmermann, Stalin, die Don Kosaken, Helene Fischer? An die Völkerschlacht bei Leipzig, als die Armeen des preußischen Königs und des Zaren gemeinsam Napoleon in die Flucht schlugen? An Leningrad und die deutsche Hungerblockade – oder an die vergewaltigenden Rotarmisten in Berlin? An 1953, als die Panzer den Arbeiteraufstand in der DDR niederwalzten, oder an 1994, als die Sowjetsoldaten so friedlich abzogen, wie man es sich auch von den Westalliierten gewünscht hätte? Die gemeinsame Geschichte hat ihre Höhen und Tiefen, wir haben uns gegenseitig furchtbare Wunden geschlagen. Wenn es eine Lehre aus unserer Vergangenheit gibt, dann diese: Deutsche und Russen dürfen sich nie mehr gegeneinanderhetzen lassen. Wann immer es gut zwischen uns stand, egal ob unter Kanzler Bismarck oder unter Kanzler Brandt, war das nicht nur von Vorteil für beide Völker, sondern für den ganzen Kontinent.


Patriot Putin COMPACT-Magazin 03/2018 Patrion Putin – Partner für EuropaDas Thema finden Sie
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Doch das Kalkül der Seemächte USA und Großbritannien fokussierte immer auf das Gegenteil: Die Spaltung der eurasischen Landmasse. Vater dieses geostrategischen Ansatzes war der Engländer Halford Mackinder (1861–1947). Für ihn war das zentrale Spielfeld der Politik die sogenannte Weltinsel aus Asien, Europa und Afrika. Innerhalb dieser Weltinsel liege das Herzland, das geografisch weitgehend zum Russischen Reich gehöre. Für Mackinder stand unzweifelhaft fest: «Wer über Osteuropa herrscht, beherrscht das Herzland. Wer über das Herzland herrscht, beherrscht die Weltinsel. Wer über die Weltinsel herrscht, beherrscht die Welt.» Zumindest Zbigniew Brzezinski, der für die letzten vier US-Präsidenten die Ostpolitik gestaltete und
in den 1980er Jahren in Afghanistan das Bündnis mit Osama bin Laden gegen die UdSSR schmiedete, nahm in seinen Planungen ausdrücklich Bezug. (…)

Vaterland und Frieden

Gerade für uns Deutsche ist Putin besonders in einem Punkt ein Vorbild: Er hat es geschafft, einen Patriotismus zu befördern, in dem sich alle Bürger des Landes, egal ob links oder rechts, wiederfinden können. Während sich etwa die hiesige Geschichtspolitik im Masochismus suhlt und Auschwitz zum «Gründungsmythos der Bundesrepublik» (Joschka Fischer) erklärt, hat der Mann im Kreml die Verbrechen Lenins und Stalins immer benannt und verurteilt – aber trotzdem auch die Erfolge der sozialistischen Periode, die vor allem das Verdienst der hart arbeitenden und ehrlichen Menschen waren, ebenso hervorgehoben wie die der Zarenzeit. Ein Geniestreich war die Wiedereinführung der sowjetischen
Hymne, die sein Vorgänger Boris Jelzin verboten hatte – aber ohne den kommunistischen Text. Wir stehen zu unserer Vergangenheit, soll das ausdrücken, aber wir wollen die Ideologie, die sie geprägt hat, nicht mehr hören, nicht mehr singen.

Europas Zukunft liegt im Osten: Aus den Weiten Sibiriens kommen zuverlässig Öl und Gas, die wir ansonsten – zum Vorteil der angloamerikanischen Multis – aus den kriegszerrissenen Gebieten des Nahen Ostens importieren müssten. Selbst in den kältesten Zeiten des Kalten Krieges standen die Russen zu ihren Lieferverpflichtungen – und Putin hat sie durch die Ostseepipeline noch zuverlässiger gemacht. Vor allem ist das schwarze Gold eine wertstabile Gegenleistung für unsere Exporte – während Uncle Sam unsere Güter nur mit Papiergeld bezahlt, dessen Kurs nicht durch Produktionsleistung gedeckt ist und, wir erleben es gerade, nach Belieben immer wieder gedrückt werden kann.

Man könnte einwenden: Der Mann im Kreml rüstet auf. Doch soweit man sehen kann, ob auf der
Krim oder in Syrien, setzt er die neuen Waffen nur defensiv ein – zur Abwehr der amerikanischen Expansion
und des islamischen Herrschaftsanspruchs. Damit schafft er Freiräume, die wir auf dem europäischen Kontinent zur Wiedererlangung unserer Souveränität nutzen können.


Das war ein Textauszug. Den Artikel finden Sie in COMPACT 03/2018: „Patriot Putin – Partner für Europa?“ – jetzt am guten Kiosk und im COMPACT-Shop.

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Über den Autor

Jürgen Elsässer

Jürgen Elsässer, Jahrgang 1957, arbeitete seit Mitte der neunziger Jahre vorwiegend für linke Medien wie Junge Welt, Konkret, Freitag, Neues Deutschland. Nachdem dort das Meinungsklima immer restriktiver wurde, ging er unabhängige Wege. Heute ist er Chefredakteur von COMPACT-Magazin. Alle Onlineartikel des Autors

 

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