Er jagte Illegale durch Los Angeles, Chicago, Minneapolis und New Orleans, bis ihn das eigene Lager abschoss. Nun feuert Gregory Bovino, ehemaliger Kommandeur der US-Border Patrol, zurück. Er lobt die AfD, rechnet mit Trumps Beraterkreis ab und streckt Europa die Hand aus. Die Frage ist tatsächlich nicht mehr, ob Merz stürzen wird, sondern wann: Wir zeigen Ihnen in unserer Juni-Ausgabe mit dem Titelthema «Und tschüss!» den Fahrplan zur Kanzlerdämmerung. Hier mehr erfahren.

    Washington, Frühjahr 2026. Gregory Bovino hat dreißig Jahre bei der US-Border Patrol gedient, die höchste Eliteakademie der amerikanischen Streitkräfte besucht und Großoperationen in einem Dutzend amerikanischer Städte geleitet. Nach den Schüssen von Minneapolis zog Trump ihn ab, auf Druck jener, die Bovino «Bürokraten des Status quo» nennt. Gegenüber dem Voxeuropa Herald und dem bretonischen Portal Breizh-info rechnet er nun ab: Eine echte Wende finde unter Trump nicht statt. Das Interview führte Matisse Royer, Medizinstudent, Gründer von Voxeuropa Herald und COMPACT-Korrespondent für den französischsprachigen Raum.

    Das vollständige Interview auf Deutsch erscheint morgen bei COMPACT.

    Kommandeur der Nation

    Gregory Bovino, geboren am 27. März 1970 im kalifornischen San Bernardino County, wuchs in den Appalachen im nordkarolinischen Blowing Rock auf, einer kleinen Bergstadt. Seine Vorfahren stammen aus Kalabrien, Italien: Sein Urgroßvater Michele emigrierte 1909 nach Pennsylvania, arbeitete im Kohlebergbau und wurde 1927 amerikanischer Staatsbürger. Die Kindheit hinterließ Narben: Bovinos Vater, ein Barbesitzer, verursachte 1981 betrunken einen tödlichen Unfall, wurde verurteilt und inhaftiert. Die Mutter übernahm das Sorgerecht für die Kinder, Bovino wuchs ohne Vater auf. 1988 machte er seinen Abschluss an der Watauga High School, studierte danach an der Western Carolina University. Jagdmagazine und Spielfilme über Border-Patrol-Agenten hätten ihn geprägt. 1996 streifte er sich die Uniform selbst über.

    Bovino-Porträt in Uniform. Foto: Sovereign Minds. X-Screenshot.

    Die US-Border Patrol ist eine uniformierte Eingreiftruppe innerhalb von Customs and Border Protection, zuständig für Grenzsicherung und Strafverfolgung im Landesinnern. Anders als ICE, dem Immigration and Customs Enforcement, das mit Zivilermittlern monatelang an Einzelfällen arbeitet, operiert die Border Patrol flächendeckend: schnell, konfrontationsbereit und gebietsweise. Bovino nennt sie den «Marinekorps der Bundesstrafverfolgung», in der Praxis das, was man eine Remigrationsbehörde nennen könnte.

    Klandestine, also illegal im Land lebende Ausländer ohne behördliche Erfassung, werden dabei nicht einzeln gejagt, sondern gebietsweise verdrängt. Wie das aussieht, zeigte die «Operation Catahoula Crunch» in New Orleans: 250 Agenten rückten aus, patrouillierten Schulter an Schulter mit der Lokalpolizei, brachten die illegale Einwanderung im gesamten Stadtgebiet binnen Wochen zum Erliegen. Ganze Gemeinschaften schoben sich selbst ab oder flohen in andere Bundesstaaten. Bovino ist sich sicher:

    «Die amerikanischen Medien haben darüber nie berichtet, weil der Erfolg zu eklatant war.»

    Die nächsten Jahre führten ihn quer durch den amerikanischen Südwesten: Arizona, Kalifornien, Louisiana. 2008 schickte ihn die Border Patrol ans National War College in Washington, die höchste Militär- und Strategieakademie der USA, an der Offiziere, Geheimdienstler und hochrangige Zivilbeamte in Geopolitik und strategischer Führung ausgebildet werden, vergleichbar einer Generalstabsschule.

    Dort entwickelte Bovino die Grundlagen für großangelegte Migrationsoperationen im Landesinnern. Von 2015 bis 2020 leitete er den El-Centro-Sektor in Südkalifornien, den einzigen Sektor, der sowohl während Covid als auch während der Grenzöffnung unter Biden operativ unter Kontrolle blieb. Ab Januar 2025 wurde er unter Trump zum Commander-at-Large (Hauptkommandeur) ernannt und leitete die «Operation At Large»: eine landesweite Offensive in Los Angeles, Chicago, Charlotte, New Orleans und schließlich Minneapolis, stets gemeinsam mit ICE-Einheiten, aber unter Border-Patrol-Befehl.

    Beamte der U.S. Border Patrol haben illegal eingereiste Migranten aus Kolumbien an der Grenze zu Mexiko in Yuma, Arizona, aufgegriffen. Die Aufnahme entstand im Mai 2021. Foto: Ringo Chiu | Shutterstock.com

    In Minneapolis eskalierte die Lage im Januar 2026. Am 21. Januar warf Bovino im Stadtteil Whittier eine Tränengaskartusche auf Demonstranten. Medien wie NBC News und der Minnesota Star-Tribune berichteten von einem rechtswidrigen Einsatz, verschwiegen jedoch, dass ein Gericht die entsprechenden Beschränkungen an eben jenem Tag vorübergehend aufgehoben hatte.

    Zwei US-Bürger kamen bei Einsätzen ums Leben: Renee Good und Alex Pretti. Good hatte einen ICE-Einsatz blockiert, Pretti die Beamten mehrfach attackiert, war dabei in Besitz einer Schusswaffe. Trump zog Bovino ab, wählte Tom Homan als Ersatz und versetzte Bovino zurück nach Kalifornien. Kurz darauf kündigte dieser seinen Ruhestand an. Er ist verheiratet, hat vier Kinder. Die Familie lebt unter permanentem Personenschutz der Border Patrol, Drohungen, die seit den Operationen in Los Angeles nicht mehr abreißen.

    Krieg an zwei Fronten

    Nach Minneapolis übernahm das Establishment. Tom Homan, Trumps selbsternannter «Border Czar», also inoffizieller Migrationszar ohne Ministerposten, rückte in den Vordergrund. Rodney Scott, Kommissar von Customs and Border Protection, der Dachbehörde der Border Patrol, übernahm die operative Führung. Und Markwayne Mullin, republikanischer Senator aus Oklahoma und ehemaliger MMA-Kämpfer, wurde im März 2026 zum neuen Heimatschutzminister ernannt, als Nachfolger von Kristi Noem, die Trump nach Minneapolis gefeuert hatte. Für Bovino sind das allesamt «Bürokraten des Status quo», die die Lage weder verstehen noch lösen wollen:

    «Homan hat seit zwanzig Jahren keine einzige Verhaftung mehr durchgeführt. Scott hatte ursprünglich nur einen Highschool-Abschluss. Und Mullin ist ein guter Klempner.»

    Das Vorgehen des Weißen Hauses, sich auf «die Schlimmsten der Schlimmsten» zu konzentrieren, bezeichnet er als Flickwerk ohne Horizont:

    «Wer Taktik mit Gesamtkonzept verwechselt, hat in der Geschichte immer katastrophale Ergebnisse produziert. Diese Leute wissen nicht einmal den Unterschied zwischen ICE und der Border Patrol, geschweige denn, was eine umfassende Migrationspolitik bedeutet.»

    Den Konflikt mit dem eigenen Lager beschreibt Bovino als Krieg an zwei Fronten und zieht einen historischen Vergleich:

    «Patton ist mit Eisenhower und Omar Bradley aneinandergeraten. Hoover hat die Karriere jener gebrochen, die ihm seinen Status streitig machen wollten. Ich hatte nicht damit gerechnet, gleichzeitig gegen Kriminelle und gegen jene vorgehen zu müssen, die mich eigentlich unterstützen sollten. Das ist eine schwierige Position.»

    Die Forderung hundert Millionen Personen abzuschieben, hatte Bovino bereits häufiger in der Öffentlichkeit wiederholt. Während offizielle Stellen wie Pew Research (Analyseinstitut) von rund vierzehn Millionen illegalen Einwanderern sprechen, hält Bovino diese Zahl für politisch motivierte Fiktion:

    «Der Pew-Wert hat sich seit den Siebzigern nicht verändert. Er ist sinnlos, verankert im politischen Korrektheitswahn und in schlechter Forschung.»

    Seine eigene Schätzung: hundert Millionen Illegale auf amerikanischem Boden, ein Viertel der Gesamtbevölkerung. Bovino macht das an konkreten Zahlen fest. Während einer Operation in Charlotte registrierten seine Agenten, dass plötzlich über 30 Prozent der täglichen Pendler ausblieben, ebenso viele Schulkinder. Für Bovino ist das kein Zufall:

    «Das entspricht ziemlich genau einem Viertel der Bevölkerung. Und das passt zur Gesamtzahl von hundert Millionen.»

    Dann die unbequeme Wahrheit über Trumps Einwanderungspolitik:

    «Die [Abschiebestrategie] “Schlimmsten der Schlimmsten“ hat seinen Platz in einem System, das bereits unter Kontrolle ist, wo ein Eingriff hier, eine Verhaftung dort ausreicht. Wir sind weit davon entfernt. Die Art, wie sie die aktuelle Katastrophe verwalten, offenbart ihre Bindung an den Status quo und das Fehlen jeder Kompetenz zur Umsetzung einer Wende. Ich glaube nicht, dass Trump seine Wahlkampfversprechen aufgegeben hat. Ich glaube, dass seine Berater ihm die Realität nicht vermitteln. Wenn ich es noch einmal tun könnte, hätte ich Trump mehrfach direkt gebrieft, statt mich auf jenes Umfeld zu verlassen, das möglicherweise andere Interessen verfolgte.»

    Aber Bovino sieht nimmt den US-Präsidenten in Schutz und sieht eine goldene Zukunft: «Trump ist der beste Präsident, für den ich je gearbeitet habe. Ich glaube, er wird bald zu diesem Versprechen zurückkehren.»

    Eine Botschaft für Europa

    Der alte Kontinent liegt dem Ex-Border-Patrol-Chef am Herzen. «Die unkontrollierte Einwanderung nach Europa nähert sich ihrem verhängnisvollen Ende», sagt Bovino. Und weiter:

    «Was im vergangenen Jahr in Amerika geschah, ist eine ausgezeichnete Nachricht für Europa. Es beweist erstens das Ausmaß des Migrationsproblems, und zweitens zeigt es eine realisierbare, nachhaltige und akzeptable Strategie. Wir haben euch gerade eine Blaupause geliefert.»

    Royer fragt:

    «In Europa wird die Remigration von Bewegungen wie der AfD und Persönlichkeiten wie Jean-Yves Le Gallou, Renaud Camus oder Martin Sellner getragen. Verfolgen Sie diese Dynamik, und sehen Sie darin den Widerhall Ihres eigenen Kampfes?»

    Bovinos klare Antwort:

    «Der Kampf ist in Europa und den USA sehr ähnlich. Dasselbe spielt sich dort ab: Illegale und Einwanderer, die eure Werte nicht teilen. Die AfD liegt in Deutschland richtig, meiner Meinung nach. Sie stellen den politischen Korrektheitswahn hinten an zugunsten der deutschen Kultur und Identität. Ich bin stolz auf die AfD, wie auch auf Restore Britain und andere. Opfert niemals eure Bürger und eure Kultur für Menschen, denen es völlig egal ist, wer Lawrence von Arabien war oder ob Alexandre Dumas den Grafen von Monte Christo geschrieben hat. Die wollen nicht wissen, ob euer Großvater im Ersten Weltkrieg gekämpft hat und bei Belleau Wood gefallen ist, oder ob Heinrich IV. ein großer König war. Das sollte jeden Europäer auf seinem eigenen Boden erschrecken. Ich mache mir Sorgen um Europa. Wir stehen weltweit vor demselben schleichenden Schrecken. Warum arbeiten wir nicht gemeinsam daran, ihn zu lösen?»

    Das Ziel großangelegter Abschiebungen sei nicht Vergeltung, sondern «kulturelle Wiedergutmachung». Sein Appell an Europa ist konkret:

    «Geht es offen an, ohne halbe Maßnahmen. Sorgt dafür, dass Feldkommandeure direkt mit den höchsten Verantwortlichen kommunizieren können. Setzt die Narrative, lasst sie euch nicht aufzwingen. Ihr habt unsere Expertise zur Verfügung. Nutzt sie.»

    Sein persönlicher Traum: «Ich würde liebend gerne Teile Europas besuchen, die ich noch nie gesehen habe, und einen guten Scotch trinken oder ein Pint Guinness in Manchester, ohne mir Gedanken über kulturellen Wandel oder Kriminalität machen zu müssen. Wir wollen unser altes Europa zurück.»

    Jetzt aber schnell: Die Juni-Ausgabe von COMPACT-Magazin mit dem Titelthema «Und tschüss!» können Sie hier bestellen.

     

     

    Kommentare sind deaktiviert.