Opium fürs Volk

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Vor 85 Jahren bezog Franklin D. Roosevelt das Weiße Haus. Der Präsident führte die USA durch den Zweiten Weltkrieg und steht für die Wirtschafts- und Sozialpolitik des New Deal, sowie die Gründung der UNO. Kaum bekannt ist, dass sein Familienvermögen aus dem illegalen Handel mit Schlafmohn nach China stammte.

Als Präsident Theodore Roosevelt am 17. März 1905 seine Nichte Eleanor durch die Kirche dem Bräutigam am Altar zuführt, wird er von elitären Gästen in Augenschein genommen, die fast alle etwas gemeinsam haben: Ihr Reichtum wurde durch Handel mit Opium nach China erworben. Selbst der Pastor, Endicott Peabody, verfügt über ein beträchtliches Vermögen, weil sein Großvater in Asien mit Drogen gehandelt hatte. Eleanors Bräutigam, der spätere US-Präsident Franklin Delano Roosevelt, verdankt sein Vermögen seinem Großvater Warren Delano, einem der größten Opiumhändler des 19. Jahrhunderts. James Bradley, Autor des Buches The China Mirage kommentiert: «Das ist so, als ob das Cali-Kartell durch das Verschieben von Kokain in die Vereinigten Staaten den Präsidenten von Kolumbien hervorbringt.»

Männer wie Delano «streuten die Saat für Amerikas wirtschaftliche Revolution», schreibt der Autor. An der ganzen Ostküste finanzierten Opiumgelder Eisenbahngesellschaften und andere revolutionäre Projekte, wie das erste transatlantische Kabel. Erben von Drogenhändlern gründeten die United Fruit Company und die US-Denkfabrik Council of Foreign Relations. Auch Eliteuniversitäten wie Princeton und Columbia wurden mit Drogengeldern gefördert. Erträge aus einem Fond der größten damaligen Handelsgesellschaft mit China, Russell & Company, decken noch heute die Kosten des Geheimbundes Skull & Bones der Universität Yale, so Bradley. Auch die Vorfahren des ehemaligen US-Außenministers (und Skull & Bones-Bruders) John Forbes Kerry waren im Opiumschmuggel aktiv.

Diplomatie aus dem Gewehrlauf

Auch das Britische Empire erzielte um 1850 15 bis 20 Prozent seiner Gesamteinnahmen aus dem Handel mit Schlafmohn. Carl Trocki, Autor des Buches Opium, Empire and the Global Economy bilanziert, dass «die gesamte Infrastruktur europäischen Handels in Asien um Opium angelegt gewesen war». Während die USA nach Erlangen der Unabhängigkeit (1783) die Exportrouten über die Türkei bestimmten, kontrollierte die britische East India Company rund eine Million indische Bauern, deren Erträge zum großen Ärger der Machthaber der Qing-Dynastie das Kaiserreich überschwemmten.

Als Peking Queen Victoria 1839 davon unterrichtete, Schmuggler fortan hinrichten zu wollen, schickte sie die Marine und ließ Chinas Küsten bombardieren. Delano, der zum US-Konsul ernannt worden war, begrüßte auch das erste amerikanische Kriegsschiff an chinesischen Ufern.

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Über den Autor

Jürgen Elsässer

Jürgen Elsässer, Jahrgang 1957, arbeitete seit Mitte der neunziger Jahre vorwiegend für linke Medien wie Junge Welt, Konkret, Freitag, Neues Deutschland. Nachdem dort das Meinungsklima immer restriktiver wurde, ging er unabhängige Wege. Heute ist er Chefredakteur von COMPACT-Magazin. Alle Onlineartikel des Autors

 

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