Die iranische Fußball-Elf beeindruckt bei der Weltmeisterschaft auf und neben dem Platz. Sie hat noch alle Chancen auf die nächste Runde und gewinnt immer mehr Sympathien in den USA. Wer den Sport auch wegen seiner zahlreichen Nebenschauplätze schätzt, der sichert sich unser Sonderheft „Nationalsport Fußball“. Erhältlich als E-Paper. Hier mehr erfahren.

    Die iranische Nationalmannschaft schreibt bei dieser Weltmeisterschaft eine der bemerkenswertesten Geschichten des Turniers. Nach zwei Gruppenspielen ist der erstmalige Einzug in die K.-o.-Phase weiterhin möglich, obwohl die Voraussetzungen kaum schwieriger, teils auch schikanöser hätten sein können.

    Erschwerte Bedingungen

    Schon vor Turnierbeginn stand fest, dass die „Team Melli“ unter außergewöhnlichen Umständen würde antreten müsse. Der Krieg in der Heimat, ausgefallene Testspiele und erhebliche organisatorische Einschränkungen erschwerten die Vorbereitung auf das Turnier massiv. Viele Spieler aus der heimischen Liga hatten monatelang keine Pflichtspiele mehr bestritten und reisten ohne den sonst üblichen Wettkampfrhythmus an.

    Die iranische Fußball-Nationalmannschaft, hier 2017 bei einem Freundschaftsspiel gegen Russland: Sieben Mal hat sich das Team zur WM qualifiziert (1978, 1998, 2006, 2014, 2018, 2022 und 2026), ist aber nie über die Gruppenphase hinausgekommen. Dafür nahm der Iran bei den Asienspielen bislang an 14 Endrunden teil, wobei er viermal die Goldmedaille (1974, 1990, 1998, 2002), dreimal die Silbermedaille (1951, 1966) und einmal die Bronzemedaille (2006) gewann. Foto: Alizada Studios / Shutterstock

    Während der WM bleibt die Mannschaft mit schikanösen Herausforderungen konfrontiert. Statt wie ursprünglich geplant in den USA Quartier zu beziehen, musste das Team seinen Stützpunkt im mexikanischen Tijuana aufschlagen und für jedes Spiel aufwendig in die Vereinigten Staaten pendeln. Die langen Reisen kosteten wertvolle Zeit für Regeneration und Vorbereitung.

    Unüberwindbare Abwehr

    Trotz dieser Widrigkeiten zeigte die iranische Auswahl auf dem Platz eine beeindruckende Mentalität. Dem 2:2 gegen Neuseeland (nach zwischenzeitlichem 0:2-Rückstand) folgte ein leidenschaftlich erkämpftes 0:0 gegen den Weltranglisten-Zehnten Belgien. Vor über 70.000 Zuschauern im Stadion von Los Angeles verteidigten die Iraner mit großer Disziplin und Leidenschaft und hielten die hochkarätig besetzte belgische Offensive um Kevin De Bruyne in Schach. Torhüter Alireza Beiranvand und Abwehrchef Shoja Khalilzadeh erwiesen sich geradezu als unüberwindliche Teufelskerle.

    Die iranische Fußball-Nationalmannschaft am 29. Mai 2026 vor einem Freundschaftsspiel gegen Gambia in der Türkei. Foto:
    IMAGO / Anadolu Agency

    Trainer Amir Ghalenoei sprach anschließend von einer Leistung, die „in die Geschichte eingehen“ werde. Tatsächlich ist die Bilanz bemerkenswert: Nach zwei Spielen ist der Iran noch ungeschlagen und darf weiter vom erstmaligen Einzug in die Runde der letzten 16 träumen. Am Samstag steht das Spiel gegen Ägypten an.

    Doch nicht nur sportlich hinterlässt die Mannschaft einen starken Eindruck. Auch abseits des Rasens präsentierte sich das Team als würdiger Botschafter seines Landes. Nach dem Abschied aus Los Angeles hinterließen die Spieler und Betreuer eine handschriftliche Botschaft voller Dankbarkeit und Menschlichkeit.

    „Wir sind mit Stolz nach Los Angeles gekommen, haben mit Ehre gekämpft und reisen mit Würde ab“, hieß es in dem Schreiben. Zudem ist vermerkt:

    „Vom antiken Persien vor Tausenden von Jahren bis zum zivilisierten Iran von heute – der Geist Irans lebt weiter und bleibt standhaft.“

    In der handgeschriebenen Notiz sind die Hashtags „168“ und „minab“ vermerkt. Ein Verweis auf die am 28. Februar 2026 von einem US-Marschflugkörper attackierte Mädchenschule in Minab mit 168 Todesopfern, die meisten zwischen sieben und zwölf Jahre alt. Viele kamen durch das zusammenbrechende Gebäude ums Leben.

    Bemerkenswertes Zeichen

    Ausdrücklich dankte die Mannschaft der Gastgeberstadt Los Angeles für die freundliche Aufnahme und schloss mit einem Aufruf, der weit über den Fußball hinausgeht: „Möge Frieden, Respekt und Freundschaft unter allen Nationen obsiegen.“

    Gerade in einem Turnier, das immer wieder von politischen Spannungen und Diskussionen begleitet wird, setzt die iranische Nationalelf damit ein bemerkenswertes Zeichen.

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    Die Unterstützung auf den Rängen war ebenfalls mitreißend. Obwohl die iranische Nationalhymne vor dem Belgien-Spiel niedergepfiffen wurde, konnte das Team im Laufe der Partie durch Kampf und Wille die Herzen zahlloser Zuschauer gewinnen. Deutlich waren in der zweiten Halbzeit laute „Iran“-Sprechchöre zu vernehmen. Die Spieler erwiderten diese Unterstützung mit hingebungsvollem Einsatz.

    Mannhaftes Auftreten

    Die Chance auf ein historisches Weiterkommen lebt – und schon jetzt hat die iranische Nationalmannschaft bewiesen, dass ihre Spieler zu den Helden dieses Turniers gehören. Mit Mut, Zusammenhalt und Würde hat die Elf gezeigt, dass sportlicher Erfolg nicht nur an Ergebnissen gemessen wird, sondern auch an Charakter und der Fähigkeit, selbst unter schwierigsten Bedingungen geschlossen, mutig, leidenschaftlich und mannhaft aufzutreten.

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