Der Countdown läuft: Am 12. Juni geht Elon Musks Raumfahrt-Konzern SpaceX an die US-Handelsplattform NASDAQ. Der größte Börsengang aller Zeiten könnte den Tech-Unternehmer zum reichsten Mann der Geschichte machen. Unterdessen legt sich die britische Regierung mit dem Migrationskritiker an. Ashlee Vance hat die Erfolgsgeschichte des Tech-Unternehmers in seiner Musk-Biografie nachgezeichnet. Hier mehr erfahren.
Elon Musk ist ein Mann der Superlative. Das stellt er mit dem für den 12. Juni geplanten Start von SpaceX am Aktienmarkt nun erneut unter Beweis. Der Raumfahrtkonzert, in den inzwischen auch Musks KI-Firma X.AI und die Plattform X eingegliedert sind, will nicht nur den größten Börsengang aller Zeiten hinlegen, der Chef selbst könnte dadurch vom derzeit reichsten Mann der Welt zum reichsten Menschen in der Geschichte aufsteigen.
Derzeit verfügt Musk über ein Vermögen von 833 Milliarden US-Dollar. Für manche ist das schon eine obszöne Form des Reichtums. Im Internet rechnet man gerne vor: Auf der Welt leben derzeit 8,3 Milliarden Menschen. Würde der Tech-Unternehmen jedem Erdenbürger eine Milliarde schenken, wären alle Menschen auf der Welt Milliardäre und er selbst hätte immer noch fast 825 Milliarden auf der hohen Kante.

Doch der 12. Juni an der US-Technologiebörse NASDAQ könnte Musk zum ersten Billionär (jemand mit einem Vermögen von 1.000 Milliarden US-Dollar) machen. Dagegen wirkte selbst John D. Rockefeller (1839–1937) fast arm wie eine Kirchenmaus: Der US-Ölmagnat galt laut Guinness World Records lange Zeit als reichste Einzelperson der Neuzeit. Bei seinem Höchststand kontrollierte er mit Standard Oil rund 1,5 Prozent der gesamten US-Wirtschaft. Inflationsbereinigt wird sein Spitzenvermögen heute auf 340 bis 630 Milliarden US-Dollar geschätzt.
Große Pläne, rote Zahlen
Musks Pläne sehen wie folgt aus: SpaceX soll bei seinem Rekord-Börsengang rund 75 Milliarden US-Dollar einnehmen. Mit einem Ausgabepreis von 135 Dollar je Aktie strebt das bislang verlustreiche Unternehmen aus dem Stand eine Gesamtbewertung von nahezu 1,8 Billionen Dollar an. Zumindest auf dem Papier würde dies ausreichen, um Musks Privatvermögen über die Marke von einer Billion Dollar zu heben.
Denn: Seine Beteiligung an SpaceX wäre rund 866,5 Milliarden Dollar wert. Hinzu kommt sein Tesla-Anteil, der aktuell auf etwa 355 Milliarden Dollar geschätzt wird. Weitere Aktienoptionen Musks besitzen einen potenziellen Wert von mehr als 100 Milliarden Dollar. Der Multimilliardär wird mit einem Stimmrechtsanteil von mehr als 80 Prozent auch nach dem Börsengang die volle Kontrolle über SpaceX behalten. Basis dafür sind Aktien, mit denen dem Unternehmensgründer mehr Stimmrechte als anderen Wertpapierinhabern eingeräumt wird.
Der Business Insider berichtet: «Der geplante IPO [englischer Fachausdruck für einen Börsengang] könnte alle bisherigen Maßstäbe übertreffen, denn: Der bisher größte Börsengang von Saudi Aramco im Jahr 2019 soll rund 29 Milliarden Dollar an Kapital eingebracht haben. SpaceX läge mit einem Ausgabevolumen von 75 Milliarden Dollar an Aktien deutlich darüber. Besonders auffällig laut den Alles auf Aktien-Experten: Statt einer üblichen Preisspanne setze SpaceX auf einen festen Ausgabepreis bei den Aktien.»
Alles auf Aktien ist der Börsen-Podcast der Tageszeitung Die Welt. NTV schreibt: «Den Investoren wird die SpaceX-Aktie als große Wette auf die Innovationskraft Musks verkauft – ähnlich wie auch bei dem ebenfalls von ihm geführten Elektroautobauer Tesla. Musk spricht von Flügen zum Mars, einer Stadt auf dem Mond und KI-Rechenzentren im All.»
Manche Analysten sind weniger euphorisch. Die gigantische Bewertung von SpaceX steht nämlich im krassen Widerspruch zu den tatsächlichen Geschäftszahlen. Allein im vergangenen Jahr hat der Weltraumkonzern einen Verlust von 4,94 Milliarden Dollar eingefahren. Dem gegenüber stand ein Umsatz von 18,67 Milliarden Dollar. Hauptgrund für die tiefroten Zahlen sind die enormen Entwicklungskosten für die Riesenrakete Starship, die Fracht und später auch Menschen zum Mars bringen soll. Profitabel ist vor allem der Satelliten-Internetdienst Starlink.
Zoff mit Starmer
Politisch gilt Musk im Big Business als Exot: Der gebürtige Südafrikaner wendet sich immer wieder gegen Wokeness und Massenmigration, unterstützt die rechte Bewegung Restore Britain von Rupert Lowe und die AfD in Deutschland. Immer wieder prangert er offen Rassismus gegen Weiße an, sorgt sich gar um das Aussterben der Europäischstämmigen auf der ganzen Welt.
Damit ist er zum Intimfeind des britischen Labour-Premierministers Keir Starmer avanciert. Der warf Musk nun vor, im Fall des von einem Sikh erstochenen Henry Nowak die Emotionen in Großbritannien anzuheizen. Musk habe sich «in den vergangenen Tagen erneut in unsere Politik eingemischt und versucht, Zwietracht zu säen», sagte Starmer heute vor Reportern in London.
Musk hatte auf seiner Plattform X den Umgang der Polizei mit dem sterbenden 18-Jährigen angeprangert und Starmer und seine Regierung dabei einmal mehr scharf kritisiert. Polizisten legten den schwer verletzten jungen Mann in Handschellen, statt den Täter dingfest zu machen. Mehrfach flehte Nowak die Beamten an, ihm zu helfen, doch wie die Bodycam-Aufnahmen eines Polizisten belegen, schenkte man ihm keinen Glauben und ließ ihn sterben. Der Familie des Opfers bot Musk an, eine Klage gegen die Polizei zu finanzieren.
Auf X richtete der Technologie-Unternehmer in diesen Zusammenhang die Frage an seine Follower, ob sie wüssten, «dass die offiziellen Polizeiregularien [in Großbritannien] ihnen vorschreiben, rassistisch gegenüber Weißen zu sein». Damit bezog er sich auf die sogenannten Anti-Rassismus-Richtlinien der Polizei, die offiziell dazu dienen sollen, den Umgang der Ordnungshüter mit Farbigen zu verbessern.
Musk und Starmer liegen schon länger im Clinch. Im vergangenen September forderte der Chef von SpaceX und Tesla bei einer von Tommy Robinson organisierten Großdemonstration in London via Liveschaltung aus Texas die Auflösung des Unterhauses und Ablösung der momentan amtierenden Regierung.
Wer ist der streitbare Unternehmer – und was ist das Geheimnis seines Erfolgs? Der Journalist Ashlee Vance ist ihm so nah gekommen, wie kaum ein anderer. In seiner Biografie «Elon Musk: Tesla PayPal, Tesla» packt er umfassend aus. Hier bestellen.





