Während die AfD sich erfreulich standhaft gegen den US-israelischen Irankrieg stellt, stehen viele andere europäische Rechtsparteien in Treue fest hinter Benjamin Netanjahu. Dabei verlaufen die Konfliktlinien auch quer durch die großen Rechtsfraktionen im EU-Parlament, die Patrioten für Europa (PfE), das Europa der Souveränen Nationen (ESN) und die Europäischen Konservativen und Reformer (EKR). Hier ein Kurzüberblick – die vollständige Übersicht findet sich in der aktuellen COMPACT-Ausgabe „Zions Höllenritt„.

    Das Problem betrifft nicht nur die parlamentarische Rechte. So fand zum Beispiel am Samstag in London eine Demonstration für Remigration und sichere Grenzen in London mit etwa 100.000 Teilnehmern statt. So erfreulich das scheint – genutzt wurde der Massenaufmarsch auch von Unterstützern des Krieges gegen den Iran, zu denen auch Demo-Veranstalter Tommy Robinson gehört. Der „Guardian“ berichtet: „Aber während die üblichen Flaggen des Heiligen Georg und Union Jacks über der Menge wehten, schienen zwei andere besonders prominent wie nie zuvor.Es waren die Flagge Israels – gehisst von langjährigen Robinson-Unterstützern, aber auch von Gruppen mit T-Shirts, auf denen Dinge wie „Jews for Tommy“ standen – und die Flagge Persiens oder des vorrevolutionären Iran mit einem goldenen Löwen und einer Sonne in der Mitte.“

    Tommy Robinson ist seit Langem ein Unterstützer Netanjahus, posiert mit Käppis der israelischen Armee.  Zu Beginn des Iran-Krieges twitterte er: „Im Moment haben die Menschen eine Wahl: Wir stellen uns an die Seite unserer Verbündeten und unterstützen die mutigen Menschen im Iran in ihrem Kampf für die Freiheit – oder wir verurteilen unsere Verbündeten, fordern sie auf aufzuhören und lassen die Dschihadisten weiter die Kontrolle über den Iran behalten, die jede Terrorgruppe der Welt finanzieren. (…) Wählt die Freiheit oder die Sklaverei – das ist die aktuelle Wahl.“

    Die Israel-First-Parteien

    Partij voor de Vrijheid (PfE): Die Positionierung von Geert Wilders, Prototyp des undifferenzierten Islamhassers, ist keine Überraschung: Anfang März 2026, wenige Tage nach neuerlichem Kriegsausbruch, warf er dem niederländischen Ministerpräsidenten Rob Jetten vor, ein „Amateur“ zu sein, weil dieser sich der Aggression von Trump und Netanjahu nicht anschließen wolle.

    Vox (PfE): Kaum weniger proisraelisch als Geert Wilders positioniert sich die spanische Vox, die Netanjahu mit der zweifelhaften Auszeichnung „meine Waffenbrüder“ bedachte. Mehrfach traf sich Parteichef Santiago Abascal mit Vertretern des zionistischen Regimes.Fidesz (PfE): „Mr. Orbán leistet großartige Arbeit”, schmeichelte US-Präsident Trump Ungarns Regierungschef bereits 2019 bei einem Besuch in Washington. Bis heute ist das Verhältnis zwischen beiden eng. Mindestens ebenso gut: Orbans Kontakte zum israelischen Regime. Bei der CPAC-Konferenz im März 2026 war nicht nur Yair Netanjahu, Sohn des israelischen Ministerpräsidenten, persönlich in Budapest zu Gast, auch sein Vater, der gesuchte Kriegsverbrecher, wurde als Stargast per Videoleinwand zugeschaltet.

    Einer der bekanntesten Zuwanderungs- und Islamkritiker Europas: Der Niederländer Geert Wilders im Parlament in Den Haag. Foto: Orange Pictures / Shutterstock

    Reform UK: „Großbritannien muss die Amerikaner in diesem wichtigen Kampf gegen den Iran unterstützen“, polterte Brexit-Stratege Nigel Farage wenige Stunden nach Kriegsbeginn. Bereits beim Zwölftagekrieg im Juni 2025 stellte er fest: „Reform UK unterstützt die militärischen Aktionen der USA.“

    Schwedendemokraten (EKR): Jimmie Akesson, Parteichef seit 2005, wurde im Januar vom israelischen Diaspora-Ministerium zu einer internationalen Konferenz gegen Antisemitismus nach Jerusalem eingeladen und anschließend als „der mögliche nächste Ministerpräsident Schwedens“ gefeiert. Pünktlich zum Kriegsbeginn am 28. Februar revanchierte er sich dafür: „Wenn diplomatische Anstrengungen an ihre Grenzen stoßen und friedliche Bemühungen unbeantwortet bleiben, müssen Worten Taten folgen. Eine Form des Angriffs gegen das islamistische Regime im Iran lag daher nahe und kann nicht als Überraschung bezeichnet werden. (…) Die Islamisten im Iran unterstützen aktiv Russlands Kriegsführung in der Ukraine (…).“ Der letzte Satz zeigt übrigens, dass Akesson auch beim Ostlandritt eng an der Seite der NATO-Betonköpfe steht.

     

    FPÖ (PfE): „Erstmals in der Geschichte der Freiheitlichen Partei wurde mit Harald Vilimsky ein Repräsentant offiziell von der israelischen Regierung und auch persönlich vom Ministerpräsidenten empfangen“, verkündete die FPÖ Anfang 2026 voller Stolz. Mitt Juni war er wieder bei Netanjahu zu Gast und lobte: „Israel ist der einzige demokratische Staat in der Region sowie die letzte Bastion gegen einen immer radikaler werdenden Islamismus und verdient dafür größten Respekt.“

    Die andere Seite

    Kritisch gegenüber dem Iran-Krieg, wenn auch nicht so klar formulierend wie die AfD, positionieren sich die Fratelli d’italia von giorgia Meloni, das Rassemblement National (mit Ausnahme von Parteichef Bardella) sowie das Forum für Demokratie (Niederlande). Einen genauen Überblick finden Sie in COMPACT-Magazin 5/26 im Artikel „Über den Jordan gegangen – Europäische Rechtsparteien und Israel“. Hier bestellen.

    COMPACT 5/2026 

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