Foulspiel: Obwohl die Azzurri die Qualifikation zur Fußball-Weltmeisterschaft 2026 verpasst haben, will ein Trump-Vertrauter das Team ins Turnier mogeln. Stattdessen solle die iranische Nationalmannschaft rausfliegen – obwohl sie sich souverän qualifiziert hat. Auf Fairness setzt hingegen COMPACT-Spezial „Nationalsport Fußball“. Unsere goldenen Zeiten! Hier mehr erfahren.

    Greift die Politik wieder mal dem Sportbetrieb in die Speichen? Und das schon bei der anstehenden Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko? Das Turnier startet am 11. Juni mit der Partie Mexiko gegen Südafrika im Banorte-Stadion in Mexiko-Stadt, das Finale soll am 19. Juli im MetLife Stadium in New Jersey ausgetragen werden.

    Brisant: Auch der von den USA und Israel angegriffene Iran ist dabei, wird seine drei Vorrundenspiele gegen Belgien, Neuseeland und Ägypten in Seattle und Inglewood nahe Los Angeles absolvieren. Den Wunsch des iranischen Teams, die Partien nach Mexiko zu verlegen, hatte die FIFA abgelehnt.

    Top und Flop

    Die iranische Nationalmannschaft hatte sich sich das WM-Ticket ziemlich souverän über die Asien-Qualifikation gesichert. Mit vier Siegen und zwei Unentschieden holte das Team aus Teheran den Gruppensieg (punktgleich mit Usbekistan) in der zweiten Runde. In der dritten Runde gab es nur eine Niederlage (gegen Katar) sowie ein Unentschieden (gegen Usbekistan), womit der Iran wieder als Erster durchs Ziel ging – und damit zur WM-Endrunde beim Erzfeind.

    Die iranische Fußball-Nationalmannschaft, hier 2017 bei einem Freundschaftsspiel gegen Russland: Sieben Mal hat sich das Team zur WM qualifiziert (1978, 1998, 2006, 2014, 2018, 2022 und 2026), ist aber nie über die Gruppenphase hinausgekommen. Dafür nahm der Iran bei den Asienspielen bislang an 14 Endrunden teil, wobei er viermal die Goldmedaille (1974, 1990, 1998, 2002), dreimal die Silbermedaille (1951, 1966) und einmal die Bronzemedaille (2006) gewann. Foto: Alizada Studios / Shutterstock

    Italien hingegen hat ins Klo gegriffen – und das bereits zum dritten Mal in Folge. Nach den verpassten Turnieren 2018 (Playoff-Niederlage gegen Schweden) und 2022 (0:1 gegen Nordmazedonien im Playoff-Halbfinale) scheiterte die Squadra Azzurra auch diesmal wieder in der Qualifikationsrunde.

    Zwar erreichte man nach einer durchwachsenen Gruppenphase noch die Playoffs, doch dort verlor Italien das entscheidende Spiel gegen Bosnien-Herzegowina im Elfmeterschießen. Damit setzte sich eine bemerkenswerte Negativserie für die Azzurri fort – während man 2010 und 2014 jeweils schon in der Vorrunde ausschied. Für einen vierfachen Weltmeister liegt das letzte WM-Spiel der Italiener deswegen überraschend lange zurück: Es stammt aus der Gruppenphase der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien, als die Blauhemden gegen Uruguay ausschieden.

    Bella figura: Meloni sonnt sich für eine italienische Boulevardzeitung.Foto: Novella 2000

    Iran raus, Italien rein – wegen Meloni

    Wird die Squadra Azzurra nun nachträglich zur WM gemogelt? Ein verrückter Plan sieht das vor. Ausgedacht hat sich ihn Paolo Zampolli, seines Zeichens Sondergesandter für Investitionen und wirtschaftliche Beziehungen der US-Regierung. Der Italo-Amerikaner gilt als Vertrauter von Präsident Trump, war in den 1990er und 2000er Jahren Immobilienentwickler und Model-Agent. Geht es nach ihm, soll der Iran kurzerhand aus dem Rennen genommen und durch Italien ersetzt werden.

    Gegenüber der Financial Times erklärte Zampolli: „Ich kann bestätigen, dass ich Trump und [FIFA-Präsident Gianni] Infantino vorgeschlagen habe, dass Italien Iran bei der WM ersetzt.“ Er sei italienischer Abstammung, und für ihn wäre es „ein Traum“, wenn Italien bei einem Turnier mitmache, das in den USA stattfinde. „Mit vier Titeln haben sie die Reputation, die eine Aufnahme rechtfertigt“, so die haarsträubende Begründung des Unternehmers.

    Doch es kommt noch besser: „Hintergrund des Vorstoßes soll das Bemühen sein, das angeschlagene Verhältnis von Trump zu Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni zu reparieren. Die beiden Staats- und Regierungschefs hatten sich nach den Attacken von Trump auf Papst Leo XIV. zuletzt gegenseitig mit Kritik überzogen“, schreibt der Spiegel.

    Fassen wir zusammen: Der qualifizierte Iran soll wegen der politischen Großwetterlage einfach gestrichen werden, während das erfolglose Italien per Federstrich in die WM-Endrunde gehievt werden soll. Und das, um das angespannte Verhältnis zu Meloni zu kitten. Hatte Zampolli einen Vino rosso zu viel intus?

    FIFA-Chef winkt ab

    So irre der Plan des Italo-Amerikaners ist, so wenig realistisch ist er auch. Die FIFA kann ein qualifiziertes Team nicht einfach „streichen“ und durch ein anderes ersetzen, nur weil jemand das politisch oder reputativ für wünschenswert hält. Die Teilnahme an der WM wird strikt über die Qualifikation der Kontinentalverbände geregelt.

    Selbst im Extremfall eines Ausschlusses des iranischen Teams (zum Beispiel durch Sanktionen) würde der Weltfußballverband ein anderes Team aus derselben Qualifikationszone – also Asien – nachziehen und nicht willkürlich eine europäische Mannschaft einsetzen. Da hilft auch kein Verweis darauf, dass Italien schon vier Mal Weltmeister war und es angeblich verdient hätte, bei der WM dabei zu sein, obwohl die sportlichen Leistungen dafür nicht ausreichten.

    COMPACT-Spezial Nationalsport Fußball
    Das sieht auch FIFA-Chef Infantino so, der selbst gut mit Trump befreundet ist. Er hatte erst vor Kurzem bekräftigt, dass das Team aus Teheran „auf jeden Fall“ an der Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer teilnehmen werde. „Die iranische Mannschaft kommt ganz sicher“, so Infantino auf dem Invest in America Forum des Fernsehsenders CNBC. Italien bei der WM 2026? Das dürfte „ein Traum“ des US-Sonderbeauftragten bleiben.

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