«Sächsische Separatisten»: Probte eine Gruppe von dilettantisch vorgehenden Airsoft-Spielern wirklich den gewaltsamen Umsturz in der BRD? Die Fortsetzung des Prozess-Tagebuches von Kurt Hättasch, der neben sieben weiteren jungen Männern in Dresden angeklagt ist. Die Justizfarce reiht sich ein in weitere Klopper, dokumentiert in unserem Rabatt-Paket «1.000 Seiten BRD-Diktatur», jetzt für 14,99 statt für 79,75 Euro. Hier mehr erfahren.
Der folgende Text ist der persönliche Erlebnisbericht eines derzeit inhaftierten Mannes, der in dem betreffenden Verfahren («Sächsische Separatisten») als mutmaßlicher Tatverdächtiger geführt wird. Die Redaktion veröffentlicht diesen Bericht ausschließlich zu dokumentarischen Zwecken. Die Schilderungen geben allein die subjektive Wahrnehmung und Darstellung des Verfassers wieder und sind von uns nicht unabhängig überprüft worden. Sie stellen weder eine Bestätigung noch eine Widerlegung der gegen ihn erhobenen Vorwürfe dar. Die Unschuldsvermutung gilt uneingeschränkt.
Lesen Sie hier den ersten Teil dieses Beitrags.
Ein schwacher Zeuge (2)
_ von Kurt Hättasch, 15.5.2026
Der Zeuge XXX [Kriminaloberkommissar vom BKA, siehe hier; Name der Redaktion bekannt] gibt sich alle Mühe, seine Ausführungen umfassend zu halten, aber mir fiel doch auf, dass im Vergleich zu seinen schriftlichen Vermerken seine mündlichen Ausführungen recht mager ausfielen. Gleich zu Beginn fragte er noch, oh er sich eine Gliederung aus seinem Ordner als Hilfestellung hinzunehmen könne. Die Vorsitzende Richterin gestand ihm das zuerst zu, aber ein Verteidiger bat, ob der Zeuge denn nicht aus dem Kopf vortragen könne und so musste er seinen Ordner traurig wieder zuklappen.
Ein relativ interessantes Thema gab es aber doch, und das war das vermeintliche «Häuserkampftraining» aus dem August 2024, über das Herr XXX einen Bericht verfasste und das, wie es scheint, den Anlass für die Festnahmen gebildet haben soll. Zutiefst schockierend war für mich die Verzerrung, die das BKA dieser Veranstaltung mitgab, allen voran XXX.
Ohne jede Verharmlosung kann ich sagen, dass das Airsoft-Spiel der paar Leute im August 2024 qualitativ weit unten anzusiedeln ist. Ich sage mal so: Wäre diese Gruppe zu einem Turnier bei Airsoft oder Paintball angetreten, so hätten sie höchstwahrscheinlich schnell verloren. Die Veranstaltung wurde umfassend ausgespäht; mit Kameras, mit einer Überwachungsdrone, und es war sogar ein verdeckter Ermittler vor Ort (welcher vom BKA beharrlich als Vertrauensperson bezeichnet wird).
Die Eindrücke, welche durch diese Überwachungsmaßnahmen in Form von Bildern nun offengelegt wurden, zeigten, dass die Teilnehmer damals zwar militärisch anmutende Kleidung trugen (wie das für Airsoft Standard ist), jedoch nicht den Ansatz von taktischem Kenntnissen besaßen. Da wollte man z. B. in einer gewissen Formation durch das Gelände gehen, aber die Aufnahmen zeigen eindeutig, wie Einzelne munter ihre Positionen wechseln und keine Abstände eingehalten werden – normalerweise Mindestanforderungen und bei der Bundeswehr Inhalt der ersten zwei Ausbildungswochen!
Es lässt sich nur mutmaßen, wie schwer es dem verdeckten Ermittler gefallen sein muss, seine Enttäuschung über «Jörgs Gruppe» zu verbergen, nachdem er von Jörg S. am nahegelegenen Bahnhof abgeholt wurde. Nur fünf Leute konnte Jörg S. mobilisieren. Hieß es in der Chatgruppe damals nicht, es seien 25?
Vielleicht hatte es Jörg S. sogar bemerkt, denn im Verlaufe der Autofahrt ruft er doch noch einen Freund an:
«Hast du Zeit?»
«Was ist denn los?»
«Na, wir gehen heute bisschen Airsoft spielen. Kommst du vorbei?»
«Oh Mann, ich habe bis vorhin noch geschlafen…»
«Komm schon, sei nicht so faul!»
«Okay, ich mache mich auf den Weg.»
(sinngemäß)
Ob der verdeckte Ermittler erstmals Gewissensbisse bekam, als er Zeuge dieses Telefonates wurde?
Aber man kann davon ausgehen, dass seine Enttäuschung über die Terrorgruppe alle moralischen Zweifel hinwegfegte, denn einige Zeit später war man am Übungsgelände angelangt, und die nächste Pleite stand kurz bevor. Der traurige Würfelhusten von Gruppierung begann nun nämlich, sich für das Spiel vorzubereiten, und der verdeckte Ermittler durfte alle Unzulänglichkeiten aus nächster Nähe miterleben: Es gab keine einheitlichen Uniformen und Ausrüstungen, sodass sich jeder gewissermaßen überwarf, was er greifen konnte und ganz zu Recht von einer bunten Truppe gesprochen werden konnte.
Es gab nicht einmal genug Hosen für die sechs Teilnehmer (abgesehen von Jörg S. und dem FBI-Mann), sodass zwei mit ihren privaten kurzen Sommerhosen losziehen mussten, und für einen gab es noch nicht einmal eine Jacke, sodass, ganz professionell, das weiße T-Shirt blitzte. Noch nicht einmal die Airsoft-Gewehre aus der Privatsammlung des Jörg S. waren in einem vorzeigbaren Zustand. Hier war ein Hebel abgebrochen, da fehlten Teile vom Gehäuse. Jörg S. nahm sich ein Gerät mit besserem Zustand, für das ihm lediglich die Magazine fehlten, also zog er ohne los. Noch ist vielleicht nichts verloren, denn wenn auch das Material schlecht sein mag: womöglich überzeugen die Anwesenden?
Sie taten es nicht… Fast möchte man dankbar sein, dass das BKA seine Kamera aufstellte und seine Drohnenaufnahmen anfertigte, denn sonst wäre niemals offenkundig geworden, wie wenig die Anwesenden von militärischem Verhalten wussten. Das Spiel begann mit der Annäherung an die alten Ruinengebäude, sodass man sich unter Ausnutzung von Deckungsmöglichkeiten bewegte und mit den Airsoft-Gewehren nach allen Seiten hin «sicherte». Dabei liefen die Teilnehmer wild durcheinander und wechselten ständig ihre Positionen in der Kette. Auch «sicherte» man beim rhythmischen Schwenken der Airsoft-Gewehre im Grunde ständig in den Rücken des Vordermannes hinein. Alles brav von der Wildkamera dokumentiert.
Beim Überqueren einer Anhöhe wurden keine Abstände eingehalten, sodass vor dem Kamm des Hügels fast alle Teilnehmer in einer Traube zusammenstanden – alles Verstöße gegen die einfachsten Grundregeln militärischen Vorgehens, die jedem bekannt sind, der wenigstens einen Monat bei der Bundeswehr war, nicht aber einer Terrororganisation, die sich seit vier Jahren kontinuierlich auf den Umsturz vorbereitet haben soll.
Es entbehrt nicht ganz eines tragischen Zuges, dass XXX als der BKA-Beamte, welcher den Auftrag besaß, die Ereignisse jenes Tages auszuwerten, selbst nie eine militärische Ausbildung genoss, aber konstatierte: «Die Teilnehmer zeigten ein für Zivilisten ungewöhnliches Maß an militärischem Wissen» (sinngemäß).
Leider stand im Übungsgebäude keine Kamera, sodass uns nur die Aufnahmen des verdeckten Ermittlers bleiben, welcher nun seine Ausbildertätigkeit wahrnahm und Jörg S. als Dolmetscher einsetzte.
Diese einmalige Veranstaltung übrigens brachte später die windigen Staatsanwälte dazu, in ihre Anklage hineinzuschreiben:
«Besondere Bedeutung maßen die Sächsischen Separatisten spätestens seit dem Sommer 2024 dem Training des Häuserkampfes zu, das sie auf dem stillgelegten Militärflugplatz (…) durchführten» (Seite 13 der Anklage).
Ganz und gar hat der verdeckte Ermittler seinen Auftrag aber noch nicht erfüllt, und versucht noch ein paar belastende Aussagen aus den Anwesenden herauszukitzeln. Erst geht es ein bisschen um die deutsche Politik, und wenig später beginnt man sich gegenseitig die Taschen vollzuhauen [im Folgenden geht es um die Darstellung des Tages laut den Abhörprotokollen].
Der Mann vom FBI lenkt auf das Thema Bürgerkrieg und ob dieser in Deutschland denkbar wäre. Eine Frage ist, was man in dem Falle mit den ganzen Ausländern machen solle, aber das interessiert Jörg S. [Hauptangeklagter] gar nicht so recht und meint, dass es gerade im Westen Deutschlands Gebiete gebe, in denen so viele Ausländer leben, dass es wohl am wahrscheinlichsten wäre, dass die BRD ähnlich wie Jugoslawien in den 1990ern in verschiedene Regionen zerfallen könnte.
Und was passiert in Sachsen? Nach Ansicht von Jörg S. würden sich wohl viele, insbesondere Prepper, in den Wäldern verstecken, bis das Gröbste vorbei wäre. Er selbst, und so unterstellt er es auch engen Freunden, würden wohl daheim bleiben, die Familie vor Gewalttaten bewahren und ggf. mit Nachbarn und Bekannten Fremde vor Plünderungen abhalten und soweit es möglich wäre für Ordnung sorgen.
Tja, und wie könnte es dazu kommen, dass die Zentralregierung der BRD fällt? Jörg S. scheint wohl das seltsame Gespräch selbst schon unbehaglich zu werden und so versucht er, das Thema wohl mit einem Witz zu beenden und sagt, dass der bewaffnete Aufstand wohl von ihnen abhinge (womit er vermutlich scherzhaft sich und den FBI-Mann meint). Zu dieser Aussage lacht er noch und weist mit seinen Händen vermutlich auf sein Airsoft-Gewehr, das kein Magazin hat, um seinen Scherz zu unterstreichen. Dass dieses Gespräch keine illustre Unterhaltung ist und alles aufgezeichnet wird, kann er nicht wissen.
Man spielt noch ein bisschen weiter, aber die meisten Teilnehmer verlieren den Spaß an der Freude und hören schon gar nicht mehr richtig zu, sodass man übereinkommt die Veranstaltung zu beenden. Man verabschiedet sich, und der verdeckte Ermittler [vom FBI] macht sich stracks auf den Weg nach Berlin, um seine Daten beim BKA abzugeben. Daselbst mag es gewesen sein, dass er den BKA-Beamten letztmals seine Zweifel offenbarte, ob dieser Jörg S. mit seinen dünnen Aussagen tatsächlich Chef einer Terrorzelle sein solle und jene Kumpels, die so schnell die Lust verloren, Angehörige «seiner» Gruppe. Und vermutlich erhielt er als Antwort: «Bei euch in den USA würde das vielleicht nicht ausreichen, aber wir basteln uns schon etwas hieraus.» Achselzuckend wird der Mann vom FBI dann heimgeflogen sein, und es ist allemal bemerkenswert, dass bisher kein einziger Zeuge vom BKA in der Hauptverhandlung vor dem OLG Dresden erklären konnte, die Identität dieses Mannes zu kennen.

Und wer gehört nun zu «Jörgs Gruppe»? Von den anfänglich sechs Verdächtigen waren nur drei anwesend, und von denen, die das BKA so gerne auf die Liste der Mitglieder gesetzt hätte war gleich gar keiner da. Bei den Anfangsverdächtigen strich man einfach zwei und ersetzte diese durch zwei andere, die an jenem 17. August 2024 anwesend waren. Und weil sechs doch so weit von 25 entfernt ist, nahm man, um die Sache abzurunden, einfach noch zwei Kommunalpolitiker der AfD mit auf, und war so bei acht. Und weil das immer noch etwas mager schien, sammelte man sich noch sieben arme Schweine zusammen, die einmal das Pech hatten, den Weg von Jörg S. zu kreuzen, und nannte diese «Unterstützer» – schon hatte man 15. Und zwischen 15 und 25 ist der Abstand nun auch nicht mehr so groß.
Schnell erklärte man Ende Oktober rein formell noch vier Personen zu Mitgliedern einer Terrorvereinigung, und schon am 5. November konnte man sie festnehmen – pünktlich zur Wahl in den USA. Wenn die Behörden wollen, kann es also auch mal schneller gehen…
Die Reihe wird nach den weiteren Prozesstagen fortgesetzt, erscheint jedoch verzögert, da der Autor seine Berichte unter erschwerten Bedingungen abfasst und unserer Redaktion zukommen lässt.
Politischer Schauprozess? Die Justizfarce um die «Sächsischen Separatisten» reiht sich ein in weitere Klopper, dokumentiert in unserem Rabatt-Paket «1.000 Seiten BRD-Diktatur», jetzt für 14,99 statt für 79,75 Euro. Hier mehr erfahren.





