Über unsere europäischen Urahnen herrscht ein – auch ideologisch motivierter – Streit in der Wissenschaft. Archäologe Linus Ammer schafft in seinem aktuellen Buch Buch «Indogermanen –Herkunft, Eigenschaften, Expansionsgeschichte» endlich Klarheit und belegt die seit 1945 verteufelte Nordthese. Hier mehr erfahren.

    _ von Andreas Vonderach

    Die Herkunft der indogermanischen Sprachen ist seit Langem umstritten. Als Ursprungsgebiete waren bisher Nordeuropa, die pontische Steppe, Zentralasien und Anatolien im Gespräch. Seit den 1960er Jahren beherrscht die These der litauischen Sprachwissenschaftlerin Marija Gimbutas (1921–1994) von dem Ursprung in der pontischen Steppe die Szene. Sie wird auch die durch die neue paläogenetische Forschung gestützt.

    In seinem Buch «Indogermanen –Herkunft, Eigenschaften, Expansionsgeschichte» bricht der Archäologe Linus Ammer eine Lanze für die seit 1945 tabuisierte Nordthese. Der Autor stützt sich dabei auf die russischen und ukrainischen Archäologen Lew Klejn (1927–2019) und Leonid Zalizniak.

    Von Südskandinavien bis Südrussland

    Wenn man die Herkunft der indogermanischen Völker anhand historischer Quellen und archäologischer und sprachlicher Spuren zurückverfolgt, kann man ein indogermanisches Gebiet östlich des Rheins und nördlich der Donau von Südskandinavien bis zur Ukraine und Südrussland abgrenzen. Irgendwo hier muss unbestritten die «Urheimat» der Indogermanen liegen. Ammer sieht sie in der mesolithischen Maglemose-Kultur in Südskandinavien.

    Im ersten Teil seines Buches referiert Ammer die sprachwissenschaftlichen, archäologischen und anthropologischen Argumente für die Nordthese. Es gibt so gut wie keine archäologischen Hinweise auf eine Westexpansion der pontischen Ockergrabkultur (auch Kurgan oder Jamnaja-Kultur genannt), dafür aber deutliche für eine Ostexpansion der Trichterbecherkultur in Südskandinavien nach Osten. Die Trichterbecherkultur in Norddeutschland und Südskandinavien war autochthon aus ihren mesolithischen Vorgängerkulturen, der Ertebølle- und der Maglemose-Kultur hervorgegangen.

    Das Gebiet der Blonden

    Besonders großes Gewicht legt Ammer in «Indogermanen» auf die anthropologischen Zeugnisse. Die antiken Autoren beschrieben nicht nur die Germanen, sondern auch die Kelten, Thraker, Skythen, Slawen, Iraner und Tocharer (in China) als blonde Völker. Auch die Griechen und Römer hatten überwiegend blonde Götter und mythologische Gestalten. Selbst von den Angehörigen der römischen Oberschicht und den frühen Kaisern waren noch viele blond und blauäugig. Ammer sieht daher den Ursprung der Indogermanen in dem nord- und nordosteuropäischen Gebiet, das auch heute noch das Gebiet der größten Blondheit auf der Erde ist.

    Ammer geht nicht auf die moderne paläogenetische Forschung seit Johannes Krauses berühmter Studie von 2015 ein. Stattdessen gibt er in dem Anhang zu seinem Buch eine umfassende Kritik der auf Haplotypen beruhenden genetischen Arbeiten und hebt deren nur schmale genetische Grundlage und Zufallsanfälligkeit hervor. Er übersieht dabei, dass es inzwischen in der Nachfolge von David Reich umfangreiche paläogenetische Studien gibt, die auf polygenetischen «Urheimat» mit Dutzenden bis Abertausenden von DNS-Polymorphismen beruhen. Dazu hätte man doch gerne mehr erfahren.

    Pioniergeist und Tapferkeit

    Das letzte Kapitel in «Indogermanen» ist den mentalen Eigenschaft der Indogermanen gewidmet. Er übernimmt dabei die K-Selektions-Theorie des kanadischen Psychologen John Philippe Rushton (1943-2012) und zitiert viel aus meiner «Völkerpsychologie» (20213). Ammer sieht die charakteristischen Eigenschaften der Indogermanen, die ihnen ihre Expansion ermöglichten, in ihrem Entdecker- und Pioniergeist, ihrer Tapferkeit, ihrer Fähigkeit zur Organisation, ihrem Eigensinn und ihrer Strebsamkeit.

    Andreas Vonderach (*1964) studierte Geschichte und Geographie in Oldenburg und biologische Anthropologie in Mainz und Ulm. Er ist Schüler der Anthropologen Ilse Schwidetzky und Friedrich W. Rösing und hat zahlreiche Publikationen zu anthropologischen, historischen und volkskundlichen Themen veröffentlicht, darunter eine Völkerpsychologie und ein Buch über die deutschen Regionalcharaktere.

    Die Wahrheit über Herkunft, Expansionsgeschichte und Eigenschaften: In seinem Buch «Indogermanen» liefert Archäologe und Buchautor Linus Ammer alle Belege und widerlegt die zeitgeistigen Modetheorien. Hier sichern.

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