Eine weitere Bombe ist geplatzt: Der Gründer des Imageboards 4Chan traf sich mit Jeffrey Epstein – und schon am Tag darauf soll jenes Unterforum ins Leben haben, das den Urgrund für QAnon und letztlich auch die MAGA-Bewegung bildete. Wie das System funktioniert, zeigt Collin McMahon in seinem aktuellen Bestseller „Die Akte Epstein“. Es ist schlimmer, als Sie sich vorstellen können! Hier mehr erfahren.

    Unter Nerds genießt Christopher Poole einen legendären Ruf: Unter seinem Pseudonym Moot gründete im Oktober 2003 schon als Teenager das anonyme englischsprachige Imageboard 4chan nach dem Muster des japanischen Textboards 2channel und dessen Ableger 2chan. Für die einen ist 4chan die Jauchegrube des Internets, für die anderen ein Pool, um neue digitale Trends zu setzen und Kampagnen zu starten.

    Bis 2008 blieb Gründer Poole anonym, dann enttarnte ihn das Wall Street Journal. Geschadet hat ihm das freilich nicht. Im Gegenteil: Der heute 37-Jährige stieg zu einem erfolgreichen Programmierer und Internetunternehmer auf, von 2016 bis 2021 war er sogar Produktmanager beim Digitalriesen Google.

    Der Gamestop-Coup

    Wer meint, dass Seiten 4chan nur Spielwiesen für gelangweilte Internet-Nerds sind, irrt gewaltig. Bestes Beispiel ist das Reddit-Unterforum r/wallstreetbets, in dem sich vorwiegend junge Leute tummeln, um über das Geschehen an den Finanzmärkten zu plaudern, Memes zu kreieren, die oft viral gehen, oder über ihre Wertpapierspekulationen zu berichten.

    Als im Sommer 2019 bekannt wurde, dass der Hedgefonds Melvin Capital auf fallende Kurse der Aktie des US-Softwarehändlers Gamestop wettet, sie also mit Leerverkäufen shortet, wie es in der Fachsprache heißt, startete der damals 34-jährige Finanzberater Keith Patrick Gill aus Massachusetts, der auf r/wallstreetbets unter dem Pseudonym DeepFuckingValue unterwegs war, eine Revolution. Um der Heuschrecke eins auszuwischen und die angeschlagene Computerspiele-Kette zu retten, kaufte er wie verrückt Gamestop-Aktien und animierte seine Mitforisten, es ihm gleichzutun. Und das fiel auf fruchtbaren Boden.

    Die Gamestop-Story: Der Aufstand der Börsenrebellen

    Schon im September 2020 beliefen sich Gills Buchgewinne infolge eines atemberaubenden Kursanstiegs auf knapp eine Million Dollar. Hatte man im April 2020 eine Gamestop-Aktie noch für unter drei Dollar hinterhergeworfen bekommen, kostete das Wertpapier am 28. Januar 2021 – nachdem immer mehr Wallstreetbet-Forenmitglieder mitmischten – sage und schreibe 480 Dollar.

    Nun kam es zu einem sogenannten Short Squeeze, da sich die Leerverkäufer dazu genötigt sahen, ihre Positionen mit Rückkäufen zu astronomischen Preisen aufzulösen. Melvin Capital gerät in die Bredouille – und nur die Finanzspritze einer anderen Heuschrecke konnte dem Hedgefonds aus der Patsche helfen. Die Kleinanleger von Wallstreetbets hingegen waren in Feierlaune: Sie konnten nicht nur satte Gewinne einstreichen, sondern hatten auch einen milliardenschweren Hedgefonds in die Knie gezwungen.

    Pizzagate, Pepe und Trump

    Noch größere Auswirkungen auf das reale Geschehen zeitigte 4chan. Aus dem Unterforum (Subreddit) /b/ ging beispielsweise das Hacker-Kollektiv Anonymous hervor, doch noch größere Wirkung entfaltete das 2011 von Poole alias Moot ins Leben gerufene Subreddit „Politically Incorrect“, kurz /pol/. Dieses Unterforum entwickelte sich binnen kürzester Zeit zu einem Hotspot rechter Nerds, die nicht nur Memes austauschten.

    So nahm die Pizzagate-Theorie, nach der ein pädophiles Netzwerk um Hillary Clintons Wahlkampfmanager John Podesta Kinder für sexuellen Missbrauch unter chiffrierten Bezeichnungen geordert haben soll, 2016 auf 4chan ihren Anfang. Im darauffolgenden Jahr postete QAnon – angeblich ein Whistleblower aus Trumps Umfeld – auf Pooles Imageboard seine ersten Q-Drops, also jene verrätselten Nachrichten, die vorab über vermeintliche verdeckte Operationen des neuen US-Präsidenten aufklären sollten.

    Pizzagate 2.0: Verräterische Epstein-Mails

    Bereits zuvor waren auf /pol/ bekannte Memes wie „Pepe the Frog“ entstanden und verbreiteten sich danach in Windeseile auf anderen Plattformen wie Twitter und Reddit. Diese Memes wurden bald Teil der politischen Kommunikation rund um Trump und die AltRight- und MAGA-Bewegung. Sogar Trumps Team und der republikanische Kandidat höchstselbst griffen diese Memes, aber auch Q-Drops auf, um sie propagandistisch zu verwerten. Dies alles kulminierte im „Great Meme War“, der die US-Wahl 2016 zugunsten Trumps beeinflusste.

    Der Gründer des Imageboards 4chan und des Unterforums „Politically Incorrect“: Christopher Poole alias Moot. Foto: Jscott, CC BY-SA 3.0, Wikimedia Commons

    Das brisante Treffen

    Pizzagate, QAnon, Pepe, MAGA – auf 4chan beziehungsweise im „Politically Incorrect“-Unterforum liefen alle Fäden zusammen. Dort griff ein Zahnrad ins andere – und genau das macht manche nach den neuesten Funden in den Epstein-Akten nun stutzig. Tatsächlich erscheint 4chan-Gründer Christopher Poole ailas Moot nun in einem ganz neuen Licht.

    Aus einem Dokument geht nämlich hervor, dass Jeffrey Epstein im Oktober 2011, also mehr als drei Jahre nach seiner ersten Verurteilung wegen Anwerbung teils minderjähriger Mädchen zur Prostitution, von dem Berater der Bill & Melinda Gates Foundation Boris Nikolic kontaktiert wurde, der Epstein einen „coolen Typen“ vorstellen wollte. Die E-Mail von Nicolic enthielt einen Link zum Wikipedia-Eintrag des 4chan-Gründers Poole.

    Das Meeting zwischen Epstein und Poole alias Moot kam offenbar rasch zustande – denn schon vier Tage später antwortete Epstein Nikolic auf die Frage nach seinem Treffen mit Poole mit den Worten:

    „Mmot [sic!] Slot gefiel mir. Ich habe ihn nach Hause gefahren, er ist sehr intelligent.“

    In der Eile schrieb Epstein Pooles Pseudonym falsch, doch viel interessanter ist, dass der New Yorker Finanzjongleur den jungen Mann offenbar so beeindruckend fand, dass er ihn höchstpersönlich nach Hause chauffierte. Die eigentliche Bombe, die in dieser Angelegenheit steckt ist jedoch der Zeitpunkt dieser Begegnung.

    Denn noch im selben Monat – einige Medien schreiben sogar: einen Tag danach – startete Poole auf 4chan das Unterforum /pol/, aus dem nicht nur QAnon hervorging, sondern das sich auch zum wichtigsten Tummelplatz junger und aggressiver Trump-Supporter entwickelte und damit erheblichen Einfluss auf die gesamte MAGA-Bewegung hatte und viele der Kampagnenthemen in Trumps erstem Wahlkampf setzte.

    Der Nerd startet durch

    Doch die brisante Geschichte geht noch weiter: Vier Tage nach Epsteins Treffen mit Poole schickte Nikolic dem Sexualstraftäter erneut eine E-Mail mit einem Kommentar zum Potenzial von 4chan. „Dieser Artikel erklärt, warum ich 4chan interessant finde. Das Manipulationspotenzial ist enorm“, so der Bill-Gates-Berater, der einen Artikel der Washington Post verlinkte, der beschrieb, wie 4chan genutzt werde, um „Hass zu schüren“ , Cyberangriffe zu starten und „Schwarmintelligenz“ zu fördern.

    Cyber-Attacken und Cyber-Kriminalität: Es nimmt erschreckende Ausmaße an. Foto: NicoElNino/Shutterstock

    Pooles Name tauchte später auch in Epsteins E-Mails auf, unter anderem im Folgemonat, als der 4chan-Gründer sich mit einem von Epsteins Untergebenen zu einem Treffen in New York verabredete. „Chris, Jeffrey hat auch gesagt, du kannst gerne jeden mitbringen, den du für klug hältst“, heißt es in Epsteins Mail an Poole. Und dieser antwortete: „Super! Ich überlege mir ein paar Leute und melde mich dann bei dir.“

    Bereits zuvor hatte Poole mit Canvas Networks sein eigenes Unternehmen geründet und dafür Medienberichten zufolge mindestens 3,63 Millionen US-Dollar an Startkapital eingeworben. Die Website ging im Januar 2011 an den Start, doch schon 2014 liquidierte Poole das Unternehmen wieder. Ein Jahr später verkaufte er 4chan an den japanischen Internetunternehmer Hiroyuki Nishimura, den Gründer von 2channel, der quasi die Vorlage für 4chan geliefert hatte. Poole war ein gemachter Mann und heuerte bei Google an.

    Eine Honigfalle der Dienste?

    Schon seit Jahren wird darüber diskutiert, ob 4chan in Wirklichkeit ein Honeypot der Geheimdienste ist – eine Honigfalle, die Rechte, aber auch Extremisten anlocken sollte, um sie auszuspionieren, zu überwachen und möglicherweise auch zu lenken. Auch im Fall von QAnon gehen manche davon aus, dass es sich hierbei um eine geheimdienstliche Psy-Op, also eine Operation im Rahmen psycholgischer Kriegführung handeln könnte.

    Solche Verdachtsmomente bekommen durch die Enthüllungen um Poole alias Moot nun neue Nahrung. Und nicht nur das: Sogar die MAGA-Bewegung könnte – gerade vor dem Hintergrund der intensiven Beziehung zwischen Epstein und Trumps früherem Chefstrategen Steve Bannon – ein großer Fake sein. So jedenfalls eine Vermutung, die im Raum steht. Ob man tatsächlich so weit gehen kann, ist fraglich – doch ein Zusammenhang ist jetzt nicht mehr von der Hand zu weisen.

    Das Buch, über das jetzt alle sprechen: In seinem brandaktuellen Bestseller „Die Akte Epstein“ deckt Collin McMahon das Netzwerk des Sexualstraftäters und Erpressers auf. Alle Dokumente, Namen und Beweise. Für COMPACT-Chefredakteur Jürgen Elsässer jetzt schon das Buch des Jahres! Das Top-Enthüllungswerk können Sie sich hier sichern.

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