Muskulös, martialisch und mit missionarischem Eifer sind die Mitglieder des Boxclubs Osmanen Germania hierzulande unterwegs. Im Auftrag der türkischen Regierungspartei AKP wirken sie als Erdogans Fünfte Kolonne.

    Der Skandal war gigantisch, als der Satiriker Jan Böhmermann in seiner Sendung Neo Magazin Royale am 31. März 2016 ein sogenanntes Schmähgedicht über den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan vortrug. Der «Boss vom Bosporus», wie der AKP-Politiker bereits zuvor in der NDR-Sendung Extra 3 bezeichnet wurde, erstattete persönlich Anzeige gegen den Komiker. Als «Böhmermann-Affäre» ging die Posse in die Mediengeschichte ein, zog mehrere Gerichtsverfahren nach sich und beherrschte wochenlang die Schlagzeilen. Während manche Zuschauer sich darüber köstlich amüsierten, forderten Erdogan-Fans Vergeltung. In einem umtriebigen Macho-Verein fand die türkische Regierung passende Handlanger: Der Chef der Osmanen Germania, Mehmet Bagci, soll laut Erkenntnissen deutscher Ermittlungsbehörden höchstpersönlich den geheimen Auftrag erhalten haben, «eine Bestrafungsaktion bei einem Kritiker des türkischen Staatspräsidenten durchzuführen». Gemeint war der freche Böhmermann.

    Die türkischen Nationalisten hatten den Komiker bereits im Fadenkreuz, observierten jeden seiner Schritte. Den Befehl gab laut Staatsschutz ein Mann namens Ilkay Arin, Vorsitzender des AKP-nahen Lobbyverbandes Union der Europäisch-Türkischen Demokraten (UETD). Böhmermann wurde nach Bekanntwerden der Pläne sofort unter Polizeischutz gestellt, Bagci laut Bild Anfang Dezember 2017 von einem Sondereinsatzkommando verhaftet.

    Wohltäter, Sozialarbeiter, Vorbilder

    COMPACT riss dem angeblichen Boxclub um die Anführer Mehmet Bagci und Selcuk Sahin bereits in der April-Ausgabe des letzten Jahres («Kalifat BRD») die Maske vom Gesicht. Man wolle perspektivlose Jugendliche, vor allem die türkischen Brüder der eigenen «Königsrasse», von der Straße holen, ihnen Arbeit besorgen, sie von Drogen und Kriminalität fernhalten, lautete die Erklärung der beiden Muskelprotze. Kaum verkneifen konnten sie sich bei der Äußerung solcher Sätze ein hämisches Grinsen. Die Beiden lediglich Sozialarbeiter für bedürftige Jugendliche? Schafe im Wolfspelz?

    Nichts könnte der Wahrheit ferner sein, wie Burkhard Freier, Leiter des Landesamtes für Verfassungsschutz in NRW im Gespräch mit den Reportern des ZDF im Dezember 2015 deutlich machte: «Wir sehen da keinen sozialen Ansatz, auch keinen Ansatz, um Jugendlichen zu helfen.» Stattdessen sei glasklar, dass es sich um «eine Organisation» handele, «die dieselben Verhaltensweisen und Handlungsweisen hat, wie übliche Rockergruppen, also Gewalt, Waffenbesitz, Türsteherszene, Rotlichtmilieu». Die zweifellos großen Bemühungen des Clubs um Jugendliche sind nicht aus reiner Nächstenliebe gespeist, sondern haben «einzig und allein den Sinn, Nachwuchs zu gewinnen für die eigentliche Organisation». Nicht einmal die Bezeichnung «Boxclub» sei zu rechtfertigen, meint die niedersächsische Landesregierung, die in einem Bericht erklärte: «Eine besondere Affinität zum Boxsport konnte bisher nicht beobachtet werden.»

    Tatsächlich fokussieren sich die Aktivitäten der Gruppe vor allem auf «Türkei-kritische Organisationen» beziehungsweise «kurdische oder kurdisch-nahe Organisationen», so Freier. Er warnt: «Wenn es dann zu Auseinandersetzungen kommt, dann scheuen sie auch nicht die Gewalt.» Längst geht es nicht mehr allein um die Vormacht im Milieu, um Revierkämpfe, Disco-Türen und Drogenumschlagplätze, sondern auch um Politik. Die Präsidentin des Landeskriminalamtes Hessen, Sabine Thurau, hat insbesondere bei den Osmanen den Eindruck, dass «diese Rockergruppierung sehr stark zunehmend türkisch-nationalistisch geprägt ist». Die direkten Verbindungen der «osmanischen Einheit», wie man sich in einem eigens angefertigten Werbevideo bezeichnet, zu führenden AKP-Politikern sind offensichtlich.


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    Compact-Magazin Februar 2018 Stasi 2.0

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