Nur wenige Minuten, nachdem die Wahllokale in Mississippi ihre Pforten geschlossen hatten, prognostizierte man Joe Bidens klaren Sieg. Es scheint, als habe sich Bernie Sanders gar nicht mehr richtig um den Staat im tiefen Süden bemüht, ihn von vornherein verloren gegeben. Auch die Südstaaten South Carolina, Virginia, Alabama, Arkansas, North Carolina, Tennessee und Texas hat der ehemalige Vertraute Barack Obamas im Kegeln um die Präsidentschaftskandidatur abgeräumt, als wäre es eine reine Selbstverständlichkeit.

    _ von Johannes Scharf

    Der Grund dafür ist im erheblichen Zuspruch für Biden unter der schwarzen Bevölkerungsgruppe zu suchen, die im alten Süden zahlreicher vertreten ist als im pazifischen Nordwesten oder in Neuengland. So berichtete etwa die Washington Post, im Bundesstaat Mississippi hätten 86 % der schwarzen Wähler für Biden gestimmt. Wäre allerdings Bernie Sanders der Kandidat der Demokraten, würden ihn laut einer anderen Studie dennoch 87 % dieser Wählergruppe dem Titelverteidiger Donald Trumps vorziehen. Die Zustimmungsrate unter schwarzen Frauen für den 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten beträgt gerade einmal 6 %. Joe Bidens spektakulärer Wahlerfolg in Michigan, einem Staat des Mittleren Westens, dürfte auch auf den Umstand zurückzuführen sein, dass Städte wie Detroit – die Herzkammer der amerikanischen Automobilindustrie – im Zentrum der „Great Migration“ standen, die von 1910 bis 1970 etwa sechs Millionen Schwarze aus ländlichen Gebieten des Südens in die Industriestädte des Nordens führte. Während 1910 noch 98,7 % der Einwohner Detroits Weiße waren, stellten sie im Jahr 2010 nur noch 10,6 %. Zwar verfügen die Weißen im gesamten Bundesstaat mit knapp 77 % immer noch über die überwältigende Mehrheit, aber Michigan beherbergt weit mehr schwarze Wähler als die meisten anderen Bundesstaaten nördlich der Mason-Dixon-Linie.

    Eine ethnische Gruppe, auf die hingegen der linke Senator Bernie Sanders in Kalifornien, Nevada und andernorts bauen konnte, sind die Latinos. Es ist die am schnellsten wachsende Minderheit in den USA. Als ich letztes Semester in den Niederlanden studierte, sagte mein Professor für amerikanische Geschichte mit einem maliziösen Lächeln, wenn die Republikaner auch weiterhin hauptsächlich von alten weißen Männern gewählt würden, sei der Spuk rein rechnerisch bald vorbei. Das Groteske daran: Er selbst ist ein alter weißer Mann …

    Während in Übersee die Demokratische Partei vom demografischen Wandel profitiert und den Republikanern bildlich gesprochen das Wasser bis zum Halse steht, schöpfen in der Bundesrepublik Deutschland namentlich die Sozialdemokraten, Grünen und Linken die Stimmen der nichteuropäischen Zuwanderer ab. Die CDU steht letztlich vor dem gleichen Problem, vor das sich die Republikaner in den Vereinigten Staaten gestellt sehen. Ihre traditionelle Wählerbasis schmilzt langsam aber sicher zusammen. In beiden Parteien kommt es folgerichtig zur Herausbildung zweier gegensätzlicher Strategien: Die Refugees-Welcome-Fraktion unter Mutti Merkel und AKK 57 möchte den Linksparteien ihre neuen Wähler streitig machen, während Trump und die „Werteunion“ in erster Linie auf eine erhöhte Mobilisierung der alten Klientel setzen. Beide Strategien gehen eine Zeit lang auf, aber eben nur eine Zeit lang. Nicht nur die Linksparteien, sondern auch die Christdemokraten werden sich noch verwundert nach ihren neuen Wählern umschauen, wenn peu à peu Islamparteien anfangen Erfolge einzufahren. Umgekehrt sind auch der gesteigerten Mobilisierung der eigenen Wählergruppe enge mathematische Grenzen gesetzt, zumal die Weißen in den USA oder die Deutschen in der BRD im Gegensatz zu den Migranten nicht als Block wählen.

    Martin Sellner schrieb im Dezember 2018 über dieses Blockwahlverhalten der muslimischen Migranten in Großbritannien und Frankreich: „Der soziale Druck, durch enges Zusammenleben und die patriarchalen Strukturen machen muslimische Ghettos zu den regelrechten ‚Stimmenbatterien‘, die die losen, politikverdrossenen, atomisierten Bioengländer bei weitem übertreffen. Wenn 15 % oder mehr Muslime in einem Bezirk leben, steigt ihre Wahlregistrierung auf 96 %. Leben nur 5 % in einer Einheit so beträgt sie nur 58 %. (Dancygier, S. 122) Das englische Wahlsystem, das darüber hinaus Gruppen in urbanen Räumen mit hoher Dichte bevorzugt, und hohen lokalen Handlungsspielraum aufweist, macht es den Muslimen besonders leicht. Dazu kommen regelmäßige Wahlaufrufe der muslimischen Geistlichen, bestimmte Parteien zu wählen. Die East-London Mosque wird beispielsweise als ‚key power-broker‘ der lokalen Wahlen in Bradford gesehen. ‚Jeder lokale Politiker ist dazu genötigt, sich mit ihren Anführern abzustimmen und sie öffentlich sichtbar zu besuchen, wenn er auch nur eine Chance auf Wahlerfolg haben will.‘ (Dancygier, S. 89) In bereits 38 Wahlbezirken spielt die ‚muslim vote‘ die entscheidende Rolle. In Frankreich wählten 2012 93 % der Moslems Francois Holland, während nur 52 % der ‚francois de souche‘, dem glücklosen Präsidenten ihre Stimme gaben. Seitdem achten ‚konservative‘ Kandidaten, peinlich genau darauf, die muslimischen Wählerschaft nicht zu verschrecken.“

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    Man möchte niemanden verschrecken, weder fundamentalistische Muslime noch einarmige, einäugige Lesben ohne Migrationshintergrund. So ist es denn auch nicht verwunderlich, wenn mitunter von Christdemokraten kolportiert wird, der Islam gehöre zu Deutschland und namhafte Politiker der Republikanischen Partei sich um die Stimmen von Schwarzen und Latinos bemühen. Auch Donald Trump vergisst bei keiner Gelegenheit daran zu erinnern, wie positiv sich seine Politik auf die Arbeitslosenrate der Schwarzen ausgewirkt habe, überhaupt habe er so viel für Afroamerikaner getan wie kaum ein anderer Präsident … Seine weiße Wählerbasis verzeiht ihm dieses offensive Buhlen um die Gunst der Schwarzen. Was für eine Alternative bleibt ihr? Der irischstämmige Joe Biden sagte am Sonntag im TV-Duell mit Bernie Sanders, er werde die erste schwarze Frau zur Richterin am obersten Gerichtshof ernennen, seine Administration bunt zusammensetzen und eine Frau als Vizepräsidentin wählen. Der „Kandidat der Mitte“ versprach zudem, sollte er Präsident werden, alle Abschiebungen von illegalen Einwanderern einzustellen, ausgenommen solche von Schwerkriminellen. Es dürfte klar sein, welche Klientel Biden mit dieser Beteuerung anzusprechen gedachte: Die von Sanders. So ist das in Zeiten der linken „Identity Politics“. Die einzige Gruppe, die bislang keine aggressive „Identitätspolitik“ betreibt, ist die Gruppe der weißen Männer. Noch nicht!

    Der deutsch-amerikanische Publizist Johannes Scharf (*1988), stammt aus Richmond, Virginia, und wuchs am Bodensee auf. Er war als Infanterist der US Army unter anderem in der Oberpfalz stationiert. Sein Bachelor-Studium der Geschichte und Klassischen Archäologie an der Universität Heidelberg schloss er 2018 mit der Gesamtnote 1,2 ab. Derzeit absolviert er einen Master-Studiengang der Geschichte in Mannheim. Scharf ist Autor mehrerer Bücher, zuletzt erschien seine Essaysammlung Kampf ums Dasein (2019). Außerdem ist er Mitherausgeber des Sammelbandes Libro e Moschetto – Lebensbilder von Dichtersoldaten (2020).

    15 Kommentare

    1. > Es scheint, als habe sich Bernie Sanders gar nicht
      > mehr richtig um den Staat im tiefen Süden bemüht,
      > ihn von vornherein verloren gegeben.

      so ein quatsch. bernie hat selbst zugegeben, dass er inroads nur bei den latinos in kalifornien gemacht hat. dann kamen seine lobenden aussagen über castro ans tageslicht.. und prompt verlor er florida und arizona. trump hat vor biden am meisten angst, weil biden im rustbelt – anders als hillary 2016 – in den vorwahlen gut abschnitt. bernie und tulsi sind putins assets, so wie vor 4 jahren jill stein. hoffentlich machen sie sich bald vom acker. dann ist der weg frei für uncle joe, der ein progressives team an den start bringen wird. seine vp-kandidatin wird die schwarze stacey abrams aus georgia sein. eine sehr gute rednerin. das wird was. der offen schwul lebende mayor pete wird außenminister. putin wird vor wut kochen. das wird ein spaß.

    2. Die Aussenpolitik der USA bleibt immer gleich aggressiv.imperialistisch,israeldienerisch.Egal wer Präsident ist,Trump ist keinen Deut besser.

    3. Bitte erst wieder berichten,wenn der Kandidat der Democrats gegen Trump feststeht. Das absurd ausgewalzte Vorspiel muß hier niemanden interessieren.

    4. DerSchnitter_Maxx an

      Falsche Werte, falsche Entscheidungen, falsche Einstellungen, falsche Prioritäten, falsche Lehrer, falsche Ehrungen, falsche Lehrer, falsche Propheten, falsche Medien, falsche Politik … etc. ;)

    5. Marc Hofmann an

      Hier wird also zwischen "sleepy Joe" und "crazy Bernie" schon der neue US Präsident ausgemacht….?

      • uncle joe wirds. trump wird sich von seinem corona-fiasko nicht erholen. er hat heute begonnen, corona nur noch als "chinese virus" zu bezeichnen. er braucht immer einen südenbock (in diesem fall china), um von eigenem versagen abzulenken. niemand in den usa hat darauf mehr lust.

        • Joe De Hons an

          Jupp Hagen

          Selbst die größtenteils ungebildeten Amis, auf denen ja Trumps Wahl fußt, haben kein Bock mehr auf den Narzissten und Schattenboxer

    6. Das ist nix Neues, wenn man durch die Geschichte blickt! Danach hat die wieße Rasse schon verloren gehabt als sich die Frauen der Babyboomergeneration dazu entschlossen hatten die Tradion Hausfrau und Mutter zu sein, über Bord warfen und statt dessen lieber ihren "Hobbies" in jeder Beziehung nachzugehen!
      Kommt einem irgendwie bekannt vor von der Untergangsphase des römischen Imperiums! Da hatten die Leute auch kein Interesse mehr an den klassischen römischen Traditionen und Pflichten, die Führungsschichten starben aus.
      Der gemeinsame Nenner? Explodierender Wohlstand am Anfang! Man meinte, sich so manches "erlauben" zu können, was man sich früher verkneifen mußte. Die Sozialneider wandern ein, werden Anfangs sogar reingeholt: Sklaven dort, Gastarbeiter hier. Die Demografie gewinnt immer! Doch in der Anfangsphase will das keiner sehen – ist ja so schön bequem (= Faulheitsunterstützend)!
      Andererseits hätte es auch nicht (mehr) funktioniert, wenn sich Europa – ohne die WK – wie in den letzten 500 Jahren weitervermehrt hätte. (ca. 500Mio Europäer)

    7. Joe De Hons an

      Joe Biden hat einfach Klasse !!! Mehr muss man über diesen großen Staatsmann nicht sagen !

      • DerSchnitter_Maxx an

        Das sagt einer … der keine Klasse hat und wohl nie besessen hat ;)

      • @JOE DE HONS. Schon mal etwas von speziellen Vorlieben dieses großen Staatsmannes gehört oder gelesen ? Meine Empfehlung für Sie: Doku von Guido Grant auf YOUTUBE. ,,Unfassbar Video: Gehört "Creepy" Joe Biden zur pädophilen Elite". Video vom 06.03.2020.

        Hallo Compact Team, dies soll keine Schleichwerbung für Guido Grant sein. Den Hinweis halte ich aber für notwendig.

      • @ JOE DE HONK

        Da wird sich dieser große Staatsmann geehrt fühlen,
        dass Du eine so hohe Meinung von ihm hast.

        Allaahf Helau oder Halleluja