Ein Rätselspiel für Kriminalisten und Wahrheitshungrige: Zehn Morde werden dem sogenannten Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) vorgeworfen. Der Prozess gegen die einzige Überlebende des Trios, Beate Zschäpe, befindet sich seit Spätsommer 2017 in einer zähen Endphase. Welche Fakten sind gesichert? Hinweis: Bei einigen der folgenden Fragen sind mehrere Antworten möglich. Die Ergebnisse geben wir hier am Sonntag bekannt.

    Frage 1
    An welchen der 27 Tatorte, an denen der NSU Morde, Anschläge und Banküberfälle begangen haben soll, wurden DNA-Spuren von Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos oder Beate Zschäpe gefunden?

    A) Bei den Banküberfällen, nicht aber bei den Tötungsdelikten.
    B) Bei den Tötungsdelikten, nicht aber bei den Banküberfällen.
    C) Nirgends.

    Recherchehilfe: COMPACT-Edition NSU, Seite 3 und 8

    Frage 2
    Bei welchem Verbrechen, das dem NSU zugeschrieben wird, starben während der späteren Ermittlungen die meisten Zeugen?

    A) Beim ersten Mord an Enver Simsek am 9. September 2000 in Nürnberg.
    B) Beim Mord an Halit Yozgat in einem Internetcafé
    am 6. April 2006 in Kassel.
    C )Beim Polizistenmord an Michèle Kiesewetter am
    25. April 2007 in Heilbronn.

    Recherchehilfe: COMPACT-Edition NSU, Seite 50 ff.

    Frage 3
    Uwe Mundlos soll am 4. November 2011 zuerst Uwe Böhnhardt erschossen haben und dann sich selbst. Vorher hätten die beiden Feuer am Tatort, in ihrem Caravan, gelegt. Was widerspricht dieser Selbstmordthese?

    A) Man fand zwei Patronenhülsen im Caravan, obwohl Mundlos, nachdem er auch sich selbst getötet hatte, die Pumpgun nicht mehr hätte repetieren können.
    B) In den Lungen der beiden Toten wurden keine Rußpartikel gefunden.
    C) Es fand sich kein Abschiedsbrief.

    Recherchehilfe: COMPACT-Edition NSU, Seite 10 ff.

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    Frage 4
    Am Waldrand von Eisenach-Stregda wurde nach dem «erweiterten Suizid» von Böhnhardt und Mundlos bei der Fahndung eine dritte Person festgestellt. Wie erklärte der Leitende Polizeidirektor Michael Menzel deren Anwesenheit im Tatortumfeld?

    A) Es sei Beate Zschäpe gewesen.
    B) Es sei ein CIA-Mitarbeiter gewesen.
    C) Es sei ein Insektenforscher gewesen.
    D) Es sei ein AfD-Kommunalpolitiker gewesen.

    Recherchehilfe: COMPACT-Edition NSU, Seite 20 und 21

    Frage 5
    Beate Zschäpe tauchte am 4. November 2011 unter – kurz nach dem angeblichen Doppelselbstmord von Mundlos und Böhnhardt. Von 16:32 Uhr bis 21:06 Uhr gab es insgesamt 30 Anrufversuche auf dem Mobiltelefon der Flüchtigen. Wer versuchte, sie am häufigsten zu erreichen?

    A) Ihre Mutter.
    B) Anrufer aus dem Sächsischen Staatsministerium.
    C) Ein sächsischer NPD-Landtagsabgeordneter.

    Recherchehilfe: COMPACT-Edition NSU, Seite 35

    Frage 6
    Beate Zschäpe hat sich am 9. Dezember 2015 vor Gericht selbst schwer belastet: Sie habe 15 der Bekennervideos mit der Comic-Figur Paulchen Panther verschickt. Warum kann das nicht stimmen?

    A) Auf keinem der Briefe fand sich ein Fingerabdruck von ihr.
    B) Der Postbote, der den Briefkasten leerte, gab an, dass in dem Briefkasten nur drei oder vier Umschläge waren.
    C) Zeugen, die sie am Briefkasten sahen, erinnern sich nicht an eine Tasche, in der die Sendungen hätten sein müssen.
    D) Keiner der bei den Empfängern sichergestellten Briefe war frankiert.

    Recherchehilfe: COMPACT-Edition NSU, Seite 30 und 31

    Frage 7
    Wie viele V-Leute befanden sich zeitweise im Umkreis des NSU-Trios?

    A) vier.
    B) 40.
    C) 140.

    Recherchehilfe: COMPACT-Edition NSU, Seite 74

    Frage 8
    Wie heißt der türkische Geheimagent, den Beobachter des US-Militärgeheimdienstes DIA am 25. April 2007 kurz vor dem Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter in Heilbronn observierten?

    A) Murat Özoguz.
    B) Mevlüt Kar.
    C) Cem Özdemir.

    Recherchehilfe: COMPACT-Edition NSU, Seite 40 ff. und 72

    Frage 9
    Wie lange sind die Staatsschutzakten zum Mord an Halit Yozgat am 6. April 2006 in einem Kasseler Internetcafé gesperrt?

    A) Bis zum Jahr 2026.
    B) Bis zum Jahr 2056.
    C) Bis zum Jahr 2134.

    Recherchehilfe: COMPACT-Edition NSU, Seite 62 bis 64

    Frage 10
    Welche Personen, die nicht zum NSU-Trio gehören, wurden an mehreren Tatorten registriert?

    A) Der hessische Verfassungsschutzmitarbeiter Andreas Temme soll laut Funkzellenortung an sechs von zehn Mordtatorten gewesen sein.
    B) Der Thüringer Polizeidirektor Michael Menzel untersuchte die Tatorte als Erster in Eisenach, Zwickau und Rostock.
    C) Der Kurde Veli A. wurde bei den Morden am 27. Juni 2001 in Hamburg, am 9. Juni 2005 in Nürnberg und beim Kölner Nagelbombenattentat von Zeugen identifiziert. Die Polizei kennt Namen, Geburtsdatum und Wohnadresse von ihm.
    D) Der frühere Wehrsportgruppenleiter Karl-Heinz Hoffmann wurde im Umfeld der bayerischen Tatorte erkannt.

    Recherchehilfe: COMPACT-Edition NSU, Seite 63, 68 bis 71

    Frage 11

    Eines der stärksten Indizien der Bundesanwaltschaft gegen das NSU-Trio ist die in der ausgebrannten Zwickauer Wohnung sichergestellte Tatwaffe der neun Döner-Morde, eine Ceska 83. Warum ist die Beweislage dennoch nicht hundertprozentig?

    A) Die Waffe war nach dem von Zschäpe gelegten Brand völlig verschmort.
    B) Die DNA-Spuren auf der Tatwaffe stammen weder von Böhnhardt noch von Mundlos oder Zschäpe.
    C) Im Unterschied zu anderen Waffen ist aus dem Polizeiprotokoll nicht ersichtlich, welcher Beamte die Ceska gefunden hat, und auch der genaue Fundort ist unklar.

    Recherchehilfe: COMPACT-Edition NSU, Seite 76 ff.

    Frage 12

    Von wem stammt dieses Zitat: «Wir wissen aber auch nicht mit Sicherheit, ob Böhnhardt oder Mundlos immer die Täter waren. Es gibt Indizien, dass sie sehr eng damit zu tun hatten. Aber dass sie am Abzug waren, das ist in fast allen Fällen bis heute nicht bewiesen.»

    A) Hans-Christian Ströbele, ehemaliger Bundestagsabgeordneter der Grünen.
    B) Sahra Wagenknecht, Bundestagsabgeordnete der Linken.
    C) Björn Höcke, Fraktionschef der AfD in Thüringen.

    Recherchehilfe: COMPACT-Edition NSU, Seite 8

    Pflichtlektüre für Kriminalisten – “NSU: Die Geheimakten – Warum Beate Zschäpe freigelassen werden muss”

    Lesen Sie in dieser Ausgabe Originaldokumente der NSU-Ausschüsse des Bundestages und der Landtage.
    Aus dem Inhalt:

    – Erselbstmordet in Eisenach
    – V-Frau Zschäpe
    – Phantome in Heilbronn
    – Das große Zeugensterben
    – Kassel: 120 Jahre Aktensperre
    – Das große Tabu: Türkische Täter
    – Das Geheimnis der Stasi-Ceskas

    “NSU: Die Geheimakten – Warum Beate Zschäpe freigelassen werden muss” – erhältlich im COMPACT-Shop

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