Nach dem Anschlag am vergangenen Wochenende in Berlin ist die Aufregung groß. Jetzt plötzlich richtet sich der Fokus auch auf die Gefährder in unserem Land. COMPACT hat darüber immer wieder berichtet. Empfehlenswert dazu: Unsere Spezial-Ausgabe „Mädchen. Messer. Morde“. Hier mehr erfahren.
Die Terror-Gefahr in der Bundesrepublik Deutschland war und ist erschreckend hoch. Nach aktuellen Zahlen des Bundeskriminalamts (BKA) werden derzeit 410 Menschen als islamistische Gefährder geführt. Sie gelten als Personen, denen die Sicherheitsbehörden schwere politisch motivierte Gewalttaten oder sogar Terroranschläge zutrauen. Es liegt auf der Hand, dass hier die Gefahr einer hohen Dunkelziffer besteht, denn wer ist schon geständig, ein Gefährder zu sein?!
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COMPACT unterstützenErhebliches Dunkelfeld
Logischerweise also sind die offiziell erfassten Gefährder eben nur jene Personen, die den Behörden bereits bekannt sind. Wie viele weitere radikalisierte Islamisten bislang unter dem Radar leben, kann niemand seriös beziffern. Sicherheitsexperten gehen jedoch seit Jahren davon aus, dass neben den bekannten Fällen auch ein erhebliches Dunkelfeld existiert. Die offiziellen Zahlen beziehen sich auf den Stichtag 1. Juli 2026.
Wie explosiv die Lage sein kann, zeigte jetzt der Anschlag am Rande des Berliner Christopher Street Days in Berlin. Der mutmaßliche Täter war nach Angaben der Behörden bereits als islamistischer Gefährder eingestuft. Der 21-Jährige soll zunächst mit einem Auto in eine Menschenmenge im Tiergarten gefahren sein und anschließend mehrere Menschen mit einer Stichwaffe angegriffen haben. Eine 65-jährige Polin starb, 29 weitere Menschen wurden teilweise lebensgefährlich verletzt.
Alarmglocken auch beim BAMF
Über die Einstufung als Gefährder entscheiden die Polizeibehörden der Länder. Zusätzlich führen die Sicherheitsbehörden „relevante Personen“. Dabei handelt es sich etwa um Unterstützer, Kontaktpersonen oder Personen aus dem direkten Umfeld eines Gefährders, die ebenfalls sicherheitsrelevant sein können.
Das BKA weist allerdings darauf hin, dass die Zahlen regelmäßig schwanken. Menschen werden je nach aktueller Gefährdungsbewertung neu eingestuft oder aus der Liste gestrichen. Die reine Zahl der Gefährder lasse deshalb keinen unmittelbaren Rückschluss auf die tatsächliche Bedrohungslage zu.
Auch beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) schlagen die Alarmglocken. Die Beratungsstelle gegen islamistische Radikalisierung registrierte allein im ersten Halbjahr 2026 165 Hilfs- und Beratungsanfragen. Das entspricht nahezu dem Niveau des gesamten Jahres 2023 mit 374 Fällen. Besonders auffällig: Mehr als jede zweite Anfrage stammt inzwischen von Schulen, Behörden oder anderen Institutionen. Rund 43 Prozent kommen aus Familien – meist von besorgten Eltern. Das Durchschnittsalter der mutmaßlich Radikalisierten liegt bei nicht einmal 19 Jahren.
Nach Einschätzung des BAMF hat die Eskalation im Nahost-Konflikt die Entwicklung zusätzlich verschärft. Seitdem sei die Sensibilität für islamistische Radikalisierung deutlich gestiegen – ebenso wie die Zahl der gemeldeten Verdachtsfälle.
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