Die deutsche Aufklärung musste nach Ansicht unseres Autors im Sommer 1940 von einer expansiven Außenpolitik der Sowjetunion ausgehen – das zeigen unter anderem die Beispiele Finnland und Rumänien. Teil 2 unserer Reihe zum Unternehmen Barbarossa. Mehr dazu lesen Sie in der bahnbrechenden Dokumentation Die Aufklärung der Bedrohung aus dem Osten, die Sie hier bestellen können.

    _ von Bernd Schwipper

    Lesen Sie auch Teil 1.

    2.2. Neue Aufklärungsergebnisse und die notwendige Erhöhung der Sicherheit Deutschlands im Osten durch Bildung der Heeresgruppe B

    Die Vortragsnotiz Halders vom 24. Juli 1940 sowie deren Ergänzung vom 1. August 1940 gehören zu den ersten Aufklärungsdokumenten, die belegen, dass Stalin nicht gewillt schien, sich mit dem Erreichten zufrieden zu geben und im Begriff war, zur Erweiterung der Expansionen in den Richtungen West, Nordwest und Südwest starke Kräfte der Roten Armee in den Grenzmilitärbezirken zu konzentrieren.

    Mit Weisung Stalins vom 4. Juli 1940 (Direktiven Timoschenkos vom 6. Juli 1940) erfolgte der Aufmarsch von 102 Divisionen sowie von 95 Fliegergeschwadern der Roten Armee in die neu konfigurierten Grenzmilitärbezirke der Sowjetunion.

    Durch die Fremden Heere Ost wurde dieser Aufmarsch der Roten Armee festgestellt und im Juli 1940 198 Berechnungsdivisionen im Gesamtbestand, davon 116 Divisionen in den westlichen Grenzmilitärbezirken, gemeldet. Bereits zu diesem frühen Zeitpunkt meldete die Aufklärung eine für Deutschland durch die Luftstreitkräfte (circa 5.000 Flugzeuge) der Roten Armee gegebene hohe Luftbedrohung.

    Die Oberkommandos der Wehrmacht und der Wehrmachtteile verfügten somit über zeitnahe Informationen, die den Aufmarsch der Roten Armee belegten und periodisch aktualisiert wurden.

    Stalin glaubte zunächst, dass diese im Sommer 1940 sich entwickelnde Lage für eine Offensive und die Eröffnung einer Ostfront gegen Deutschland außerordentlich günstig sei und sich ihm ein erstes Zeitfenster auftat, da die Wehrmacht weiträumig verteilt war und die Landung beträchtlicher Wehrmachtteile in England noch bevor stand. Es entstand ein Gefahrenmoment, das der deutschen Aufklärung, wie die folgende Grafik belegt, nicht entgangen war:

    8) Angaben nach den Dokumenten zur Verlegung der 18. Armee vom 29. Juni/9. u. 22. Juli 1940. Mueller- Hillebrand, Das Heer 1933-1945, Bd. II, S. 78 u.a.m. 9) Angaben nach dem Dokument der Fremden Heere Ost, Vortragsnotiz für Halder vom 24. Juli 1940. Grafik: Bernd Schwipper

    Der Vergleich der im Osten Ende Juli 1940 gegenüberstehenden Kräfte (15 abgekämpfte Divisionen der Wehrmacht gegen aufgeklärte 116 Divisionen der Roten Armee in den Grenzmilitärbezirken) ergab ein Kräfteverhältnis von 1 zu 7,73 zugunsten der Roten Armee und bestätigte den Aufmarsch und das Vorrücken der Roten Armee gegen Deutschland, eine für die Fortsetzung der durch Stalin in Richtung West angedachten Expansion, wie es der Operationsplanentwurf des Generalstabes der Roten Armee vom 19. August 1940 zur Einnahme Ostpreußens auch vorsah. (Vgl. Bernd Schwipper: Deutschland im Visier Stalins, S. 414 ff.)

    Stalin konnte dieses durch ihn erhoffte Zeitfenster jedoch nicht mehr nutzen, weil:

    • der Sieg der Wehrmacht in Frankreich unerwartet schnell errungen wurde und durch die Kapitulation Frankreichs am 22. Juni 1940 die kampferfahrenen wenn auch abgekämpften Verbände der Wehrmacht recht schnell nach dem Osten hätten verlegt werden können;

    • die für den Sommer 1940 (15. August 1940) geplante Landung der Wehrmacht auf der britischen Insel und somit deren weitere Zersplitterung (der Wunschgedanke Stalins) nicht zustande kam;

    • die Rote Armee für eine Auseinandersetzung mit der Wehrmacht in dieser dann möglichen Stärke noch nicht gerüstet war und

    • der zwischen Deutschland, Italien und Japan am 27. September 1940 abgeschlossene Dreimächtepakt den durch Stalin gefürchteten Zwei- oder Mehrfrontenkrieg bedeutet haben könnte. (Vgl. auch: Bernd Schwipper: Deutschland im Visier Stalins, S. 449)

    Die folgende Grafik 3 zeigt die Aufklärungsergebnisse der Wehrmacht anhand deutscher Aufklärungsdokumente im Vergleich mit den tatsächlich konzentrierten Divisionen der Roten Armee in den westlichen Grenzmilitärbezirken:

    Grafik: Bernd Schwipper

    Wie oben dargestellt und durch die Dokumente der Wehrmacht belegt, war diese gefährlich sich entwickelnde Lage im Osten ausreichend genau aufgeklärt und der politischen und militärischen Führung noch vor der Absichtsäußerung Hitlers vom 31. Juli 1940 bekannt geworden.

    Es war also nicht unbegründet, wenn Hitler angesichts der vorliegenden Erkenntnisse über die Westexpansion Stalins und der Meldungen seiner Aufklärungsorgane am 30. Juni 1940 geäußert haben sollte, „Augen stark auf den Osten gerichtet“, er es am 21. Juli 1940 für erforderlich hielt, „entsprechende politische und militärische Sicherungen“ zu treffen und und „russisches Problem in Angriff nehmen. Gedankliche Vorbereitungen treffen.“ Und am 31. Juli 1940 meinte er: „Bestimmter Entschluss, Russland zu erledigen.“

    Ein Entschluss, den man angesichts seiner politischen Äußerungen und Handlungen in den kommenden Monaten nur als eine Absichtsäußerung bezeichnen kann.

    Dokument (Auszug) 15 15 Aufklärungsinformation der Fremden Heere Ost vom 09. September 1940; in: Deutsches Historisches Institut Moskau, Dokumente der Wehrmacht, Bestand 500, Findbuch 12451-OKH, Akte 276.

    Die Fortschreibung der Information über Russland vom August 1940 und die im Operationsentwurf des Generalmajor Marcks vom 5. August 1940 enthaltenen Gegnerbeurteilungen (Erhöhung der Luftbedrohung, gefahrdrohende Handlungen der Sowjetunion in Skandinavien und auf dem Balkan) bildeten weitere Ursachen für den Entschluss, die Sicherheit im Osten zu erhöhen und stärkere Kräfte, die Heeresgruppe B, einzusetzen.

    Die nebenstehende Information der Fremden Heere Ost vom 9. September 1940 bestätigte nochmals nachhaltig alle sich entwickelnden Gefahrenpunkte, so auch in Skandinavien und auf dem Balkan.

    Unterstreichen muss man, dass diese Informationen durch ein Dokument belegt bereits im August 1940, also vor dem Erlassen der Anweisung zur Bildung der Heeresgruppe B vorlagen. Sowohl der Entwurf der Weisung über die Verlegung weiterer Kräfte nach dem Osten vom 1. September 1940 als auch die gültige Weisung vom 06. September 1940 beweisen mit der Formulierung „sofort“ die hohe Eile zur Durchführung dieser Verlegungen.

    Letztere Weisung legte auch fest, dass die der 18. Armee für die Besetzung der Demarkationslinie, zur Sicherung der Küste und zur Überwachung der befohlenen Sperrlinien bestehenden Anordnungen in Kraft bleiben, das heißt, auch der Heeresgruppe B wurde ein defensiver Auftrag erteilt.

    Die Lage im Osten – auch Ursache für den Abzug von Divisionen vom Unternehmen „Seelöwe“ und deren schnelle Verlegung nach dem Osten

    Die Entscheidung für „Seelöwe“ (Vorbereitung der Invasion Großbritanniens) wurde durch Hitler mit Weisung Nr. 16 am 16. Juli 1940 gefällt. Den für die Durchführung der Landung mit Weisung des Oberbefehlshabers des Heeres vom 17. Juli 1940 befohlenen Verbände wurden mit Anordnung des Oberkommandos des Heeres vom 30. August 1940 kurzfristig drei Divisionen den Landungstruppen entzogen und nach dem Osten verlegt.

    Da es sich um Divisionen des 1. Treffens (1. Panzer- und 31. und 32. Schützendivision) handelte, müssen triftige Gründe für deren Verlegung nach dem Osten vorgelegen haben, die eine Schwächung der Landungsfront rechtfertigten, zumal die später durch Hitler erlassene Weisung Nr. 18 vom 2. November 1940 über die Kriegsführung für die nächste Zeit den Schwerpunkt eindeutig auf den Kampf gegen den Hauptfeind England legte, während Handlungen gegen Russland mit dem Hinweis auf eingeleitete politische Besprechungen auf vorbereitende Maßnahmen beschränkt wurden.

    Die im Folgenden dargestellte periphere Bedrohungslage, wie die Aufklärungsergebnisse der Entwicklung der Handlungen Stalins gegen Finnland und auf dem Balkan beweisen, entsprach durchaus auch der durch den Aufmarsch der Roten Armee im Osten gegen Deutschland aufgeklärten gefährlichen Situation.

    Die Aufklärung der Bedrohung Finnlands

    Die Zunahme der Spannungen zwischen der Sowjetunion und Finnland, die Forderung Molotows nach Überlassung der Nickelerzkonzession, der militärische Ausbau der Fischer-Halbinsel in Vorbereitung einer geplanten Besetzung des bedeutsamen eisfreien Hafens Petsamo, die Forderung der Sowjetunion nach Entwaffnung der Aaland-Inseln, die militärische Besetzung der Halbinsel Hanko, die durch die Fremden Heere Ost gemeldete Konzentration von mehr als 19 Berechnungsdivisionen an der Grenze zu Finnland, Meldungen des Militärattachés aus Moskau und der finnischen Aufklärung waren ausreichende Gründe, die ernste und auch die Wehrmachtteile in Norwegen bedrohende Lage aufmerksam zu verfolgen und eventuell eine weitere Expansion Stalins gegen Finnland zu erwarten.

    Generaloberst Edualrd Dietl (l.) mit dem finnischen Oberst Oiva Willamo, 1943. Foto: Mikko Uola, CC0, Wikimedia Commons

    Die Möglichkeiten für Reaktionen der Wehrmacht in dieser sich zuspitzenden Situation waren allerdings äußerst begrenzt. So wurde vorgesehen, den nordnorwegischen Raum stärker auszubauen, die dortigen Fjorde und Straßenkreuzungen zu befestigen sowie eine Basis für eine zuvorkommende Besetzung Petsamos zu schaffen.

    Für die Sicherung des Raumes Petsamo (Unternehmen „Renntier“) vor einem russischen Zugriff im Falle einer Aggression erließ der Kommandeur des Gebirgskorps Norwegen, General Dietl, am 7. September 1940 seinen Befehl. Der Auftrag lautete, falls erforderlich: „Schnelle Besetzung des Raumes Petsamo.“

    Selbstverständlich werden diese durch die Handlungen der Sowjetunion erzwungenen Maßnahmen durch die etablierte Geschichtsschreibung bereits als Maßnahmen der Wehrmacht zur Vorbereitung einer ideologisch begründeten Aggression gegen die Sowjetunion gewertet.

    Die Aufklärung der Bedrohung Rumäniens

    Bereits am 5. Juli 1940 stellte die Seekriegsleitung die Gefahr eines baldigen weiteren Vormarsches der Roten Armee auf dem Balkan fest. Die Fremden Heere Ost meldeten am 24. Juli 1940 in der Gesprächsnotiz für Halder 29 Berechnungsdivisionen an der Grenze zu Rumänien, der estnische Generalstab am 01. August 1940 sogar 35 Divisionen. Auch Generalmajor Marcks sprach in seinem Operationsentwurf Ost von der Gefahr eines Einbruchs der Roten Armee nach Rumänien.

    Es darf also nicht verwundern, wenn der Generalstab am 30. August 1940 begann, eine militärische Intervention zur Sicherung des rumänischen Ölgebietes von Ploesti vor einem russischen Zugriff zu planen. Die Bereitstellung des XXXX. Armeekorps (im Bestand die 2. und 9. Panzer- und die 13. motorisierte Division) für diesen Sonderauftrag wurde mit der Weisung vom 06. September 1940 befohlen. Es blieb jedoch nur eine Planungsepisode.

    Die Entscheidung zur Entsendung einer Militärmission nach Rumänien wurde auf Wunsch des Königs Carol durch Hitler am 19. September 1940 gefällt mit der Aufgabe, das Erdölgebiet von Ploesti zu sichern. Auch hier können wir feststellen, dass die Wehrmachtmission einen defensiven Auftrag zu erfüllen hatte und keinen Aufmarsch gegen die Sowjetunion darstellte, wie immer wieder behauptet wird.

    Beweis ist die Einnahme einer Rundumverteidigung um das Erdölgebiet gemäß der Anlage 2 zum Befehl Nr. 1 der Deutschen Wehrmachtmission. Diese oben genannten Aufklärungsergebnisse der Entwicklung der Lage im Osten beweisen die Notwendigkeit einer verstärkten militärischen Sicherung des Deutschen Reiches im Osten durch die Bildung der Heeresgruppe B mit Weisung vom 6. September 1940.

    Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die politischen Informationen der diplomatischen Dienste, die Meldungen der Aufklärung der Wehrmacht in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Aufklärungsdiensten Finnlands und Rumäniens eine sich im Osten entwickelnde Gefahr bestätigten und die zu treffenden Entscheidungen und die Sicherungshandlungen der Wehrmacht in dieser Periode ausreichend sicherstellten.

    Wird fortgesetzt.

    _ Dr. rer. mil. Bernd Schwipper (*1941) ist Generalmajor a. D. der NVA und Militärhistoriker. Er war unter anderem Stabschef einer Division und Kommandeur der 3. Luftverteidigungsdivision der Nationalen Volksarmee. 1977 Promotion zu einem militärwissenschaftlichen Thema, 1990 Entlassung aus dem aktiven Wehrdienst; seitdem als Autor zu militärhistorischen Themen tätig. Der Experte auf dem Gebiet des Zweiten Weltkriegs ist verheiratet und hat einen Sohn.

    Die Buchsensation des Jahres: Warum gab es den deutschen Angriff auf die Sowjetunion 1941? War es ein Überfall? Ging es um „Lebensraum im Osten“? Oder kam Hitler etwa Stalin nur zuvor? In seiner bahnbrechenden Dokumentation Die Aufklärung der Bedrohung aus dem Osten (Zwei Bände mit 1.100 Seiten und mehr als 500 Dokumenten, Tabellen, Grafiken und Zitaten, mehrfarbig) kommt Militärhistoriker Bernd Schwipper zu Ergebnissen, die die offizielle Geschichtsschreibung vollkommen auf den Kopf stellen. Hier bestellen.

    19 Kommentare

    1. Hier gehts ja zu wie an Hitlers Kartentisch! Jeder weiss etwas. Wer noch ein paar Euronen uebrig hat kann sich auch dieses Buch zulegen: "1940/41 – Die Eskalation des Zweiten Weltkriegs von 1940 bis zum Unternehmen Barbarossa" von Stefan Scheil.
      Auszug: “Man darf in diesem Zusammenhang nicht übersehen, dass die Sowjetunion schon vor Molotovs Besuch, und zwar bereits im Juni des Jahres 1940, also genau in dem Moment als die Front der Alliierten in Frankreich zusammenbrach, sich nicht nur die baltischen Staaten einverleibte, sondern auch das noch neutrale Rumänien zur Abtretung der nördlichen Bukowina und Bessarabiens zwang. Rumänien stand zwar im Prinzip, wie auch Polen, seit April 1939 unter dem Schutz einer britischen Garantie, diese erwies sich jedoch auch hier als völlig nutzlos; Rumänien beschloss daraufhin, sich den Achsenmächten anzuschließen. Dieser sowjetische Zugriff auf Rumänien führte den Männern in Berlin die von der Sowjetunion ausgehende Gefahr klar vor Augen..”
      Und dem lieben Putin sei es ins Stammbuch geschrieben, dass sein “Grosser Vaterlaendischer Krieg” andauert. Bis er endlich die Archive oeffnet und den Multimilliardaeren an der US-Ostkueste zeigt wo der Hammer haengt..hing.

    2. Der Herr rechts im Bild … macht den Herrn in der Bildmitte anscheinend gerade auf eine dräuende Gefahr aufmerksam – was der Herr in der Bildmitte mit einem ‘erwachenden Blick’ beantwortet. Na, und der Herr links im Bild … ist bestimmt ein ausgesprochen ehrbarer Gebrauchtwagenverkäufer…

      • Mathias Szymanski an

        „Es reicht nur eben nicht aus eine Staatsangehörigkeit zwar zu besitzen … diese aber nicht – durch eigene Aktivität – NACHGEWIESEN zu haben. In diesem Fall werden die entsprechenden Personen – und völlig zu recht – halt so behandelt wie sie eben derzeit behandelt werden … als de-facto Staatenlose.“
        Die Staatsangehörigkeit besitzt man aus Sicht der BRD nur, wenn man nach StAG einen Antrag auf Feststellung der Deutschen Staatsangehörigkeit gestellt hat. Man verletzt Menschen aber, wenn man ihnen die Staatsangehörigkeit abspricht und es ist dabei unerheblich, ob man sich auf den 22.7.1913 beruft, weil man nach Abstammung Deutscher ist, dessen Abstammungslinie den Behörden bekannt ist. Auf Grund seiner Geburt erfüllt man die Gesetze von 1913, die die gültigen Gesetze in Bezug zur Deutschen Staatsangehörigkeit darstellen. Deshalb kann ein „Handelsgesetz“ einer „Nichtregierungsorganisation“ nicht bestimmen oder den Beweis fordern, ob ich Deutscher bin oder nicht. Aus diesen Grund sind alle deutsche Juristen Schwerstkriminelle, weil sie die Deutschen juristisch für Tod erklärt hatten.
        Und Sie machen das gleiche, indem Sie das Gesetz und Bedingungen einer Nichtregierungsorganisation anerkennen (denn Sie sagen „und völlig zu recht“).

    3. Theodor Stahlberg an

      Wahrscheinlich werden sich viele Politiker, Historiker etc. mit diesen (für den eigenen ideologischen Komfort hinreichend unangenehmen) Tatsachen schlussendlich anfreunden müssen. Wenn sogar Putin aus gegebenem Anlass wiederholt eingeräumt hat, dass der Dreck der Geschichte weitaus gerechter (d.h. gleichmäßiger) zwischen den europäischen Mächten verteilt werden muss. Trotzdem will mir immer noch nicht einleuchten, wie es sein kann, dass Hitler bei einem festgestellten (?) Kräfteverhältnis von 1: 7,73, das sich zwar zum Sommer ’41 noch änderte, nichtsdestoweniger diesen Angriff gewagt hat! Was für eine Vermessenheit ohnegleichen von Anfang an, die besten Kräfte des eigenen Volkes sehenden Auges verheizen zu wollen! Wie auch immer man es dreht, ein Präventivkrieg ist fast zwangsläufig eine aussichtslose Rechtfertigungsübung. Die Angelsachsen haben ihre Kriege immer mit einem konstruierten Kriegsanlass – Casus Belli – geschmückt – Golf von Tongking, Lusitania, Brutkästen in Kuwait etc. pp. – und sie wussten sehr wohl warum. Das überfallene Opfer spielen zu können, war in der Geschichte seit jeher entscheidend – die Theorie des "gerechten Verteidigungskrieges"… Hier zumal in der Situation des gerade frisch geschlossenen Nichtangriffspaktes … ! Unsägliche Hybris zu glauben, dem zuwider handeln zu können – das historische Beispiel Napoleon klar vor Augen!

      • Mathias Szymanski an

        „Nachdem das Boot (U-Boot mit Mikrofilmmaterial) auf Befehl seines Kapitäns nach Kriegsende entgegen seinem ursprünglichen Auftrag von Großadmiral Dönitz vor den Amerikanern im Atlantik kapituliert hatte und in den US-Marinehafen Portland überführt worden war, zeigten sich die amerikanischen Offiziere und Beamten, die die Besatzung anschließend verhörten, über den Inhalt des U-Bootes äußerst bestürzt. Der Angehörige berichtete weiter: ‚Sie hielten uns vor, daß keiner von uns offenbar ermessen könne, wie wertvoll unsere Fracht gewesen sei. Ende July 1945 erklärte mir der Leiter des Untersuchungsteams anschließend, das Material der Mikroauszeichnungen und die Aussagen unserer Techniker hätten erwiesen, daß wir den Westmächten in entscheidenen technischen Einrichtungen und Entwicklungen – hundert Jahre voraus – gesesen seien.’….“
        Es existierte eine Verschwörung innerhalb der deutschen Offiziere und Politiker gegen Deutschland. Über 750000 deutsche Patente gingen nach 1945 in die USA. Die neuen Waffen kamen nicht zum Einsatz. Graf Stauffenberg hatte viele unterschiedliche Gesichter innerhalb der deutschen Führung.

      • Mathias Szymanski an

        „Wenn von amerikanischen und sowjetischen Geheimwaffen die Rede ist, erhalten wir regelmäßig Zuschriften von Lesern, die in den letzten Kriegsjahren in der wehrtechnischen Forschung tätig waren, Mit Bitterkeit schreiben sie, daß viele der heute bei Russen und Amerikanern zur Verwendung kommenden Waffen auf bahnbrechende deutsche Erfindungen der 40er Jahre zurückgehen. Eine verwirrende Mauer der Tatenlosigkeit bei der zuständigen deutschen militärischen Führung, die praktisch nichts anderes war als Feindbegünstigung, verhinderte den rechtzeitigen Einsatz entscheidener Waffen. Bis dann Mitte Dezember 1945 sechs endlos lange Sonderzüge mit insgesamt 285 Waggons das Material und die Elite der deutschen Waffenforschung mit ihren Familien nach Rußland führten. Gleiches geschah von der amerikanischen Besatzungszone aus nach den USA.“ (Heinz Splittgerber, Mißhandelte Zeitgeschichte)

      • Mathias Szymanski an

        Tullius Cicero: „Eine Nation kann ihre Narren und sogar ihre Ehrgeizigen überleben. Aber sie kann nicht den Verrat in ihrem Innersten überstehen. Ein Feind vor den Toren ist weniger furchterregend, da er bekannt ist und seine Banner öffentlich trägt, als der Verräter, der sich frei unter den Personen innerhalb der Pforte bewegt. Sein hinterhältiges Geflüster raschelt durch alle Galeeren und wird selbst in den Regierungshallen vernommen. Der Verräter erscheint nicht als Verräter – er spricht mit Akzent, der seinen Opfern bekannt vorkommt und trägt ihr Gesicht und ihre Kleidung. Er appelliert an die Niedrigkeiten, die sich tief im Herzen aller Menschen befinden. Er verdirbt die Seele der Nation – er arbeitet im Geheimen und unbekannt in der Nacht, um die Säulen einer Stadt zu untergraben – er infiziert den öffentlichen Körper, sodaß er nicht länger widerstehen kann. Ein Mörder ist weniger zu fürchten.“

    4. Den Verbündeten zu wechseln und dann mit dessen Hilfe den ehemaligen Verbündeten platt zu machen – und weiter! – Stalin hat es sich vorgestellt, der Westen, die USA, hat es gemacht! Daß die rote Armee bis zum Atlantik durchmarschiert, hat er sich nämlich vorgestellt. Er hatte zwar viele Leute, aber wenig Technik und der endgültige Sieg über D. gelang ihm erst, als er durch den Westen über Persien versorgt wurde. Hitler hatte erkannt, daß der eigendliche Feind in den USA sitzt, Stalin nicht! Daß das zeitlich so gut paßte, das der Überfall auf die SU gerade dann passierte, als D. eigendlich England erobern wollte, sollte schon zu denken geben. Da waren sicherlich auf so geheimer Ebene Leute am Werk, denen man auch in 1000Jahren nicht auf die Spur kommt. Die Amis konnten dabei auch wieder mal 2 Fliegen mit einer Klappe schlagen: Erst haben sie in Folge des Krieges das englische Empire auf einem "moderneren" Niveau übernommen, dann haben sie sich durch knapp 50Jahre kalter Krieg zum Hegemon über die Welt gemacht, ihre technische Überlegenheit im Militär unüberholbar ausgebaut und gründlich verhindert, daß Rußland mit Westeuropa (Herzland) zusammengeht.
      Gegenüber dem zusammenhängenden Kontinentalblock Europa, Asien, Afrika sind die USA, wie einst England gegenüber Europa die Insel, die nur mit Seeherrschaft glänzen kann. US-Amerikanische Geldherren haben sowohl die Oktoberrevolution als auch die Nazis gefördert .

        • "Geheim, wabber , wabber." Natürlich mußte Polen mit einem deutschen Angriff rechnen und tat es auch , da ist der Ausdruck "Überfall schon mal daneben.. Und Stalin müsste ein Dummkopf gewesen sein, wenn er in der Situation naiv auf den deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt vertraut hätte. Trotzdem ist Fakt : Wäre die Rote Armee `41 zum Angriff auf Deutschland vorbereitet gewesen , dann wären die großen Anfangserfolge der Wehrmacht gar nicht möglich gewesen. ( So viel müsste einem Dr .rer mil. klar sein. ) Außerdem wäre ein Angriff auf Deutschland zu dem Zeitpunkt seiner größten Stärke saudumm gewesen. Stalin hätte jedenfalls zugesehen, wie das Ringen Deutschland -British Empire verläuft, statt sich vorzeitig die Finger zu verbrennen

        • Mathias Szymanski an

          "Wäre die Rote Armee `41 zum Angriff auf Deutschland vorbereitet gewesen , dann wären die großen Anfangserfolge der Wehrmacht gar nicht möglich gewesen."
          Dann erklären Sie bitte einmal den militärischen Erfolg gegen Frankreich, die über 2700000 frnzösische Soldaten im August 1939 mobilisiert hatte. Frankreich besaß 1939 über 110 Divisionen, 4000 moderne Panzer und 3000 schwere Geschütze der Artillerie mit dem Kaliber 150mm und größer. Frankreich hatte 2000 einsatzfähige moderne Flugzeuge.
          Während das Deutsche Reich 1939 über 75 Divisionen, 1000 einsatzfähige Flugzeuge, 3000 Panzer verfügte.
          Wie weit kommen Sie mit ihrer militärischen Weisheit.

    5. Ich warte jetzt eigentlich nur noch auf diejenigen Kommentatoren, die – mit Worten von Otto Piffel (Eins, zwei, drei… – von Billy Wilder) – zu einem, im Claudia-Roth-Empörungston vorgetragenen "Faschistische Lüüüügen" greifen …

      • Ah … habe erst nach Abfassen meines Kommentars gesehen, daß Kommentator ‘Sun Tzu’ – wenn auch in anderer Formulierung – meine Prognose bereits (über)erfüllt hat. Danke dafür …

        • Irrtum. Es ist doch ihr lieblings-Magazin und seine Anhänger, die immer gegen Faschismus auskeilen. Es geht hier nicht um Lügen sondern um falsche Bewertungen.. Eine Verurteilung des deutschen Angriffs ist damit nicht verbunden.

    6. Sehr wichtig zu wissen, daß der Dr. rer mil. verheiratet ist und einen Sohn hat. Das Ganze läßt sich auch in zwei Sätzen abhandeln. 1. Nachdem klar wurde,daß Engelland nach der Kapitulation Frankreichs keinen Frieden schließen würde und ein Landungsversuch in England sich verbot, blieb Deutschland gar keine andere Wahl mehr; es m u ß t e sich zur Fortführung des Krieges die Ressourcen im Osten sichern. 2.Eine rechtfertigende Notwehr b e v o r der feindliche Angriff stattgefunden hat gibt e nicht, der sog. Präventivkrieg ist immer eine Lüge.

      • Von welchen ‘Ressourcen im Osten’ reden Sie da eigentlich – was meinen Sie damit genau?

      • Mathias Szymanski an

        "Nachdem klar wurde,daß Engelland nach der Kapitulation Frankreichs keinen Frieden schließen würde"
        England und Frankreich hatten am 3.9.1939 den Krieg erklärt. Deutschland hatte weder Polen noch England und Frankreich den Krieg erlärt.
        Ende August 1939 vermehrten sich die Grenzzwischenfäller der Polen auf deutsche Einrichtungen, auf Grund dessen "zurückgeschossen" wurde.

    7. Hätte Adolf Hitler 1937 mit dem Auslaufen des schwarz-gelb-braunen Ermächtigungsgesetzes von 1933 oder spätestens Mitte 1939 sein Doppelamt als Reichspräsident und Reichskanzler niedergelegt, wäre er wohl der größte Feldherr aller Zeiten geworden, weil er ohne Krieg alles national Sinnvolle erreicht hatte. Es wäre gewesen wie es der bis heute gern gelesene chinesische Feldherr Sun Tsu in "Die Kunst des Krieges" gesagt hat, dass man vorzugsweise durch Klugheit die Strategie des Gegners unterlaufen und seine Bündnisse aufbrechen solle, weil ein rein militärischer Kampf meist in den Ruin führt.

      • Da haben mich insofern mißverstanden , insoweit als nicht geschrieben habe, daß Krieg unter allen Umstände zu vermeiden sei. Schließlich heißt mein kleines, unbedeutendes Wer ja "Die Kunst des Krieges" . Es trifft auch nicht zu , daß Hitler "alles national Sinnvolle" ohne Krieg erreicht hatte, denn die unsinnige Grenzziehung zu Polen mit der absurden Korridor Regelung und der Freistadt Danzig war nicht hinnehmbar..