Volle Klassen, fehlende Lehrer, marode Schulen: In Frankreich gehen Schüler erneut auf die Straße. Studenten, Eltern und Gewerkschaften unterstützen die Proteste. Nun fordern linke Abgeordnete den Rücktritt des Innenministers. Herrschen in Deutschland bald auch solche Zustände? In COMPACT 10/2026 mit dem Titelthema «Gestohlene Wahl» zeigen wir, wie die Demokratie auch in Sachsen-Anhalt auf dem Prüfstand steht. Hier mehr erfahren. 

    _ von Clara Morgenroth

    Am Dienstag hat die Schülerbewegung ihre Proteste mit einem weiteren landesweiten Aktionstag fortgesetzt. In Paris, Lyon, Lille, Marseille, Toulouse, Bordeaux, Rennes und Straßburg formierten sich Proteste aus Schülern, Gewerkschaften und Studenten zusammen. Die Schülerorganisation USL meldete 1.800 blockierte oder für Dienstag geschlossene weiterführende Schulen.

    Laut Angaben der Studentenorganisation Union étudiante waren 90 Prozent der Universitäten an der Mobilisierung beteiligt. Die Nachrichtenagentur Reuters bezeichnete den Dienstag als bislang größten Aktionstag der laufenden Schülerproteste. Das Innenministerium zählte landesweit 266.000 Teilnehmer, die Veranstalter sprachen von 450.000.

    Protest und Tränengas

    In Lyon meldeten Behörden am Vormittag acht Festnahmen, unter anderem wegen Sachbeschädigung und des Mitführens von Brandmitteln oder Feuerwerkskörpern. In Paris kam es gegen Ende der Demonstration ebenfalls zu Ausschreitungen: Personen warfen Steine und Pyrotechnik, eine Barrikade brannte, Schaufenster wurden beschädigt. Hier setzte die Polizei Tränengas ein. Der Hauptzug der Demonstration verlief weitgehend friedlich.

    In Straßburg wurde ein Polizist durch einen Pflasterstein verletzt und ein Demonstrant erlitt durch den Einsatz von Gummigeschossen der Polizei eine Verletzung am Mund. Für Dienstag meldete das Innenministerium 43 verletzte Beamte und 488 Festnahmen. Damit lagen beide Zahlen unter denen des Vortages, als 65 verletzte Einsatzkräfte und 984 Festnahmen gemeldet wurden. Trotz örtlicher Zusammenstöße von Polizisten und Demonstranten verliefen die Demonstrationen vielerorts friedlich.

    Innenminister unter Druck

    Mehrere führende Politiker der Linken fordern inzwischen den Rücktritt von Innenminister Laurent Nuñez, darunter Mathilde Panot, Fraktionschefin der linken Partei La France insoumise, sowie Grünen-Chefin Marine Tondelier. Auch der frühere Sicherheitsmitarbeiter von Präsident Emmanuel Macron,, Alexandre Benalla, schließt sich der Rücktrittsforderung an. Überschattet wurde der gestrige Aktionstag von der schweren Verletzung eines 15-Jährigen in Lens: Er verlor am Montag bei einer Granatenexplosion seine Hand. Die genauen Umstände werden untersucht.

    Am Mittwochmorgen kündigte Innenminister Nuñez an, den Einsatz von Schallgranaten bei den Schülerprotesten vorläufig auszusetzen. Premierminister Sébastien Lecornu hat seine Minister beauftragt, Lehrerausfälle vorrangig anzugehen und Verbesserungen bei Unterrichtszeiten, Schulgebäuden und der Studienzulassung auszuarbeiten. Erste Entscheidungen und Kostenschätzungen sollen bis Ende Oktober vorliegen.

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