Am 24. August 1926 begann der Aufstieg von Max Schmeling zum internationalen Star. Zehn Jahre später feierte er seinen größten Triumph im Jahrhundertkampf gegen Joe Louis. Irre: Nach dem Krieg brachte man ihn mit dem KZ-Unrecht in Verbindung – eine von vielen Lügen, die wir in unserer Sonderausgabe «Geschichtslügen gegen Deutschland» entlarven. Hier mehr erfahren.

    Berlin, 24. August 1926. Im Lunapark am Halensee geht es an diesem Abend nicht nur um ein Boxduell. Der erst 20 Jahre alte Max Schmeling kämpft um die erste große Meisterschaft seiner Karriere. Sein Gegner heißt Max Diekmann. Die beiden kennen sich gut. Im Februar jenes Jahres hatten sie über acht Runden gegeneinander geboxt – der Kampf endete nach acht Runden unentschieden. Zwei Jahre zuvor hatte Diekmann Schmeling besiegt. Nun stand die Revanche an – im Kampf um den vakanten deutschen Meistertitel im Halbschwergewicht.

    Was nun passiert, dauert nicht lange: Schmeling schlägt Diekmann gleich in der ersten Runde k. o. und wird deutscher Meister. Es ist ein kurzer Kampf – aber ein wichtiger Moment in der deutschen Sportgeschichte. Denn Schmeling steht erst am Anfang einer Profikarriere, die ihn innerhalb weniger Jahre vom jungen Berliner Boxer zum Weltmeister und zu einem der bekanntesten Sportler seiner Zeit machen wird.

    Vom Rhein an den Hudson River

    Boxweltmeister Max Schmeling mit seinem US-Manager Joe Jacobs. Foto: Bundesarchiv, Bild 102-09942 / CC-BY-SA 3.0

    Max Schmeling wird am 28. September 1905 in Klein Luckow in der Uckermark geboren und wächst in Hamburg auf. Zunächst deutet wenig darauf hin, dass er einmal zu einer internationalen Sportikone werden könnte. Er absolviert eine kaufmännische Ausbildung. Dann entdeckt er das Boxen – durch einen Kinofilm.

    Schmeling, nun Arbeiter in einer Düsseldorfer Brunnenbaufirma, beginnt selbst zu trainieren. Nach der Versetzung nach Köln-Mülheim tritt er dem Amateurboxverein SC Colonia 06 bei. Bereits im darauffolgenden Jahr wird der talentierte Sportler deutscher Vizemeister im Halbschwergewicht und wechselt anschließend ins Profilager. Sein erster Profikampf gegen Hans Czapp in der Düsseldorfer Tonhalle findet am 2. August 1924 statt. Seine Erfolge führen ihn frühzeitig nach New York – der damaligen Hochburg des Profiboxens. Dort lässt er sich von Manager Joe Jacobs vertreten.

    Jacobs gibt Schmeling den Kampfnamen «Der schwarze Ulan vom Rhein». Am 12. Juni 1930 kämpft er gegen US-Boxer Jack Sharkey in New York um den vakanten Weltmeistertitel im Schwergewicht. Nach einem regelwidrigen Tiefschlag seines Gegners in der vierten Runde kann Schmeling nicht weiterkämpfen, wird dann jedoch wegen der Disqualifikation Sharkeys zum Sieger erklärt. Ganz Deutschland ist nun stolz auf den Weltmeister aller Klassen. Ein Jahr später, am 3. Juli 1931, bezwingt er hochverdient den Amerikaner William «Young» Stribling.

    Dann folgt einer der größten Skandale der Boxgeschichte. Am 21. Juni 1932 soll Sharkey die Chance zur Revanche bekommen. Neuer Kampf in New York. Bis zur fünften Runde erleben mehr als 70.000 Zuschauer ein ausgeglichenes Faustgefecht. Dann gewinnt Schmeling die Oberhand und gewinnt sogar die Sympathien eines Großteils des US-Publikums. Sharkey erreicht nur mit Mühe den Schlussgong nach 15 Runden. Doch dann wird der Amerikaner unfassbarerweise von den Punktrichtern zum Sieger erklärt. Ist das Schmelings Karriereende?

    Der «braune Bomber» fällt

    Der Deutsche will nicht aufgeben! Mit einem Sieg gegen Mickey Walker (26. September 1932) und zwei Niederlagen gegen Max Baer (18. Juni 1933) sowie Steve Hamas (13. Februar 1934) bleibt er zwar im Geschäft, doch sein Stern scheint zu sinken. Doch nach der erfolgreichen Revanche gegen Hamas (10. März 1935) und dem Sieg gegen den Spanier Paolino Uzcudun (7. Juni 1935) kehrt er an die Weltspitze zurück.

    In den USA sorgt unterdessen Joe Louis, genannt der «braune Bomber», für Furore. Er gilt als bester Boxer der Welt und unbesiegbare Kampfmaschine. Die ganze Welt fordert nun ein Duell Schmeling gegen Louis – und tatsächlich: der Kampf wird für den 19. Juni 1936 angesetzt.

    K.o.-Sieg in der elften Runde: Joe Lewis am Boden, Max Schmeling in Siegerpose, 19. Juni 1936. Foto: CC0

    Als sich die beiden Box-Ikonen an diesem Tag bereit machen, wird in Deutschland die Nacht zum Tag. Millionen stellen sich den Wecker, um den Kampf am Radio mitzuverfolgen. Der Fight wird tatsächlich äußerst hart – die Kontrahenten schenken sich nichts. Dann die Sensation in der vierten Runde: Der hoch favorisierte Afroamerikaner geht zu Boden! Die Halle bebt. Doch der Kampf geht weiter.

    Schmeling will nicht wieder von den Punktrichtern betrogen werden und geht voll auf K.o.! Das Publikum ist außer sich vor Begeisterung, als der Deutsche Schlag um Schlag gegen Louis führt. Durch den ohrenbetäubenden Lärm muss sogar die Radioübertragung zeitweise unterbrochen werden. Der Amerikaner ist fix und fertig, will aber nicht fallen. Doch in der elften Runde ist es so weit. Schmeling schlägt Louis nieder – und der bleibt am Boden. Das Boxwunder ist perfekt. Der Deutsche besiegt den scheinbar Unbezwingbaren.

    Auschwitz-Lüge über Schmeling

    Am Ende seiner Karriere 1948 hatte Schmeling 70 Mal als Profi im Ring gestanden. International ist er hoch geachtet, doch Propagandaschreiber Arthur Steiner versucht, ihn in den Dreck zu ziehen. Am 28. Januar 1946 veröffentlicht er in der Neuen Zeitung, die mit dem erklärten Ziel der politischen Umerziehung in der amerikanischen Besatzungszone erschien, einen Artikel, in dem er die wahnwitzige Behauptung aufstellt, der deutsche Boxweltmeister aller Klassen sei KZ-Kommandant in Auschwitz gewesen.

    Max Schmeling als Fallschirmjäger im Zweiten Weltkrieg. Foto: Bundesarchiv, Bild 146-1977-115-04 / CC-BY-SA 3.0

    Steiner beruft sich dabei auf Angaben des US-Historikers Waverly Root, die sich jedoch schon bald als allzu offenkundig unsinnig erweisen sollten, sodass man den absurden Vorwurf schnell wieder in der Versenkung verschwinden lässt. Laut US-Kriegspropaganda hätte Schmeling übrigens schon längst tot sein müssen, als sich die Tore von Auschwitz öffneten. Denn am 29. Mai 1941 hatte die amerikanische Nachrichtenagentur UPI unter Berufung auf «besonders zuverlässige» Quellen gemeldet, dass er als Fallschirmjäger auf Kreta von Briten gefangen genommen und bei einem Fluchtversuch getötet worden sei.

    Krieg und Verwundung

    Tatsächlich hatte sich Schmeling am 20. Mai 1941 beim ersten deutschen Angriff auf die von Großbritannien verteidigte Mittelmeerinsel bei der Landung verletzt. Der Fallschirmjäger wurde daraufhin in einem Lazarett in Athen behandelt und anschließend als nicht kriegsdienstverwendungsfähig eingestuft. Für seinen Einsatz in der Luftlandeschlacht um Kreta wurde Schmeling mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet und zum Unteroffizier befördert.

    Später strengte Hitlers Propagandaminister Joseph Goebbels sogar ein Verfahren vor dem Volksgerichtshof gegen den Box-Champion an, weil dieser in einem Interview angegeben hatte, dass es für ihn ein großes Unglück bedeuten würde, sollte es zu einem Krieg zwischen dem Deutschen Reich und den USA kommen, da er Amerika als seine «zweite Heimat» ansehe. Zum Glück unterstand Schmeling als Wehrmachtsangehöriger jedoch der Militärgerichtsbarkeit. Von dieser Seite drohte ihm keine Verfolgung.

    Schmeling nach seiner Verwundung im Lazarett in Athen, 1941. Foto: Bundesarchiv, Bild 146-2006-0202 / Kassmann / CC-BY-SA 3.0

    Aufgrund seiner Verletzung wurde der Profiboxer ab Ostern 1943 bis zum Ende des Krieges als Wachsoldat in Kriegsgefangenenlagern eingesetzt, wobei er sich nichts zuschulden kommen ließ. Wahrscheinlich trug jedoch dieser Umstand dazu bei, dass ihn US-Historiker Root kurzerhand zum Auschwitz-Kommandanten erklärte.

    Hoch geachtet in Deutschland und Amerika

    In Deutschland wie auch in Amerika blieb Schmeling trotz solcher Lügenkampagnen hoch geachtet. Er arbeitete in der Bundesrepublik als Repräsentant des Coca-Cola-Konzerns und wurde 1967 in den Vereinigten Staaten als fairster Sportler der Welt mit dem Sport-Oscar ausgezeichnet. Unter anderem von Las Vegas und Los Angeles wurde ihm die Ehrenbürgerwürde verliehen.


    Nachdem Schmeling am 2. Februar 2005 im Alter von 99 Jahren für immer die Augen geschlossen hatte, richtete die Stadt Hamburg für ihn eine offizielle Trauerfeier in der St.-Michaelis-Kirche, dem «Michel», aus. Unter anderem Henry Maske, Wladimir Klitschko, Uwe Seeler und Franz Beckenbauer erwiesen dem großen deutschen Box-Idol die letzte Ehre.

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