In bundesdeutschen Krankenhäusern müssen mehr und mehr Menschen mit gefährlichen Stichverletzungen behandelt werden. Die Zahlen sind dramatisch. Es ist wichtig, hier nicht die Augen zu verschließen. COMPACT legt mit „Mädchen. Messer. Morde“ ein besonders wichtiges Spezialhelft vor. Hier mehr erfahren.

    In deutschen Kliniken werden immer häufiger Menschen nach gewalttätigen Auseinandersetzungen mit Stichwaffen behandelt. Eine Analyse der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) zeigt, dass die Zahl der besonders schweren Fälle innerhalb von zwölf Jahren deutlich gestiegen ist.

    Im Jahr 2024 mussten 336 Schwerverletzte nach einem gewaltsamen Angriff mit einer Stichwaffe in einem chirurgischen Traumazentrum behandelt werden. 2012 waren es noch 212 Fälle. Damit stieg die Zahl innerhalb dieses Zeitraums um 58,8 Prozent.

    Anstieg lebensbedrohlicher Verletzungen

    Für die im Deutschen Ärzteblatt veröffentlichte Untersuchung werteten die Wissenschaftler insgesamt 3.664 Stichverletzungen aus, die im Zusammenhang mit gewaltsamen Auseinandersetzungen standen. Grundlage waren Daten aus rund 600 bundesdeutschen Kliniken. Die Untersuchung soll die öffentliche Debatte über Messerangriffe und schwere Gewaltverletzungen mit belastbaren medizinischen Daten ergänzen.

    „Die Versorgung von Stichverletzungen gehört heute deutlich häufiger zu unserem Arbeitsalltag als noch vor zehn Jahren“, sagte Frank Hildebrand, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) sowie der DGU. Bei den verwendeten Stichwaffen handelt es sich fast immer um Messer. Selten kommen Schraubenzieher oder Eispickel zum Einsatz.

    Dabei erfasst die Studie ausdrücklich nicht sämtliche Stichverletzungen. In die Auswertung wurden nur Patienten aufgenommen, deren Verletzungen lebensbedrohlich waren oder eine Behandlung auf der Intensivstation erforderlich machten. Verletzungen an Armen und Beinen, die zwar schwere und dauerhafte Funktionseinschränkungen verursachen können, aber keine unmittelbare Lebensgefahr darstellen, sind deshalb nur teilweise beziehungsweise gar nicht berücksichtigt.

    Unfallchirurgen sind äußerst besorgt angesichts dieser Entwicklung. Phillip Störmann, Erstautor der Studie und Mitglied der DGU-Sektion Notfall-, Intensivmedizin und Schwerverletztenversorgung, spricht von steigenden Fallzahlen. Besonders deutlich sei der Zuwachs in Regionen mit hoher Bevölkerungsdichte.

    Angaben zu Tätern, Tatmotiven, Herkunft oder sozialem Status werden mit dieser Studie nicht erfasst, doch mehr mit offenen Augen durch diese Gesellschaft geht, wird sich seinen Reim machen. Die Opfer sind im Durchschnitt rund 31 Jahre jünger als andere Schwerverletzte, die in den Kliniken behandelt werden. Zudem sind 85,5 Prozent der erfassten Opfer männlich.

    Erhebliche medizinische Herausforderungen

    Besonders häufig verletzen die Angriffe lebenswichtige Organe im Brust- und Bauchraum. Bei 72 Prozent der Betroffenen war deshalb eine sofortige Operation erforderlich. Für die behandelnden Notfallteams sind solche Verletzungen mit erheblichen medizinischen Herausforderungen verbunden, da innerhalb kürzester Zeit über lebensrettende Maßnahmen entschieden werden muss.

    Schwere Stichverletzungen nach gewalttätigen Auseinandersetzungen sind in den vergangenen Jahren deutlich häufiger in deutschen Traumazentren angekommen. Die Folgen sind für die Betroffenen oft gravierend. 8,2 Prozent der Patienten, die nach einer solchen Verletzung ins Krankenhaus eingeliefert wurden, starben dort.

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