Ulrich Siegmund knattert auf seiner blauen Schwalbe durch Sachsen-Anhalt. Doch ein 82-jähriger Simson-Nachfahre kommt aus New York und motzt über die kultigen Ausfahrten. In unserem Comic «Uli rettet Deutschland» erfahren Sie mehr über den Kult. Hier alle Infos.

    Ulrich Siegmund fährt mit seiner blauen Simson-Schwalbe durch Sachsen-Anhalt, und mit ihm unterwegs sind hunderte Anhänger, darunter viele junge Leute. Deutschlandfahnen flattern an den Lenkern, von den Straßenrändern jubeln ihm seine Fans zu. Der AfD-Wahlkampf ist in vollem Gange.

    Streit um die Simme

    Siegmund macht die Simson (von Ossis liebevoll «Simme» genannt) zum Symbol seiner Kampagne. Das Moped, das Generationen von Ostdeutschen Mobilität und Unabhängigkeit schenkte, steht für ihn für Freiheit und den Willen, die eigenen Wurzeln nicht zu verleugnen. Die Menschen spüren, dass dieser Mann nicht von oben herab redet, sondern einer von ihnen ist.

    Doch die Nachfahren der jüdischen Unternehmerfamilie Simson, auf die der Markenname zurückgeht, sehen das völlig anders. Der 82-jährige Dennis Baum, Sprecher der heute in den USA lebenden Familie, erklärt, man empfinde «jede Verbindung mit der AfD als abstoßend und als eine Beleidigung unseres Familiennamens». Die «politische Vereinnahmung» durch die AfD sei eine Verhöhnung. Sein Ziel sei es, dass die AfD alle Plakate, T-Shirts und Werbemittel, mit denen sie den Namen der Familie missbrauche, vernichten müsse, so Baum.

    Ostdeutsches Heimatgefühl

    Dabei hat das Kult-Moped selbst weit mehr mit der DDR zu tun als mit der Gründerfamilie, wie man im COMPACT-Comic «Uli rettet Deutschland» nachlesen kann. 1856 riefen die Brüder Moses und Löb Simson das Unternehmen Simson & Co. ins Leben und produzierten Gewehrteile, später Jagdwaffen, Fahrräder und Autos. Im Ersten Weltkrieg lag der Schwerpunkt auf Waffen. Danach bekam Simson sogar das Monopol für Handfeuerwaffen der Reichswehr.

    Auch in unserem Comic spielt die legendäre Simson eine Rolle. Foto: COMPACT
    Auch in unserem Comic spielt die legendäre Simson eine Rolle. Foto: COMPACT

    Die Familie wurde 1935 von den Nazis enteignet und floh 1936 in die USA. Das Unternehmen wurde dann mehrfach umbenannt (unter anderem in Berlin-Suhler Waffen- und Fahrzeugwerke und später Gustloff-Werke) und produzierte auch im Zweiten Weltkrieg vor allem Waffen.

    Die berühmte Schwalbe, die S50/S51 und die anderen Modelle entstanden erst nach 1945 im sogenannten Volkseigenen Betrieb in Suhl (Thüringen) – als typisches Produkt des sozialistischen Alltags, das Millionen Ostdeutschen erschwingliche Mobilität und ein Stück Freiheit bot.

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    Der Name war in der DDR schlichtweg wieder aufgegriffen worden, die Konstruktion und Massenproduktion aber reine Ost-Leistung. Für die Menschen, die mit diesen Maschinen aufgewachsen sind, steht die Simson deshalb vor allem für ostdeutsche Lebensrealität und Heimatgefühl. Vermutlich wissen deswegen auch die wenigsten, dass die eigentliche Gründerfamilie jüdisch war.

    Kein Anlass für moralische Belehrungen

    Dass Dennis Baum extra aus New York nach Deutschland geflogen ist, um in Thüringen persönlich gegen die Nutzung des Namens zu protestieren und Reden zu halten, macht die Sache noch irrer. Ein 82-Jähriger reist über den Atlantik, nur um einem Kult-Moped den Kampf anzusagen, das für Millionen Ostdeutsche schlicht Heimat bedeutet und das mit der Geschichte seiner Vorfahren praktisch nichts mehr zu tun hat.

    Ulrich Siegmund und seine Anhänger lassen sich davon jedenfalls nicht beirren. Sie fahren weiter – fest überzeugt, dass die Simson kein Anlass für moralische Belehrungen aus Übersee ist. Sommer, Sonne, Simme –  so wird es in Sachsen-Anhalt auch in den kommenden Wochen weitergehen.

    Machen Sie sich selbst ein Bild: Mit «Uli rettet Deutschland» legt COMPACT einen Comic vor, der die erste AfD-Regierung vorstellt – konkret: die ersten Wochen eines Ministerpräsidenten Ulrich Siegmund in Sachsen-Anhalt. Witzig, satirisch, aber auch mit knallharten Informationen – auch über die Geschichte der Simson. Hier bestellen.

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