Die Überwachung der Bürger wird immer präziser geplant und umfasst mehr und mehr gesellschaftliche Bereiche, so auch den Fußball. Ein Stadionbesuch ohne Smartphone ist beim FC Bayern ab sofort nicht mehr möglich. Dass dies erst der Anfang ist, stellen wir in unserem Spezialheft „Transhumanismus“ dar. Sehr empfehlenswert! Hier mehr erfahren.

    Der Besuch eines Fußballstadions verändert sich gerade grundlegend. Was lange Zeit selbstverständlich war, nämlich eine Eintrittskarte aus Papier, verschwindet nach und nach. Stattdessen setzen immer mehr Veranstalter auf Apps, Benutzerkonten und vollständig geschlossene digitale Systeme.

    Immer diese Sicherheitshinweise…

    Der FC Bayern München hat diese Entwicklung nun besonders konsequent umgesetzt. Bereits ab der kommenden Saison erfolgt der Zutritt zum heimischen Stadion in Fröttmaning ausschließlich über die vereinseigenen Apps. Klassische Eintrittskarten und auch PDF-Tickets entfallen. Wer ins Stadion möchte, benötigt ein Smartphone mit kompatiblem Betriebssystem, die passende App und ein funktionierendes Benutzerkonto.

    Der Verein begründet diesen Schritt mit Komfort, Sicherheit und einem besseren Schutz vor Ticketmissbrauch. Diese Argumente werden künftig vermutlich viele Clubs verwenden. Denn aus Sicht der Betreiber bieten vollständig digitale Tickets erhebliche Vorteile: Karten lassen sich einfacher personalisieren, weitergeben oder sperren, Fälschungen werden erschwert und der Zweitmarkt lässt sich besser kontrollieren.

    Service wird zum Zwang

    Doch mit dieser Entwicklung verändert sich auch das Verhältnis zwischen Verein und Zuschauer. Aus einer Eintrittskarte wird eine dauerhafte digitale Geschäftsbeziehung. Der Stadionbesuch setzt nicht mehr nur den Besitz eines gültigen Tickets voraus, sondern die Nutzung einer bestimmten technischen Infrastruktur. Smartphone, App, Betriebssystem, Login und digitale Identität werden zur Voraussetzung für die Teilnahme.

    Damit wächst zwangsläufig auch die Abhängigkeit der Fans von den jeweiligen Plattformen. Noch gravierender ist jedoch, dass die Wahlfreiheit verschwindet. Digitalisierung müsste eigentlich bedeuten, zusätzliche Möglichkeiten anzubieten. Stattdessen ersetzen viele Unternehmen analoge Alternativen vollständig durch digitale Pflichtlösungen. Aus einem zusätzlichen Service wird ein Zwang.

    Diese Entwicklung dürfte kaum auf den FC Bayern beschränkt bleiben. Gerade die wirtschaftlich starken Bundesligisten verfügen über ausverkaufte Stadien und eine Nachfrage, die das Angebot dauerhaft übersteigt. Wer ohnehin jede Karte verkauft, muss kaum befürchten, dass Fans wegen neuer Zugangsvoraussetzungen fernbleiben. Dadurch entsteht ein erheblicher Anreiz, die vollständige Kontrolle über das Ticketing zu übernehmen.

    Es spricht daher vieles dafür, dass weitere Vereine diesem Beispiel folgen werden. Wenn Branchenführer ein neues System etablieren und damit wirtschaftlich erfolgreich sind, wird daraus häufig der neue Standard. Was heute in München eingeführt wird, könnte morgen in Dortmund, Gelsenkirchen, Leipzig oder anderswo selbstverständlich sein.

    Stadionverbot auf Knopfdruck

    Ältere Menschen ohne Smartphone, technisch weniger versierte Fans, Familien, bei denen eine Person bislang alle Eintrittskarten verwaltet hat, oder Besucher mit leerem Akku, beschädigtem Display oder nicht mehr unterstütztem Betriebssystem geraten ins Abseits. Fans, die als weniger pflegeleicht gelten, können kontrolliert und mühelos bei Bedarf auch ausgeschlossen werden. Auf Knopfdruck!

    Hinzu kommt ein kultureller Verlust. Gedruckte Eintrittskarten waren für viele Fans Erinnerungsstücke. Sie landeten im Fotoalbum, wurden gesammelt oder eingerahmt und erinnerten noch Jahre später an besondere Spiele. Ein ausschließlich appbasiertes Ticket verschwindet dagegen nach dem Einlass meist spurlos.

    Ein Testballon…

    Die eigentliche Bedeutung dieser Entwicklung reicht jedoch weit über den Fußball hinaus. Der Stadionbesuch wird zum Testfeld für eine Gesellschaft, in der der Zugang zu Veranstaltungen immer häufiger an Apps, digitale Konten und technische Voraussetzungen gekoppelt wird. Was zunächst beim Fußball beginnt, lässt sich ebenso auf Konzerte, Messen, Museen oder andere Veranstaltungen und irgendwann auf sämtliche Lebensbereiche übertragen. Der gläserne Mensch unter totaler Kontrolle lässt grüßen.

    Moderne Ticketing-Systeme könnten problemlos beides anbieten: digitale Tickets für diejenigen, die sie bevorzugen, und klassische Eintrittskarten für alle anderen. Das wäre echte Kundenorientierung. Wenn stattdessen ausschließlich geschlossene App-Lösungen angeboten werden, geht es längst nicht mehr um technischen Fortschritt. Dann verändert sich schrittweise die Frage, unter welchen Bedingungen Menschen überhaupt noch am öffentlichen Leben teilnehmen können.

    Dass dies erst der Anfang ist, stellen wir in unserem Spezialheft „Transhumanismus“ dar. Sehr empfehlenswert! Hier bestellen.

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