Nachbetrachtung zur Debatte um Uwe Steimle und Tino Chrupalla. Warum Julian Reichelt ausnahmweise mal Recht hat – und die warum Chrupalla-Silbermedaille in jedes Wohnzimmer gehört. Hier bestellen!

    Die Debatte wegen der DDR-Hymne auf einer AfD-Veranstaltung reißt nicht ab. Die Vertreter der Altparteien und angeschlossene Medien machen daraus AfD-reklame für ein „Unrechtsregime“ mit Mauer, Stasi, Stacheldraht. Die Anhänger  der AfD antworten sinngemäß mit Verweis auf dieKunstfreiheit, die einem Kabarettisten noch mehr zustünde als allen anderen, und außerdem sei der Text („Deutschland einig Vaterland“) der DDR-Opposition lieber gewesen als der SED.

    Eine interessante Mittelposition vertritt Julian Reichelt, NIUS-Chef. Normalerweise bin ich mit dem Beinharten Transatlantiker und Zionisten nicht einverstanden, aber hier hat er den Nagel auf den Kopf getroffen. Gestern schrieb er auf NIUS:

    „Wer auch immer jetzt die DDR-Hymne mitgesungen oder mitgesummt hat, ist vollkommen irrelevant – wir sollten vor allem darauf blicken, was das bedeutet, wofür das steht. Deutschland geht gerade unter CDU-Führung und dem Mainstream-Absingen von vollkommen abwegigen Weimar-Gesängen in eine neue deutsche Teilung. Entlang der eigentlich überwundenen innerdeutschen Grenze entstehen wieder zwei Deutschlands, Ost und West, nur dass sich der Osten diesmal politisch nach Westen ausbreiten wird, nicht umgekehrt (weil die AfD dabei ist, die CDU für immer abzulösen). Die Gründe dafür? Der Osten erlebt die Anti-AfD-Politik der aus der Zeit gefallenen Bonner Gestalt Friedrich Merz als brutalen Bruch eines historischen Versprechens. Die CDU sagt, man könnte in Sachsen-Anhalt auch ohne Mehrheit regieren. Der CDU-Kanzler sagt, die AFD stehe in der Tradition des Holocaust. Der CDU-Fraktionschef will einem AFD-Politiker ohne jegliche Rechtsgrundlage das Wahlrecht entziehen – man nennt es Willkürherrschaft. Die Union plant, minderjährige Spitzel anzuheuern, um die Opposition auszuforschen. (…) Der Bundeskanzler höchst selbst sagt, man wolle keine Neuwahlen, weil man sie nicht mehr gewinnen kann („Was soll denn dabei rauskommen?“). All das mündet im Osten in düstere Erinnerungen und einer sehr nachvollziehbaren Abwehrreaktion gegen die Demokratie westdeutscher Prägung, die aus dem Wort „Demokratie“ eine Parole zur Abschaffung der Demokratie gemacht hat.“

    Das ist eine konzise Zusammenfassung der Gründe, was die Menschen weg von „Unseredemokratie“, also dem westlichen Modell, treibt. Dass die Menschen im Osten auf der Suche nach einem Alternativmodell automatisch bei dem landen, was sie schon einmal hatten und was mit einigen Verbesserungen doch nochmal funktionieren könnte, ist logisch. Die West-AfD kann die Sprengkraft dieser durchaus widersprüchlichen Emotionen nicht begreifen, die Ost-AfD schon.

    Tino Chrupalla ist der Seismograph der Gefühlslage. „Ich lasse mir die DDR nicht nehmen“, sagte er in Bitterfeld-Dessau am Dienstag. Das skandalisiert die Bild-Zeitung heute – aber wir finden ihn gerade deswegen gut. Außerdem hält er das Friedenspostulat der DDR hoch – das ist wiederum ein Punkt, den Reichelt natürlich nicht versteht. Jedenfalls: Chrupalla hat die COMPACT-Silbermedaille hoch verdient. Hier kann man sie bestellen.

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