80 Ziele in einer Nacht: Gestern Abend startete das US-Militär eine Serie schwerer Angriffe auf iranische Ziele. Teheran droht mit einer «vernichtenden Antwort». Warum der Nahe Osten nicht zur Ruhe kommt analysiert unsere Ausgabe «Zions Höllenritt. Wie Netanjahu die USA in den Untergang reißt», die schonungslos mit der Kriegstreiberei aufräumt. Hier mehr erfahren.
Die Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran ist am Ende. In der Nacht zu Mittwoch traf das US-Zentralkommando für den Nahen Osten (CENTCOM) iranische Luftabwehrsysteme, Kommandozentren, Küstenradar, Batterien von Anti-Schiff-Raketen und über 60 Schnellboote der Revolutionsgarden in und nahe der Straße von Hormus.
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COMPACT unterstützenAuslöser waren vorherige iranische Angriffe auf drei Handelsschiffe unter den Flaggen der Marshallinseln, Liberias und Saudi-Arabiens, die wiederum Durchfahrtsvorgaben Teherans ignoriert hatten. Das Vorgehen des Iran sei «unbegründet, gefährlich und ein klarer Verstoß gegen die Waffenruhe», erklärte CENTCOM. Gleichzeitig setzte Washington eine Ausnahmegenehmigung für iranische Ölexporte außer Kraft. Trump ließ heute auf Truth Social keine Zweideutigkeit zu:
«Es könnte ein Punkt kommen, an dem wir nicht mehr vernünftig sein können. Sollte das geschehen, wird die Islamische Republik Iran nicht mehr existieren!»
Teheran wies die US-Darstellung zurück und bezeichnete die Angriffe als «schwerwiegenden Verstoß» gegen das im Juni unterzeichnete Rahmenabkommen. Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf erklärte: «Die Zeit der Einschüchterung und Erpressung ist vorbei. Sie führt nirgendwohin. Wir geben nicht nach.» Das Khatam-al-Anbiya-Zentralkommando drohte mit einer «vernichtenden Antwort» und betonte, der Iran werde keine ausländische Einmischung in die Verwaltung der Straße von Hormus akzeptieren.
Der gebrochene Deal
Der Konflikt schwelt seit dem 28. Februar, als die USA und Israel gemeinsam iranische Militärziele angriffen und Revolutionsführer Ali Khamenei töteten. Teheran antwortete mit der Sperrung der Straße von Hormus, jener schmalen Meerenge zwischen dem Iran und der arabischen Halbinsel, durch die rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Erdöls fließt und die den einzigen Seeweg aus dem Persischen Golf in den offenen Ozean bildet. Die Forderung: dauerhafte Gebührenzahlungen für Frachter bei der Durchfahrt. Die US-Navy versucht seitdem verzweifelt das Nadelöhr zu öffnen, von einer Gegenblockade bis hin zu zwischenzeitlichen Invasionsplänen.

Im Sommer einigten sich beide Seiten auf einen Deal. Das Rahmenabkommen vom 18. Juni sah unter anderem eine 60-tägige gebührenfreie Durchfahrt durch die Straße von Hormus vor. Danach sollte weiterverhandelt werden. «Der Iran hat das Recht auf Souveränität über die Straße von Hormus und natürlich werden wir langfristig eine Servicegebühr erhalten», hatte Chefunterhändler Ghalibaf bereits in der Unterzeichnungsnacht klargestellt.
Doch auch bei der 60-Tage-Regelung steckt der Teufel im Detail: Teheran bestand von Beginn an darauf, dass alle Handelsschiffe vorab einen Antrag stellen und ausschließlich die von Iran vorgeschriebene nördliche Küstenroute nutzen müssen. Die vorgeschriebene Strecke verläuft nahe der iranischen Küste, also im nördlichen Teil der Meerenge, wo Iran maximale Kontrolle ausüben kann.
In der Nacht zum 7. Juli ignorierten laut Teheran drei Handelsschiffe die iranischen Routenvorgaben. Die Revolutionsgarden schlugen daraufin zu: Der katarische LNG-Tanker «Al Rekayyat» wurde an der Backbordseite getroffen, im Maschinenraum brach Feuer aus, das Schiff drohte sogar zu explodieren. Ein weiterer Tanker unter saudischer Flagge wurde beschädigt, ein drittes Schiff unter Flagge der Marshallinseln ebenfalls getroffen. Teherans Staatsfernsehen IRIB erklärte unmissverständlich:
«Ein Flüssiggas-Tanker wurde angegriffen, nachdem er Warnungen ignoriert hatte.»
Todesopfer gab es keine. Laut Washington dennoch Grund genug einen Großangriff zu starten. In den Hafenstädten Sirik und Bandar Abbas sowie auf der Insel Qeschm waren laut iranischen Medien mehrere Explosionen zu hören. Ein US-Regierungsvertreter gegenüber CNN:
«Diese Reaktion ist die direkte Folge internationaler Terrorakte, die der Iran gegen unschuldige Schiffe in der Straße von Hormus verübt hat.»
Mohammed Resa Chasini, Mitglied der Marine der Revolutionsgarden, starb bei einem US-Drohnenangriff in Mahschahr. Gleichzeitig setzte Washington die Ölsanktionen gegen den Iran wieder in Kraft und widerrief eine vor gut zwei Wochen erteilte Ausnahmegenehmigung für iranische Ölexporte.
Wie es Netanjahu gelang, Trump in den Krieg zu ziehen, zeigen wir in unserer hochbrisanten Ausgabe «Zions Höllenritt», und rekonstruieren den Moment in dem der US-Präsident grünes Licht für den Iran-Angriff gab:
«Ausländische Politiker haben höchst selten Zutritt zu dieser Kommandozentrale [Situation Room]– bei Staatsbesuchen werden sie in der Regel im Oval Office oder im Kabinettssaal empfangen.Am 11. Februar 2026 war das anders. Der israelische Premier Benjamin Netanjahu nahm nicht nur teil, sondern dominierte die Sitzung sogar. NYT-Autoren beschreiben die Szene: „Trump nahm Platz, jedoch nicht an seinem üblichen Platz am Kopfende des mahagonifarbenen Konferenztisches. Stattdessen setzte sich der Präsident an eine Seite des Tisches und blickte auf die großen Bildschirme an der Wand. Netanjahu saß ihm direkt gegenüber auf der anderen Seite. Auf dem Bildschirm hinter dem Ministerpräsidenten waren David Barnea, der Direktor des Mossad, des israelischen Auslandsgeheimdienstes, sowie israelische Militärvertreter zu sehen.“»
Zudem sind neue Transaktionen mit dem Iran ab dem 7. Juli verboten, bereits abgeschlossene Geschäfte müssen bis zum 17. Juli abgewickelt werden.
Sirenen über dem Golf
Die iranischen Revolutionsgarden ließen nach dem US-Angriff nicht lange auf sich warten. Raketen und Drohnen auf 85 US-Militärziele in Bahrain und Kuwait wurden abgefeuert. Kuwait aktivierte seine Luftabwehr, Bahrain meldete mehrere Angriffswellen. CENTCOM erklärte, die meisten Geschosse seien abgefangen worden oder hätten ihre Ziele verfehlt. Verletzt wurde nach US-Angaben niemand. In Kuwait wurden durch die Angriffe mehrere Hochspannungsleitungen beschädigt.
Katar bestellte den iranischen Vize-Botschafter ein und sprach von einem «inakzeptablen und völkerrechtswidrigen Angriff auf die internationale Schifffahrt». Die Ölpreise reagierten sofort: Ein Barrel der Nordseesorte Brent stieg um 2,6 Prozent auf 76 Dollar. Bereits am Dienstag hatten die Tankerangriffe den Preis um drei Prozent nach oben getrieben. NATO-Generalsekretär Mark Rutte, der gemeinsam mit Trump beim NATO-Gipfel in Ankara weilte, bezeichnete die US-Angriffe als «absolut notwendig»:
«Wenn eine Waffenruhe besteht und der Iran diese verletzt, halte ich es für vollkommen entscheidend, dass die USA entschlossen reagieren.»
Trump selbst erklärte das Rahmenabkommen für «vorbei». Er wolle keine Verhandlungen mehr mit Teheran führen. Der israelische Iran-Experte Danny Citrinowicz hatte die Eskalation bereits vorausgesehen: «Die Regierung kann realistischerweise nicht sowohl uneingeschränkte Freiheit der Schifffahrt in der Meerenge als auch ein tragfähiges Abkommen mit dem Iran erwarten, ohne auf Teherans Kernposition in dieser Frage einzugehen.»
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