Christliche Dörfer im Südlibanon widersprechen Benjamin Netanjahu: Der israelische Ministerpräsident behauptete im Fox-News-Interview, zahlreiche kirchliche Gemeinden hätten darum gebeten, «von Israel annektiert zu werden». 15 Kommunen in der Region protestieren. Tel Aviv kennt keine Gnade: Alle Hintergründe liefert unsere Ausgabe «Zions Höllenritt. Wie Netanjahu die USA in den Untergang reißt», die schonungslos mit der Kriegstreiberei aufräumt. Hier mehr erfahren.

    Israel spielt weiter mit dem Feuer! Seit Monaten hält die Armee (IDF) den Südlibanon besetzt. Während in benachbarten schiitischen Gemeinden laut Augenzeugen «kein Stein auf dem anderen geblieben ist», klammerten sich die christlichen Dörfer an ihre Häuser, Kirchen und Felder. Doch auch hier wurden mehrere Siedlungen durch israelischen Soldaten besetzt, manche vollständig zerstört. Aus dem Dorf Jaroun berichtet ein Bewohner:

    «Mein Haus wurde von einem Bulldozer eingerissen. Keiner kann zurück.»

    Am Sonntag, dem 4. Juli 2026, nutzte Netanjahu das Fox-News-Interview mit Moderator Bret Baier für eine provokante Behauptung: Einige christliche Gemeinden hätten darum gebeten, von Israel annektiert zu werden, «weil wir sie vor den Hisbollah-Truppen schützen». Die Ortsnamen nannte er nicht. Bürgermeister Hanna al-Amil aus Rmeisch, einer maronitischen Gemeinde im Südlibanon, also einer Enklave der mit Rom unierten maronitischen Kirche, wies das umgehend zurück:

    «Vollkommen ausgeschlossen.»

    15 christliche Dörfer hatten zuvor in einer gemeinsamen Erklärung ihre Loyalität gegenüber der libanesischen Flagge bekräftigt.

    Ausharren unter Bomben

    Die Gemeinden im Südlibanon kämpfen seit Monaten ums Überleben. Seit Israel im März 2026 seine Offensive startete, um die Hisbollah zu zerschlagen, gerieten die Dörfer der Region zwischen die Fronten. Die IDF hält 55 Ortschaften besetzt. Rmeisch mit seinen rund 7.000 Einwohnern, hielt trotz Bombenangriffe und Evakuierungsaufforderungen stand. Pater Toni Elias, stellvertretender Pfarrer des Ortes, fasste die Haltung der Bewohner zusammen:

    «Wir bewegen uns nicht. Hier gibt es keine Hisbollah-Kämpfer, keine Raketen. Wir sind für niemanden eine Gefahr.»

    Die größte Angst der Verbliebenen laut Elias:

    «Wenn wir einmal unsere Häuser verlassen, dürfen wir nie wieder zurückkehren.»

    In anderen Dörfern sind die schlimmsten Befürchtungen längst Realität. Ein Bewohner aus Jaroun berichtet:

    «Die israelische Armee zerstörte verbliebene Wohnhäuser, das Kloster, die Behilfskirche und die gesamte Infrastruktur durch Sprengungen und Bomben. Unser Dorf ist ein Trümmerhaufen.»

    Wie es Netanjahu gelang, Trump in den Krieg zu ziehen, zeigen wir in unserer hochbrisanten Ausgabe «Zions Höllenritt», und rekonstruieren den Moment in dem der US-Präsident grünes Licht für den Iran- und Libanon-Angriff gab:

    «Ausländische Politiker haben höchst selten Zutritt zu dieser Kommandozentrale [Situation Room]– bei Staatsbesuchen werden sie in der Regel im Oval Office oder im Kabinettssaal empfangen.Am 11. Februar 2026 war das anders. Der israelische Premier Benjamin Netanjahu nahm nicht nur teil, sondern dominierte die Sitzung sogar. NYT-Autoren beschreiben die Szene: „Trump nahm Platz, jedoch nicht an seinem üblichen Platz am Kopfende des mahagonifarbenen Konferenztisches. Stattdessen setzte sich der Präsident an eine Seite des Tisches und blickte auf die großen Bildschirme an der Wand. Netanjahu saß ihm direkt gegenüber auf der anderen Seite. Auf dem Bildschirm hinter dem Ministerpräsidenten waren David Barnea, der Direktor des Mossad, des israelischen Auslandsgeheimdienstes, sowie israelische Militärvertreter zu sehen.“»

    Das Leiden der Gemeinden will der israelische Premier nun für sein Annexionsprojekt vereinnahmen.

    Schutz mit dem Vorschlaghammer

    Schon im März forderte Finanzminister Bezalel Smotrich im israelischen Radio: «Die neue israelische Grenze muss der Litani sein.» Eine Annexion des gesamten Südlibanons bis zum Litani-Fluss, rund 30 Kilometer nördlich der Grenze, würde auch zahlreiche christlichen Dörfer einschließen. Netanjahus vermeintliches Schutzversprechen an steht in klarem Widerspruch zu dem, was die Gemeinden in den vergangenen Monaten erlebt mussten.

    Dieses Bild schockierte Millionen: Ein Soldat der israelischen Streitkräfte drischt mit dem Hammer auf eine Jesus-Statue von einem Kruzifix ein. Foto: Screenshot X/@ytirawi

    Im April schlug ein israelischer Soldat mit einem Vorschlaghammer auf den Kopf einer Jesus-Statue im  Dorf Debl ein. Das Foto verbreitete sich weltweit. Das israelische Militär räumte außerdem einen «gewissen Schaden an einem katholischen Kloster» in Jaroun ein, bestritt aber, es mit Bulldozern abgerissen zu haben. Bewohner schickten später Fotos des fast vollständig zerstörten Gebäudes.

    Am 9. März wurde Pfarrer Pierre al-Rai aus dem Dorf Qlajaa bei einem israelischen Luftangriff getötet. Pfarrer Maroun Joussef Ghafari aus der Grenzgemeinde Alma Shab verlor seinen Bruder Sami bei einem Angriff. Er sagt:

    «Einen Menschen zu verlieren, der sein Dorf liebte und nichts mit dem Konflikt zu tun hatte.»

    Rund 5.000 christliche Familien sind im Süden vom Rest des Zedernstaates abgeschnitten. Pater Elias berichtet über seine Gemeinde:

    «Es gibt keinen Zugangsweg. Alle Straßen sind blockiert.»

    Es fehle an Wasser, Säuglingsnahrung und Medikamenten. Ghafari warnt: «Wenn sich die Weltkirche nicht um diese Gemeinden kümmert, könnten sie dasselbe Schicksal erleiden wie die Christen im Heiligen Land.»

    IDF-Chef Ejal Samir machte bei einem Besuch nahe der ehemaligen Kreuzfahrerburg Beaufort deutlich, dass Israel bereit sei, bei einem Verstoß gegen die Waffenruhe rasch «zu offensiven Einsätzen» überzugehen: «Jede Bedrohung gegen unsere Truppen oder israelische Zivilisten wird sofort angegriffen und beseitigt.»

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