Nach dem WM-Aus der deutschen Mannschaft gegen Paraguay wird der Ruf nach Konsequenzen laut. Medien und Experten reagieren mit Spott und Häme – auch auf den peinlichen X-Post von Friedrich Merz. Bier für den Frust – und der COMPACT-Flaschenöffner fürs Bier. Gibt’s hier.

    Ja, es war ein echter Krimi! Ja, der marokkanische Schiri hat uns um ein Tor gebracht! Ja, im Elfmeterschießen haben wir wieder Boden gut machen können. Und doch darf man das Aus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der WM nicht schönreden. Die Defizite der DFB-Elf wurden erneut deutlich: Keine Leidenschaft, keine Stärke, keine Kraft, kein versiertes Spiel. Dabei zeichneten uns diese sportlichen Tugenden einmal aus.

    «Deutschland ist nicht mehr Deutschland»

    Stattdessen gab es über weite Strecken lustloses Gekicke – und selbst bei unserer einstigen Paradedisziplin, dem Elfmeterschießen, zeigte die Mannschaft um Kapitän Joshua Kimmich deutliche Schwächen, obwohl dies noch die packendste Phase des ganzen Spiels war. «Deutschland ist nicht mehr Deutschland», bringt es die spanische Zeitung Marca heute auf den Punkt.

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    Und analysiert korrekt: «Bei zwei aufeinanderfolgenden Weltmeisterschaften scheiterten sie in der Gruppenphase – ein beispielloses Kunststück. Im dritten Anlauf schafften sie es. Doch weiter kamen sie nicht. Paraguay schickte sie in der ersten Runde im Elfmeterschießen nach Hause – eine Disziplin, in der die Deutschen bei Weltmeisterschaften bis dahin unfehlbar gewesen waren. Wie gesagt: Deutschland ist nicht mehr das, was es einmal war.»

    DFB-Elf hat «definitiv ihr Gesicht verloren»

    Besonders hart geht der frühere Bundestrainer Jürgen Klinsmann mit den Männern um seinen Nachfolger Julian Nagelsmann ins Gericht. Der legendäre Ex-Mittelstürmer, der als Nationalspieler 1990 Welt- und 1996 Europameister wurde, sprach nach der Partie im US-Sportsender ESPN von einer «Blamage» und nannte es «verheerend», wie die DFB-Truppe ausgeschieden sei.

    Der 61-Jährige forderte eine schonungslose Aufarbeitung der Pleite:

    «Alles, von oben bis unten, muss hinterfragt und diskutiert werden. Natürlich wird es Konsequenzen geben, was auch immer diese Konsequenzen sein mögen.»

    Die Verantwortung sieht Klinsmann dabei nicht allein bei Nagelsmann. «Die Verantwortung liegt bei allen – vom Trainerstab über den Verband bis hin zu jedem einzelnen Spieler, der in diesen 26-Mann-Kader berufen wurde. Jeder hat seinen Teil zu diesem Desaster beigetragen», so der frühere deutsche Teamcoach. Sein Fazit fällt vernichtend aus: Die DFB-Auswahl habe «definitiv ihr Gesicht verloren».

    Jubel in Paraguay

    Das ist auch der Tenor der internationalen Presse. «Paraguay mauert sich gegen Deutschland ins Penaltyschießen – und gewinnt dieses, weil den Deutschen die Nerven versagen», so der Schweizer Tages-Anzeiger. Die mexikanische Tageszeitung Esto titelt: «Schluss mit dem deutschen Mythos!»

    In Italien analysiert die Corriere dello Sport:

    «Sensationell: Deutschland scheidet im Elfmeterschießen aus. Nach den beiden schmerzhaften Ausscheiden in der Gruppenphase 2018 und 2022 hat die deutsche Nationalmannschaft all ihre Schwächen und Zerbrechlichkeit offenbart.»

    La Repubblica spricht von einem «Schock für Deutschland», die Londoner Times meint: «Die Deutschen sind am Boden zerstört», der Mirror übertreibt: «Eine der größten WM-Überraschungen aller Zeiten!»

    «Es war eine verdiente Niederlage»

    In Paraguay hingegen herrscht natürlich Jubelstimmung. «Weltweite Überraschung: Paraguay schlägt Deutschland und zieht ins Achtelfinale ein. Die Mannschaft unter Leitung von Gustavo Alfaro feiert einen historischen Sieg und wirft einen Giganten aus dem Turnier», vermeldet die Tageszeitung ABC.

    Und die Kollegen von La Nación sekundieren: «Paraguay vollbringt eine Heldentat und wirft Deutschland aus der Weltmeisterschaft. Ein heldenhaftes Paraguay, voller Mut und mit unüberwindlicher Kraft, das in allen Stadien durch seine charakteristische Guaraní-Kampfkraft besticht, vollbrachte diese Glanzleistung (…).»

    Merz macht sich lächerlich

    Weitaus peinlicher alle Aussetzer der deutschen Nationalelf zusammen war hingegen der Post, den Bundeskanzler Friedrich Merz nach der Niederlage absetzte. Auf seinem offiziellen X-Account halluzinierte er:

    Auch wenn das Ausscheiden schmerzt: Was für ein Spiel, @DFB_Team! Mit eurem Einsatz und Teamgeist bei dieser WM habt ihr unser Land begeistert. Wir sind stolz auf euch. pic.twitter.com/TCMfDH6ROS

    — Bundeskanzler Friedrich Merz (@bundeskanzler) June 29, 2026

    Bild spöttelt: «Der Merz-Post sorgte bei vielen Fans für Kopfschütteln. Auf X trendete die Frage, welches Spiel der Kanzler eigentlich gesehen habe. Denn das Team von Bundestrainer Julian Nagelsmann zeigte gegen Paraguay über weite Strecken eine Nicht-Leistung. Langsam. Langweilig. Lethargisch. Begeisterung? Fehlanzeige!»

    In Russland griff man diese grandiose Fehleinschätzung gerne auf. Putin-Berater Kirill Dmitriev, der als Mann des Kremls für heikle Missionen gilt und beispielsweise mit den USA über einen Friedensplan für die Ukraine verhandelte ätzte auf X: «Merz ist gut darin, immer wieder ein Scheitern zu fördern.»

    Nagelsmann wackelt

    Unteressen werden die Rufe lauter, die eine Ablösung von Bundestrainer Nagelsmann fordern. Ex-Bayern-Profi Dietmar «Didi» Hamann, jetzt Fußballexperte des irischen Senders RTÉ Sport, wurde am deutlichsten: «Ich glaube, Herz kommt von Teamspirit, vom Zusammensein, vom Vertrauen, dass deine Teamkollegen da sind, wenn du sie brauchst. Ich habe das Gefühl, unter diesem Trainer war das nie der Fall.»

    «Ich wollte Deutschland stolz machen»

    Hamann weiter: «Offensichtlich ist es der Trainer. Es ist der Job eines Trainers, die Jungs zusammenzubekommen. Das ist ein Typ, der selten Spiele schaut. Er war nicht einmal in Mailand, um Bisseck zu sehen. Einen Spieler, den er mit zur WM hätte nehmen sollen. Er war in zweieinhalb Jahren nie in Brentford, um Schade zu beobachten, einen Spieler, der letzte Saison zehn Tore erzielt hat. In der Bundesliga guckt er vielleicht ein, zwei Spiele im Monat.»

    Sein vernichtendes Urteil: «Deswegen habe ich keine Sympathie für ihn. Ich glaube, er und das Team haben bekommen, was sie verdient haben.» Ob Nagelsmann die kommenden Tage überstehen wird, ohne gefeuert zu werden, ist äußerst fraglich. Auf Friedrich Merz trifft das erst recht zu.

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