Der Pop-Titan hat wieder einen rausgehauen. Im Interview mit Philip Hof und Dominik Kettner kritisiert er die Cancel Culture in Deutschland und das Säbelrasseln gegen Russland. Und er spricht über Xavier Naidoo. COMPACT-Spezial «Krieg gegen Russland» liefert wichtige Hintergründe zu Themen aus dem Gespräch. Hier mehr erfahren.

    Dieter Bohlen lässt sich den Mund nicht verbieten – und er spricht Klartext, wo es notwendig auch. So auch in der aktuellen Folge von Hopf & Kettner, dem Podcast der Finanzexperten Philip Hopf und Dominik Kettner. «Die Freiheit des Gedankens wird im Keim erstickt», so Bohlen über Sprachverbote in der Republik. «Ich habe mich mit Xavier damals immer super gut verstanden, wir haben uns totgelacht», erzählt der Pop-Titan und Produzent über seine Zeit mit Naidoo bei Deutschland sucht den Superstar.

    Auch zum Ukrainekrieg und den zunehmenden Spannungen zwischen dem Westen und Russland hat der 72-Jährige eine klare Meinung. «Ich kriege zunehmend Angst, wenn ich lese, dass die Bundeswehr bereit sei, heute Nacht zu kämpfen und jeden Zentimeter NATO-Territorium zu verteidigen», so Bohlen im Polit-Talk mit Hopf und Kettner. «Wir wollen Frieden, verdammte Scheiße!»

    Würde die Ukraine auf dem Schlachtfeld siegreich sein, «hätten wir wahrscheinlich den Weltkrieg». Die TV-Legende meint daher: «Man muss doch versuchen, einen Kompromiss zu finden.» Nachfolgend die wichtigsten Auszüge aus dem Gespräch.

    Xavier Naidoos Rauswurf

    Über einen Streit mit seinem früheren Werbepartner Müllermilch sagt Bohlen: «Mich hat mal ein Satz paar Millionen Euro gekostet. Ich war bei Müllermilch als Werbeträger und ich sitze so mit dem mit dem Marketing-Chef, und da sage ich zu dem: Sag mal, wer trinkt das Zeug bei Müllermilch. Und da sagt er zu mir: Ja, so 50 Jahre alte Biolatschenträger.

    Und weiter: «Am nächsten Tag treffe ich die Bild-Zeitung am Strand auf Sylt. Ich habe habe denen ein Rieseninterview gegeben, und irgendwann haue ich den Spruch raus: Ja, ich bin jetzt dabei, aber Müllermilch, das trinken ja so 50 Jahre alte Biolatschenträger. Und das kam in der Bild am Sonntag. Am Montag hatte ich die Kündigung, Schadenersatzforderung und so. Es hat mich Millionen gekostet, aber es war eben wirklich überhaupt nicht böse gemeint, und politisch inkorrekt bin ich sowieso immer.»

    Philip Hopf daraufhin zu Bohlen:

    «Jemand, der auch politisch inkorrekt war zur Zeiten von DSDS, war Xavier Naidoo. Wir haben die Community gefragt: Was wollt Ihr von Dieter wissen. Da kam die Frage :Xavier saß neben Dieter, Millionen Fans lieben seine Musik, und dann wurde er von heute auf morgen auf ausgeblendet. Du warst mittendrin bei dem Ganzen. Was ist da wirklich passiert, und hältst du das heute noch für den richtigen Umgang mit kritischen Stimmen, also dass man den einfach rausgepackt hat?»

    Bohlens Antwort: «Das ist scheißegal, was ich davon halte. Wenn ein Chef in der Firma kommt und sagt, wir machen das jetzt so und so… Was du da sagst oder nicht, ist völlig egal.» Und weiter:

    «Ich habe mich mit Xavier damals immer supergut verstanden, und ich hab mich manchmal totgelacht mit ihm.»

    Der Pop-Titan fährt fort: «Also wenn der vor dir steht und dir erzählt, die Erde ist eine Scheibe, und das so zwei Stunden lang begründet: Der Mond, der ist aufgehängt worden von der NASA, und deshalb ist da bei der NASA auch Walt Disney mit drin, und er hat mir das alles erklärt, und man merkt dann auch immer abends an der Bar: Umso mehr du kritisch guckst, umso böser wird. Aber er ist ein Gentleman, der sich immer benommen hat.»

    Über Höcke und Ben

    Auch zur Debatte um die Podcast-Folge von Ben Ungeskriptet mit AfD-Politiker Björn Höcke äußert sich Bohlen bei Hopf & Kettner, kommt dabei aber vor allem auf Russland zu sprechen: Das ist doch das Grundverständnis von Demokratie, dass du eine andere Meinung zulässt. Sobald du irgendwie Putin in den Mund nimmst, dann bist du ja schon rechtsradikal und was weiß ich was.»

    Und weiter: «Ich stehe doch gar nicht auf Putin, ich sag ja nicht, dass der irgendwie was richtig macht. Aber ich hab viele Fans in Russland. Du magst das Land vielleicht, weil du dort mal warst. Die Russen waren zu mir immer supernett, muss ich echt sagen. Also da gibt es, genau wie in Deutschland, Arschlöcher und ganz tolle Menschen. Dass wir Künstler jetzt quasi nicht mehr nach Russland dürfen, um da aufzutreten, das ist einfach ein Diktat.»

    Über die wachsende Kriegsgefahr

    Für Säbelrasseln gegen Russland hat Bohlen kein Verständnis. Er meint vielmehr, dass wir uns immer mehr in eine gefährliche Situation hineinbugsierten. «Wenn man sowas liest von dem erfolgreich… äh… beliebtesten Politiker in Deutschland, Pistorius, der sich da hinstellt mit ukrainischen Waffenbauern und es feiert, dass man zusammen Firmen gründet… Ich weiß nicht, ob das so der richtige Weg ist.»

    Und er fährt fort:

    «Ich wundere mich, dass da die Leute nicht langsam aufstehen und sagen: Wir wollen Frieden! Verdammte Scheiße, ja. Wo sind die Grünen geblieben, die früher immer nur von Frieden und Friedenspartei geredet haben? Wo ist das alles geblieben? Da ging es nur um Frieden, das Wort Frieden. Und jetzt geht’s nur noch um das Wort Krieg! Wir brauchen zehn Milliarden für neue Bunker. Hey, warum müssen jetzt Bunker gebaut werden? Was haben die da vor? Da kriege ich doch Angst. Ich baue doch keine Bunker einfach nur aus Jux, sondern ich baue Bunker, wenn ich antizipiere, dass die irgendwie Krieg wollen. Ich meine, haben die Leute alle keine Geschichte mitbekommen?»

    Die Russen, so Bohlen, hätten ein «Arsenal von etlichen hunderten von Atombomben, wo fast jede Atombombe fast ganz Deutschland ausrotten könnte, und sie glauben: Nee, die machen das nicht, Putin geht einfach so unter und unterwirft sich der Ukraine. Ich meine, das ist doch Quatsch.»

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