Statt Wahlkampfbus kommt der Regenbogen-Doppeldecker: Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) leistet sich zwei Monate vor der Wahl einen eigenen Wagen bei der CSD-Parade, finanziert vom Steuerzahler. Bei uns wird der Sommer mit Freunden und kaltem Bier genossen: Wir liefern Ihnen den COMPACT-Flaschenöffner, so dass es nicht an erfrischenden Getränken scheitern wird. Hier mehr erfahren.
Am 25. Juli zieht der Berliner Christopher Street Day (CSD) vom Spittelmarkt über den Potsdamer Platz und den Nollendorfplatz zum Brandenburger Tor, Hunderttausende werden erwartet. In diesem Jahr mit dabei: ein Doppeldecker unter dem Namen «Regenbogenhauptstadt Berlin», geschmückt in den Pride-Farben, mit LED-Wänden an beiden Seiten und dem Berliner Bären.
Obendrauf: Der amtierende Bürgermeister Kai Wegner und weitere Senatsmitglieder. Der Wagen wurde über die landeseigene Gesellschaft «Berlin Partner» angemeldet, zuständig eigentlich für Wirtschaftsförderung und Investorenwerbung. Die Senatskanzlei steuert 140.000 Euro bei, Berlin Partner Sachleistungen im Wert von 235.000 Euro. Macht zusammen 375.000 Euro.
Der Techno-Veteran
Ein erfahrener Veranstaltungstechniker, der sich selbst als «Techno-Veteran» bezeichnet erklärt:
«Doppelstöckige Ausführung ist heute nichts Besonderes mehr. Miete, maximal drei Tage Aufbau, mit Personal am Veranstaltungstag, macht etwa 35.000 Euro.»
Der Senat zahlt das Zehnfache! Eine sichtbare Kennzeichnung des Senats auf dem Fahrzeug ist laut Senatssprecherin Christine Richter «nicht vorgesehen». Wegner und der CSD haben ein angespanntes Verhältnis: In den vergangenen Jahren verweigerten ihm die Veranstalter die Eröffnungsrede, zu wenig Unterstützung für ihre Ziele, lautete der Vorwurf. Der erschien trotzdem regelmäßig und fuhr auf den Trucks von BVG, Aids-Hilfe und der Evangelischer Kirche mit, hat also mehrere Jahre Parade-Erfahrung und darf sich getrost selbst als Techno-Veteran bezeichnen.

Nun bekommt er seinen eigenen Doppeldecker. Es ist das erste Mal, dass der Senat mit einem selbstorganisierten Wagen am Start ist, zwei Monate vor der Wahl. Aus der SPD kommt daher der Vorwurf:
«Es sieht aus, als ob sich Kai Wegner die Teilnahme am CSD erkaufen will.»
Der erste Berliner CSD fand 1979 in West-Berlin statt, 400 Menschen zogen damals durch die Stadt. In den Achtzigern wuchs die Zahl langsam auf 5.000 an. In den Neunzigern stiegen die Teilnehmerzahlen erst in die Zehn-, dann in die Hunderttausende. Techno-Trucks ersetzten die Megafone, die Spaßgesellschaft hielt Einzug, und immer mehr Gruppen, Vereine, Parteien und Unternehmen sprangen auf die rollenden Wagen. 2025 war die Demonstration nach Veranstalterangaben so groß wie lange nicht mehr.

Was von der Parade zu erwarten ist: Wie immer öffentliche Nacktheit und Fetisch-Kostüme inmitten von Familien mit Kindern. Ein Kinderschutzverein reichte nach dem CSD 2022 eine Petition ein und sprach von «massiver Kindeswohlgefährdung». Die Veranstalter wiesen die Kritik zurück.
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