Am heutigen Morgen setzte eine ukrainische Drohne das Ölterminal von Sankt Petersburg in Brand, nur wenige Stunden vor der Eröffnung von Russlands wichtigstem Wirtschaftsforum. Unter den Gästen: Eine AfD-Delegation und möglicherweise Altkanzler Gerhard Schröder. Schluss mit Krieg: bei uns gibt es Medaillen zur deutsch-russischen Freundschaft. Von Katharina der Großen über Putin bis Sigmund Jähn. Hier mehr erfahren. 

    Sankt Petersburg, 3. Juni 2026: Über dem Hafen an der Newa steigt Rauch auf, eine ukrainische Drohne hat in der Nacht das Ölterminal der Stadt getroffen. Wenige Kilometer entfernt öffnet das SPIEF (St. Petersburg International Economic Forum) seine Tore, Russlands Antwort auf Davos.

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    Seit 1997 lädt Moskau internationale Wirtschaftsführer, Staatschefs und Diplomaten in die Zarenstadt. Nach dem Einmarsch in die Ukraine 2022 blieben die großen Namen aus Europa und Nordamerika aus. Das Motto des diesjährigen Forums: «Pragmatischer Dialog — der Weg in eine stabile Zukunft.» Die Gästeliste liest sich stellenweise wie ein Verzeichnis westlicher Dissidenten: Candace Owens steht darauf, ebenso die Tate-Brüder, eine AfD-Delegation und möglicherweise sogar Altkanzler Gerhard Schröder.

    Unter Feuer und Freunden

    Eine der prominentesten Besucherinnen des diesjährigen SPIEFs ist Candace Owens. Die amerikanische Kommentatorin zählt mit mehr als sieben Millionen Followern auf X zu den bekanntesten Stimmen der US-Rechten. Owens traf bereits Ende Mai in Russland ein und verbrachte mehrere Tage zwischen Moskau und St. Petersburg. Ihren Aufenthalt kommentierte sie mehrfach auf X. Am 1. Juni berichtete sie:

    «Der christliche Ausdruck und das Erbe hier sind unübertroffen. Es ist kein Wunder, dass sie uns über Russland belügen.»

    Nach ihrer Weiterreise legte sie am Mittwoch nach:

    «Moskau ist eine prächtige Stadt. Es gibt keinen Streit darüber. Ich habe einen Fehler gemacht, indem ich nicht länger geblieben bin, aber ich werde zurückkehren.»

    Owens stand auf der Sprecherliste des Forums. Vorgesehen war ihre Teilnahme an einer Podiumsdiskussion über Familie, Kindererziehung und die Vereinbarkeit von Elternschaft und beruflichem Erfolg. Ob sie ihren Auftritt inzwischen absolviert hat, blieb zunächst unklar.

    Owens ist nicht die einzige prominente Stimme aus dem angloamerikanischen Raum. Auch die Tate-Brüder haben Kurs auf Russland genommen. Andrew Tate und sein Bruder Tristan erreichen über soziale Netzwerke ein Millionenpublikum rund um den Globus. Bereits am 1. Juni verkündete Andrew Tate seinen Anhängern:

    «Wir gehen nach Moskau.»

    Nach seiner Ankunft veröffentlichte er ein Foto mit den Worten: «Neue Freunde gewinnen, und die alten nicht verlieren! Tates in Moscow.»

    Der britische Guardian führte Andrew und Tristan Tate später unter den  Gästen des SPIEF in St. Petersburg auf. Eine offizielle Bestätigung ihrer Teilnahme lag zunächst allerdings nicht vor.

    Candace Owens. Foto: Gage Skidmore, CC BY-SA 3.0., Wikimedia Commons

    Aus Deutschland traf die AfD-Delegation bereits am Dienstag in Russland ein. Zu ihr gehören die Bundestagsabgeordneten Steffen Kotré und Markus Frohnmaier, Sachsens AfD-Chef Jörg Urban sowie Europaabgeordneter Petr Bystron. Kotré erklärte vor der Reise, man wolle zeigen, «dass wir Friedensdiplomatie wollen und keine Kriegsrhetorik». Deutschland brauche wieder «preiswerte und sichere Energie aus Russland». Urban betonte seinerseits:

    «Sachsen braucht Russland als Garant für Frieden und Wohlstand in Europa.»

    Besondere Aufmerksamkeit erregt auch Rodney Mims Cook Jr. Der Vorsitzende der US-Kommission für Bildende Künste wurde von Donald Trump persönlich in sein Amt berufen. Er gilt als erster offizielle Vertreter einer US-Regierung auf dem Forum seit 2017. Für Moskau ist seine Anwesenheit ein willkommenes Zeichen, dass selbst zwischen Washington und Russland nicht alle Gesprächskanäle abgerissen sind.

    Zwischen all den neuen Gesichtern fällt ein Name besonders auf: Gerhard Schröder. Der frühere Bundeskanzler wurde in den vergangenen Tagen mehrfach in Moskau gesehen. Russische Medien berichten, dass er sich weiterhin im Land aufhält. Ob er auch beim SPIEF erscheinen wird, ist bislang offen.

    Ein niedersächsischer SPD-Politiker, der immer treu an der Seite Russlands stand: Ex-Kanzler Gerhard Schröder.

    Das Interesse an dem Forum ist ungebrochen: Nach Angaben der Veranstalter werden in diesem Jahr rund 20.000 Teilnehmer aus mehr als 130 Staaten erwartet. Besonders stark vertreten sind Delegationen und Unternehmen aus China, Indien, Afrika sowie dem Nahen Osten. Allein im ersten Quartal 2026 gründeten chinesische Firmen mehr als 1.400 neue Unternehmen in Russland.

    Nach langer Abwesenheit nehmen laut dem Programm auch deutsche Unternehmen teil. Dazu gehören der in Russland mit der Gruppe EkoNiva tätige Milchproduzent Stefan Dürr und der langjährige Geschäftsführer der Globus Holding, Thomas Bruch, an dem Business-Dialog teil.

    Für den Kreml ist das Forum weit mehr als eine reine Wirtschaftskonferenz. Es soll zeigen, dass Russland trotz Sanktionen weiterhin internationale Partner findet und wirtschaftlich keineswegs isoliert ist.

    Drohnen statt Diplomatie

    Präsident Wolodimir Selenski machte aus seiner Freude über den Drohnenangriff keinen Hehl. Die Attacken auf St. Petersburg seien ein «gutes Resultat» der Zusammenarbeit ukrainischer Drohneneinheiten und Geheimdienste gewesen, erklärte er nach den Einschlägen.

    Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenski. Foto: Juergen Nowak / Shutterstock.com

    Getroffen wurden nach ukrainischen Angaben das Ölterminal der Stadt sowie ein militärisches Ziel im Raum Kronstadt, Heimat der russischen Ostseeflotte. Zwischen der ukrainischen Grenze und den Einschlagsorten liegen rund 1.100 Kilometer. Die Auswirkungen waren in der Ostseemetropole unmittelbar spürbar. Am Flughafen Pulkowo verspäteten sich 29 Flüge um mehr als zwei Stunden. Mehrere Maschinen mussten auf andere Flughäfen ausweichen.

    Das Forum eröffnete dennoch planmäßig. Am Freitag wird Präsident Wladimir Putin dort seine mit Spannung erwartete Grundsatzrede halten.

    Aufschrei in Berlin

    Die Reise nach St. Petersburg löste in Berlin heftige Reaktionen aus. Eine PR-Chance für den Kreml wird gewittert. Besonders scharf reagierte der außenpolitische Sprecher der Union, Jürgen Hardt: «Wie dumm muss man sein, Putin jetzt, wo sich das Kriegsglück in der Ukraine vielleicht gegen ihn wendet, eine solche Propagandagelegenheit zu bieten?»

    Die Reise schade «nicht nur der Ukraine», sondern erhöhe auch die Gefahr für Deutschland. Auch Marc Henrichmann, Vorsitzender des Parlamentarischen Kontrollgremiums des Bundestages, warnte vor der Russlandreise. Veranstaltungen wie das SPIEF würden von russischen Diensten gezielt «zur Informationsgewinnung und zur Anwerbung» genutzt. Wer dorthin reise, müsse wissen: «Man kommt nicht unbeobachtet zurück.»

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    Noch grundsätzlicher argumentierte der frühere Bundeswehr-Offizier Nico Lange. Putin lade AfD-Politiker gezielt ein, um zu demonstrieren, «dass Russland international nicht isoliert ist». Die Delegation liefere dem Kreml genau jene Bilder, die Moskau derzeit brauche. Die AfD weist die Vorwürfe zurück. Für die Delegation gehe es um Diplomatie, wirtschaftliche Kontakte und Friedensdiplomatie.

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