Vorab ein Gruß an die Schüler, die heute gegen die Wehrpflicht streiken – die richtige Schlussfolgerung aus dem historischen Gedenken!
8. Mai 1945: Die einen nennen es Befreiung, die anderen Kapitulation. Aber am verstörendsten ist: In beiden Lagern finden sich geschichtsvergessene Trommler, die heute wieder zum Krieg gegen Russland hetzen. Damit es nicht wieder geschehe, haben wir die COMPACT-Spezialausgabe „Krieg gegen Russland. Deutschlands dritter Marsch in den Untergang“ herausgegeben. Hier mein Editorial.

Karthago, zum Dritten
«Das große Karthago führte drei Kriege. Es war noch mächtig nach dem ersten, noch bewohnbar nach dem zweiten. Es war nicht mehr auffindbar nach dem dritten», formulierte der DDR-Schriftsteller Bertolt Brecht 1951, als in der BRD die Remilitarisierung begann und gleichzeitig das Pentagon Pläne für die atomare Auslöschung von 70 russischen Städten operationalisierte. Unermüdlich mahnte er weiter, etwa in seinem „Offenen Brief an den deutschen Bundestag“ vom 4. Juli 1956: »Als ich ein junger Mensch war, gab es in Deutschland eine Wehrpflicht, und ein Krieg wurde begonnen, der verlorenging. Die Wehrpflicht wurde abgeschafft, aber als Mann erlebte ich, wie sie wieder eingeführt wurde, und ein zweiter Krieg wurde begonnen, größer als der erste. Deutschland verlor ihn wieder und gründlicher, und die Wehrpflicht wurde wieder abgeschafft. Diejenigen, die sie eingeführt hatten, wurden von einem Weltgerichtshof gehängt, soweit man ihrer habhaft werden konnte. Jetzt, an der Schwelle des Alters, höre ich, dass die Wehrpflicht zum dritten Mal eingeführt werden soll. Gegen wen ist der Krieg geplant? Gegen Franzosen? Gegen Polen? Gegen Engländer? Gegen Russen? Oder gegen Deutsche? Wir leben im Atomzeitalter, und zwölf Divisionen können einen Krieg nicht gewinnen – wohl aber beginnen. (…) Wollt ihr wirklich den ersten Schritt tun, den ersten Schritt in den Krieg? Den letzten Schritt, den in das Nichts, werden wir dann alle tun.«

Am atomaren Abgrund schauderte die Welt zurück. Der politische Osten löste sich auf, und wir Deutschen wurden mit der Wiedervereinigung beglückt, Gorbatschow sei Dank. Aber jetzt blicken wir wieder in das Höllenfeuer hinunter, und die deutschen Führer fühlen sich erneut wie Karthager. Wie konnte es so weit kommen? Bis 1990 schliefen die Geister der Vergangenheit. Die Bundeswehr musste nicht für die Amis in Vietnam bluten, die Nationale Volksarmee nicht für die Russen in Afghanistan. Dann zogen wir im Dienste einer Neuen Weltordnung wieder hinaus, schossen und bombten in Jugoslawien und am Hindukusch, spielten Friedenswächter in Afrika. Gehversuche eines Bonsai-Militarismus, muss man im Nachhinein sagen. Denn erst mit der «Zeitenwende» von Olaf Scholz im Februar 2022 erwachte die Bestie von Neuem: 100 Milliarden für die Bundeswehr – und unsere besten Tötungsmaschinen für die Ostfront. 2024 sah man Leoparden-Panzer in Gefechten vor Kursk – so wie Tiger 1943. Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich.
Auf diesem Weg gab Washington immer den Ton an. Doch mit Trump, dem neuen Mann im Weißen Haus, hätte sich die Chance zum Ausstieg aus der Eskalation geboten. Es ist aber das Gegenteil eingetreten: Der europäisch-deutsche Imperialismus will an Stelle des weichenden Amerika die Führung übernehmen – Karthagos dritter Anlauf. Der Tiefe Staat, der in Washington Bastionen räumen musste, bereitet die Weltbrandstiftung ersatzweise mit Provokateuren in London, Brüssel und Berlin vor.
Wer verhindert das Schreckliche? Der Mann an der Werkbank, die Frau im Büro. Die Eltern, die ihre Söhne und Töchter nicht dem Kriegsgott opfern wollen. Alle Umfragen zeigen: Die Mehrheit will keine Eskalation, keine weiteren Waffen für die Ostfront, schon gar keine Soldaten. Doch durch massive Propaganda kann sich das ändern: „Das Volk kann immer dazu gebracht werden, den Befehlen der Führer zu folgen. (…) Man braucht nichts zu tun, als dem Volk zu sagen, es würde angegriffen, und den Pazifisten ihren Mangel an Patriotismus vorzuwerfen und zu behaupten, sie brächten das Land in Gefahr. Diese Methode funktioniert in jedem Land», sagte Hermann Göring 1946. Diese Methode zu durchkreuzen ist die Aufgabe von COMPACT.
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