Während Ministerin Reiche heute zum Krisentreffen ruft, streichen Airlines bereits Flüge. Preise explodieren und erste Verbindungen fallen ganz aus – was bedeutet das für den Sommerurlaub? Alle Hintergründe zur Situation im Nahen Osten in unserer April-Ausgabe mit dem Titelthema „Gefahr für Deutschland“. Grundwissen, um mitreden zu können. Hier mehr erfahren.
Heute findet ein Krisentreffen mit Blick auf die wachsende Kerosinknappheit statt – einberufen von Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche. Sie erklärte: „Für Montag hat mein Haus gemeinsam mit dem Bundesverkehrsministerium alle Stakeholder – Versorger, Flughäfen, Airlines und Verbände – zu einem Gespräch eingeladen.“

Foto: Wikimedia Commons. CC BY-SA 4.0
„Spürbare Einschnitte im Flugangebot“
Zuletzt sind nämlich nicht nur die Preise von Benzin an den Tankstellen in die Höhe geschnellt, sondern auch die Kerosin-Preise explodieren. Die Internationale Energieagentur (IEA) warnt davor, dass Kerosin in Europa bereits ab Mai knapp werden könnte. Bereits letzte Woche teilte die Organisation mit: „Mehrere europäische Länder könnten in den kommenden sechs Wochen einer beginnenden Knappheit von Kerosin gegenüberstehen.“
Auch der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) hat die Lage als kritisch eingestuft. Hauptgeschäftsführer Joachim Lang prognostiziert, dass der stockende Kerosin-Nachschub schon bald zu „spürbaren Einschnitten im Flugangebot“ führen könnte.
Schon in der April-Ausgabe schrieb unser Redakteur Daniell Pföhringer in seinem Artikel „Was jetzt auf uns zukommt“:
„Für Urlaube werden die Deutschen künftig auch wesentlich mehr hinblättern müssen. Schon jetzt gehen die Kosten für Flugreisen in Richtung Asien durch die Decke, weil global bedeutende Drehkreuze wie Dubai, Abu Dhabi und Doha wegen des Beschusses durch iranische Raketen und Drohnen ausfallen und die Gesellschaften daher viele Flüge streichen müssen. Aber auch hier spielt natürlich der Ölpreis eine große Rolle – bei Airlines macht er rund 30 Prozent der Kosten je Flug aus. Der internationale Luftfahrtverband IATA meldete Anfang März bereits einen Preisanstieg von fast 60 Prozent für Kerosin.“
Alle Anzeichen standen also bereits vor mehr als einem Monat auf Sturm. Kanzler Friedrich Merz gibt sich hingegen noch verhalten: „Für den Moment gilt: Die Marktlage ist angespannt, aber die Versorgung in Deutschland ist gesichert.“ Und weiter: „Für den Fall, dass sich die Lage verschärfen sollte, sind wir auf Maßnahmen vorbereitet. Versorgungssicherheit hat für Deutschland höchste Priorität.“
Die Lage ist unsicher
Was das konkret für den Sommerurlaub 2026 bedeutet, bleibt weiterhin unsicher. Während einige Airlines bereits präventiv Flüge streichen, halten sich andere bedeckt. Die Lufthansa hat zwar für 80 Prozent ihres Kerosinbedarfs die Preise abgesichert. Diese Hedging-Strategie droht jedoch ins Leere zu laufen, sollte es zu echten Lieferengpässen kommen. Denn wenn Flughäfen die Maschinen nicht mehr ausreichend betanken dürfen, hilft auch ein gesicherter Preis nicht weiter. Bereits im April strich die skandinavische Linienfluggesellschaft Scandinavian Airlines bis zu 1.000 Flüge.
Die niederländische Airline KLM cancelte im Mai 160 Flüge. Jedoch erklärte KLM gleichzeitig, dass aktuell kein Mangel an Kerosin bestehen würde. Was Flug-Streichungen angehe, seien weniger als ein Prozent der europäischen Flüge betroffen. Auch Ryanair ist derzeit noch zurückhaltend. In einem Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland erklärte der Marketingchef für die BRD, Österreich und die Schweiz, man könnte „zum jetzigen Zeitpunkt Flugstornierungen noch nicht ausschließen.“ Wizz Air hat bereits Engpässe an italienischen Flughäfen gemeldet und rechnet mit deutlichen Gewinneinbußen.
Ob der Sommerurlaub am Ende teurer, kürzer oder in manchen Fällen sogar ausfallen wird, hängt stark davon ab, wie schnell sich die Kerosin-Versorgung stabilisiert. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Politik und die Branche die Krise in den Griff bekommen.
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