Vor Irans Küste laufen die Pläne für eine mögliche Bodenoffensive an. Während die USA tausende Marines in Stellung bringen, rüstet Teheran die Insel Kharg zum Bollwerk auf. Ein kleiner Fleck im Persischen Golf wird zum möglichen Schlachtfeld. Unsere druckfrische April-Ausgabe mit dem Titelthema ,,Gefahr für Deutschland“ zeichnet nach, was Trump und Netanjahu antreibt. Hier mehr erfahren.
Zahlreiche US-Kriegsschiffe rücken in Richtung des Nahen Ostens vor. Ein Teil der Marineeinheiten hat den Indischen Ozean bereits erreicht, andere befinden sich noch auf Marschfahrt aus dem Pazifik. Solche Verlegungen dauern je nach Route meist zwischen 14 und 30 Tage. Da der Einsatzbefehl Mitte dieses Monats erteilt wurde, könnte also Ende März die volle Feuerkraft vor Ort sein.
Es handelt sich dabei um zwei amerikanische Flottenverbände. Den Kern bilden die amphibischen Angriffsschiffe USS Boxer, die Mitte März von der US-Westküste bei San Diego ausgelaufen ist, und die USS Tripoli, die im japanischen Sasebo stationiert ist und von dort, deutlich näher und weiter westlich, verlegt wird. Begleitet werden sie von Landungsschiffen und Transporteinheiten. An Bord befinden sich jeweils rund 2.500 Marines, insgesamt etwa 5.000 Soldaten.
Rangers Lead the Way: Washingtons Elite in Stellung
Der ehemalige CIA-Beamte Mark Polymeropoulos bestätigt zudem, dass die USA dabei ihre besten Spezialeinheiten in die Region verlegten. Delta Force, SEAL Team 6 und das 75. Ranger-Regiment nehmen demnach bereits ihre Positionen ein. Auch Fallschirmjäger sind dabei. Sie bereiten sich auf eine groß angelegte Bodenoffensive vor. Diese Einheiten sind auf Landungen, Überfälle und schnelle Angriffe spezialisiert. Genau jene Fähigkeiten, die für einen Zugriff auf eine Insel wie Kharg entscheidend wären.
Das legendäre Ranger-Regiment wurde am D-Day bekannt, als am Omaha Beach rund 34.000 amerikanische Soldaten auf etwa 7.000 bis 8.000 deutsche Verteidiger in stark befestigten Stellungen trafen. Dem Regiment gelang der Durchbruch, als die US-Truppen am Rand der Niederlage standen.
Die Ranger dienten ebenso wie das SEAL Team 6 mehrfach als Statisten für die Hollywood-Kriegspropaganda.
Gleichzeitig wächst auf iranischer Seite die Alarmbereitschaft. Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf erklärte, man beobachte alle Bewegungen des Gegners genau. Sollte es zu einem Angriff kommen, werde die „lebenswichtige Infrastruktur“ der Angreifer ohne Einschränkung getroffen.
Trump hatte ursprünglich zu Kriegsbeginn Bodentruppen ausgeschlossen. Die mögliche Kehrtwende und offizielle Begründung der Regierung erwartet der amerikanische Influencer Nick Fuentes (America First). In einer Show der letzten Woche mutmaßte er:
„Sie werden die Insel nehmen und sagen, es seien keine boots on the ground [Stiefel am Boden]. Sie werden sagen, wir haben nur eine Insel eingenommen, nicht den Boden, also das Festland. So werden sie es darstellen. Ich sage es euch.“
Teheran habe zusätzliches Militärpersonal, Luftabwehrsysteme und Minen auf die Insel im Persischen Golf verlegt, berichtete CNN unter Berufung auf mit US-Geheimdienstinformationen vertraute Personen.
Achillesferse des Irans oder Risiko für die USA?
Kharg liegt rund 30 Kilometer vor der iranischen Küste und bildet den wichtigsten Umschlagplatz für das Öl des Landes. Rund 90 Prozent der Exporte laufen über die Insel. Tanks mit einer Kapazität von etwa 30 Millionen Barrel sichern den kontinuierlichen Abfluss. Der jährliche Wert der von hier verschifften Ressourcen liegt bei rund 40 Milliarden Euro.
Gerade diese Bedeutung macht die Insel zugleich verwundbar und schwer angreifbar. Kharg ist klein, industriell dicht bebaut, ohne natürliche Deckung und von militärischer Infrastruktur des Irans umgeben. Jede Operation müsste unter Bedingungen stattfinden, die für Angreifer riskant sind. Selbst bei einer erfolgreichen Invasion wäre eine dauerhafte Versorgung nicht leicht zu gewährleisten. Polymeropoulos warnt vor den taktischen Schwierigkeiten einer solchen Operation. Eine Landung sei nur der erste Schritt, entscheidend sei das Halten der Position.
„Eine Insel zu nehmen ist eine Sache. Sie unter Beschuss zu halten, während der Gegner jede Versorgungsroute angreift, ist eine ganz andere.“
Auch der Militäranalyst Michael Knights betont die Risiken: Operationen im Persischen Golf seien „extrem verwundbar gegenüber asymmetrischen Gegenangriffen“, insbesondere durch Drohnen, Raketen und Schnellboote. Genau darauf baut die Kampftaktik der iranischen Marine.
Die gleichen Töne schlägt der ehemalige US-Geheimdienstanalyst Harrison Mann an: „Für die Soldaten, die den Befehl erhalten, Kharg einzunehmen, wäre die Operation irgendwo zwischen einer Selbstmordmission und einer selbstgewählten Geiselnahme.“

Besonders brisant: Der frühere Sicherheitspolitiker Joe Kent, der sich zuletzt aus politischen Gründen zurückzog und dabei den Einfluss Israels auf die amerikanische Außenpolitik kritisierte, feuert weiter offen gegen die Trump-Pläne im Golf.
Eine solche Operation wäre „ein Desaster“ und würde Iran „eine Reihe von Geiseln auf einer Insel liefern“. Kent saß im sicherheitspolitischen Zentrum Washingtons, war Leiter des Terrorabwehrzentrums (NCTS). Das NCTCS bildet die zentrale Schaltstelle der amerikanischen Terrorabwehr. Hier laufen alle Fäden zusammen: Erkenntnisse der CIA aus dem Ausland, abgefangene Kommunikation der NSA, Ermittlungen des FBI im Inland. Aus diesem Strom an Informationen entstehen verdichtete Lagebilder und Zielbewertungen, entstehen Entscheidungen, die später von Militär und Geheimdiensten umgesetzt werden.
Doch neben der taktischen muss auch die strategische Frage gestellt werden: Was wäre mit der Einnahme von Kharg überhaupt gewonnen?
Washington begründet die Verlegung mit der Sicherung der Schifffahrt durch Hormus. Donald Trump spricht offen davon, „Zahlen“ zu brauchen, also ausreichend militärische Präsenz, um die Route offen zu halten. Hilfe wurde international, sogar aus Peking angefragt. NATO-Mitgliedsstaaten wurde bei Verweigerung mit „negativen Folgen“ gedroht.

Ein Zugriff würde zwar die Exporte Irans treffen, nicht aber die Blockade der Meerenge lösen. Auch die militärischen Schläge des Irans erfolgen meist nicht von Kharg selbst. Die Insel liegt immerhin bis zu 500 Kilometer von der Seestraße entfernt. Ein Angriff auf die zentrale Energieinfrastruktur könnte Teheran eher dazu veranlassen, den Druck auf Hormus weiter zu erhöhen. Raketenangriffe, Minen oder Drohnenoperationen gegen Tanker wären eine naheliegende Antwort.
Auch Ziele in den Golfstaaten könnten ins Visier geraten. Dazu zählen Entsalzungsanlagen, die für die Trinkwasserversorgung zentral sind. Der Schaden für die USA und ihre Verbündeten könnte damit größer ausfallen als der mögliche Nutzen einer Eskalation.
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