Collien Fernandes soll jahrelang virtuell vom eigenen Mann vergewaltigt worden sein. Nun fordert sie selbst Identifikationspflicht im Netz. Wird sie so zur Steigbügelhalterin für den gläsernen Bürger? COMPACT schaut bei den Skandalen der Eliten genau hin – wie in „COMPACT 3/2026: Das System Epstein. Mossad, Mädchen, Machteliten„, bei der wir die Hintergründe und Verstrickungen des Epstein-Skandals aufdecken. Das Compact-Heft können Sie hier bestellen!
Der Schauspieler Christian Ulmen soll seine Frau Collien Fernandes laut SPIEGEL-Recherche und Fernandes‘ Instagram-Statement jahrelang virtuell zur Schau gestellt haben. Er soll Fake-Profile von ihr erstellt und angebliche Nacktfotos sowie Pornos veröffentlicht haben. Es ging sogar so weit, dass ihr Profil Online-Affären mit 30 Männern führte. Das Verstörendste an diesem Fall ist, dass in ihrem Namen eine perverse Geschichte veröffentlicht worden sein soll, in der sie von 21 Männern vergewaltigt wird und sehr detailliert ihre Verzweiflung, Angst und Schmerzen geschildert werden – für die Schauspielerin absolut traumatisierend.
Die „virtuelle Vergewaltigung“ soll zehn Jahre lang gedauert haben. Zehn Jahre, in denen sie verzweifelt nach dem Täter suchte und sogar eine Doku darüber drehte. An Weihnachten 2024 kam schließlich der große Knall. In einem Hamburger Luxushotel beichtete Christian Ulmen seiner Frau, dass er der Urheber der Fakes sein soll. So zumindest lautet die offizielle Geschichte. Für Fernandes brach eine Welt zusammen. Sie hatte diesem Mann schließlich vertraut, sie haben eine gemeinsame Tochter. Im September 2025 trennten sich die beiden schließlich, die Verletzung war zu groß.
Das erste Taschengeld mit Telefonsex

Nach 14 Jahren war die Ehe vorbei. Fernandes zeigte ihren Ex-Mann laut Bild wegen „Identitätsanmaßung (Ausgeben als andere Person), Beleidigung, wiederholter Körperverletzung und schwerer Bedrohung“ an. Denn offenbar soll es nicht nur virtuelle Gewalt, sondern physische Gewalt gegeben haben. Laut Berichten sei es im Jahr 2023 zu einem Streit zwischen den beiden Promis gekommen, der in einem Polizeieinsatz und Ulmens Festnahme gipfelte, weil er seine Frau angegriffen haben soll.
Nach den massiven Vorwürfen seiner Ex-Frau gerät auch noch ein alter Podcast von Christian Ulmen ins Rampenlicht. Darin erzählt er ganz offen, wie er als Teenager mit verstellter Stimme Männer hereingelegt hat und sich damit sein erstes Taschengeld mit Telefonsex verdiente.
Ulmen ließ die Vorwürfe über seinen Anwalt Christian Schertz zurückweisen: „Die Berichterstattung ist nach summarischer Überprüfung aus mehreren Gründen rechtswidrig. Wir sind daher auch beauftragt, gegen den SPIEGEL rechtliche Schritte einzuleiten.“ Wer am Ende Recht hat, ist also noch offen.
Auch der Strafverteidiger Udo Vetter äußerte gegenüber der WELT: „Was mich stutzig macht, ist der Umstand, dass die spanische Justiz bislang lediglich Vorermittlungen eingeleitet haben soll.“ Aktuell gilt für Ulmen noch die Unschuldsvermutung, schließlich wurde er noch nicht verurteilt. Doch dieser Umstand kann die mediale Kreuzigung von Ulmen auch nicht mehr aufhalten. ProSieben nahm die Serie „Jerks“ aus der Mediathek, in der Fernandes und Ulmen ironischerweise ein geschiedenes Paar spielen, und zahlreiche B-Promis wie die Grüne Ricarda Lang oder die Möchtegern-Comedienne Carolin Kebekus solidarisierten sich mit der Schauspielerin.

Ein willkommener Vorwand
Man kann sich über die Abläufe und die zeitlichen Abstände der Vorwürfe wundern, aber dabei gerät ein zentraler Punkt aus dem Fokus. Welche Konsequenzen hat digitale Gewalt für die Freiheit im Netz? Fernandes selbst äußerte im WDR, dass sie eine Identifikationspflicht im Netz befürwortet. In ihrem persönlichen Fall absolut verständlich. Doch mit dieser Aussage macht sie sich ungewollt zur Steigbügelhalterin für die Befürworter einer allgemeinen Klarnamenpflicht. Schon seit Monaten kursiert in der Politik die Frage, ob man eine Klarnamenpflicht im Internet einführen sollte. Dieser Fall ist ein willkommener Vorwand für die Befürworter des gläsernen Bürgers. Denn natürlich will niemand, dass ein anderer heimlich Sex-Profile von einem erstellt.
Beim politischen Aschermittwoch erklärte Merz in Trier:
Ich möchte Klarnamen im Internet sehen. Ich möchte wissen, wer sich da zu Wort meldet.
Seine Argumentation: „Wir stellen uns in der Politik auch mit Klarnamen und offenem Visier einer Auseinandersetzung in unserer Gesellschaft. Dann erwarte ich das auch von allen anderen, die sich kritisch mit unserem Land und unserer Gesellschaft auseinandersetzen.“
Was für ein hinkender Vergleich! Natürlich existiert das Problem von Fake-Profilen und Missbrauch von persönlichen Daten, aber anonyme User kann man nicht einfach mit gutbezahlten Polit-Bonzen gleichsetzen. Es gibt genügend Menschen, die im Internet keine Namen und Gesichter zeigen, weil sie es nicht können.
Strohmann-Argumente ohne Ende
Sollte ihre politische Meinung offenkundig werden, kann sie das möglicherweise den Job kosten oder in einer Hausdurchsuchung enden. Man denke nur an den mittlerweile verstorbenen Stefan Niehoff, der auf X ein Meme verbreitete, in dem der Grüne Robert Habeck als „Schwachkopf“ bezeichnet wurde. Wie unverhältnismäßig Habecks daraufhin gestellter Strafantrag war, muss hier wohl keinem erzählt werden. Die Strapazen des Prozesses und die Aufregung könnten dazu beigetragen haben, dass der Rentner am 31. Januar an den Folgen eines Schlaganfalls verstarb.
Außerdem fragte Merz rhetorisch, ob man es zulassen wolle, dass die Gesellschaft auf diese Weise von innen heraus zersetzt und die Jugend sowie die Kinder derart gefährdet würden. Verantwortlich dafür seien Feinde der Freiheit, Feinde der Demokratie sowie Feinde einer offenen und freiheitlich-liberalen Gesellschaft. Ein weiteres Strohmann-Argument!
Ist die Kindererziehung inklusive Bildschirmzeit nicht eigentlich Sache der Eltern? Zumal man sich denken kann, welche Ziele hinter diesem Vorstoß wirklich verfolgt werden. Mithilfe der Identitätsprüfung können die Daten nämlich viel besser abgegriffen werden. So werden nicht nur die Minderjährigen überwacht, sondern auch der Rest der Bevölkerung. Wie der Fall Ulmen ausgeht, bleibt abzuwarten. Digitale Gewalt muss bekämpft werden, aber nicht um den Preis des gläsernen Bürgers.
Auch hier: COMPACT schaut bei den Skandalen der Eliten genau hin – wie in „COMPACT 3/2026: Das System Epstein. Mossad, Mädchen, Machteliten„, bei der wir die Hintergründe und Verstrickungen des Epstein-Skandals aufdecken. Das Compact-Heft können Sie hier bestellen!





