Während der amerikanische Präsident das Ayatollahs bereits am Ende sieht, warnen Washingtons Geheimdienste: Die Offensive könnte ihre Kriegsziele verfehlen, und Teheran am Ende einen defensiven Sieg bescheren. Wer verstehen will, warum die USA immer wieder zur militärischen Karte greift, findet in Daniele Gansers „Imperium USA – Die skrupellose Weltmacht“ eindrucksvolle Beispiele und unbequeme Antworten. Hier mehr erfahren. 

    Der Iran droht mit einem Zermürbungskampf. Ali Fadavi, Berater des Oberbefehlshabers der Revolutionsgarden (IRGC), erklärte im iranischen Staatsfernsehen, die USA und Israel müssten „die Möglichkeit in Betracht ziehen“, in einen langen Abnutzungskrieg verwickelt zu werden. Ein solcher Konflikt könne „die gesamte amerikanische Wirtschaft und die Weltwirtschaft zerstören“.

    Während Teheran damit offen auf Zeit spielt, zeichnen amerikanische Nachrichtendienste ein nüchterneres Bild als das Weiße Haus. Analysen der CIA und anderer US-Nachrichtendienste, koordiniert vom National Intelligence Council (NIC), kommen laut Reuters zu einer klaren Einschätzung: Das iranische Regime sei weiterhin ,,stabil“ und „nicht in Gefahr“, zusammenzubrechen.

    Globaler Wirtschaftskrieg

    Die Revolutionsgarden kündigten zudem an, künftig gezielt „Wirtschaftszentren und Banken“ ins Visier zu nehmen, die sie mit amerikanischen oder israelischen Interessen in Verbindung bringen. Die Drohungen zeigen bereits Wirkung. Nach Angaben der französischen Zeitung Le Monde begannen mehrere internationale Unternehmen, Mitarbeiter aus Dubai abzuziehen.

    Die glitzernde Handelsmetropole am Golf gilt als logistisches Herz westlicher Firmen in der Region. Die Golfstaaten sitzen auf einem Netz globaler Investitionen im Wert von mehreren Billionen Dollar. Einige Regierungen prüfen bereits, ob sie angesichts der Kriegsrisiken ihre internationalen Investitionen und Staatsfondsstrategien anpassen müssen.

    Auch Irans Außenminister Hossein Amirabdollahian machte deutlich, dass Teheran sich auf einen langen Konflikt einstellt. Der Iran werde „so lange kämpfen, wie es notwendig ist“, erklärte er im staatlichen Sender Press TV.

    Besonders brisant der gestrige Vorfall im nördlichen Persischen Golf. Dort explodierten zwei Öltanker Zefyros und die Safesea Vishnu, die zur US-Firma Safesea Transport Inc. gehört. Mindestens ein Besatzungsmitglied kam ums Leben, die übrigen 38 Seeleute konnten gerettet werden.

    Seit Beginn des Krieges Ende Februar wurden damit bereits mehr als ein Dutzend Handelsschiffe in der Region angegriffen.

    Golfstaaten zweifeln an Washington

    Der Krieg hat auch die amerikanischen Verbündeten am Persischen Golf aufgeschreckt. Anonyme Quellen aus diplomatischen Kreisen in der Region erklärten gegenüber internationalen Medien, viele Regierungen am Golf seien überzeugt, dass die USA „die Region in einen Krieg gezogen haben, der stark von israelischen Interessen geprägt ist“. Washington habe ohne klaren Plan gehandelt und die politischen sowie wirtschaftlichen Folgen für seine Verbündeten ,,kaum berücksichtigt“.

    Silhouette von Dubai beim Sonnenuntergang. Foto: Rasto SK I Shutterstock.com.

    Gleichzeitig beginnen mehrere Länder der Region, ihre außenpolitischen Optionen zu erweitern. Obwohl die Sicherheitsallianz mit den USA weiterhin besteht, suchen Golfstaaten verstärkt nach zusätzlichen Partnern, etwa in Europa oder Asien. Man strebe eine Strategie der außenpolitischen „Diversifizierung“ an.

    Iran mit Erfolgen

    Öffentlich tritt Trump mit einer klaren Siegesrhetorik auf. Vor Journalisten in Washington erklärte er, der Iran sei „so ziemlich am Ende der Fahnenstange“. In einem Interview mit dem Nachrichtenportal Axios sagte er zudem, es gebe „praktisch nichts mehr, was man angreifen könnte“. Die amerikanischen Streitkräfte hätten den Iran militärisch schwer getroffen, erklärte er. Große Teile der Infrastruktur ,,seien zerstört“, zahlreiche militärische Ziele ausgeschaltet.

    Der Krieg begann am 28. Februar mit gemeinsamen Luftangriffen der USA und Israels auf Ziele im Iran. Bereits am ersten Tag wurde der oberste Führer Ayatollah Ali Chamenei zusammen mit weiteren Mitgliedern der iranischen Führung getötet.

    Seitdem sind nach westlichen Angaben Dutzende hochrangige Funktionäre und Kommandeure der Revolutionsgarden ums Leben gekommen. Trotz dieser Verluste sehen amerikanische Geheimdienste bislang keinen Zusammenbruch des Staates, oder eine Verhandlungsbereitschaft bei der vor allem unterirdischen Urananreicherung oder den Raketenstützpunkten.

    Zentrifugen zur Urananreicherung in Natanz. Foto: CC0, Wikimedia Commons

    Diese Bewertung passt zu früheren Analysen der US-Geheimdienste. Bereits vor Beginn der Angriffe kam ein Bericht des NICs zu dem Ergebnis, dass selbst massive Militärschläge kaum zu einem raschen Sturz der iranischen Führung führen würden. Die Machtstrukturen der Islamischen Republik seien so aufgebaut, dass sie selbst schwere Verluste an der Spitze überstehen können.

    Hinzu kommen Befürchtungen aus dem Pentagon, die Bestände an Luftverteidigungsraketen der USA könnten sich zu schnell leeren. Bereits mehrere US-Basen im Nahen Osten sollen getroffen worden sein.

    Wer den Iran-Krieg in einen größeren geopolitischen Kontext einordnen will, dem sei Daniele Gansers „Imperium USA – Die skrupellose Weltmacht“ empfohlen – eine kritische Untersuchung amerikanischer Außenpolitik seit dem Zweiten Weltkrieg. Hier bestellen. 

     

     

     

    Kommentare sind deaktiviert.