Das Zentralbanksystem gehört abgeschafft! Mit dieser Forderung macht die libertäre Ikone Ron Paul in den USA von sich reden. Und befindet sich damit in Übereinstimmung mit US-Gründervater Thomas Jefferson. Doch die politische Klasse – auch Donald Trump und seine Administration – wollen davon nichts wissen. Denn ohne „aus dem Nichts“ erzeugte Dollars müsste die Regierung ihre Ausgaben beschränken. Warum die Rückkehr zu goldgedeckten Währungen die Lösung für viele politische Probleme wäre, können Sie in der Januar-Ausgabe von COMPACT mit dem Titelthema „2026 – Jahr des Goldes“ nachlesen. Hier mehr erfahren.

    Jekyll Island, November 1910: In einem edlen Klubhaus auf der Insel vor der Küste Georgias trifft sich eine illustre Runde unter konspirativen Bedingungen. Mit am Tisch sitzt Nelson W. Aldrich, Senator des US-Bundesstaates Rhode Island und als Vorsitzender der Nationalen Währungskommission einer der mächtigsten Männer in Washington D.C. Der hochrangige Politiker ist zugleich Gesellschafter der Investmentbank J. P. Morgan & Co und außerdem Schwiegervater des schwerreichen Ölmagnaten John D. Rockefeller jr.

    Straße des Großen Geldes: An der Wall Street in Manhattan tummelt sich das Finanzkapital. Makabererweise wurde dort 1711 der erste Sklavenmarkt New Yorks eröffnet. Foto: iStock/ narvikk

    Um ihn versammelt hat sich die Crème de la Crème der amerikanischen Hochfinanz: Frank A. Vanderlip (Präsident der National City Bank of New York und zugleich Vertreter der Investmentbank Kuhn, Loeb & Company), Henry P. Davison (Hauptanteilseigner der J.P. Morgan Company), Charles D. Norton (Präsident der First National Bank of New York), Benjamin Strong (Vorstand von J. P. Morgans Bankers Trust Company), Paul M. Warburg, Bruder des Hamburger Bankiers Max Warburg (Partner von Kuhn, Loeb & Company sowie Repräsentant der englischen und französischen Rothschild-Banken in Amerika).

    Die Erschaffung eines Monsters

    Der Landsitz, auf dem sie zusammenkommen, gehört dem Mann, der als Spinne im Netz der Finanzindustrie gilt: John Pierpont Morgan (1837–1913), der 1901 mit der Erschaffung des sogenannten Dollarmilliarden-Trusts U. S. Steel das ganz große Rad gedreht hatte, indem er das ohnehin schon gigantische Firmenimperium von Andrew Carnegie mit weiteren Stahlproduzenten zusammengelegt hatte. Damit konzentrierte er einen Großteil des industriellen Potenzials der Vereinigten Staaten in seiner Hand.

    Der Banker beim Spaziergang in Harvard: J.P. Morgan studierte dort allerdings nicht, sondern verdiente sich seine Sporen im Londoner Bankhaus seines Vaters. Foto: Boston Public Library

    Auch an diesem Novemberabend soll etwas ganz Großes ausbaldowert werden, nämlich, wie G. Edward Griffin in seinem Buch „Die Kreatur von Jekyll Island“ schreibt, „ein Kartellabkommen mit fünf Zielen“, zu denen unter anderem zählt, die Kontrolle über die Reserven aller Banken zu erhalten und – besonders fatal – „die Konzession zu erlangen, Geld praktisch aus dem Nichts heraus für Darlehen zu drucken“.

    Jeffersons Warnung

    Es ist die Geburtsstunde der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) – einer Zentralbank, die im Grunde ein Konglomerat verschiedener privater Institute ist. Genau das hatte einst der überragende Gründervater der USA und dritte Präsident der Vereinigten Staaten, Thomas Jefferson (1743–1826) strikt abgelehnt.

    Konkret hatte Jefferson schon 1802 in einem Brief an seinen Finanzminister Albert Gallatin gewarnt:

    „Ich glaube, dass Bankinstitute eine größere Gefahr für unsere Freiheit darstellen als stehende Armeen. Wenn die amerikanische Bevölkerung jemals Privatbanken erlaubt, unsere Währung zu kontrollieren, zuerst durch Inflation, dann durch Deflation, werden die Banken und die Konzerne, die sich entwickeln werden, die Leute all ihres Eigentums berauben, und ihre Kinder werden obdachlos in dem Kontinent erwachen, den ihre Väter eroberten.“

    Jefferson wusste, dass damit die Büchse der Pandora geöffnet würde. Am 23. Dezember 1913 wurde genau das gemacht: die Fed, das Konstrukt der Wall Street, wurde offiziell gegründet und Jefferson sollte recht behalten.

    Libertärer Rebell und Fed-Gegner: Ron Paul. Foto: David Carlyon / CC BY-SA 3.0 / Wikimedia Commons

    Der Zentralbank-Rebell

    Einer der schärfsten Fed-Kritiker in den USA ist Ron Paul. Der heute 90-Jährige gehörte zwischen 1976 und 2013 (mit Unterbrechungen) als republikanischer Abgeordneter dem Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten an, ging 1988 als Präsidentschaftskandidat der Libertarian Party ins Rennen und bewarb sich 2008 und 2012 um die republikanische Kandidatur zu den US-Präsidentschaftswahlen. Sein Sohn Rand Paul ist seit 2011 republikanischer Senator für den US-Bundesstaat Kentucky.

    Ron Paul ist der Überzeugung, dass das Zentralbanksystem die Wurzel vieler Übel sei. Daher tritt er für die Rückkehr zum Goldstandard und zu einem warengeldbasierten System ein. Die Federl Reserve ist für ihn nichts anderes als eine monopolistische Gelddruckmaschine zur Bereicherung einer winzigen Oberschicht und zur Beschaffung der Mittel für die Kriege Washingtons.

    „Befreit die Welt von der US-Notenbank!“

    Der 1935 in Green Tree, Pennsylvania, geborene Ex-Politiker hat mehrere Bücher veröffentlicht, darunter „End the Fed“, das 2010 beim Kopp-Verlag in deutscher Übersetzung unter dem Titel „Befreit die Welt von der US-Notenbank! Warum die Federal Reserve abgeschafft werden muss“ erschien. Darin schildert der Autor detailliert, wie die US-Notenbank durch die Inflationierung der Geldmenge und Eingriffe in den Markt Finanz- und Wirtschaftskrisen verursacht hat.

    Paul schreibt:

    „Die Machteliten halten sich versteckt, und so, wie es aussieht, schert sich in Washington niemand um das Thema Geld und Macht der Fed, niemand hört zu, geschweige denn versteht etwas davon. (…) Es ist Zeit, Energie zu sammeln und nicht mutlos zu werden über den tragischen Schlamassel, der angerichtet worden ist. Wir haben ein natürliches, gottgegebenes Recht auf Leben, Frei-heit und die Früchte unserer Arbeit.“

    Diese Rechte zu schützen sei einzige Aufgabe des Staates in einer freien Gesellschaft.

    Die Fed ist verfassungswidrig

    Ron Paul hält die Fed schlichtweg für verfassungswidrig. In seinem Buch schreibt er:

    „Durch die Abschaffung des Federal Reserve Systems wird der Kongress in die Lage versetzt, seine verfassungsmäßigen Befugnisse über die Geldpolitik wieder zu erlangen. Die Verfassung der Vereinigten Staaten räumt dem Kongress das Recht ein, Geld zu schaffen und den Wert der Wahrung zu regulieren.“

    Und weiter: „Die Verfassung gibt dem Kongress nicht das Recht, diese Kontrolle über die Geldpolitik an eine Zentralbank zu delegieren. Des Weiteren ermächtigt die Verfassung die Bundesregierung mit Sicherheit nicht dazu, den amerikanischen Lebensstandard über eine inflationäre Geldpolitik auszuhöhlen.“

    Im Prinzip wäre ein Ausweg aus dem Federal Reserve System relativ einfach zu vollziehen, wie auch G. Edward Griffin in „Die Kreatur von Jekyll Island“ darlegt. „Nötig wäre nur ein Kongressbeschluss mit nur einem einzigen Satz: Der Federal Reserve Act und alle Nachtragsgesetze hierzu sind hiermit aufgehoben“, so Griffin.

    Zurück zu Gold und Silber

    Ähnlich sieht es auch Paul, der in „Befreit die Welt von der US-Notenbank!“ allerdings darauf hinweist, dass einem solchen Beschluss ein paar wichtige Schritte vorausgehen müssten, zum Beispiel die Anschaffung eines neuen Geldvorrats, der ausschließlich durch Edelmetalle gedeckt sein sollte.

    Weiterhin schlägt Ron Paul zur Vorbereitung eines umfassenden und geordneten Fed-Ausstiegs vor:

    •  Aufhebung des Gesetzes über legale Zahlungsmittel,
    •  Einfrieren des gegenwärtigen Vorrates an Federal-Reserve-Noten,
    •  Definition des „echten Dollars“ in Bezug auf Edelmetalldeckung,
    •  Einführung von Gold als einer hilfsweisen Geldreserve,
    •  Wiederherstellung des freien Münzwesens an der US-Münze,
    •  Rückzahlung der nationalen Verschuldung mit Banknoten der Federal Reserve,
    •  Zurückziehung aller Federal-Reserve-Noten aus dem Geldumlauf,
    •  Umwandlung aller Verträge von Federal-Reserve-Noten in Dollar,
    •  Ausgabe von Silberzertifikaten,
    •  Einführung eines freien Bankwesens,
    •  Verringerung der Größe und Aufgaben der Regierung,
    •  Erneuerung der nationalen Unabhängigkeit.

    „Auf lange Sicht sind wir alle tot”

    Bedauerlicherweise fehlt der heutigen politischen Klasse in den USA – auch Präsident Trump und seiner Regierung – jedoch der Weitblick eines Thomas Jefferson. An seinen Präsidentenvorgänger John Adams (1735–1826) schrieb dieser einst:

    „Stets war ich der Feind der Banken; nicht derjenigen, die Zinsen für echtes Geld verlangen, sondern ein Feind derer, die uns ihr eigenes Papier unterschieben und damit unsere Wahrung gefährden.“

    Und er stellte fest: „Sollten wir einen Altar dem alten Papiergeld der Revolution errichten, das Individuen ruiniert, aber die Republik gerettet hat, und alle früheren und künftigen Bankkonzessionen und gleichzeitig auch alle Banknoten selbst darauf verbrennen? Denn diese ruinieren sowohl die Republik als auch die Menschen. Doch es kann nicht getan werden. Die Besessenheit ist zu stark. Sie hat mit ihren Irreführungen und Täuschungen alle Mitglieder der Regierungen und alle Individuen ergriffen.“

    Daran hat sich bis heute nichts geändert – siehe die massive Staatsverschuldung der USA, die Trump nicht abgebaut, sondern noch erhöht hat. So hält man sich lieber an den Schuldenökonomen John Maynard Keynes (1883-1946), der über die langfristigen Auswirkungen der von ihm propagierten Ausweitung der Geldmenge zynisch bemerkte: „In the long run we are all dead.” – „Auf lange Sicht sind wir alle tot.”

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